Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 1 (1872)
- Issue
- N° 17. (11.9.1872)
- Date
- 1872-09-11
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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68 dm Bemitteliern und Intelligcntern konnte er nicht ankommen. Da wandte er sich an die unteren Claffen und an Personen, die nichts zu verlieren halten nnd im Trüben fischen wollten. Gegen Zusicherung verschiedener Concessionen gingen diese zu seiner Fahne über. Eine der eingcgangcnen Hauptbcdingungen war: den neuen Alliirten die Juden prciszugeben. Weder die Moldauer noch die Walachen waren je fanatisch. Die Juden waren ihnen nie ein Gegenstand des Haffes und der Verfolgung gewesen. Sie behandelten die gemeinen Juden wohl mit einer gewissen Geringschätzung, versahen sich aber dennoch stets gern ihrer Dienste. Die moldauischen Juden ini allgemeinen stehen an Fortschritt und Bildung weit hinter ihren ('Hau6enäf>ritf>eu1 in anderen Ländem zurück. Doch werden diejenigen Juden, die mit dem Zeitgeist vorwärts gingen, Reformen annahmcn und etwas Tüchtiges lemten, bei weitem mehr gehaßt, als jene unwiffcndcn, schmutzigen Fanastiker, die sich durch Tracht und Sitten von der Gesellschaft absondern. In diesen den, modernen Fortschritt zugänglichen Juden wittcm die Rumänen ihre künftigen Coucurrentcn. Vis vor Kurzem haben sich nämlich die Rumänen noch mit keiner Art geschäftlicher oder industrieller Unternehmungen abgegeben. Die Juden erscheinen ihnen nunmehr als die lästigsten und gefährlichsten Concurrentcn, weil sie sich, da ihre Bedürfniffe bei weitem geringer sind als jene der verschwenderischen Rumänen, dem Staat und den Gemeinden gegenüber mit einem mäßigeren Gewinn begnügen: deshalb muß durch die Gesetzgebung und alle sonstigen erdenklichen Mittel ihre Concurrenz beseitigt werden. Die gegenwärtigen politischen und socialen Zustände des Landes sind höchst unerquicklich, und laffen eine neue Katastrophe in nicht allzugroßcr Ferne ahnen. Lin Leilcnkiick zu den Erccffen gegen die runiän. Juden und die Beschönigung derselben in der ,,U11 Ltk cattolica“ bringen die ״Arch. Jsr." in folgendem sehr passenden Actenstücke. Man erinnert sich nämlich wohl noch der Christen metzelet in der chinesische» Stadt Tientsin Anfangs 18/0. Der Kaiser von China beauftragte damals seinen Minister Tsing - Ouo - Fan mit der Berichterstattung über das Ereigniß und dieser fand die Ursache ״in mörderischen Plaraten, welche geheimnißvoll in einigen Provinzen verbreitet worden waren." Die katholischen Priester wurden da angcklagt, daß sie Frauen und Mädchen raubten, um sic zu entehren, daß sie, im Einverständniß init den barmherzigen Schwester», Kinder stehlen, uni ihnen die Augen und das Herz auszureißcn und daraus Arzeneien zu bereiten; daß sie bei ihren gemeinschaftlichem Mahlzeiten sich des Menschcnblutes bedienen, was bei Leuten, die in ihren Kirchen das Blut ihres Gottes trinken und sich in sein Fleisch thcilen, gar nicht befremden könne. Diese Anklagen, welchen von den höchsten Klaffen der Gesellschaft, den Gelehrten, bis zu den niedrigsten, Glauben gefunden hätten, stammten von fanatischen Priestern her, welche von der abergläubischen Unwiffcnheit des Volkes lebten." Es sei daher, schloß der Bericht, nöthig, in allen Provinzen des Reiches bekannt zu machen, daß jene Beschuldigungen grundlose Verläumdungen seien." So geschehen in China. — ״Wir Wilde sind doch beffcre Menschen!" Literaturbericht. Aivliographische Notizen von M. Roest I« Die deutsche Uebcrsctznng von Wcssely'S Moseide. Wenn uian Fürst'ü durchaus unzuverlässige Hibliotheca Judaica über diese Übersetzung nachlicst, so findet man (ib. t״rn. III. p. 509) Folgendes darüber: ״G. Fr. Hufnagel: die Moseide in 18 Gesäugen übersetzt aus dein Hcbr. fs. —. 1. Hest, Berlin 1795, 8—. 2. Hest von Spaltung übers, ibid. 1759, 8. — Der Sohn unseres Dichters Jininaunel Wessely hat die übrigen Thcilc nietrisch überscßi; jedoch ist cs mir unbekannt, ob sie gedruckt erschienen." Steinschneider, der (6atal. Bodl. col. 2720, 8ub 15f ebenfalls den Titel de« ihm vorgelegenen 1. Gesanges nicht genas verzeichnet*), kennt den Namen von Wcffely's Sohn nicht als Ucbersetzer. Er bemerkt nämlich in einer Note: ״Lantus .... з, 4 (vertit juvenis anonym.; v. praef.' FV. s. h. VI.)