Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 5 (17.1.1884)
- Date
- 1884-01-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XXV. Jahrgang. Beilage zu tlr. 5 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Kitzin gen am Main. Unsere Synagoge erhielt Dieser Tage ein Parauches, das aus dem rühmlichst bekannten und auch in Ihrer geschätzten Zeitung schon lobend erwähnten Kunststickerei-Atelier des Herrn Abraham Schwaab in Straßburg im Elsaß hervorgegangen. Dasselbe ist im Aufträge des edlen Spenders Hrn. Sigmund Stern, Eiseilhändler dahier, angefertigt worden und wir muffen gestehen, das; die Arbeit unsere Erwartungen weit übertroffeu hat. Herr Schwaab besitzt das eigenartige Talent, die großen in unserer heiligen Religion enthaltenen Ideen in geschmackvoller Weife zu symbolisiren, ebenso wie seine für die Synagoge bestimmten Kunstwerke stets die Erinnerung an unser in' Trümmer liegendes heiliges Haus wachrufen. So erblicken wir beispielsweise auf dem neueil Vorhange zwei große Säulen, welche nach der Zeichnung der unlängst in Jerusalem gefundenen Säulen gestickt sind und die, wie von Kennern behauptet wird, aus dem Tempel Salomonis herrühren. Auf den Sockeln der beiden Sälilen ist die m-:o sowie das D^D-i cn in geschickter Weise angebracht. Die Mitte bildet der r» mit den beiden Möge Herr Schwaab, der, wie wir überzeugt sind, mehr des himmlischen als des irdischen Lohnes wegen, arbeitet, seinem schönen Berufe noch eine länge 'Reihe von Jahren in nugeschwächter Kraft obliegen können. Mannheim. Wie bereits in diesen Blättern kurz.berichtet, wurden wir am ersten Tage nuon von einem schweren Verluste betroffen, *?n:n ir '2 n;.n orjvsi Der durch sein eininentcs talmudisches Wiffen, seine aufopfernde seltene Frömmigkeit, sowie durch seine edlen Herzens - und Eharakter- Eigenschaftcn weit und breit gekannte Rabbi Löb E t t l i n g e r , Bruder des weltberühmten R. Jakob Ettlinger lvurde an seinem Geburtstage und am Sterbetage feines großen Bruders in ein besseres Jenseits abberufen. Wohin diese Kunde gedrungen ist, hat sie Schmerz uiib Trauer hervorgerufen. Der Verblichene war ein Schüler des ^Trox Bing in Würzburg aus dessen Schule so viele Heroen des Judenthums hervorgegangen sind und verbrachte sein ganzes Leben mit rvss, mi.-. Ja, seine letzte Beschäftigung war noch mm npnn roso Wer es ermöglichen konnte, eilte hierher, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. In unserer Stadt, wo er so lange als Stifts-Rabbiner weilte, stand er seiner vielen Vorzüge wegen in höchster Achtung. Die Betheiligung bei seinem Leichenbegängnisse war auch eine ganz enorme und Mannheim mag schon lange keinen so imposanten Leicheuzug gesehen haben. Der Wille des Verstorbenen war, daß durchaus kein so-, gehalten werde. Dieser Wille wurde auch soweit respectirt, daß keiner seiner vielen Verehrer oder Schüler vor die Bahre hintrat, um seinen schmerzlichen Gefühlen Ansdruck zu verleihen. Aber den Ausdruck der tiefsten Trauer konnte man auf dem Gesichte eines Jeden lesen; viele, viele Thränen sah man um den Verlust dieses Mannes fließen. Sein Andenken wird bei. Allen, die das Glück hatten, ihn näher zu kennen, stets fortleben und zum Segen gereichen .V'a'W'p,. Frankurt a. M. Im V c r e i n f ü r j nd ische Geschichte und Literatur sprach verflossenen Mittwoch Abend Herr Dr. Barnaß über Jehndah Halevi. Redner gab zuerst einen Ueberblick über die Zustände der spanischen Juden im Mittelalter. Schon zur Zeit des zweiten Tempels sollen viele auf die pircnäische Halbinsel cingewandcrt sein, und schon frühe bildeten sie dortsclbst zahlreiche und große Gemeinden. Unter den christlichen Westgothcn hatten sie ihres Glaubens wegen viel zu leiden, und immer mehr wurden sie in ihren bürgerlichen und politischen Rechten beschränkt. In Bezug ans die Kcnntniß unserer heiligen Lehre waren sie auf das Mutterland Palästina und'die Hochschulen Babiloiricns angewiesen, und von dorther wurde in allen wichtigen Fragen Rath und. Belehrung geholt. Durch ein merkwürdiges Ereigniß jedoch kam das Talmudstudimn in Spanien zur Bluthe, gerade zu der Zeit, wo der Glanz des Gaonats in Babilonicn im Erbleichen war, als ob die göttliche Vorsehung noch vor dem Abnehmen der berühmten Talmudschule des Morgenlandes in wunderbarer Weise das Erstehen von..neuen Pflanzstätten für den Talmud hätte fordern wollen. Vier Talmudg'.lchrtc ai.s Balwnien inachten nämlich um die Mitte des zehnten Jahrhunderts eine Fahrt über das Mittclmeer und sielen in die Hände von Seeräubern, die ne als Sklaven