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Der Orient · 1841-06-26 · Heft 26 (26.6.1841) · p. Seite 196

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 26 (26.6.1841)
Article
Anhalt-Dessau: Entbehrung der bürgerlichen Rechte
Date
1841-06-26
Page
Seite 196 (sequence 2)
Language
German
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216 den, die an Bildung noch so zurückstehen, daß sie noch nicht würdig sind, den übrigen Bürgen gleichgestellt zu werden; auch dieses dürfte man rechtlicher Weise nicht annehmen, wenn man in die Geschichte der Gemeinde näher eingeht. Die isr. Gemeinde hat seit 1730 eine schöne Synagoge, säst eben so lange einBetha-Midrasch(Seminar);seit 1799eine wohlgeordnete Schule, die später, weil'der hochselige Herzog Franz sie unterstützte, den Namen Franzschule erhielt. —Die Synagoge ist nach altem Style gebaut und der Gottesdienst erlebte bis heute noch keiner wesentlichen Veränderungen, außer, daß dieselbe die erste war, die eine deutsche Predigt zuließ und den Kanzelredner I. Wolf als Prediger anstellte. Nach dessen Tode wurde dann und wann abwechselnd, bald ein Rabbiner, bald ein Prediger angestellt und abgesctzt. Die Israel. Angelegenheiten werden von drei Aeltesten (Parnisim) und einem Rendanten geleitet und von der Regierung geschützt. Die Franzschule, von dem jetzt regierenden Herzoge Leopold Friedrich unterstützt und von der Negierung abhängig, ist fast die beste israel. Schule in Deutschland. Der Dr. David Frankel leitet dieselbe als Direktor, und zeichnete sich von jeher durch Klugheit und Eifer für die gute Sache aus. In neuerer Zeit litt diese Schule aber durch die Arroganz eines Sprachlehrers, der, wie dies häufig geschieht, gegen den hebr. Unterricht in derselben eiferte, und oft genug die absurde Behauptung ausstellte, daß die Keuntniß der französischen Sprache, den hebr. Unterricht unnöthig mache; dadurch wurden die Zöglinge seiner Pensionsanstalt und auch die Schüler der Franzschule lauer gegen denselben und betrachteten später auch nur mir Unlust den Religionsunterricht. Das dürfte die einzige Rüge gegen den Direktor sein, die wir hier pflichtmäßig hervorheben wollen, weil derselbe gleichgiltig solche Giftpflanze hervorschießen ließ, deren verderbliche Folgen sich überall allhier bekunden. Die tüchtigsten Lehrer an derselben sind der Rabbiner des Seminars H. Cohen, der Inspektor und Lehrer M. Arnheim (dessen Pensionsanstalt wir besonders empfehlen), und H. B. Bacharach. — Aus diesem geht deutlich hervor, daß die Israeliten allhier würdig genug sind, durch ihren Sinn für Kunst und Wissenschaft in das allgemeine Band der Menschheit ausgenommen zu werden, und um so auffallender ist es, wenn da, wo der Geist so frühe gefühlt und begriffen wurde, jenes Zwielicht in den Glaubenspartheien sich bethätkgt. Man. könnte annehmen, daß jene Schranken geistig abgefallen, daß in den Unterschieden selbst der Unterschied verwischt, daß geistige Einheit überall zu finden, daß nur die Form noch nicht gefunden, das Wie den langen Schleier vollends zu lüften. Man könnte ferner einwenden: die Juden selbst hatten ihre Bildung hier nur egoistisch als einzelnes Interesse betrachtet und mit diesem Ich zufrieden, schläfrig sich gehen lassen, bis es dem Löwen selber gefallen zu brüllen und zu den Israeliten Dessaus zu rufen, auch du bist mein Sohn. — Wir wollen alle diese Einwendungen gelten lassen, und nur die Mahnung an die Vertreter der Gemeinde ergehen lassen, mit allen Kräften dahin zu wir, ken, Bürgerthum zu erlangen. Dies ist die notwendigste Reform und das wichtigste Bedürfniß-der Zeit, wichtiger noch als die Anstellung des aufgeklärtesten Doctors als Rabbiner. — * Wiesbaden, 11. Iun. Das heute hier ausgegebene Verordnungsblatt bringt ein landesherrliches Edikt, wodurch die Verordnung des Kaisers Anastasius (Sonst., 22. 