Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-04-23 · Heft 17 (23.4.1897) · p. Seite 198

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 17 (23.4.1897)
Date
1897-04-23
Page
Seite 198 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228202-3228220--53644-3267579
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

198 Herren mit jenen Grundprinzipien ihres Judenthums anfangen, wie: iS p* rm mwö pn m p nSia mmn Sa ‘iöikh Sa •san aSirS pSn oder: trinS “rny pTii iwdü na Sa .^^ara ntPöS iS lasj Dies sind nicht Aussprüche Einzelner, dieser Geist weht im ganzen talmudischen, schon nicht zu reden vom nachtalmudischen, Schriftthum. Und seien wir nur ehrlich, ü'fcttn Jtt N^IIN und i^Da sind nicht „innere Offenbarung", „persönliche Inspiration" oder wie all die modernen religionsphilosophischen Theorien heißen mögen. Das freisinnige Judenthum holt sich seine Normen aus der fließenden Gegenwart, es kann mit sich rechnen lassen, das orthodoxe aus einer abgeschlossenen Vergangenheit. Die freisinnigen Rabbiner mögen sich die Sache überlegen, ob es nicht geradezu unmöglich ist, ihren orthodoxen Kollegen die Diskussion religiöser Grundgesetze zuzumuthen! Noch Eins: Wozu würden solche Diskussionen gut sein, welchen Zweck hätten sie? Etwa, um „der religiösen Anarchie im Judenthum ein Ende zu bereiten"? Nehmen wir das Herrn Dr. Ziegler zufällig aus der Feder geflossene Beispiel: die Giltigkeit der Speisegesetze. Giltig für wen? Für Laien? Wer das noch im Ernst glaubte, die Juden würden sich in solch prinzipiellen Fragen von den Rabbinerverbänden etwas „erlauben" oder gar „verbieten" lassen! Für Rabbiner? Diese Frage — hätte allerdings mehr Anspruch auf Aktualität! Rakonttz. Dr. D. Neumark. * Der Leitartikel in Nr. 13 giebt auch mir Veranlassung, vom bescheidenen Hintergründe der Ereignisse und Verhältnisse aus meine Meinung zu äußern. — Wenn Herr Dr. Güdemann in taktvoller und anerkennenswerther Weise die Rabbiner der Gegenwart vertheidigt, sei es auch mir gestattet, dem Herrn Dr. Rippner gegenüber die Rabbiner der Vergangenheit in Schutz zu nehmen. Es hat lange Zeit hindurch die wissenschaftliche Richtung bestanden, über der Vergangenheit die Gegenwart zu vergessen: das war der Fehler des vielgenannten Vorstehers Rüben Gumperz. Herr Dr. Rippner scheint mir nun, so geistreich auch seine Schilderung ist, in den entgegengesetzten Fehler zu verfallen. Er vergißt über der Gegenwart die Vergangenheit. Ich wüßte nicht, wer eigentlich zu den von Herrn Dr. Rippner entworfenen Nachtbildern Modell gesessen hat. — Wäre von „Gemeindeschächtern" oder Privatleuten irgend eines verschollenen polnischen Nestes die Rede, Herr Dr. Rippner hätte nicht nur Recht, sondern auch das Verdienst, den Humor in der jüdischen Welt bereichert zu haben. Die Satpre ist vortrefflich, aber, mit Verlaub, nicht zutreffend. Daß die von ihrer Nation und ihrem Vaterland verstoßenen geistlichen Oberhäupter der Gemeinde nur in der Wiederherstellung Zions, als der gemeinsamen Heimath der Gottesgemeinde Israels, ihr Sehnen und ihre Hoffnung suchten und der Wissenschaft der Nation, ja sogar ihrer Sprache fern standen, muß zugestanden werden. Aber um so lebendiger und inniger lebte in ihren Herzen und auf ihren Lippen die heilige Sprache der Gotteslehre, die den ganzen Inhalt ihres Fühlens und Denkens ausmachte. Kein Rabbiner hatte sich der Pflicht entzogen, mit der heiligen Schrift und der chaldäischen Paraphrase und mindestens mit dem Kommentar Raschi sich vertraut zu machen, welches ja eine wahre Fundgrube des grammatischen Lehrstoffes war und geblieben ist. Der Stufengang der Lehrmethode, wie sie die Mischnah vorschreibt, vom Bibeltext zum Talmud wurde nur von Denen übersprungen, die nicht zur Seelsorge berufen waren. Es giebt ja auch moderne Gelehrte mit ausgesprochenen theologischen Fachkenntniffen, denen zum Beispiel die Gymnasial-Vorbildung abgeht. So gab es im spezifisch jüdischen Fache in alter Zeit Ausnahmen von der die Kenntniß der Bibel voraussetzenden Vertrautheit mit dem die Halacha und Agadah harmonisch vereinigenden Talmud. Die Ausnahmen aber waren niemals in Gemeinden zu finden, welche auf Ansehen