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Der Israelit · 1872-01-03 · Heft 1 (3.1.1872) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 1 (3.1.1872)
Date
1872-01-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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5 „werde nicht reüissiren, nichts leisten, den Erwartungen „nicht entsprechen." Wie unzutreffend muß jedem Denkenden dieser Einwand erscheinen! Wenn man in der Neuzeit immer nur so hätte sprechen wollen und sich hierdurch hätte abschrecken lassen, so wäre niemals ein transatlautischer Telegraph, eine Pacisicbahn, ein Canal von Suez, eine Brennerbahn , ein Mont - Cenis - Tunnel u. s. w. geschaffen worden! Haben doch sogar Israeliten Geld für rumänische Eisenbahnen gehabt! Was endlich die religiösen Bedenken betrifft, so müssen wir wiederholt auf die Schrift p's narm verweisen. In dieser Beziehung darf Jedermann der Umstand beruhigen: l) daß der Boden ewiges Eigenthum des Vereins sein und bleiben wird; 2) daß wir auch die Gewissenhaftigkeit unserer arbeitsamen Brüder nicht in Frage stellen dürfen; 3) daß unsere Aufsichtsorgane auch dem strengsten unserer Mitglieder genügen müssen; 4) aber, daß den meisten religiösen Einwendungen ganz und gar nur persönliche Abneigung und leere Ausreden zu Grunde liegen. Als unsere vorzüglichste Erwiderung aber können wir Ihre eigenen Nachbemerkungen im „Israelit" Nr. 52 vom Jahre l868 bezeichnen. Auf S. 962 nämlich, schrieben Sie bezüglich unseres Planes folgende Worte: „Es ist nun an uns, unfern Standtpunkt in „Bezug auf die Colonisationsfrage darzulegen. Wir „wünschen das Zustandekommen des Proiectes auf „das Sehnlichste...." Und schon im Jahre 1867, Nr 26, S. 436. „das neuerwachte Gefühl für das Land unserer Väter „erfüllt uns mit den schönsten und freudigsten Hoff- „nungen; die p'2 rupni, die thätige Theilnahme für „Zion und dessen Bewohner ist ein erfreuliches Zeischen der Zeit, es sind das die ersten Anfänge eures „neu sich regenden Nationalbewußtseins, die eine bessere „Zukunft für Juden und Judenthum in Aussicht „stellen." Das provis. Count« des Israel. Vereins zu Colonisation Palastina's. (— p->x 2'v?' mnn —) (Wir haben dem Vorstehenden einige Worte hinzuzufügen. Man mißversteht uns durchaus, wenn man uns als Gegner des in Rede stehenden Vereins, betrachtet; im Gegentheile, wir sind auch heute von unfern persönlichen Gefühlen für denselben, wie wir sie in früheren Jahren ausgesprochen, nicht zurückgekommen. Wir haben uns nur um die Realisirbarkeit desselben genauer erkundigt, und das Resultat dieser Erkundigungen haben wir in Nr. 49 des vorigen Jahrgangs niedergelegt. In Folge dessen können wir die Verantwortlichkeit nicht übernehmen, unsere geschätzten Leser zu veranlassen, große Summen für dieses Project zu spenden; wir haben übrigens durchaus nichts dagegen, wenn reiche Leute die Mittel hergeben und den Versuch machen wollen. Ad vocem rumänische Eisenbahnen, ist es gerade das, was uns von einer wärmeren, thätigen Theilnahme abhält, daß wir nicht wünschen, zu voraussichtlich unfruchtbaren Unternehmungen zu animiren. Wer ist es, der zu den vielen Sammlungen m diesen Blättern am Meisten beiträgt? Es ist immer der Mittelstand, ja, der mehr oder minder Bedürftige, deren Wohlthätigkeit so glänzende Resultate ergibt. Hieße es da nicht das uns geschenkte Vertrauen mißbrauchen, wenn wir für ein Project Beisteuer verlangten, von dessen Realisirnng, von dessen wohlthätiger Wirkung wir nicht überzeugt wären? Noch einmal, wir wünschen dein Vereine das beste Gedeihen, die segensreichste Wirksamkeit — allein, wir können nns nicht entschließen, zu Spenden für denselben, wenigstens für jetzt noch, aufzufordern. Die Redaction.) Breslau. Commerzienrath Jakob Landau in Breslau hat der hiesigen isr. Gemeinde 10000 Thlr. ausgehändigt. Die Zinsen sollen unter 10 arme jüdische Familien vertheilt worden. (I. N. W.) Mainz, 31. Dezember, Nachts. Eine traurige, herzerschütternde Kunde hat uns soeben der Telegraph gebracht. Rabbi Abraham L>amuel Binjamin Schreiber, Oberrabbiner zu Preßburg, ist nicht mehr! Heute Abend hat er, noch im besten Mannesalter stehend, das irdische Leben verlassen, hat uns, die wir des frommen edlen Mannes nicht werth waren, trauernd und klagend zurückgelassen. Unser Herz fließt über in unsäglichem Schmerze — was Alles hat Israel in dem kurzen Zeitraum von wenig mehr als zwei Monaten verloren! Möge doch der allgütige Gott sprechen zum Engel des Todes, daß er ablasse mit seiner Hand, daß er nicht fürder Ernte halte unter den Männern, die Israels Stolz und Ruhm sind! Kann denn unser armes, verwaistes Geschlecht die Ettlinger, die Schreiber entbehren? „Weit wie das Meer ist meine Wunde", spreche die Gemeinde Israel mit dem klagenden Propheten. Wahrlich, in diesen Trauerwochen begreifen wir das Wort der Welsen: „Beklagenswerrher als die Zerstörung des Heiligthums ist der Tod der Frommen." Die Männer, die imjfttffe gestanden^ die Joseph Hirsch, Jakob Ettlinger, Samuel Wolf Schreiber, wer bringet sie uns wieder! Sie sind heiingegangen, und unser Volk muß ihr segensreiches Wirken, ihr edles Streben, die Lehre aus ihrem Munde entbehren! Man sagt, der Schmer; sei egoistisch; es liegt etwas Wahres darin; denn wir fühlen erst dann recht

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