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Der Israelit · 1908-10-29 · Heft 43 (29.10.1908) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 43 (29.10.1908)
Date
1908-10-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ein Centralorgan lür das orthodoxe Judentum r „ ‘ ood Dr. Lehmann in ülainz 49. Jahrgang. c_Ufclrf _ m a„ 29. Oktober 1908. Sranhfurta rn * 0en 4. Chesdinion 5669. M 43. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. AboamememtS r Gewöhnliche Ausgabe Ml. ILO vierteljährlich, HestauSgabr auf Kunstdruckpavier Ml. S>— vierteljährlich. (Auslandspreise für di« gewöhnliche Ausgabe: Oesterreich-Ungarn 2 Ar., RMandINnv.. England 2 sin, Amerika 50 ets., Niederlande 1,20 ü.) Abonnements bei allen Postanstalten. Buchhandlungen, sowie direkt bei der Expedition. HeftauSgade nur direkt. Inserate r 30 Pfennig für die sech-gespaltene Tolonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnseratenannahme nur durch intz aas enstein u. Bögler A^G. Eonto bet der ft. K. Postsparkasse dSKen 91p* 79605« Frankfurt a. M. und deren Filialen. Gonto bet der Rigaer Eoimnergbank tn Riga Eouto bei d§MK* Postsparkasseuamt Budapest Bo. 184»«. und deren Filialen in DwinSk, Libau, Bialpstok. Reval und Lodz Der llachdrudt der Artikel und Correfoonden?en des „Israelit“ iff nur unter genauer Quellenangabe, und, soweit es fick um größere ftuffäbe handelt, nur nach vorheriger Genehmigung gehaftet. Das neueste Coleranzedlkt der Geologie in Ungarn. Wie in der letzten Nummer bereits berichtet, ist nunmehr das neueste Memorandum der neologen Landeskanzlei in Ungarn nach langer Odysseusfahrt dem Kultusminister überreicht worden. Es enthält, trotzdem es im Drucke acht zweispaltige Folioseiten umfaßt, äußerst wenig neue Momente. Es ist eben eine ueue Variation des vierzigjährigen neologen Liedes in Ungarn. Nur einig sein um jeden Preis, und bist du — Orthodoxie — nicht willig, so brauch' ich Gewalt. Der kurze Sinn der langen Rede ist folgender: Die Regierung möge den mit dem praktischen Judentum auf Kriegsfuß stehenden und von jüdischen Angelegenheiten weit weniger als ein Christ verstehenden neologen Herren (dies ist kein Spaß, sondern bitterer Ernst, denn mit diesen Worten, find die neologen Führer in Ungarn schon vor 40 Jahren von dem ihnen wohlgeneigten Kultusminister Eötvös gekennzeichnet worden, wie dies in einer vor zwei' bis drei ahren erschienenen Broschüre des neologen abbiners in Neupest Dr. Venetianer aktenmäßig dargestellt wird) blinden Glauben schenken und die von Seiner Majestät dem König sanktionierte autonome Organisation der Orthodoxen einfach negierend oder kassierend, die neologen Kongreßstatuten der ganzen Judenheit Ungarns, also auch der Orthodoxie, auf oktroyieren. Fürwahr, ein bescheidenes Verlangen! Und „der Zweck heiligt die Mittel", lautet die weise Maxime auch dieser edlen Herren. Da werden in diesem neuesten Kabinettsstück einer fanattsch blinden Parteiwut und einer geradezu rasenden Parteipolitik behufs Irreführung des Kultusministers die lautsprechenden, unwiderlegbarsten historischen Faktoren verschwiegen oder falsch dargestellt, andererseits wieder zum selben Zwecke die offenkundigsten Unwahrheiten mit geradezu verblüffender Kühnheit vorgetragen. . Es ist verschwiegen, daß die Majorität des im Jahres 1867 einberufenen und aus 220 Mitgliedern bestehenden Kongreffes, welcher die berüchttgten Kongreßstatuten geschaffen hat, eine künstlich gemachte und keinesfalls die Majorität de^Judenheit rchräsentierende gewesen ist, wie Kongresse vorangegangenen Februar-Konferenz der selige Sigmund Kraus aus Körös-Ladäng Baron Eötvös darauf aufmerksam gemacht hat, daß inmitten der ungarischen Judenheit ein unheilbarer Ritz gähnt, und daß es kein Mittel in der Welt gibt, diesen Riß zu verkitten! Es wird verschwiegen, daß zufolge des unerhörten neologen Terrors schon während der Kongreßsitzungen 56 orthodoxe Vertreter mit donnerndem Proteste die Versammlung verlassen