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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-08-28 · Heft 35 (28.8.1866) · p. Seite 553

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 35 (28.8.1866)
Date
1866-08-28
Page
Seite 553 (sequence 7)
Language
German
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558 einer reichen Spezialliteratur sehr schätzenswerth, und das Verdienst des Vers., die wissenschaftliche Exegese für diesen Theil der h. Schrift nach Italien verpflanzt zu haben, hoch anzuschlagen. — Kurze Besprechung der mathematischen, astronomischen und astrologischen hebräischen Handschriften der Firkowitsch'schen Sammlung in der kaiserlichen öffentlichen Bibliothek zu St. Petersburg. Von Jonas Gnrland, Magistrant der St. Petersburger Universität. St. Petersburg 1866. Der Titel besagt dem Leser hinlänglich, was er in diesem Hefte zu finden. Es bildet das zweite Heft einer Reihe von Veröffentlichungen aus der bekannten Handschriftensammlung unter dem Titel aTn^trs bin«*« ■'tsa, von denen das erste Heft, wie in dieser Zeitung bereits besprochen worden, drei Reisebeschreibungen ebenso vieler karaitischer Gelehrten nach Jerusalem brachte. Für den Kenner der jüdischen Literatur bringt das vorliegende Heft eine Menge interessanter und belehrender Notizen, welche dazu-dienen, viele Lücken der jüdischen Literaturgeschichte anszufüllen. Ganz besonders wichtig sind aber diese Notizen für die Geschichte der Mathematik und der Astronomie, welche'in den aufgeführten Manuscripten eine reiche Fundgrube finden würde. Somit ist dieses Heft an sich abermals ein sprechender Beweis, wie unsre Väter in früheren Jahrhunderten in den angegebenen Wissenschaften gearbeitet haben. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, im August. (Pr. Mitth.) In einigen Tagen erscheint eine im Allgemeinen wie im jetzigen Zeitpunkte interessante Reliquie Moses Mendelssohn' s, nämlich die bis jetzt gänzlich verloren gewesene Dankpredigt, welche M. 1757 nach der Schlacht bei Leuthen ■ für den damaligen Oberrabbiner von Berlin Rabbi David Frankel abfaßte, und die Letzterer auch hielt. Die Synagoge feierte nämlich ein Siegesfest, wobei auch deutsche Lieder gesungen wurden, welche ebenfalls Mendelssohn verfaßt hatte. Diese „Dankpredigt und Danklieder" Moses Mendelssohn's hat Herr Di-. Kayserling glücklicher Weise in der Züricher Stadtbibliothek wieder aufgefunden, und veröffentlicht sie, mit einer Einleitung versehen. Er beabsichtigte dies ohne Hinblick auf die gegenwärtigen politischen Ereignisse, und es ist ein Zufall, daß jene Reliquie gerade in diesem Augenblicke an's Licht tritt, wo man sich in Preußen anschickt ein abermaliges Sieges-Dank-Fest zu feiern. Gewiß werden die zahlreichen Verehrer Mendelssohns diese Broschüre mit Vergnügen entgegennehmen. Wir knüpfen noch zwei Bemerkungen hieran. Zuerst mag der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde zu Wien daraus erkennen, daß schon vor 110 Jahren der wegen seiner' Orthodoxie bekannte und wegen seiner immensen talmudischen Gelehrsamkeit berühmte Rabbi David Frankel nicht anstand, deutsche-Lieder in der Synagoge absingen zu lassen, was sich später noch öfter wiederholte. Ob der Wiener Vorstand mit seinem Verbote, bei dem Gottesdienste für die Handwerker deutsche Lieder zu singen, glaubte, daß er orthodoxer und theologisch gelehrter als Rabbi David Frankel und Moses Mendelssohn sei, wollen wir dahingestellt sein lassen. Jedenfalls zeigt es sich, daß 1757 in der Synagoge zu Berlin weniger Beschränktheit herrschte als 1866 in der Synagoge zu Wien. — Die andere Bemerkung sei, daß sich auch aus dem oben angeführten Faktum erweist, welchen innigsten Antheil die Juden am politischen Leben, an den Freuden und Leiden des Staates zu einer Zeit nahmen, als sie noch unterdrückt und ausgeschlossen waren. Es wurde damals wenig Notiz von den Festen in der Synagoge genommen, und man kann daher nicht sagen, daß es äußere Motive waren, welche sie zu einer solchen und ähnlichen Feier veranlaßten, sondern derartige Akte entsprangen selbstständig aus ihren Gefühlen, wie diese dem Vaterlande galten, selbst da es stiefmütterlich gegen sie verfuhr und ein schweres Joch auf ihren Schultern erhielt. — Die hiesigen feudalen Blätter, denen die Siege in Böhmen viel Wermuth in den Freudenbecher träufelten, halten daran fest, daß das Unglück Oesterreichs nur aus dem Umstande entsprungen sei, daß der Chef des österreichischen Generalstabes, Herr von Hönigstein, der Enkel eines Juden gewesen sei. Dies ist nun reiner Kladderadatsch, und Kladderadatsch ruft ihnen daher zu: wie viel die preußischen Feudalen wohl darum gäben, wenn sie die noch immer vakante Stelle ihres Führers, des getauften Juden Stahl, wieder mit dem Enkel eines getauften, ja selbst mit einem selbstgetauften Juden besetzen könnten. In der That sind jetzt unsre Feudalen ebenso rathwie führerlos, da das Staatsministeriwn die Indemnität verlangt

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