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Der Israelit · 1936-12-10 · Heft 49 (10.12.1936) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 49 (10.12.1936)
Date
1936-12-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 49 Der Israelit 10. Dezember 1936 in Südafrika schon seit längerer Zeit eine große Rolle, da er im Tragen und in der Wäsche si^h dort als besonders praktisch erwiesen hat. Herren, die voraussichtlich gesellschaftlichen Verkehr werden pflegen müssen, seien nochmals an die aus England übernommenen gesellschaftlichen Kleidersitten erinnert. Noch immer ist der korrekte Herrenanzug für den Abend Smoking bezw. Frack. Im Landinnern in den Städten, z, B. in Johannesburg oder Prätoria, trägt die Dame im Sommer die gleiche Kleidung wie in den Küstenstädten. Für den Winter kann sie unbedenklich die in Mitteleuropa gebräuchlichen Bekleidungsgewohnheiten übernehmen. Die Kälte ist auf den Hochflächen im Landinnern im Winter zeitweise außerordentlich scharf. Der Herr kleidet sich in den Binnenstädten sommers und winters allgemein wie in Deutschland. Für den Sommer rüste er sich jedoch zusätzlich mit 1—2 leichten ungefütterten Anzügen aus. Die Tischwäsche sei aus Gründen der Haltbarkeit nie aus Kunstseide, sondern aus Halbleinen oder noch besser Leinen. Auch für die Bettwäsche ist aus dem gleichen Grunde nur Leinen zu empfehlen. Federbetten sind in allen Teilen der Südafrikanischen Union ungebräuchlich. Im Sommer wird der Körper durch leichte Karlsbader Decken geschützt. Für tden Winter versehe man sich mit Daunendecken. Nach uas zugegangenen Nachrichten sind Daunendecken in Südafrika verhältnismäßig teuer. Wer diese nicht schon in Mitteleuropa benutzt hat, schaffe sich, wenn irgend möglich, vor der Ausreise solche an. Moskitonetze sind nur auf dem Land und an der Küste des Stillen Ozeans nördlich von Durban erforderlich. Möbel sind in Südafrika verhältnismäßig teuer. Der Stil entspricht im allgemeinen nicht der in Mitteleuropa üblichen Wohnkultur. Es empfiehlt sich daher, kleine, leichte, verhältnismäßig einfach zu kombinierende Möbel aus hartem Holz (Eiche, Rüster) mitzubringen. Polstermöbel sind zweckmäßig und beliebt. Neben der Stoffbespannung der Polstermöbel denke man auch an Lederbespannung, da Leder die Hitze nicht dermaßen aufspeichert wie Stoff. Die Mietwohnungen werden in den südafrikanischen Städten vom Eigentümer meist viel weitergehend, wenn auch teilweise für Mitteleuropäer in minder geschmackvoller Weise, eingerichtet, als es hier üblich ist. Beleuchtungs- - körper sind z. B. in den Etagenwohnungen meist eingebaut. In Johannesburg, nicht jedoch an der Küste, bilden auch Kühlschränke überwiegend Bestandteil der Mietswohnung. Da die Benutzung eines Kühlschrankes aus klimatischen Gründen geboten ist, erkundige man sich nach Möglich keit vor Antritt der Ueberreise, ob ein solcher voraussichtlich vom Vermieter mitgeliefert wird Andernfalls schaffe man einen solchen schon hier an. Die Stromspannung ist 220 Volt (wie in Ber lin), meist Wechselstrom. Elektrische Bügeleisen, Toaströster, Staubsauger, Ventilatoren sind wertvoll. In den Küsteristädten ist Etagenheizung unbekannt, man statte sich daher für kühle Wintertage mit elektrischen Heizöfen aus. Zweckmäßig ist auch die Anschaffung