Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1908)
- Date
- 1908-06-18
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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„Sie wissen, wie bereits in früher Jugend diese Gegenstände meine Seele beschäftigt, wie von erleuchtet religiösen Eltern erzogen, früh Thnachs Töne zu meinem Gemüt geredet, und aus freier Lust mit schon gereifterem Verstand Thnach selbst mich zur Gmoro geführt, mich kein äußeres Bedürfnis mich den Rabbinerstand hat wählen lassen, sondern innerer Lebensplan“. Auf seiner Reise nach Mannheim kam der 20jährige Jüngling zum ersten Male nach Frankfurt a. M. und hielt sich dort 12 Tage auf. Dieser Aufenthalt war bedeutungsvoll für seinen Lebensgang. Durch Vermittelung von Gumprecht, der mit seinem Vater in Geschäftsverbindung stand, lernte er den Baron Anselm von Rothschild kennen und wurde von ihm zu Tisch geladen. Hirsch hinterließ als 20 jähriger Jüngling einen so tiefen Eindruck, daß, als der Baron zwei Jahre später von der Oldenburgischen Regierung nach einem geeigneten Landrabbiner gefragt wurde, er Hirsch für diese Stelle empfahl. Auch die Gegner seiner jüdischen Anschauung, die Herren Dr. Creiznach, Hiller, Dr. Weil lernte er damals kennen. Er brachte einen Abend in der „Harmonie“, der jüdischen Freimaurerloge, zu, in welcher die größten Verächter des Judentums sich damals zusammenfanden. Ihre Gesellschaftsräume befanden sich in dem Hause Ecke der Schützenstraße und Schönen Aussicht. Daß in demselben Hause heute der Verein „Mekor Chajim“ seinen Sitz hat, veranschaulicht vielleicht am besten den Wandel der Zeiten, den Gottes wundermächtige Vorsehung durch den jungen Mann angebahnt hat, von dessen Bedeutung die Herrn Dr. Creiznach und Genossen sicher keine Ahnung hatten, als sie ihn in ihrer Freimaurerloge damals kennen lernten. — Auch R. Wolf Heidenheim in Rödelheim und R. Moscheh Tobia in Hanau suchte Hirsch damals auf; letzterer hat dem für jede schlichte Größe empfänglichen Jüngling besonders imponiert. In Mannheim besuchte Hirsch die Jeschiba des späteren Oberrabbiners Jakob Ettlinger, doch verblieb er daselbst nur ein Jahr, um im Jahre 1829 die Universität Bonn zu beziehen. Die Hochachtung, mit welcher noch viele Jahre später der Lehrer über das gründliche Wissen des Schülers urteilte, ist aus einer Antwort ersichtlich, die Ettlinger auf eine Anfrage an Hirsch richtete und die in den frx paa n"iw No. 86 abgedruckt ist. Er nennt ihn den Meister, der den Lehrer durch Vorlegung seiner Frage prüft, und glaubt sich kurz fassen zu dürfen, da er aus der Fragestellung die Gründlichkeit und Sachkunde ersehe, mit welcher der Fragesteller die verschiedenen Seiten der Frage behandelt, motet id )b pna pin 'asik bz by an-n^i npnb ai t»t n:n — v&b rww ,iv s/o n"Dynb ymnV rmpa p by ibw pa: by n^swn 71122 i"2p*?. Die Frage ist eine so schwierige, daß Rabbiner Ettlinger am Schluß empfiehlt, Hirsch möge sie noch einem dritten Gelehrten vorlegen, damit die Entscheidung durch ein dreigliedriges Bes-din erfolge: nia iid%xb posn z-212 itrto vavn i2vp inti miö njn 11p n'Ppe fpöX'' dr v'pa .ivi aiv .iv ya bw pi n'2v posn twr». Wie in Mannheim verblieb Hirsch auch an der Universität Bonn nur ein Jahr, von 1829 bis 1830. Sein ungewöhnlicher Wissensdurst, sein heller Geist und scharfer Verstand verbunden mit einem eisernen Fleiß bewältigten in einem Jahr, was andere in einem Triennium nicht erreichen. Obwohl erst 21 Jahre alt, bildete Hirsch den Mittelpunkt, um den sich die dortigen jüdischen Studenten gruppierten. Hochinteressante Angaben über den Einfluß Hirschs auf seine Kollegen in Bonn, finden sich in den nachgelassenen Schriften Abraham Geigers, herausgegeben von dessen Sohn Ludwig Geiger unter dem Titel: Abraham Geigers Leben in Briefen, Berlin 1878, Gerschel. Als Hirsch im Jahre 1830 als 22 jähriger Jüngling die Universität verließ um das Landrabbinat Oldenburg zu übernehmen, war er bereits ein gereifter, fertiger Mann. Er gehörte zu denjenigen, „die schon in ihrer Jugend an Geist und Körper männlich herangebildet sind“, wie seine eigenen Worte im Kommentar zu Ps. 144, 12 lauten. Es waren trübe Zustände religiöser Verwahrlosung, die er damals in seinem neu angetretenen Wirkungskreis vorfand. Aber wie der Magnet an Kraft gewinnt, je schwerer die Gewichte sind, die sich an ihn hängen, so wuchs seine Tatkraft und Schaffensfreude mit den Schwierigkeiten, die sich ihm entgegenstellten. Eine wertvolle Hilfe wurde dem Gotteskämpfer für die Bewältigung aller sich ihm entgegenstellenden Schwierigkeiten durch die Lebensgefährtin, mit der er sich in den Samson Raphael Hirsch als Landrabbiner zu Emden. S-u* V.U? ersten Jahren seines Aufenthaltes in Oldenburg verband. Dieses Gattenleben zu schildern erforderte eine Darstellung für sich. Was Johanna Hirsch ihrem Gatten war, hat er in den wenigen Worten ausgesprochen, mit welchen ihr Andenken nach ihrem Heimgang an der Spitze des 2. Teils seines Thillim-Kommentars feierte. Sie lauten: Dem Andenken seiner am 3. Ijar 5642 nach 50jähriger Ehe in ihrem 77. Lebensjahr verstorbenen Frau Johanna geborene Jüdel yT, 6er treuen Freundin seines Lebens, der treuen Genossin seines Strebens, der treuen Stütze und Beraterin seines Hauses und Wirkens, der treuen Erzieherin, Bildnerin und Freundin ihrer Kinder und Enkel, mit der Reinheit und Güte ihres Herzens, mit der Helle ihres Geistes, mit dem Adel ihrer Gesinnungen, mit ihrer opferfreudigen Selbstlosigkeit, mit ihrer seltenen Erziehungsveisheit, mit ihrer unermüdlichen Schaffensfreude, mit der sittlichen Hoheit ihres ganzen Wesens, mit der gottesffirchtigen Zuversicht ihres ganzen Lebens in liebender Verehrung Der Verfasser. Diese lapidaren Worte genügen um die Bedeutsamkeit zu würdigen, die Hirsch selber der Mitwirkung seiner Lebensgenossin für sein Schaffen und Wirken zuerkennt. 9