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Der Israelit · 1915-12-16 · Heft 52 (16.12.1915) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 52 (16.12.1915)
Date
1915-12-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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“■ %■*■■ WWW»» m «ft)\. Ein Centralorgan tßr das orthodoxe Judentum I Ul *b3bsss=s* Begründet oon Or. Leftmann in Itlainz 56. Jahrgang. sa Sranhfurf a- ITT-, den 16. Dezember 1915 9. Debet 5676. MB2, ******** »*» Bimtlfit»** Vewöduliche »uSgabe KT. 1.50, tiftanfflolt (Kunstdruck) Kl 8.-. «uSlaudSvmise: «ewUnlich» «aMt: 0esterrrich»Uuaarn s Kr* Rußland l Bub« England s *h„ >««Ua 80 eta., fheaexianbc ijo «..Frankreich Fn. USO. Mhmwatiä fei oBco Mastanstalten, Buchhandlungen, sonst« lind M Mm Onfot. ffeftanSaftfa iw Der JSraelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate: 30 Pfennig für die sechSgespaltene Eolonel-Zeile: Rabatt nach Tarif. durch den Berlag deS JSraelit «. m. b. Frank« ftrrt «um., «r. Eschenöeimerstr. 23 &UK4S,*tttt Hansa, sowie sämtl. Annoncen-Exved. deS Inand Auslands. HNatzvorschrtfteu ohne VrrdmdNchkM. Zahlungen llnnea außer direkt an den Verlag erfolg« per «onts »ei der K. «. Vostfparkaste «Vße» Mu. TiMf Aonto »ci »ok m* Wsstfparlaffenamt Bndapest fte.UMi Uauta »ci »er «««««»»«V ku - und deren ffHafan. Der ftadidrudi Ser Artikel und Correfoonflenjen des „Israelit“ Uf nur unter genauer Quellenangabe, un9, soweit es fl* um gröbere Rufffifce handelt, nur nadi vorheriger Genehmigung geflattet- I.Lettartikel: Um KittaueasThorastätten! ---3. Aufsätze.' Dr. G. Halevy: Der Kamof gegen Kotleks Geschichtsbuch — Mene Küchrr. — 3. Vermißte jüdische FamUir». —4. Homiletik: Willy Wolff, Cöln:Josephs Abschied. 5. Kleines Feuilleton: Ans Feldpostbrief?«.. — Das ‘■))3£ ril)£ «uropas. — Chanakah im Felde. — Begrüßung des österreichischen Thronfolgers durch eine jüdischeMassendeputatton. — 6.Korrespondenzen und Nachrichten: Frankfurt a. M. (Auszahlung des Menagegeldes an jüdische Mannschaften in Bayern.) - Berlin (Die „Deutsch-Israelitisch Osmantsche Union". — Lodz, Warschau (Aus den okkupierten Gebieten.) — Warschau (Vom russischen Feldzuge gegen die Juden.) — Kopenhagen (Gegen die Gleichberechtigung der Juden.) — Wien (Die Rückkehr der galizischen mittellosen Flüchtlinge.) — Aus den Gemeinden: Budapest, Budapest, Preßburg. — London (Mesopotamien.) — London Mut und Einfluß nicht vereinigt.) — Paris (Die Fremdenbehandlung in Frankreich.) — Bukarest (Die Juden im rumänischen Heer.) — Genf (Die polnisch-jüdischen Stu-- denren.) — Retv-Aork (Wilson für die Gleichberechtigung der Juden in- Rußland und Rumänien.) — New-Aork (New-Aorker Brief) — 7. Personalien: Lübeck. — Frankfurt a. M: — BraunSbach. — Jmphingen. — Langenfckwalbach. — Treuchtlingen. — Auhausen. — 8. Vermischtes: Berlin. — Berlin. — Heilbronn. — Karlsruhe. — Mülhausen. — 9. Briefkasten. — Familiennachrichten. — 10. Feuilleton-Beilage: Herrsg und Kabbwer. Am Mauen- Thorafiäften! Es läßt sich nicht leugnen, daß im Jnteressenkreise der deutschen Judenheit, soweit sie überhaupt an dem Sch-icksal der jüdischen Gemeinden und Einzelnen in den eroberten Gebieten Anteil nimmt, Polen bisher eine größere Rolle gespielt hat, als Littauen und Kurland. Das rührt zunächst von der zeitlich früheren Besetzung der westpolnischen Landestelle und der davon abhängenden Möglichkeit freieren Verkehres mit Polen 'her, zum Teil ferner von dem besonderen, man möchte sagen romantischen Reize, den gerade die polnische Judenheit mit ihren chassioischen Massenorganisationen auf manche iüoische Kreise ausübt, endlich aber auch von der Schwierigkeit des politischen Polen- Problems, innerhalb dessen die polnisch-jüdischen Beziehungen eine besonders harte Nuß für den denkenden Politiker bilden. S) kann mm baä Vorwiegen der polnischen Fragen in der öffentlichen Diskussion einigermaßen verstehen. Und dennoch ist die gesamte Judenheit, insbesondere aber die g e s e tz e s t r e u e, an der Katw» strophe, die über die nördliche Grenzprovinz unseres engeren Vaterlandes^ über Littauen, hereingebrochen ist, womöglich noch lebhafter interessiert, als an dem tragischen Geschicke der polnischen Jnben.heit. Wohl birgt diese unendlich, reich,: Schätze jüdischer Thoratreue und religiöser Glut, geistiger Regsamkeit und wurzelechten jüdischen Opfermutes in sich — aber die eigentliche Quelle jüdischen Geisteslebens^ der Born, aus dem die Judenheit der ganzen Welt, mittelbar auch die deutsche Diaspora seit Jahrzehnten ihre allmählich etwas dürr gewordenen Thora-Pflanzungen speist, sprudelt doch in Littauen. Besser gesagt: er sprudelte. Denn restlos ze.rtrümmert hat der Weltkrieg die weltberühmten Stätten der