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Der Israelit · 1862-06-03 · Heft 23 (3.6.1862) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
3 (1862)
Issue
Heft 23 (3.6.1862)
Date
1862-06-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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18<^ thun war, die Jugend in jeder Beziehung zu fördern, j ohne dem Nationalen Abbruch zu thun, ergab sich hieraus die Pflicht, eine Methode des Unterrichts zu fordern, die bei geringerem Zeitaufwands Größerezu leisten im Stande iit. Dergleichen Bestrebungen, beide Elemente, das Bürgerliche und Religiöse, im Jugendunterricht und in der Jugenderziehung zu vereinigen, suchten Moses Mendelssohn und Hartwig Wessely so wohl in- Leben zu rufen, als auch zu , stützen und zu fördern, wo sie bereits im Entstehen § waren.*) Seit jener Zeit traten nun verschiedene Männer auf, die zuweilen als Nachfolger und Schüler jener Koryphäen genannt werden, als ob sie das von jenen begonnene Werk der Vollendung näher gebracht hätten. Allein die Folgen haben gelehrt, daß jenes Werk der Vollendung nicht näher gebracht, sondern im Keime erstickt, daß nicht weiter aufgebaut, sondern das bereits Aufgebaute niedergeriffen worden ist. Die mündlichen Kenntnisse im Hebräischen, der seine Geschmack, der feste, unerschütterliche, religiöse Sinn jener ersten Reformatoren ist bei keinem der.sogenannten Nachfolger zu erkennen, und was für Wunder, wenn das Interesse am hebräischen Unterrichte eben so wenig vorhanden war! Man kann sogar eine - gewisse Abstufung in der Abnahme des Interesse- ' bemerken, so daß wir den Laien schmähende Ausdrücke gegen unsere Nationalliteratur, gegen den Talmud, von dem er gar keine Ahnung hat, schleudern sehen. Was diese sogenannten Schulreformatoren in Bezug auf Kenntniß des Hebräischen geleistet haben, beweist am schönsten die Gegenwart, welche die Frucht jenes Refyrmireus sein soll. Während ein Mendelssohn und ein Wessely nur die Auswüchse einer zarten Pflanze zu entfernen sich bestrebten, wurde von den Nachfolgern an der Entwurzelung der ganzen Pflanze gearbeitet. Statt die Methode und die Reihensotze der Unterrichtsgegenstände zu verbessern, statt vre Form -u ändern, wurde das Wesen selbst, der Kern aufgegeben; statt zu reformiren, wurde ruinirt. So hat die Kenntniß und das Berständniß de- Hebräischen, die nothwendige Bedingung unseres religiösen Lebens, sich, auf ein Minimum reducirt und mit d^e Kenntniß des Hebräischen, mit dem Berstandniß des JudenlhumS hat auch das Interesse abgenommen; dieses wieder anzuregen, ist die erste Aufgäbe derjenigen, die für das Wohl unserer GlauvenSgenossen zu wirken bereit sind. Diesen Weg der echten Reformation und des wahren Fortschrittes hat nun der Talmudverein Hierselbst betreten und das gedeihliche Aufkeimen desselben in seiner jugendlichen Kraft läßt uns . die Hoffnung hegen, daß auch die Früchte zur Reise gedeihen werden. Da- Interesse am hebräische» Unterrichte, m'.<wohl unr bei eine» verhältnißmäßig sehr grrmgen Theile der hiesige» jüdischen Bevölkerung wahrzunehmen, ist durch verschiedene UlttenichtsanstaKen der Gemeinde, deren Leistungen nicht zu verkennen find, ohne Zweifel angeregt und im Zunehmen begriffen, und Ke Aufgabe des Vereins ist eS, einerseits dem einmal wachwerdenden Interesse in vollem Maaße Rechnungz« tragen^ andererseits dafür zu sorgen, daß auf diesem Wege zum Besseren nur vorwärts, nicht rückwärts gefchrttten werden Die vom Talmud-Verein gegründete Anstatt hat den Talmud als die höchste Stufe hinstelle» müffer^ um nicht ebenso, wie frühere Bestrebungen, in Verflachung und Verkümmerung zu verfalle«. Gist freilich nicht zu leugnen, daß nicht ei» ganze- Zeitalter fähig sein kann, sich dem Talmudstudium z» widmen, daß vielmehr von Manchem in Betreff der auf ddu Talmud verwendeten Zeit gesagt werde» kann: 11O2N2 iw; die Erfahrung lehrt eS, daß es nur Einzelnen gegönnt ist, mit Ersatz au daS Talmudstudium sich zu wagen: dennoch must eine '!> L » 7»^ ii .Li "t 'i'.? *) Bergt. Wesselin fedm» Brief« NOtti , '-Ql. Anstatt, E einett »zweck verfolgt, wie die unsrige, de» Talmud als da- Ideal hinsteuen, dem sich die Jugend so viel als möglich zu nähern habe. Und sicherlich wird »nauch unsere Jagend ein EoutiM gent als Talmudjünger zustelley, die Talent gennhaben, auch in der Praxidas Berständniß der Theorie de- Talmud zu zeigen. Um dieser wentzeu wille» ist die größte Anstrengung erforderlich; diese, so klein auch immerhin ihre Zahl sein mag, verdient unsere Aufmerksamkeit im höchsten Grade. Nichtsdestoweniger aber beansprucht der übrige Theil unserer Jugend, der voraussichtlich nicht mit Ersatz de» Talarudstudire» wird, unsere Aufmerksamkeit und Sorge; «eL erreicht werde» kann, muß ihm in vollem Maaße geboten werden; da- Minimum, dawir als Forderung hinstelleu, ist: Berständniß sämmtlicher Bstcher der häligen Schrift, ihrem Wort und Jnhatte «ar^ einige Uebung Lm Lesen und Verstehe» der hebräische» Commentatore», besonderalsdaa» ist auch sowohl in lexicalischer als grammatischer Hinsicht derjenige Grad dehebräischen Wissenerreicht, der zum Berständniß der hebräische» Gebete erforderlich rst. Der Lehrplaa muß auch demgemäß eingerichtet werde«, daß i» der Zeit vom 5. bis zum 1L. Jayr^ der gewöhnlichen Schulzeit der Knabe«, diese- Ziel erreicht werde;*) leichter ist efreilich, diese» Zweck ia einer Anstatt zu erreiche», in der die Jugend de» Gesammtuuterricht genießt: wen» aber einmal eine Anstatt auf die geringe Zett von 8—1V Gnade» die Woche beschränkt ist, und dienoch obendreiu nur *)Di« ZögNnge unserer Anstalt sollen üiLt sitt dir «» stammg vorSerettet werde»; y« solle» ei» «mfaff«det Mischet Wiffm sich «-§»«». r - :

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