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Der Orient · 1843-05-16 · Heft 20 (16.5.1843) · p. Seite 154

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 20 (16.5.1843)
Article
Hamburg: Feier zur Erinnerung der vor 50 Jahren gegründeten Schulanstalt ...
Date
1843-05-16
Page
Seite 154 (sequence 2)
Language
German
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154 erfüllen würden. Nachdem der Redner eine Pause gemacht, wurde dem gefeierten Lehrer der Pokal überreicht und einige auf das Geschenk sich beziehende Worte der Anerkennung und des Dankes für den Jubilar hinzugefügt. — Nach einem kurzen, Intervalle, richtete Herr Werthheim, der seit fast20Jahren im Englischen und Französischen in der Jsler'schen Schule unterweist, eine improvisirte Rede im Namen seiner Kollegen an den geehrten Greis, dem dann von dem an der Schule wir-. Senden Lehrerpersonal zum Andenken eine Uhr überreicht wurde. Endlich trat auch einer der jetzigen Schüler vor Hrn. I. A. Jsler und seine Gattin, sie beglückwünschend und um die Annahme eines von den Zöglingen zu diesem Zwecke angekauften zierlichen Trinkglases bittend. — An diese Reden reihten sich die Gratulationen aller Anwesenden, die sichzu dem Sitze des gefeierten Ehepaares begaben und sich mit ihnen und ihren sie-umgebenden Verwandten unterhielten. Ein sinnreich ausgewahltes Musikstück begleitete diesen feierlichen Akt. — Alsdann erhob sich Hr. Dr. M. Jsler, der einzige Sohn dessen, dem das Fest galt, zugleich dessen jetziger Nachfolger in seinem treu erfüllten Berufe, um der Versammlung für die seinem Vater bewiesene Ehre und Theilnahme Dank zu sagen. In einer meisterhaft ausgearbeiteten Rede erinnerte er zuerst an die Periode der franz. Revolution, mit welcher auch in Hamburgs socialen Verhältnissen eine lebhafte Bewegung zusammengefallen sei. Er gedachte der großen Männer, die damals in Hamburg wirkten oder im Andenken der Mit- und Nachwelt fortlebten, eines Klopstock, der beiden Reimarus, Joh. Georg Busch's, erwähnte auch Hagedorn, Claudius, Voß, die Gebrüder Stollberg, rief das gastfreie Sieveking-sche Haus ins Gedächtniß zurück, und warf dann den Blick auf das verachtete, fest an seinem Glauben hangende, mit den Sitten der Zeit, dem Leben der übrigen Einwohnerschaft nur lose verbundene Häuflein — Hamburgs Juden, wie sie am Ausgange des achtzehnten Jahrhunderts waren. Mendelssohn's Streben sei zwar auch hierher verpflanzt worden und stolz hätte die Gemeinde Hartwig Wessely zu den Ihrigen gezahlt, aber die wahre Belebung des Talents, die Anerkennung des begeisterten Sterbens habe sowie sie vom Auslande ausgegangen seien, auch nur im Auslande feste Wurzel gefaßt. — Wie ganz anders jetzt, wo Hamburg Aerzte, Theologen, Rechtsgelehrte, Denker, Künstler und hochgebildete Kaufleute in seiner Mitte zahle, die, der jüdischen Konfession angehörig, selbst in dm weitesten christlichen Kreisen, sei es bereitwillig, sei es unabweislich, Achtung und Ansehen erlangt hätten. Wetteifer, das Wissen, das Bewußtsein, die Liebe zum Vaterlande, die Theilnahme am Wohl und Wehe Hamburgs sei bei ihnen in hohem Grade vorhanden; es fehle nur noch das Recht, es fehle die öffentliche, die volle, die ganze, die freudige Schätzung des menschlichen Wer- Ihes und der menschlichen Würde am Juden. Aber die Zeit, die so Vieles, so Großartiges, so Unerhörtes geleistet, so wunderbar alle socialen Verhältnisse umgestaltet, werde auch hier dem redlich erworbenen Verdienste den Preis zuwenden. Sei wohl eine solche Feier vor 50 Jahren möglich, eine solche Versammlung denkbar, ein solcher Kreis unter Juden vorhanden gewesen? Nein, gewiß nicht. Nur wenige hätten damals die Früchte der Intelligenz zu kosten und zu genießen Gelegenheit gehabt. — Vor 51 Jahren nach Hamburg gekommen, habe fein Vater gerade vor 5 Decennien mit 4 Schülern seinen Unterricht begonnen, von denen einer, ein Mann von noch rüstiger Kraft, selbst zugegen fei. Immer mehr habe die Schülerzahl, besonders aus allen Theilen Norddeutschlands und von England her, zugenommen und Viele feierten den Tag für sich jenseits des Meeres mit, Mancher sei von hinnen geschieden und ein großer Theil der Lebenden stehe hier vor den Augen des Jubilars. Mit der quantitativen Zunahme seien auch die Ansprüche, die Anforderungen gestiegen; der Zeitgeist habe seine Rechte geltend gemacht; ein blühendes Geschlecht umstehe den Greis, der ein mühevolles Tagewerk vollbracht, des Lebens Sorgen und Kummer getragen, aber im Bewußtsein redlicher Pflichterfüllung seinen Lohn gesucht und gefunden habe. — Die ganze Rede brachte auf die Versammlung einen sehr tiefen. Eindruck hervor. — Nach einer abermaligen Pause wendete sich ein Mitglied des Comite, allen Theilnehmern dankend, an die Versammlung, dem Jubilar noch einige Worte der Anerkennung zurufmd. -— Das ganze Fest endigte mit einem ausgezeichneten Musikstücke. — Alle schieden befriedigt und mit dem Wunsche, daß dem Jsler'schen Ehepaare die Freude der Erinnerung an diesen Tag noch lange beschieden sein möge. E. C. Hamburg, 2. Mai. Unter den fremden Architekten, welche der Neubau der abgebrannten Straßen in Hamburg zusammengeführt hat, befinden sich außer vielen Engländern, Franzosen und Schweizern auch zahlreiche Baumeister aus allen Theilen Deutschlands. Zu den letztgenannten gehört auch Herr Rosenthal, der die Kasseler Synagoge zu allgemeiner Zufriedenheit baute. Entschlösse sich die hiesige deutsch-israelitische Gemeinde, die durch den Brand zerstörte Synagoge wieder durch eine neue zu ersetzen, so würden wir sehr wünschen, daß von dem bewährten Talente eines jüdischen Künstlers Gebrauch gemacht würde. Von dev Scm!e, 8. Mai. Daß es gegenwärtig unter den Juden tüchtige Künstler giebt, darf von Niemandem mehr ungestraft geleugnet werden. Schade iss es nur, daß so manches Talent von vornherein dem Künstlecberufe durch Armuth, Neid, Misgunst oder Relrgionshaß entzogen wird oder sich doch wenigstens nicht zu den Höhen der Kunst aufschwingen kann. Daher kann es nicht Wunder nehmen, daß sich unter den jüdischen Künstlern viele wohlhabende zeigen, was denn

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