eines elektrischen Herdes (Spiritus- und Petroleum- oder Benizinkocher sind unbekannt und ungebräuchlich.). Der Transport von sperrigen Gütern wie Möbel, Herde usw. ist anders als z. B. nach Palästina üblich zu bewerkstelligen, und zwar nicht in einem Lift, da die Ladungsgebühr eines solchen, wie wir hören, zwischen 30-^50 Lst. ausmachen soll. Wesentlich billiger und nicht minder zweckmäßig ist die Verpackung des Auswanderergutes in sogenannte Exportkisten. Bis zum Werte von WO südafrikanischen Lst. je Erwachsenen bezw. 50 Lst. je minderjähriges Kind wird gebrauchtes Einwanderergut zollfrei in die Südafrikanische Union hineingelassen. Aus der Agudas Jisroel - Bewegung. Ein neues Geschlecht tritt in die A, J, J. O. Von Hanna Jakobovits in Straßburg. I. Ein Blick zurück. Eignes Sinnen und Sorgen begegnete sich mit Fragen, Vorwürfen und Vorschlägen in den Aufsätzen: „Frage und Gegenfrage" und „Um unsere Jugend". Das beglückende Erlebnis, die eigenen Kinder jetzt streben und drängen zu sehen,, in „unsere Organisation" einzutreten, deren Gründung uns vor ca. 23 Jahren Erfüllung großer Sehnsucht bedeutete, der mit ganzer Kraft zu dienen die Leidenschaft unseres Lebens wurde; dieses Erlebnis zwingt mit unentrinnbarer Gewalt zur Rückschau; wirft die Frage auf: wie sah am Abschluß jener Epoche, die den doppeldeutigen Namen „Vorkriegszeit" trägt, die jüdisch-geistig«, die jüdisch-gesellschaftliche Situation der gesetzestreuen Jugend beiderlei Geschlechts aus? Hat Agudas Jisroel dazu beigetragen, die seelische Struktur des jungen Juden im Westen zu verändern? Fern von jeglichem statistischen Material steigen Erinnerungen empor, verketten sich mit Erfahrungen und Beobachtungen und runden sich ab zu plastischer Schau. Die hier geschilderten Eindrücke und Tat* sachen betreffen zur Hauptsache die mir persönlich bekannten Gemeinden in Mitteldeutschland. Da neben Frankfurt wohl in Hamburg die geistige Lage der Juden am günstigsten war, wird der zu schildernde Typ schon zu den bestmöglichsten, unter den damals günstigsten Bedingungen gewachsenen, zu zählen sein. Hauptausgangspunkt ist die Feststellung: Wir jungen Juden im Westen faßten die Agudoh zunächst als eine für uns Westjuden notwendige, unbewußt schon erwartete Gabe, ja als eine Wendung auf, die unserem persönlichen und Gemeinschaftsleben eine andere Richtung geben mußten. „Wir" ist in diesem Falle hauptsächlich auf die erst später zu behandelnde weibliche Jugend zu beziehen, trotzdem es auch einen Teil heranwachsender männlicher Ju« gend gab, die sich nach einem sie ausfüllenden, sie zu einer Ganzheit führenden Ideal sehnten. Der größte Teil der männlichen Jugend konnte zwar in der ^msra D«l' V» Hamburg in den verschiedenen Klausen, im Mekor Chajim-Verein und in zahlreichen Privatschiurim hundert Gelegenheiten zum jüdischen Lernen, sogar je nach seinem persönlichen Verhältnis zu „seinem" Lehrer auch eine innigere Verbindung zwischen profaner Bildung und jüdischer Weltanschauung, zwischen Berufsdienst und „G'ttes"dienst, dem das ganze Leben des Juden geweint sein sollte, finden. Aber vielen unter ihnen fehlte diese Verbindung vollkommen, das jüdische Wissen stand uns vermittelt neben dem Wissen von, der „Welt" und ihren Aufgaben, oft auch in scheinbar klaffendem Gegensatz zu