Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1929)
- Article
- Mendelssohns Brautstand
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 512 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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512 MENORAH „am Ende doch nur das häusliche Leben es ist, in welchem der Mensch Glück und Beruhigung Ii nde t, daß seihst das Unangenehme und Beschwerliche des häuslichen Standes, wenn wir zu gewissen Jahren gelangen, weniger Fürchterliches für uns hat als das Vakuum eines ehelosen Alters'*. Der Kreis um Mendelssohn: David Friedländer Es scheint nach alledem, daß Moses Mendelssohn in dieser Zeit selbst „zu gewissen Jahren" gelangt war. Halte er doch das frei seinen jüdischen Zeitgenossen übliche Heiratsalter bereits weit überschritten; er war ja schon am 6. September 1759 dreißig Jahre alt geworden. So mag er nicht lange gezögert haben, als er im Frühling 1761 in Hamburg durch seinen Freund Gumpertz die Familie Abraham Gugenheims und besonders die junge Fromet Gugenheim, „ein blauäugiges Mädchen'*, kennen lernte. Gumpertz wiar ein Verwandter der Familie Gugenheim und wohnte dort im Hause; und in seinem Zimmer vollzogen sich damals die vorbereitenden Verhandlungen — nicht zwischen Braut und Bräutigam, sondern zwischen Mendelssohn und seiner sehr resoluten Schwiegermutter Frau Vogel Gugenheim, wobei alle wirlsehafHichen Abmachungen gel roden wurden, die ja nicht nur zu damaliger Zeit und durchaus nicht nur bei jüdischen Eheschließungen von großer Bedeutung waren. Bis jetzt bietet die Vorgeschichte von Mendelssohns Ehe die typischen Züge einer jüdischen Verlobung im 18. Jahrhundert. Nichts mit Ausnahme vielleicht der zweiunddreißig Jahre des Freiers — unterscheidet sie, wie es scheint, von hunderten von Verlobungen wie sie damals vor sich gingen. Nun aber tritt zu den typischen Zügen ein neues Element der Individualität. Es ist keine von den Heiraten, wie sie damals — und noch lange nachher — wohl in der Mehrzahl waren: keine wirtschaftliche Abmachung zwischen zwei Familien, wie sie bei alteingesessenen Bauergeschlechtern etwa oder beim Adel oder bei Juden gang und gäbe sind. Die Neigung der beiden jungen Leute zueinander gibt den Ausschlag. Auch wenn Moses Mendelssohn dies