haben, daß nach dem Schluß des Kongresses und Publizierung seiner neologen Beschlüsse insgesamt 92 gewesene Mitglieder des Kongresses gegen die Beschlüsse der Majorität protestiert und die Ausführung derselben als Gewissenszwang perhorresziert haben, daß nachher sämtliche gesetzestreue Rabbiner Ungarns die Kongreßbeschlüsse als für die jüdische Religion gefahrdrohend bezeichnten und der weitaus größere Teil sämtlicher jüdischer Gemeinden in Ungarn nnd Siebenbürgen gegen .die Vollziehung der Kongreßbeschlüsse als solche, die die Gemeindeautonomie und das Gewissen der Einzelnen aufs stagranteste verletzen, den entschiedensten Protest einlegte. Es wird verschwiegen, daß die hervorragendsten rabbinischen Kapazitäten Europas, darunter S. R. Hirsch, R. Jakob Ettlinger, S. B. Bamberger, Chiefrabbi Dr. Adler, Grandrabbin Isidor und viele andere über die ihnen zur Begutachtung vorgelegten Kongreßbeschlüsse den Stab gebrochen! Chiefrabbi Dr. Adler erklärte z. B.: „daß die Ausführung oder Verwirklichung erwähnter Beschlüsse für die gesetzestreuen Israeliten große Gefahr involviert!" Grandrabbin Isidor erklärte, daß erwähnte Statuten „solche Bestimmungen enthalten, welche die religiösen Gefühle der orthodoxen Israeliten rc. im wahrhaften Sinne kränken" rc. R. S. B. Bamberger erklärte, daß die Kongreß- Beschlüsse „als verwerflich für das Judentum bezeichnet werden müssen." R. Jakob Ettlinger erklärte, daß die Beschlüsse „den gesetzetztreuen Juden Ungarns und Siebenbürgen einen beispiellosen Gewissenszwang auferlegen und die bisher rc. gestattete Aufrechterhaltung der jüdischen Religion mit Gefahren bedrohen würde, deren Einfluß für den orthodoxen Juden bis zur Unmöglichkeit der.Existenz reichen könnte." R.O. R. Krsch „nimmt keinen Anstand,- Rechtswidrigkeit und vor jedem Forum der Gewissensfreiheit, derReligionspflege und des Religionsfriedens sich ergebenden völligen Verwerflichkeit der von dem Kongresse beabsichtigten Maßnahmen dem ergangenen Ersuchen gemäß niederzulegen." Dies alles wird w o hlw eislich verschwiegen! Und es wird auch verschwiegen, daß für die Ehrenrettung der Kongreßbeschlüffe nur Reformrabbiner vom Schlage eines Geigers, Stein, Philippsohn zu finden waren. Es wird auch verschwiegen, daß hervorragende Staatsmänner Ungarns, wie z. B. der Staatssekretär Horn über die Absurditäten und Anachronismen erwähnter Beschlüsse ihr vernichtendes Urteil ausgesprochen. Es wird verschwiegen, wie z. B. der später hochberühmte Parlamentarier Newewl, der doch auch neologer Jude gewesen ist, die Kongreßbeschlüffe als eines Torquemada und eines Peter Arbuez würdig brandmarkte. Es wird verschwiegen, wie z. B. der ungarische Apostel der deutschen Reform, Leopold Löw, die Statuten als die „leibliche Schwester des Halseisens" stigmatisierte! Und es wird hauptsächlich verschwiegen, daß zufolge skizzierter Fakta und einer Rede des „Weisen der Nation", Franz von Deäk, der ungarische Reichstag vom 18. Mäiz 1870 einstimmig das dahingehende Referat der Petitionskammer angenommen: daß die auf Grundlage der Kongreßbeschlüsse sich organisierende Konfession eine von der in Ungarn bisher bestandenen rc. wesentlich verschiedene Körperschaft bil-, det, als deren Mitglied rc. jedermann nur durch freiwilligen Entschluß, nicht aber mittels Zwanges betrachtet werden kann!" Und selbst der neologe Leopold Löw gesteht ein, daß durch erwähnten Beschluß die am 18. ebruar 1868 von dem Parttsan der Neologie, ultusminister Eötvös, ausgestellte Behauptung, daß der die Emanzipatton der Juden betreffende 17. Gesetzartikel vom Jahre 1867 nur „eine israelitische Religion" kennt, und die Regierung daher nur „eine israelitische Religion" anerkennen" kann, — aufs eklatanteste desavouiert worden ist. „Denn" — so schreibt Löw auch S. 282 seines Buches ,Zur neueren Geschichte der Juden in Ungarn^ — „so viel steht fest, daß der N.Gesetzartikel vomJahre WiMiiiaitt 8851

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