ihr. Trotzdem Hamburg gute orthodox geleitete Schulen besaß, hat in jenen Jahren, 1900 bis 1910, selten der jüdische Unterricht die Brücke zu den anderen Wissensgebieten gefunden, geschweige an anderen Orten, wo der jüdische Unlerricht in knapp bemessenen Religionsstunden außerhalb der Profanschule ein kärgliches isoliertes Dasein fristete, je nach der Lehrbegabung und dem res Ligiösen Ernst und Eifer des Rabbiners ein „Etwas" an jüdischem Wissen und Begeisterungsfähigkeit vermittelnd. II. Stellung zur Jeschiwoh. So günstig die Gelegenheiten zum „Lernen" in Hamburg auch waren, es war doch gang und gäbe, daß der „Einjährige" mit 15 Jahren in die Lehre und Berufsarbeit trat, der Absolvent gleich nach dem Examen an die Universität eilte, der werdende Rabbiner in das Rabbinerseminar zog. Von einem Besuch in Jeschiwaus in Ungarn oder gar in Polen oder Litauen wissen die Söhne jener Zeit nicht zu erzählen, trotzdem die vorhergehenden Rabbinergeschlechter Reb Jakob Ettlinger, Rahb. Könxgshoter, Salvendi, Buttenwieser zu Füßen des Chasam Sofer und Ksaw Sofer gesessen haben. Eine glückliche Ausnahme bildete Berlin mit seinen voll ausgebauten Religionsschulen der A. J.-Gemeinde, mit den Iehrfreudi* gen, begeisterungweckenden jungen Rabbinatskandi° daten. Erst wenige Jahre vor dem Kriege fanden sich in Hmaburg-Altona vereinzelt Jünglinge, die nach dem Einjährigen, resp. Abitur auf ein Jahr in ungarische Jeschiwaus gingen. Ein durchaus nicht gelindes Frösteln überlief die baalebatdschen Kreise:. „Kann man denn das tun?", fragte man sich in Bezug auf -diese Eltern. Es war der segensreiche Einfluß der Klausrabbiner von Hamburg-Altona, vor allem Oberrabbiner Dr. Spitzer b'tu Hamburg, der einsichtige Eltern zu dieser Neuerung veranlaßt«. Ein noch wenig beachtetes Moment in der Geschichte des letzten Vierteljahrhunderts. Wir kennen alle die Gründe, die zu der heute g'ttseidank glücklich formulierten Forderung: Erziehung durch Jeschiwaus beitragen. In erster Linie wird immer der Weltkrieg mit seiner engen intimen Berührung westlicher Juden mit dem Osten genannt, es sind die führenden großen Zeitschriften, die sich in Reihen -von glänzend geschriebenen jüdischen Artikeln mit dem „Ostjuden und seiner Welt" auseinandersetzen, es ist die unermüdliche Arbeit des Keren Hathora unter Dr. Deutschländer, die den unermeßlichen Wert und die Leistungen der Jeschiwaus für 'das Gedeihen von Kol Jisroel hervorhebt und die Mitsorge des Westens für die Erhaltung der Jeschiwaus beansprucht, es ist die berühmte Ostlän? der-Reise des Keren Hathora im Jahre 1931, an der wesltiche Akademiker und Pädagogen teilnahmen; es sind die großen innerpolitischen Umwälzungen in Deutschland, die andere Erziehungsformen und -aufgaben für unsere Jugend bestimmen. Das alles wird genannt. Wenige außerhalb Frankfurts sind sich bewußt, daß der erste Schritt, den Weg zur Jeschiwo für die westliche Judenheit gangbar - zu machen, durch die Gründung der Frankfurter Jeschiwo von Rabbi Dr. S. Breuer getan wurde, daß in jahrzehntelanger mühseliger Arbeit der Idee des Jeschiwahbesuchs auch für westliche Jungen der Boden bereitet wurde. Aber auch in vielen anderen Städten lebten und leben noch Bahnbrecher und Wegebereiter für die Erziehung durch Jeschiwaus. Das sind die Vereins