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Der Israelit · 1924-12-25 · Heft 52 (25.12.1924) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 52 (25.12.1924)
Date
1924-12-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 52 Der Israelit 25. Dezember 1924 Konstantinopel, um mit des Mundes Hauch den letzten Sieg zu erringen, denn das Jahr der Erlösung, der drei Sechse, war da . . . Wochen ' vergingen. Wilder Sturm fegte Liber den Strand und wirbelte den Sand turmhoch auf. Die Wellen schäumten, vom Orkan gepeischt, brausten und brandeten und bäumten sich zu steilen Wänden, als wollten sie Land und Menschen verschlingen. Die Schifferfamilien in Smyrna beteten in ihren Gotteshäusern und zitterten um die Ihren auf hoher, tobender See. Die Juden standen aber überwältigt vom Wüten des Elementes und sangen mit dem Psalmdichter: „Das Meer sah und floh, der Jordan weicht _44 Die Welt wand sich in Wehen bei der Geburt des Großen und Neuen . . . (Fortsetzung folgt.) Kinberecfe Helden des Geistes, r. Der Wilnaer Gaon. i'. Vorbemerkung. Rabbi Elia ist am ersten Pessachtage 1720 (5460) zu Selz bei Wilna geboren und am 5. Sukkothtage 1798 (5558) gestorben. Sein Leben bewegt sich zwischen Pessach und Sukkoth, Aufblühen und Einsammeln, ^Reinheit und Freude, fast 80 Jahre lang eine ununterbrochene Festesweiho. „Eben Schlemo" nannte ihn die Welt in Anspielung an ein Wort der Schrift, das seinen Namen (Elijahu ben Schlome) andeutet, ein „vollkommener Gewichtstein". Und die Welt konnte wahrlich damals dieses Gleichgewichtes, dietzs Grundpfeilers, gebrauchen, zu einer Zeit, da alles aus den Fugen zu geraten schien. In Frankreich zeigten sich die ersten Erschütterungen der großen Revolution an und auch in Deutschland drängten die Verhältnisse unter Friedrich dem Großen der neuen Zeit zu. Die Welt verlor den Halt. Im. jüdischen Leben fing die Aufklärung erst an, leise Wellen zu schlagen. Davon merkte man zwar damals in Polen und Rußland noch nichts, aber es schien doch so, als wollte die Vorsehung an die Schwelle der neuen Zeit den treuen Wächter stellen, der, gleich einem Maimonides in ähnlich kritischer llebergangsperiode, zeigte, daß die Begriffe Alt und Neu, Vergangen und Zukünftig, Modern und Ueberwunden für das Judentum, das Urgrund aller Wahrheit und Quelle aller Weisheit ist, nicht gibt: das war der Wilnaer Gaon. Wilna hatte unter der Kosakenherrschaft im Jahre 1648 und später schwer gelitten. Ein Großer, Rabbi Mosche Riwkasch, der Verfasser des „Beer Hagola" flüchtete aus der Hölle, wie er in seiner Vorrede zum genannten Werke erzählt, unter Hinterlassung all seiner Habe, auch seiner kostbaren Bücher und Manuskripte nach Amsterdam. Was er jetzt noch besaß, waren die Kleider auf seinem Leibe, Tallis und Tefillin und ein kleines Luach, das er aus der Zerstörung als Begleiter und Wegweiser sich gerettet hatte. Als ruhige Zeiten wieder einkehrten, fand sich Rabbi Mosche in die Heimat zurück und trug nicht wenig zum geistigen Wiederaufbau Wilnas bei. Wilna wurde Zufluchtsstätte nicht nur aller Heimlosen aus Polen, Podolien und der Ukraine, sondern auch Zufluchtsstätte des jüdischen Geistes. 2. , Aus des Gaons Kinderjahren.' Unter den Gelehrten Wilnas lebte in dürftigen Verhältnissen Rabbi Schlomo Salmen. Seine Frau war eine Enkelin des genannten Mosche Riwkasch. Der größte Reichtum der Familie dürften die fünf Söhne gewesen sein, die alle von Thora und Gottesfurcht erfüllt waren. Der älteste, Elia, war aber schon im zartesten Kindesalter eine Sensation, sagen wir lieber, die Hoffnung der jüdischen Welt. Wunderkinder pflegen im Mannesalter selten zu halten, was sie in der Jugend versprachen. Das Thorawundetkind, der „Jlui", ist aber trotzdem ein „Gaon" geworden. Das mag sich wohl damit erklären, daß jüdische fromme Sitte es stets abgelehnt, das phänomenale Kind zum Objekte der öffentlichen Schaustellung zu machen, vor Einbildung und Uebersteigerung des Selbstgefühls geschützt und immer dafür gesorgt hatte, die starken Natürkräfte in stiller Zurückgezogenheit zur vollen Entfaltung zu bringen und zum Segen für die Menschheit ausreifen zu lassen. So wird auch aus dem Jlui