Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 30. (27.7.1881)
- Date
- 1881-07-27
- Page
- Seite 120 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 120 — Literaturbericht. Recrusionen. Nachschrift zur Fabel von der jüdischen M assene i n wan d er 11 ng, enthaltend: 1) Antwort an Herrn Adolf Wagner. 2) Herr Heinrich v. Treitschke und seine jüdische Masseneinwanderung. 3) Die Antwort des königlich preussischen statistischen Büreau's. Berlin, Verlag von Leonhard Simion. 22 S. 8. Herr Dr. S. Nenmann ist kein Freund von Halbheilen. Es genügt ihm nicht, das Lügenhafte der Fabei nachgewiesen und die Verbreiter derselben zu hather Anerkennung gezwungen zu haben. Ganz oder gar nicht, ist seine Losung! Dem Statistiker ist es um Wahrheit zu thun, um ganze, volle! Deshalb begegnet er dem Einwande, der gegen die Beweiskraft seiner Schrift erhoben worden ist, dass er nur bis 1871 Daten gebe, damit, dass er seine Angaben nunmehr bis 1875 ausdehnt 530000 .Juden wohnten damals in Deutschland. Das zeigt eine Vermehrung gegen 1871 von ca. 18000 oder 3'/,0/0. Da in den Staaten mit wirklicher Confessionszählncg die Vermehrung nur etwas über l°/0 betragt, in den Staaten, wo sie nach der Zunahme der Gcsammtbevölkerung berechnet worden ist, aber ca. 4,4"/0, so zeigt die angegebene Maximal-Zilfer ein Zurückbleiben um etwa 3°/0/נ hinter derjenigen der Gcsammtbevölkerung. Wie gross die Mehrauswunderung gewesen — sie übersteigt nicht blos 10kal, sondern für das Ganze Geburten und Einwanderung — erweist sich daraus, dass aus Bayern in 30 Jahren mindestens 28000—30000, aus Hessen wäh- I*«*n«t *JO Jtlhl'Pn m i n 11 n c I o n V InHon «nidiru. wandert sind. Herr Wagner nun hat als *unzweii'elhalt“ angenommen, dass die Fabel daher entstanden sei, dass die Auswanderer in die neuen preussischen Provinzen etc. eingewandert seien. Dass ist sicher talsch, denn nicht Deutschland, sondern Amerika und Australien zeigen eine erheoliche Zunahme der jüd. Bevölkerung! Und nicht einmal Berlin hat russischpolnische Juden in erheblicher Zahl bekommen. Die Provinz Posen lieferte zwischen 03 und 74°/0 der Einwandernden. Oesterreicher und Russen (a 11 e r Confessionen) lebten dort ansässig etwa 3500 und staatsfremd etwa 3800. Das ergiebt, dass beide Länder höchstens mit je 150 im Laufe der Jahre an der Zunahme der jüd. Bevölkerung Berlin's betheiligt sind. Auch an der Verschiebung der Bevölkerungsverhältnisse zwisehen den Gressstädten und dem Lande, nehmen die Juden nur einen minimalen Aulheil. Treffend weist der Verf. nach, dass die unklare Redensart, von den *polnischen Juden“ eigentlich das Zugeständnis enthalte, wie Preusseu es noch nicht vermocht habe. Posen zu germanisiren, wie aber dort die Juden stets zu den Deutschen gezählt werden — und dass ihre in Berlin wohnenden Sprossen an der nationalen Culturentwickelang in geachteter Stellung Theil nehmen! Wenn ein Mono für den II. Theil gesucht würde, cs fände sich kein tretender es, als das W ort des Jesajas (2,!>): *Sinkt der Mensch, wird niedrig der Mann!