un<l Klausrabbiner, rrian o'ff-Rabbiner und zahllosen privaten Talmide Chachomim, von keiner Organisation angestellt, die von Ungarn, Polen oder Litauen stammend nun 'ram in Deutschland waren; und sind, und von dem beglückenden, reichen Erezihungs- und Lehrgewinn der Jeschiwaus erzählen. Oft unter drückenden Verhältnissen, oft verkannt von der Gesellschaft, die ihr emsiges Wirken im bescheidenen Hintergrund nicht genügend zu schätzen wußte, waren sie — ob organisiert oder nicht — ob bewußt oder unbewußt, die ersten Brückenbauer zwischen Ost und West, die ersten Träger des Agudogedankens. Welchen Schwierigkeiten diese stillen „Werber" für die Jeschiwaus begegneten, mögen zwei .Beispiele illustrieren. „Machen Sie meinen Jungen nicht zum Pollak", droht ein gutmeinender Vater dem lehrenden Rabbiner. „Sag^n Sie meiner Mutter nichts von meinen Schiurim," sagt der Abi5 turient bittend, „offiziell lerne ich jetzt Tennis." So, ganz der individuellsten Kleinarbeit hingegeben, reiht sich Jahr . an Jahr, reiht sich Schüler an Schüler, wird Stunde für Stunde Lernen ausgestreut und gepilegt, bis vor zwei Jahren eine gute Kunde aus Berlin geschrieben wird, ein Brief eines fleißigen, begabten Lerners, der zeigt, daß die Zeit der Reife gekommen ist: „Ihr Wort, das Sie, verehrter Herr Rabbiner, so viele Jahre gepredigt haben: Am Hoorez, muß das größte Schimpfwort werden, dieses Wort scheint jetzt in Erfüllung zu gehen, Brith Noar Agudati. *wun und n»'jn D'Xi^n haben den Beschluß gefaßt: Kein Zutritt in Erez Jisroel ohne geistige Hachschara, ohne zweijährigen Besuch einer Jeschiwah" 1914—1934 so hat sich die geistige Physiognomie des Westjuden geändert. (Fortsetzung folgt.) Erste Beth Jacob-Schule in Amerika. New York, 29. Nov. Heute wurde hier die erste Beth Jacob=Sqhjjle nach dem Lehrplan der osteuropäischen Beth Jacob- Schulen eröffnet. Sie trägt den Namen „Beth Soro" nach Sara Schenirer. Die erste Klasse wird von 20 Kindern besucht. In dem täglichen Lehrplan von 9 Uhr früh bis 3 Uhr nachm. werden außer allen jüdischen Fächern wie Chumisch, Tenach, jüdische Geschichte, Dinim usw. auch Fächer wie englisch, Fremdsprachen, Handarbeiten, usw. gelehrt. In den Abendstunden wird in denselben Räumen der Kurs für die zukünftigen Lehrerinnen abgehalten; Es sind bereits zwei Klassen mit 12 Lehrerinnenkandidaten einge* richtet. In diesen Kursen werden die Kandidatinnen ausschließlich in jüdischen Fächern unterrichtet. Der Lehrplan bis zur Entlassung umfaßt einen sechsjährigen Lehrgang. Sowohl die Beth Jacob=Schule als die Lehrerinnenkurse stehen unter der bewährten Leitung von Miß Chawa Weinberg. Sie ist eine Schülerin des Beth Jacob-Lehrerinnenseminars in Krakau und hat persönlich Vorlesungen bei Sara Schenirer und Leo Deutschländer gehört. Im Downtown New Yorks herrscht große Freude Über die Eröffnung der Sehlde; hofft man doch, daß sich da® Schulsystem ausbreiten wird und dadurch dem erschreckenden Zustrom der Kinder aus ostjüdischen Häusern zur Assimilation der Einhalt geboten wird. ' Die offizielle Eröffnung der Schule^ nebst" Chanukas Habaji® findet «Gw. am nächsten Mauzoe Schabbos statt. Prominente 'Persönlichkeiten und bedeutende Rabbis werden zu dieser Feierlichkeit erwartet.

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