Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 25 (29.6.1917)
- Date
- 1917-06-29
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 25 Dr. Mtoch'S WoMnfchrift' Seite 419 Buches Koheleth..(1770). wie die des Pentateuchs (1k83) in hebräischer SchristJo4) Der Versuch, die Uebersetzung bräischer wie deutscher Unrschrist. Eiu geheimer Medizinälrat betänr noch im! Jahre 1857 iu Berlin iu der Schönhauser Allee statt eines hebräisch sprachlichen, ein hebräisch schriftliches Epitaph in deutscher Sprache. Lies des Pentateuchs auch in Fraktur zu drucken, erwies sich sofort beim ersten Bande als unpraktisch. Eine mit deutschen Frakturlettern gedruckte^ Bibelübersetzung fand bei dem damaligen, noch treu an seiner traditionellen Gestaltung festhaltenden Judentum keine Abnehmer.^) . Mendelssohn veröffentlichte allerdings die Aiehrzahl seiner Werke in deutscher Schrift, doch das geschah mehr pro sovo externo, in seinem Privatleben, in keiner Korrespondenz an Juden bediente er sich der jüdischen Schrift auch für Hochdeutsch,^03) so in seinen Briefen an seine Gattin (Ges. Schriften, V, 419), an Herz Homberg (V, 656), an Sonkmerhausen (Y, 527), an einen Unbekannten. (V. 527, Vgl. auch! VI, 446—455). Auch der - Vorkämpfer der Assimilatiorr David- Friedländer brach im Gebrauche für Hochdeutsch nicht mit dem jüdischen Alphabet. er pflog sowohl seine Korrespondenz mit seinen jiddischen Freunden in einem mit hebräischen Charakteren geschriebenen Hochdeutsch.^or) wie er auch seine hochdeutsche Uebersetzung der jüdischen Gebete mit hebräischen Buchstaben im Jahre 1786 druckte. Die Berliner jüdische Gemeinde 'veröffentlichte^ ihre hochdeutschen Bekanntmachungen in jüdischer Schrift noch im Jahre 1809405) Deutsche Prioatdokumente in jüdischer Schrift waren bei den preußischen Juden um das Jahr 1812 so verbreitet, daß die preußische Regierung damals sich veranlaßt sehen konnte, an die Erttärunig preußischer Juden als Inländer als Bedingung die Aufhebung des Mischen SchrifLseparatismus zu knüpfen. Dachl hatte diese staatliche Maßregel nicht den gewünschten Erfolg. Die Wiederholung der Verordnung in Preußen im Jahre 1847, dann die Hannoveranische Verordnung vom Jahre 1842, die Schleswigische von: Jahre 1854 bezeugen, wie zähe der Jude an seiner historischen Waubensschrift rrotz der Uebernähme' der deutschen Schriftsprache 'klebte.' * * Die Mutter Heinrich Heines korrespondierte mit ihrem großen Sohne in Milcher Schrift. Der Historiker I. M. Jost druckte seine hoch-deutsche Mischnahüversetzung mit hebräischen Lettern (1832). Seine Machsorübersetzung im hebräischen Alphabet publizierte in den Dreißigerjahren des 19. Jahrhunderts auch, S. M. Landau in Prag. Jüdische Grabsteine in hebräischer Schrift und hochdeutscher Sprache waren in Berlin in den Jahren 1815 bis 1835 in Mode. Gerade jene Intellektuellen, die von der hebräischen Sprachtradition nichts wissen wollten und selbst auf Epitaphien jede Spur des Idioms Palästinas bannten, also gerade jene, die einer unhebräischen germanischen Synagoge zusteuerten und auf die Schaffung einer deutschj-lmosaischen Kirche losgingen, suchten das Deutschtum des Mischen Gottesackers mit. hebräischen Lettern zu verbinden. (Vgl. die Grabsteine der jüdischen Gebildeten Berlins aus jenem Zeitabschinitt mit ihren hochdeutschen Inschriften in hebräischer Schrift auf den Friedhöfen: Große Haurburgerstraße Nr. 319, 2743,2742, 2715, 2711, ^769, 2649, 2477/2478, 1876, Schönhauser Allee Nr. 1, 44, 77, 795 usw.), David Friedländer ließ auf dem Grabmal seiner Frau (Gr. Hamb. 741) in deutscher Schrift pur den Namen der Verstorbenen meißeln. sonst ist das ganze Epitaphium judäohochdeutsch. Ans dem GrftbMal der Recha Mayer, „des weisen Mendelssohns würdige Tochter", befindet sich kein hebräisches Wort, nur reinstes Hochdeutsch in doppelter, sowohl he- 101) Zunz: Gottesdienstliche Vorträge, 451. 102) M. Kayserling: Moses Mendelssohn, 298. Leipzig 1862. lüa). Jbid. 104) Lud-wig Geiger: Die Juden in der, deutschen Literatur, in der Monatsschrift für G. W. d. I., I. 1906, S. 355. Breslau. 