“ A. a. O. dieser Vorrede schreibt Weffely: ״Ich mußte niich . . . entschließen, einen jungen Menschen ... zu dieser Arbeit zu wählen. Dieser hat unter meiner Aufsicht den 3. und 4. Gesang, die neu hinzugekommene erste Periode im 1. Gesänge, wie auch die Vorrede des Originals . . . überseht." Auch Wessely's Biograph, I)r. Weisel,**) spricht S. 167 von einem ״Unbekannten» als Uebersetzer des 3. und!. Gesanges. In Kaqser'S Vücher-Lericon findet man 8. v. Moseide eine andere Ausgabe als die vom I. 1795, aber nichts mehr als das 1. Hest erwähnt. — In mehreren von mir nachgeschlagenen Catalogen (z. B. in dem von Hoffinann redigirten Michael'fchen, in den! Bcer'schen, und dem der Breslauer Synagogcngcmeindc и. a.) fand ich keine andere Ausgabe als die eben erwähnte; mir war auch keine andere bekannt. Als ich aber i. I. 1869 die Rosenthal'sche Sammlung invmtarisch verzeichnte, fand ich ein Exemplar einer (nicht rm Titel angcdeuteten) zweiten, orthographisch verbesserten, häufig (was die Uebers. E. Wcffely's betrifft) stark umgearbeitetcn und mit der Uebersehung des 5., 6. und 7. Gesanges vermehrten Ausgabe mit folgendem Titel: ״Die Moseide in 18 Gesängen. Uebersetzt nach dem hcbr. Original des verewigten Naphtali Hartwig Wessely, und dem Herrn Senior Hufnagel, dem Herrn Proseffor Spalding, und dem Herausgeber Emanuel Weffely. H«nburg, 1806. | Gedruckt bei Friedrich Herrmann Nestler."! 8°. Heft 1 und 2. — Heft 1 enthält 12 unpag. Seiten. ' (Titel und Subscribentenverzeichniß) XXXII S. (Worte deS I Herausgebers ״an den Leser", Vorrede des Verfassers zur deutsch. ן Ausgabe und Vorrede nach dem Hebr. des 1. Heftes des Origi- | nals), 68 S. (Ges. 1—4) und 2 unpagi». S. (Berichtigungen^,. ׳ i Vor dem Titel das bekannte von Berger gestochene Porträt des ' Autors. — Hest 2 umfaßt XVIII S. (Titel und Vorrede), O ' 88 S. und wieder 2 unpaginirtc (Berichtigungen). — Diese ] Ausgabe hat 4 von E Weffely gezeichnete, von S. Stättrup! gestochene Vignetten. Die erste Ausgabe wird mit keinem einzigen , Worte erwähnt. DeS Vcrf.'s deutsche Original-Anmerkungen j sollten in einem besonder» Hefte geliefert!veiden; ob dies geschehen | und ob überhaupt mehr ms diese 2 Hefte erschienen siud, weiß; ich nicht. Die beiden Vorreden des 1. Heftes kommen auch in der Ausgabe v. I. 1795 vor. Es wundert niich sehr, daß die 2. Ausgabe so unbekannt ist, da das Subscribentenverzeichniß allein schon einen Absatz von über 300 Eremplaren angiebt. Schließlich sei noch bemerkt, daß aus einer Bemerkung des Herausgebers (H. 1 S. 9) hcroorgeht, daß der Vers, der anonymen Recension vom 1. Heft des hebr. Originals (im Meassef תק■ ן S. 210, 346 und 357) Jsaac Euchel war. (Wird fortgesetzt.) ',.Der Titel dieser Ausgabe lautet: Die Moseide in 18 Gesängen, übersetzt nach dem hebr. Original von Hartwig Wessely, mit neuen deutschen Anmerkungen des Verfassers. 1. Heft Berlin, in Kommission bei Wilhelm Vicweg 179:.(׳ ״ ("!'eben und Wirken des N. H. Wessely's. Breslau 1841." — Meisel, der bei seiner Biographie die von David Ariedrichsseld bearbeitete lSecher z.Kldik) Lenüdi und häufig citirt. schein« die das. S. 43 stehevden Worte übelsehcu zu haben.שירי תפאח 1 אלו נעתקו ללשון אשכנזי מבן המנוח י י י ר׳ מנחם יצ״ז וגם נדפסו: Bemerkung zu dem Aufsatze ״Be Rabh" in Nr. 15. Folgende Talmudstrlle beweist am schlagendsten die Richtigkeit der Behauptung des H. l»r. Mühlseldcr. daß .Be Rabhmanchmal tzehrhauS schlechtweg, ohne Rücksicht wer demselben voisteht, bedeutet: (Khagiga 5, b.) ד אידי וכר הוד. רניל דהוה אזיל תלתא ירחא בשתא באורחא וחד יומא בבי רב והוו קרו ליה רבנן בר בי רב דחד יומא• Aus diese!׳ Skelle c^eht Ilur hervor, bofe baä Lehrhnus ״Wc Ncibh" und der Besucher cincä {olifvn .,Var be Nabh" c^cuamu wurde. Tein Lrhrhause, an welchem das vom Talmud Gezählte sich zulrng, stand, wie anS der weiteren Grzählnng daselbst ersichtlich, R. Jochanan vor. _Prag_ _Stark. Druck und Verlag der Hoibnchdruckerei von (Sari Friese in Magdevuxg.