von Wilna, der alle Eigenschaften des Wunderkindes besitzt, strahlende Schönheit, einnehmendes Wesen, blitzendes Auge und blendenden Geist, ein W i lnaer Gaon. Nur einmal Hort man von einem öffentlichen Auftreten des Knaben Elia. Er zählte damals kaum sieben Jahre, als er der hohen Ehre teilhaftig wurde, in der großen Synagoge zu Wilna einen halachischen Vortrag zu halten. Das war etwas bisher nie Dagewesenes, und die versammelte Gemeinde, soweit sie den Ausführungen folgen konnte, kam aus dem Staunen über, das Wissen des Knaben nicht heraus. Der damalige Oberrabbiner von Wilna, Rabbi Heschel, der ebenfalls dabei war, lächelte ungläubig. Er traute der Geschichte nicht recht und hielt das Ganze für eine eingelernte Sache, eine mechanische Eedächtnisarbeit des Kleinen. Um der Sache auf den Grund zu gehen, lud er den Jungen mit seinem Vater für Sabbat nachmittag zur „dritten Mahlzeit" ein, wo sich zur gleichen Zeit auch ein großer Gelehrtenkreis aus der Stadt befand. In Gegenwart dieser Männer unterzog Rabbi Heschel den Jungen einem Verhör über die einschlägige Materie. Jetzt war aber das Staunen auf Seiten des Rabbi, denn alle an ihn gerichteten Fragen wurden vom Knaben glatt und spielend beantwortet, während seine Gegenfragen Rabbi Heschel sowohl 4vie seinen Freunden viel Kopfzerbrechens machten und doch am Ende durch des Knaben eigne Lösungen geklärt werden mußten. Gleich darauf hielten es die Eltern für gut, das Kind der Bewunderung der Menschen zu entziehen, und im nächsten halben Jahre befindet es sich in Keidanny, im Hause des Rabbi David Katzenellenbogen, des Sohnes des Rabbi Jecheskel, des nachmaligen Oberrabbiners von Hamburg-Altona. Dort lernte er bei Rabbi Mosche Margolies, dem Verfasser des „Pne Mosche", eines Kommentares zu Jeruschalmi. Sonst hatte er keine Lehrer, ebensowenig Freunde und Studiengenossen, denn «alle Studiengenossen sahen und verehrten in ihm bald den Lehrer und Meister. Was weiter von ihm erzählt wird, könnte man für Märchen halten, wenn es nicht von zuverlässigster Seite verbürgt wäre. Mit neun Jahren beherrschte er die gesamte. Bibel auswendig, ein Jahr später den größten Teil des babylonischen Talmud. Von dem Zwölfjährigen bekundet ein Zeitgenosse: „Alle Wissenschaften gingen in ihn ein und kein Geheimnis bedrückte ihn ferner." Er besaß damals auch schon ansehnliche Kenntnisse in Mathematik und Astronomie. Ein Kreis von Gelehrten in Wilna studierte zu der Zeit das Kapitel der Kalenderberechnung „Jessode hoibbur" in Maimonides und ließ sich zu diesem Zwecke Kugeln und Modelle anfertigen. Sie verstanden aber die Ausführungen des Maimonides bis in die letzten Einzelheiten dennoch nicht. Da mischte sich der Knabe in die Unterhaltung und wies, nachdem er die Erlaubnis erhalten hatte zu reden, nach, daß die Kugeln in ihren Ausmaßen falsch angefertigt seien und demonstrierte an von ihm angefertigten kleinen Modellen die strittigen Stellen, daß sie allen klar und verständlich wurden. (Fortsetzung folgt.) kVochenkcllender. 27. Dez. 1924 bis 8. Jan. 1925. / 80. Kitzlew 7. Teweth 56®. Samstag Dez. 27 n>B 30 iVoD Sonntag 28 1 ruD Montag 29 2 Dienstag 30 3 Mittwoch 31 4 Donnerstag Jan. 1 5 Freitag 2 6 Samstag 3 V1'1 7 nsun na» 2. Tg. Rosch-Lhodsfch Er ist ausschlietzttch Sache der Leser, die im J«serate«teil enthaltenen Empfehlungen ritueller Ware« oder sonstige Angabe« religioneg^e^lichen Eh«atter» aus ihre L««er» Unsere allseitig bekannte Spezialität: Heeren-, Knaben- und Tarmizwob-Kleidung in streng 1 w 2 Verarbeitung C ARS CH Liebfrauenstr. 8-10 Neue Krame 27 KOHLEN» GASHERDE stationäre u. transportable i KACHELOFEN j l WÄSCHEREIMASCHINEN 1 Horstkötfar KnodtuG RonnefeldtsTee & Ä» beeinflußt das Wohlbefinden ln günstigster Weise Ostendstrasse 60 Telefon RSmer 6131 Unter Aufsicht der Israelitischen Religionsgesellschaft Komplette Lieferung; für HoBzeiten und Festkebkeiten affep Art frei Ins Haus. Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton " ‘ ' nowitz, sämtlich rer I. Spiro _ ^'*..**» 1,-xj, w, m. v. u» Frankfurt a. SR. Druck: Sermon Verlags-Aktiengesellschaft, Frankfurt a. SR.

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