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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-05-07 · Heft 19 (7.5.1855) · p. Seite 248

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 19 (7.5.1855)
Date
1855-05-07
Page
Seite 248 (sequence 12)
Language
German
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248 auS. An wahren religiösen Gemächern fehlt eS hier lnS auf wenige Ausnahmen gänzlich. An guten Werken, die zur jüdischen Erziehung dienen könnten, gebrlcht es noch ganz und gar; entweder geht den pädagogischen Schriften jede religiöse Haltung ab, oder sie haben einen specifisch-christlichen Charakter. Möchte die israelitlsche Literatur-Gesellschaft gute Werke produciren, und sie dann ins Italienische übersetzt werden. — Dennoch wagt man eS die großen deutschen Leistungen — im Vertrauen, daß sie hier nur von Wenigen gekannt find — zu ignoriren, und die Paar jüdrschen Literaten bilden eine engherzige Gilde, die für ihren Ruhm streng Wache halten. Zn der Vorrede erneS eben erschienenen Oompenäio della religione israelitica werden nur drei Namen als die alleinigen Träger deS modernen JudenthumS gefeiert, Hartwig Wessely, MoseS Mendelssohn und Sam. Dav. Luzzatio; Wessely sei Philologe gewesen, Mendelssohn Philosoph, Luzatto vereinige die Eigenschaften Beider und er allein habe daS hellste Licht über altes und neues Zudenthum verbreitet rc. Daß Luzzatto schöne Verdienste habe, erkennen auch wir gern an, aber daß er dieses Lob und diese Stellung als übertrieben zurückweisen werde, halten wir uns überzeugt. Ich würde diese Hudeleien eines Einzelnen auch nicht erwähnen, wenn ich nicht gänzlich fühlte, wie den italienischen Juden nichts aufhelfen könnte, als ein aufrichtiges Anschließen an Deutschland. Wann wird überhaupt dieses engherzige AuS- und Abschließen nach den einzelnen Ländern auS der Juden heit — denn das Judenthum wird nie etwas davon wissen wollen — schwinden! ES bedünkt mich, daß dies in jüngster Zeit wieder überhand nehmen will, daß eS insbesondere von einigen französischen Scribenten genährt wird', und daß alle ehrlichen Juden eS ernstlich abweisen sollten! Kaum taucht Einer in einem Lande auf, so möchte er gern daö Judenthum dieses Landes pachten und eS mit einer chinesischen Mauer gegen alle „ausländischen" jüdischen Erzeugnisse umziehen! „O, alles Spiel, daS immer sich erneuert!" —*) Holland. Rotterdam, im April. lPrivatmitth.) Es ist einmal in der Natur unseres kleinen, der See abgerun¬ *) Erscheint denn der Educatore israel. nicht mehr? Wir haben noch kein Heft dieses Jahres erhalten. R e d a c t. genen Landes, daß hier Alles nur kleinartig, aber dauerhaft, langsam, aber sicher fortschreitet und gedeihet; am natürlichsten ist dies also in Sachen der Israeliten. So hat das Lehrer- und Rabbiner-Seminar in Amsterdam, das etwa drei Jahrzehend seines Bestehens zählt, in den letzten Jahren bereits fast alle israelitischen Lehrer und die Hälfte seiner acht Rabbiner geliefert; so nimmt „der Verein;um Nutzen der Israeliten in Niederlanden" nach einem Dasein von einem Jahrzehend nunmehr eine bestimmte Richtung an, zu seinem wohlthätigen Ziele; auch der fünfjährige Lehrer-Verein in Südholland erlebt jetzt schon die Freude, einen Nacheifer auch in andern Provinzen in Regung zu sehen und so der Erfüllung seiner ersten Absicht näher zu kommen, um nämlich dereinst einen allgemeinen israelitischen Lehrer-Verein für ganz Niederland herzustellen. Von ungefähr gleichem Alter ist die sogenannte Constituante zur Reorganisation deS israelitischen Gemeindewesens, und sie hat schon ihre Aufgabe so weit gelöset, daß nur noch auf die Verständigung der betreffenden Gemeinden gewartet wird, um ihrem entworfenen Statut die volle. Geltung zu geben. Sechszehn Jahre kaum ist das Amsterdamer Rabbinat verwaist und man fängt schon an, daS Bedürfniß eines dieser hohen Stellung würdigen Rabbiners zu fühlen, wiewohl mcht ganz unbestritten. Aber auch unwandelbar fest hat der eiserne Griffel vor sechSzig Jahren die Gleichberechtigung der Israeliten in das Landgesetz geschrieben und so ist diese Tage noch die merkliche Anzahl der israelitischen Staatsbeamten um einen vermehrt, durch die Ernennung eines geachteten Herrn Hartog in Amsterdam zum Justiz-Officier. Ja, nicht nur gleichberechtigt, sondern selbst bevorrechtet ist hier der Israelit seiner Religion wegen. So ist der israelitische Beamte an Sabbath- und Festtagen seiner profanen Geschäftspflichten enthoben, der Soldat erhält noch überdies Urlaub auf die hohen Festtage, die meisten religiösen Stiftungen werden vom Staat bedeutend unterstützt. Schade nur, daß der viel besitzt, auch viel zu verlieren hat! Nach einem RegierungSbeschluffe nämlich sollen alle Armenanstalten den resp. Kirchengemeinden zu selbstständiger Erhaltung anheim gegeben werden, wobei die Israeliten-Gemeinden, alS die meist bedürftigen und meist betheiligten auch daS Meiste zu verlieren haben werden. Trost jedoch, daß dieser, wiewohl nicht unrechtmäßige, aber drückende

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