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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-11-04 · Heft 45 (4.11.1892) · p. Seite 533

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 45 (4.11.1892)
Date
1892-11-04
Page
Seite 533 (sequence 5)
Language
German
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Gesanges,; deutsche ch, theils stich verkelodien" r Sichcrwohl in st, zumal cn letzten 'N Juden utschland den aber m gregolatantestc jüdische» ilt. Wie werden Der alte» s antike» laffenheit aente ge- Vermn- >e strenge igkeit der age laug st wohl zu vielen - Ne'tlahnns bei wie a lisch, wenn ewegeude h immer rderbaren und die m übe», wie sie en habe». odie dce dern Geitergelegt. :sungene» Märtyrer ür unsere auch in ierrajsoib ß sie sich bot man den unglücklichen Opfern aufs Strengste, ihren unsagbaren Schmerz, in dem sich doch so viele Hoheit des Sinnes, so viele Glaubensstarke und Opfermnth offenbarte, in diesen Tönen ausklingen zu lassen. Mochten doch die Henker es selbst empfinden, wie hoch, wie unendlich hoch die zum Tode Geführten über ihnen standen: das „Olenu" ver- >vies man in die Reihe der stillen Gebete. Die Melodie des „Olenu" aber, diese herzbezwingende, das jüdische Gemüth bis in seine Tiefe aufwühlende Melodie sollte vor dem Untergange, vorder Vergessenheit bewahrt bleiben. Man legte sie dem Neila-Kaddisch unter, der, so oft er erklingt, die Seele des Juden wunderbar bewegt, als wollte er uns erzählen von den Leiden und Schmerzen des Volkes, dessen inehrtauseudjährige Geschichte der österreichische Dichter Lenau eine j einzige Zähre nennt. U Aus K. I. Halberstams Handschriften. Von Rabbiner Dr. B. Zimmels in Mährisch-Ostrau. „Aus Deiner Hand widmen wir es Dir". (I. Chr. 29, 14). Das Land, in dem unter unseren Glaubensgenossen der niaterielle Nothstand in den letzten Jahrzehnten so hoch gestiegen ist, daß einerseits daselbst Auswanderung nach verschiedenen Richtungen bis nun zu als das einzige Mittel, um Arbeitslosigkeit und drückendstem Elend zu entgehen gilt, und andererseits der große jüdische Philanthrop unserer Tage sich zu einer Hilfsaktion für daffelbe bewogen sah, wie sie vielleicht einzig in der Geschichte menschlichen Wirkens für das Gemeinwohl dastcht — dies Land, dessen Juden so nicht selten anderwärts dem Spott und der Verachtung ihrer Stammesbrüder ansgesetzt sind, kann jedoch nicht geringe Verdienste um die geistige Kultur unseres Volkes für sich in Anspruch nehmen. Vornehmlich ist es merkwürdigerweise der Osten, der „Halbasien" zugewandte Theil Galiziens, gerade, der sich dessen rühmen kann, daß in ihm die Wiege der Väter und hervorragenden Förderer der modernen jüdischen Wissenschaft und Litteratur stand. Es genügt wohl, die Namen Zsaak Satanow, des Freundes Mendelssohns, des denktiefen Nachuiail Krochmal, des scharfsinnigen und so umfassend gelehrten Salomon Yehuda Rapoport (dessen Name a» mehr als litt Stellen Zunz' „Gottesdienstliche Vorträge" ziert), des aufklärungsfreundliche» Josef Perl, des satyrischen Eljakim Misahagi, des wahrheitseisrigen ouda Mises, des „verzogenen Lieblings der jüdischen Muse" Isaak Erter, des kenntnißreichen Hirsch Chajes, des beißend kritischen Osias Hirsch Schorr, des gewandten Uebersetzers Meir Lettens, des verdienstvollen Sammlers Isaak Blumenfeld, des philosophisch geschulten rabius Mises, des auf religionsgeschichtlichem Gebiete thätigen Salomen Rubin, des für die Midraschlitteratur emsig schassenden Salonion Buber, des bekannten Jeschurunherausgebers Josef Isaak Kodak (wo- >ei wir von Koryphäen des talmudisch-rabbinischen Wissens, wie Josef Zanl Nathansohn, deffen tiefer kritischer Blick und sicheres logisches Jeingefühl echte Wissenschaftlichkeit verrathen, absehen) zu nennen, nur diese Behauptung als gerechtfertigt erscheinen lassen. Zur Erklärung der Thatsache, daß der den großen Kultur- und Bildungsentren Europas ferner liegende Landestheil zur Pflegestätte eines 'lühenden jüdischen Geisteslebens wurde, dürfte nicht unwesentlich 'sie Berücksichtigung des Ilmstandes beitragen, daß der, insbesondere >on Brody als Freistadt äußerst lebhaft betriebene Handel Beziehungen zu