105) Idem: Zeitschrift für Geschichte der Juden in Deutschland, V«, 402. in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein hielt sich die jüdische Schrift im Privatleben der deutschen Inden für hochdeutsch. Im Jahre 1885 noch erschien in Prag ein Lehrbuch, wie deutsche Texte iu jüdischer Kurrentschrift zu schreiben sind. In der Vorrede dieses Lehrbuches wiro die Tatsache erwähnt, daß die deutschelt Juden in ihrer Korrespondenz die jüdische Schrift gebrau^en406) Jenseits der Grenzmarken Deutschlands behauptet sich das Misch! geschriebene Hochdeutsch auch literarisch vis m die Gegenwart hinein. Iu Budapest! erscheint seit denr Jahre 1869 ununterbrochen ein hochdeutsches Tagblatt in hebräischer Schrift (früher unter dem Nametl „Pester Jüdische Zeitung", seit 1887 als „Allgemeine Jüdische Zeitung"). In Galizien in Drohobycz erblickt das Tageslicht seit vielen Jahrzehnten wöchentlich die „Drohobyczer Zeittlng" in hebräischer Schrift und um verfälschtem Deutsch; lange Zeit war diese Zeitschrift die einzige journalistische Expositur des Hochdeutsch iit diesem österreichischen Kronlande. Aus früheren Jahrzehnten jüdischchochdeulscher Journalistik in Galizien sind zu notieren „Der gatizische Bote" (Lemberg 186l), der „Israelit" (Lemberg 1869). Die hochdeutsche Sprache fand eine traditionell-chevräische Unterkunft selbst jenseits des Ozeans. In New York redigierte Sahrasohn int Jahre 1872 eine „Newyorker Jüdische Zeitung" in richtiger deutscher Schriftsprache, aber in hebräischen Schriftzeichen. Gebetb-ücher mit hochdeutscher Uebersetzung werden noch gegenwärtig für die orthodoxe Judenschaft Ungarns und Westösterreichs in jüdischer Schrift von der Firma Schlesinger in Wien und Budapest verlegt. Für die westliche Judenschaft werden noch in der neuefteit Zeit von der englischen Bibelgesellschaft hochdeutsche Bibel iu jüdischer Schrift als „Western Jiddisch" gedruckt. (Fortsetzung folgt.) Kitrratnr. SemitiMe Sprachwissenschaft. Bon Pros. Dr. C. Brockekmann. Ueber den Ursprung der semitischen Sprachen, ihre Gleichung und Variation untereinander sind schon oft große und kleine Abhandlungen geschrieben worden. Aug. Wilh. Schölzer, Renan und Nöldeke waren bahnbrechend auf diesem Gebiete. Ihnen schließt sich Vielfach Brockelmann in vorliegender Arbeit an. In der sogenannten Völkertafel der Genesis 10 werden die Völk.r und Stämme Vorderasiens in drei große Gruppen eingeteili und auf die drei Stammväter Sem, Ham und Jafet, die drei Söhne Noahs, zurückgeführt. (Ls ist hier die erste ethnologische Versuch, den die Geschichte im allgemeinen kennt. Die Urheimat der Semiten, sagt Brockelmann, ist Südarabien, das Land, aus denr aller WahrscheinlichDeit nach auch die semitische Bevölkerung Abessiniens stammt, anzusehen. Wann und woher die Semiten dorthin gekommen sind, diese Frage ist für Brockelmann eine untergeordnete, ba er uns keine sicheren Angaben geben kann. Das biblische Ur-Kasdim, Chaldäa — am rechten Ufer des Ephrat — hat Brockelmann wahrscheinlich aus dem Grunde nicht in Betracht gezogen, weil Ur-Kasdim höchstens als Ursitz des Stammes der Hebräer gelten dürste. Abraham ist in Ur-Kasdim geboren und wanderte nach Aegypten. Hier beginnt die Geschichte des Hebräerstantmes und hier ist die Urheimat desselben zu suchen. Ob das Altägyptische ursprünglich eine semitisch« Sprache war, darüber ist nach dem heutigen Stande der semitischen Sprachwissenschaft nichts Genaueres festzustellen. Den semitischen Charakter der Sprache der Kanan äer finden wir als älteste Quelle in den zu Tel-el-Amarna in Aegypten aup gefundenen. in babylonischer Sprache geschriebenen Briefen aus dem 15. Jahrhundert v. Ghv. und in der Siegesinschrift des Königs Mesa von Moab (um 850 o. Ehr.). Ein kananäischer Dialekt ist nach Brockelnrann auch die 'o«) F. Friedrich: Wie lernt man hebräisch lesen, Prag 1885. *) „Semitische Sprachwissenschaft", von Prof. Dr. C. Brockelmann, Professor an der Universität Halle. Verlag Göschen. 1916.