23. C. 4, 35) nach welcher derjenige, welcher eine Forderung für Verlag von C. L. Fritzsche. einen um die Hälfte geringern Preis, als ihr eigentlicher Werth betrage, gekauft habe, nicht mehr, als er selbst dafür bezahlt habe, nebst.den davon erlaubter Weise zu berechnenden Zinsen, vom Schuldner solle einklagen können , aufzuheben, um das in den Reichsgesetzen enthaltene Verbot, daß ein Jude seine Forderungen gegen einen Christen bei Verlust derselben nicht an einen andern Christen abtreten dürfe, als den jetzigen Verhältnissen des Verkehrs nicht mehr entsprechend, außer Anwendung gesetzt worden ist. (Allg. Z.) Personalchronik und Miseellen. Beförderungen in Belgien. Der jüdische Oberlehrer Lebermuth in Brüssel wurde zum Professor der deutschen Sprache und Literatur im königl. Athenäum ernannt, was auch in Belgien das erste Beispiel ist. — Ein Mitglied des israel. Consistoriums, Herr Bi sch offs he im, der seit Jahren Commiffar an der belgischen Bank ist, wurde Ritter des Leopoldordens. — * ' * Neue Einrichtung vom Rabb. Tiktin in Breslau. Der Rabbiner Tiktin in Breslau, ein eben so frommer und gelehrter als humaner Mann, hat den geschickten jüdischen Wundarzt Weigert aufgemuntert, die Operation der Beschneidung selbst.auszuführen und nicht blos zu assistiren, was auch bereits einige Mal geschehen ist. Früher war dieses Amt Nichtärzten überlassen. — * * * Todesfälle^ Den 14. März starb Moses Bloch, Rabbiner in Buchau; er wurde 1805 zu Gerlingen geboren und war ein Freund Landauers, dessen Tod ebenfalls in diesen Blättern angezeigt war. — In Mantua starb den 1. Januar 1841 der ausgezeichnete Rabbiner Israel Gedalja Käses, der auch zugleich wie seine Vorfahren berühmter Arzt war. Er war 19. Juni 1797 daselbst geboren und seit 1834 bekleidete er da sein Amt; mit ihm erlischt die Familie Käses, da er nur drei Töchter hinterläßt. — Der berühmte Rabbi Nissim Serachja Asulai, welcher in Safet bei dem Erdbeben 1837 gestorben, war, wie Carmoly (Rev. Or. I. s. 48) berichtet, ein Sohn des bekannten Asulai, der die literär - geschichtlichen Werke (D^rUH DL£V lyi) geschrieben. Nissim Asulai hat mehre Werke hinterlaffen, diesammtlich in Safet gedruckt wurden. — Salomon Dubno starb, wie man auf seinen Grabstein in Amsterdam liest, Sonnabend, 28. Siwan 573 (nicht575), d. h. 26. Juni 1813. Geboren wurde, er (s. Zion p. 64) 494 d. i. 1734; er wurde also fast 79 Jahre alt. — Moses Freseo. Der bekannte Chacham-Baschi Moses Fresco in Constantinopel, der vom Sultan als geistlicher Repräsentant der Juden früher selbst decorirt wurde, ist nach einer Mittheilung des österr. Beobachters abgesetzt und an seine Stelle Jakob Behar, der Rabbiner von Galata, ernannt worden. Die Motive dieser Absetzung sind nicht bekannt worden, denn das Zusammenfallen mit dem Absetzen des griechischen Patriarchen ist wohl nur zufällig. — Druck von I. H. N a g e l.

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