* Ein bejammernswerthes Zerrbild, dieser Heinrich von Treitschke, mit seinem Zugestehen und Ableugnen, seinen klein• liehen Kniffen und Mittelchen, seiner gespreizten Unklarheit und — doch nein! Wenn dein Gegner so gelallen ist, dann ist Trauer ob der Erniederung des Menschen eher am Platze, als Freude! Wir zeigen nur hin, dass das *Schnorrerthum“ dem ertrinkenden Treitschke der rettende Strohhalm werden soll. Au den Kaftan der polnischen Bettler geklammert, will sich auf der Höhe der Wahrheit halten. Er vergisst nur — und wir hätten gewünscht, dass Heir Dr. Neumann es ihm deutlicher gemacht hätte — dass etwa 500 bis 1000 in kleinen Trupps durch das Land va״irende deutsche (aller Ar»), russische, österreichische, holländische Juden ihren Glaubensgenossen, die sie anbetteln, eine schwere Last sind, dass aber cs doch Alles in Allem nur 500 bis 1000 Menschen sind, welche keine Unterjochung Deutschlands bezwecken können! Nach treffender Bekämpfung einer Halbrechtsstellung des königl. statistischen Bureau’s, constatirt der Verf, dass die dort gegebene Tabelle seine Darstellung in so!fern berichtigt hat, als die MehrauSwanderung zwisehen 1807—1871 um ca. 000 grösser war, als er sie herechuet hatte. 4 Tabellen geben die sprechendsten Beläge für die vorhergegangene Ausführung! Verbreitet, ihr Glaubensgenossen, diese Schrift, denn aus ihr ergiebt sich, mit welchen Mitteln der Lüge man gegen uns den Hass erregt! Cjblenz. Dr. Lew in. Notizen. 1) Zu der in der ,,Wochenschrift‘‘ mitgetheilten Anecdole aus Jellinek’s interessanter Schrift: ״Der jü- (iische Stamm in Spruchwörtern“, von dein Prediger, der zu einem reichen, aber für die Trauung seiner Tochter nur 10 (1. zahlenden Uochzeitsvater sagte; ״Mindestens hatte ich den Preis eines Couverts mit Wein erwartet", — möge Folgendes als Paralelle dieneu. Hartwig Wessely hatte für sein berühmtes Buch גן נ״'ל nicht den 0 Theil der Kosten eingenommen, erst sehr spät wurde es vergriffen. Er war bereits 00 Jaiire alt, als er seine berühmten ש*די הפאדח edirtei docli wurde der 6. Theil erst nuch seinem Tode edjrt, weil er die Druckkosten für die ersten 5 Bände mehl hereiugehracht hatte. Ruhen Gumpertz, Vorsteher in Heilin, hatte es versucht, die ersten fünf Theile ubzusetzen, und aus dem Erlös die Druekkosten für den 0 Theil zu be-treiten, was ihm aber nicht gelang Als nun dieser 0. Theil gedruckt war, fügte der Corrector Nafiali Weinig folgenden \ ers an die Käufer des isr. Stammes hinzu : הלא מצער טאד מחירו בצע כסף אחד וחצי רן דוא באיי לעשיר טוב לב לוג ^אחד יין ולעני יודע מוב מאלפי והב שירו. Dr. Duschak. 2) An der Verschmelzung des deutschen und portugiesischen Ritus verzweifelnd, spricht sich ״Univ. isr" dennoch für Annahme der portugiesischen Ausspräche aus, nicht weil sie richtiger, sondern, weil sie wohllautender ist. Dabei warnt der Red. des״Univ.•‘ mit Recht vor der Auffassung, als ob es dabei sich allein darum bandelte, alle 0 wie a zu sprechen, da Kamez häutig ein kurzes 0 ist. Um das zu unterscheiden, gehört für die Sephardim der altgewohnte Tick, tür den Aschkenasim eine gewisse Kenntniss der Grammatik, besonders über Dagesch,schewa mobile etc. Seit einigen Jahren hat man in den Pariser Schulen ein gemischtes System als Uebergangsstudium eingelührt, welches die aschkenasische Aussprache erhält, aber die au und ai durch 0 und e ersetzt. Dieses unconsequente Verfahren ist fruchtbar allein un — Wortspielen, denn es wandelt den ״Käufer“ (קונה in ״Stok“ (קנה), eiue ״Hirtin“ (ויןןה in «in ״schlechtes Weib“ 11חןה uin, und macht den schönen Satz אל תקיא בניך אלא בוניך vollständig unverständlich. Veiautwortlicher Red&cteur Dr. Ra lim er in Mngdeburg. Druck von H Horbach in Bnrby. Verlag von Robert Friese in Leipzig.