Thoraforschung, die in Littauen den Geist des Gaons von Wilna lebenbio erhielten. In Kowno und Nowogrudok, in Slobodke, Mir, Wolosin, Telz und wie bic Orte alte heißen, in denen die Stimme der Thora Tag und Nacht des jüdischen Volkes welthistorische Treue zum Throne Gottes emporsang, herrscht Todesschweigen, und in russischen Fiüchtlingszentren und Schützengräben, oder in deutschen Civilgefangenenlagern schimachtet der Rest der thoraforschenden Lehrer und Jünger. Im engsten Kreise derer, die mitten im Grausen der Gegenwart auch der Zukunft nicht vergessen, ist natürlich auch in Deutschland des Ernstes der littauischen Jeschiwa-Frage wiederholt gedacht worden, und es ist uns zufällig bekannt, daß erst in den letzten Wochen eine «darauf sich beziehende Beratung in Frankfurt stättfand. Dabei rechnete man — gewiß nicht zu Unrecht — mit der Aussicht, daß die Thorafreunde in Rußland selbst zur gegebenen Zeit sicherlich nicht säumen würden, die Initiative zum Wiederaufbau der Jeschüvos an ihren alten Stammsitzen zu ergreifen. Werden diese im Bereiche der deutschen Interessensphäre verbleiben, fo würde es dann umsomehr Ehrenpflicht der deutschen Judenheit werden, mit reichlichen Opfern in die Bresche zu treten. Nun aber übermittelt uns die zionistische „Jüdische Rundschau" aus Rußland eine Nachricht, die, wenn man sie ernst nehmen soll, geeignet ist, geradezu alarmierend auf alle Kenner der Verhältnisse zu wirken: Die zionistischen' Führer Rußlands und die „Chowewe Sphas Ewer" wollen die „Jefchiwothi" wied er her stellen, weil diese „trotz all ihrer'Mängel von großem nationalem Werte für die Juderiheit" seien. Durch Fragehogen suche mm zu ermitteln, wohin die betreffende Jeschiwa geflüchtet sei, wieviel Schüler sie zähle, in welchem geistigen und materiellen Zustande sie sich befinde und wie man ihr Hilfe leisten könne. Man braucht zunächst nur den Kommentar zu lesen, den das offizielle Organ der deutschen Zionisten diesem Berichte über die Thorafreundschaft der russischen Gesinnungsgenossen hinzufügt, um eine leise Ahnung von den Motiven dies r plötzlichen Liebe zu bekommen. Die „Rundschau" schreibt: Das junge nationale Judentum hat rigentUck. nicht immer Grund gehabt, mit diesem „Jesckiw^th" ganz zufrieden zu fein: Den Bachurim blieben nickt nur die profanen Bildungssächer verschlossen, sondern auch alle national-jüdischen Materien wurden ihnen, sofern sie nicht engtalmudischer uns rav- Surischer Natur sind, strengstens dodcnthalten! Auch von Toleranz und Verständnis für, eine abweichende Meinung wußten die „Jeschiwoth" ihre Zöglinge nruiq zu lehren. Für das nationale Judentum r^miD schon deswegen lange die wichtige Aufgabe, Jiz Fenster zu öffnen" und den alten Heimstätten der rabbinischen Kultur, an denen zahlreiche begabte junge Leute sich mit ganzer Seele dem Studium des jüdischen Schrifttums widmen, frische Luft zuzlstührcu. Die Leiter der „Jeschiwoth" sehen und fk.ylen instinktiv im modernen Judentum einen Feind. Die „Jeschiwoth" selber, aus deren Schoß das moderne Judentum hervorgegangen ist, denen selbst Bialik seine Erziehung verdankt, und an denen Sokoww seine Jugend zugebracht hat, wurden die Hauptsammelpunkte des heftigen Kampfes gegen das Hebräische, den Zionismus, das Geschichtsstudium uvd die moderne Literatur. Der Krieg unterbrach die weitere Enra»' keiaug- Noch bevor der geschichtliche Prozeß der Beränderung der alten Formen der „Jeschiwoth" vollendet war, kam die unvorhergesehene Katastrophe. Man 'ollte nun meinen, daß jetzt, da hunderttausende von jüdischen Familien völlig ruiniert wurden und das Problem, wie man all den Flüchtlingen Kleider und Schuhe, verschafft, als einzige Aufgabe in den Mittelpunkt jüdischer Gemeinschaftsarbeit getteten ist, daß in solcher Zeit die Frage einer Wiederherstellung der „Jeschiwoth" durchaus nicht am Platze 'st. Und wenn es schon eine Gruppe geben sollte, die euch jetzt an der Lösung dieser Frage ein Interesse hat, so könnte es naturgemäß, sollte man annehmen, nur die Orthodoxie sein, deren Tätigkeit in dem Wirken tiefer Schulen beruht. Zu unserm Erstaunen aber stellt sich heraus, daß die Logik des Volkes eine andere ist. Schuhe und Kleider find gewiß sehr notige Dinge, insbesondere wenn der Frost kommt, und die kleinen Kinder nackt.umherziehen müssen. Ohne jüdische Kulturzentren kann aber dieses Volk noch weniger leben, wo sie fehlen, fühlt jeder Einzelne ein inneres Erkalten, vor dem auch die wärmste Kleidung nicht schützen kann. Das Charakteristische dabei ist aber, daß gerade, die Elemente im Judentum, die von den Kreisen der „Jeschiwoth" am ärgsten'befehdet werden, sich für ihre Wiederherstellung ein-. I i

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