Breslau, Leipzig, Berlin und Deutschland, überhaupt zu Frankreich, England und Italien, sowie zu Rußland anknüpfte, >velche zum Theil auch durch persönlichen Verkehr den Austausch des Gedankengutes zugleich vermittelten. So blieb den» der Westen Gail 3 - - - lizicns mit Krakau als Mittelpunkt bedeutend zurück. Mit der Anführung des „dunkellichtenden" Isaak Mises und des litterarisch gebildeten, geschichtskundigen Chajim Nathan Dembitzer wäre die Zahl der für die neuere Forschung von dieser Hälfte gestellten Vertreter, wie wir glauben, erschöpft, wenn sich ihnen nicht der Mann ebenbürtig anschlösse, dem zu Ehren folgende Zeilen geschrieben sind. Halberstantt) NNW ist die dem Leser hebräischer Werke und Zeitschriften recht geläufige Chiffre, mit der er nach Art so vieler unserer Gelehrten in diesem Jahrhundert zeichnet, — der schlichte Kaufmann in Bielitz, dessen Ruf weit über die Grenzen des Vaterlandes überall hin drang, wo ein ernstes Interesse für die Geistesschütze unseres Alterthums und Mittelalters lebt, ist ain zutreffendsten wohl in seinem Wesen und Wirken als „Freund der Weisheit" (Philosoph im klassischen Sinne des Wortes) charakterisirt; ein echter „Bibliophile", liebt er die „Weisen und ihre Werke". Wer je die heitere Ruhe und wohlthuende Milde, gepaart mit durchdringendem Verstand und klarem Denken, mit denen er seine Persönlichkeit nach außen zur Geltinig bringt, sowie seine lebhafte Theilnahme an allen Vorgängen in der jüdisch-theologischen Welt, im persönlichen Umgang kennen gelernt, wer je die herzlich entgegenkommende Bereitwilligkeit, mit der er jedes litterarische Unternehmen aus dem reichen Schatze seiner Bücher und seiner Gelehrsamkeit unterstützte, erfahren, wer seine eigenen wissenschaftlichen Leistungen während eines Zeitraumes von ungefähr 35Jahren verfolgt hat, indem ist nur ein Gefühl rege — das der dankbarsten Verehrung für diesen Mann, den unsere Gemeinschaft wohl zu ihren Zierden zählen kann. Halberstams objektive Haltung im Kampfe der religiösen Parteien, seine weise Mäßigung und Besonnenheit den modern-kritischen, wissenschaftlichen Fragen gegenüber, beweisen, daß er, ans guter, alter Zeit herüberragend, doch dem bildungsfreundlichen Einflüsse neuerer Anschauungen und Bestrebungen sich nicht entzogen hat. Wir fürchten, die übergroße Bescheidenheit, die der treffliche Mann trotz aller Anerkennung, die sein geräuschloses, fruchtbringendes Wirken in den betheiligten Kreisen in reichem Maße findet, als hervorstechendsten Zug seines Wesens bewahrt, wenn wir iu unserer Schilderung fortfahren, zu verletzen. Einen Wunsch wollen wir nur noch hinzusügen. Halberstam steht in der Vollkraft seines Schaffens; möge ihm noch lange seine geistige Frische und Rüstigkeit erhalten bleiben, und es erfülle sich an ihm, „der all seinen Besitz in den Dienst der Wiffenschaft stellt, der gedruckte und geschriebene Biicher an Andre ihr zu Liebe verleiht und so die edelste Wohlthütigkeit übt", nach dem talmudischen Ausspruche (Ketubot 50a) das Psalmwort (112, 3): „Wohlfahrt und inneres Glück schmücke stets sein Haus, sein Thun erwirbt sich unsterbliches Verdienst". Im Sinne Halberstams glauben wir auch diesmal zu handeln, wenn wir in deutscher UebersetznngH ein Schriftstück veröffentlichen, das aus einer seiner Handschriften (Nr. 104 f. 18a; im Katalog nPnp ist die Piäce nicht besonders bezeichnet) stammt und das durch die kulturgeschichtlichen Momente, die es enthält, nicht ohne Bedeutung, ja sogar von einem gewissen aktuellen Interesse sein dürfte, rudern es ein historisches Streiflicht aus eine Strömung zu werfen geeignet ist, die immer stärker hervortritt und Dognratisches berührend, zugleich im praktischen Hinblick auf die soziale Lage unserer Glaubensbrüder im Ostreiche geeignet ist, Spaltungen innerhalb der Judenheit zu erzeugen. Es ist ein anonymer Brief betreffend die Aus- ') Ein Bild seines Lebens und seiner wissenschaftlichen Thätigkeit hat der leider zn früh verstorbene Mose Reines im 1. Theil seines vasm nn st 86 ff. entworfen. -) Ten hebräischen Tert gedenken wir an einem andern Ort zum Abdruck zn bringen.

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