im Judenthum Anspruch machen durften. Der Gaon von Wilna war ein solcher Heros wissenschaftlicher Bibelforschung, wie er ein unerreichter Meister des kritischen Talmudstudiums war. Der Oberlandes- Rabbiner von Mähren, der sel. R'Markus Benedikt, war ein Großmeister der homiletischen Exegese. Der Berliner Oberlandes - Rabbiner R'Hirschel schrieb, wie dies aus dem Gutachten über die Berliner Ausgabe der Turim hervorgeht, ein glänzendes Hebräisch. Diese Männer aber waren bis auf die Gegenwart vorbildlich für das Judenthum und die geistlichen Lehrer desselben. Herr Gumperz hatte also nicht Recht, aber auch Herr Dr. Rippner nicht. Magis amica veritas. Allerdings ist es dem Judenthum eigen, die Stellung der Rabbiner nicht von der Heiligkeit und Bedeutung des Amtes, im inneren und äußeren Sinne des Wortes, sondern von der Gelehrsamkeit in der mündlichen und schriftlichen Lehre der Herren abhängig zu machen. Der Träger der Würde der Gottesgelahrtheit aber war nicht nur geistlich, sondern göttlich geweiht Die Gotteslehre ist eine Krone, die Ehrfurcht vor dem Gotteslehrer gleicht der göttlichen Ehrfurcht. Freilich ging mit dieser innerlichen Stellung auch die äußerliche Hand in Hand. Der Rabbi war auf Lebensdauer, ja mit Erbberechtigung erwählt. Sollten wir nicht auf diese Zeit zurückgehen, um zeitgemäß fortzuschreiten? Baja. Dr. S. Naschör. Nie Ehre in der Bidet. Von Dr. Josef Stier, Rabbiner in Berlin. (Schluß.) begegnen dem Gebrauch der kabod oft in den andern Büchern der heiligen Schrift. Unserer Eintheilnng wollen 0 wir cmch hier folgen und sprechen zuerst von der kabod bei Leblosem. Das Wort erscheint in den verschiedenen Bedeutungen und Abstufungen ebenso im Pentateuch wie in Jesaia, Ezechiel, den Psalmen und im Buche Esther. In Jes. 22, 18 hat kabod keine höhere Bedeutung als im Estherbuche 1, 4; 5.11. Auf derselben Stufe steht kabod Ps. 49, 17, 18. Wie Jes. von kabod- Wagen und -Thron (auf Menschen bezogen) spricht, 22, 23, so Ez. vom kabod-Beit 23, 41, Nahum vom kabod. der Geräthe. Die kabod mit Jerusalem verbunden finden wir in Jes. 66, 11, Klgl. 1, 8 und Ps. 87, 3. Der Psalmist zur Stelle besingt die in Jerusalem liegende kabod, Jes. prophezeit eine glänzende Erhebung, während die Klagelieder es in seiner Zerstörung schildern. Mit dem Heiligthum wird kabod nur einmal verbunden Chag. 2, 3. 9. (Das Erscheinen in der Stiftshütte und iin Tempel ist hier nicht gemeint.) In Jes. 60, 13 ist es zweifelhaft, ob der Tempel oder Jerusalem gemeint ist. (Dillmann.) Dem Bilde von der „Ehre des Waldes und der Flur" und der des Libanon begegnen wir nur in Jes. 10,18; 35,2. Wie ersichtlich, beschränkt sich die Anwendung der kabod bei Leblosem auf einige zumeist der nachexilischen Zeit angehörige Sätze in Jeremia, Ezechiel, Klagl., Nahum, Chaggai, den Sprüchen, Psalmen und dem Estherbuche. Der Grund hierfür liegt, wie angegeben, in dem abstrakten Begriffe der kabod, der mit Leblosem nur im übertragenen Sinne verbunden werden kann. Die Uebertragung abstrakter Begriffe auf Lebloses darf man sich, wenn man verstanden sein will, nur gestatten, wenn sich der Begriff voll eingelebt hat. Daher mag sich auch der verhältnißmäßig späte Gebrauch der kabod bei Leblosem erklären. Der Gebrauch der kabod bei Menschen muß sich am frühesten herausgebildet haben. Die im Grundworte liegende Bedeutung des Gewichtigen ging leicht auf Menschen über, die in der Familie, in der Gesellschaft, im Staate einige Bedeutung, Wichtigkeit erlangt haben. Ihre erste Anwendung wird die kabod wohl da erhalten haben, wo, wenn auch Menschen Mitwirken, der Begriff der Masse, Menge und infolgedessen Macht zur Geltung kommt. Hier wird in erster Reihe Hosea 4, 7; 9, 11, zu nennen sein, der kabod auch in diesem Sinne nahm. Ihm folgt Jes. 8, 7; 16, 14; 21, 15, 16. Ferner 10, 16; 17, 4. Dieser kabod, die den Zusammenhang mit dem Leblosen noch nicht gelöst hat, folgt jene, die naturgemäß eintrat. Es ist die dem Jamilieuhaupte erwiesene kabod und hängt mit den patriarchalischen Einrichtungen der Urzeit zusammen. Der Familienälteste war das selbstverständliche Oberhaupt, dem man

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.