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Der Israelit · 1891-04-06 · Heft 28 (6.4.1891) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 28 (6.4.1891)
Date
1891-04-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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M S8. XXXII. Jahrgang. IsraelitIeschurun. Zkiislhrist W FSrderms B. Geistes Md jild. Krbe«s i» AM». Gmelsdr Md Zchile. Emirat-Hrgan für das orthodoxe Audenthum. Begründet von Dr. gefymamt itt ffftahfr Montag, den 6. A pti l 5651(1H91). Seitenbev Artikel. Zur Würdigung der Tagesfragen. Von Isaak Hirsch. Wenn wir die Frage erörtern wollen, welche Mittel in Anwendung zu bringen wären, um das Heranwachsende Geschlecht dem Judenthum zu erhalten, so berühren wir ein Thema, das seit Jahrzehnten diesseits und jenseits des Oceans in Büchern und Zeitschriften, auf der Kanzel und in Gemeinde- und Vorstandssitznngen, von Kongressen und Synoden, Rabbinern, Schulmännern und Notabeln die vielseitigste Behandlung erfahren hat. Gewiß mit vielem Rechte. Es kann ja nicht dem leisesten Zweifel unterliegen, daß es kein wichtigeres Anliegen gibt, wenn man anders nicht gesonnen ist, auf die eigene Existenzberechtigung förmlich Verzicht zu leisten. Jede Gegenwart, welche sich der Hoffnung entschlägt, das eigene Lebensprinzip der Zukunft zu vererben, hat sich bereits den Tobten beigesellt. Wenn sie demselben keine Lebensfähigkeit für die Zukunft beimißt, so wäre es im Grunde nicht nur eine Thorheit, für dieses Prinzip noch irgendwelches Opfer zu bringen, sondern es könnte sogar als sträflicher Eigensinn gelten, wollte mau dabei beharren, wo es einen Gegensatz zu den gang und gäben Anschauungen bildet und einer lächerlich winzigen Minorität eine Eigenart einer überwältigend großen Mehrheit gegenüber verleiht. Wenn wir der festen Ueberzeugung wären, daß unsere Kinder keine Juden, d. h. Bekenner des Judenrhnms, mehr sein werden, mehr sein können, das Judenthum also mit unserm Tode seinen Untergang finden müßte, welchen Werth hätte dann noch unsere eigene Existenz als Juden? Wäre es dann nicht angezeigt, schon jetzt tabula, rasa, zu machen und an uns das zu vollziehen, was unsere Kinder mit positiver Bestimmtheit an sich vollziehen werden?? Man möchte darum geneigt sein, die Aufrichtigkeit der Rathschläge, Beschlüsse, Bestrebungen und Maßnahmen, welche darauf gerichtet sind, die Jugend — und damit die Zukunft —- an das Judenthum zu fesseln, unterschiedlos nicht in Zweifel zu ziehen, wenn nicht die Erfahrung einen solchen Glauben Lügen strafen würde. Führte sich doch der Vernichtungskampf, welcher seit Beginn dieses Jahrhunderts gegen das Judenthum seitens der eigenen Söhne bis zur Stunde unternommen wird, unter der Devise „Erhaltung des Judenthums" fälschlich ein. Die Väter und Wortführer jener verderblichen Bestrebungen, die Aufklärung der Juden, Läuterung des Judenthums u. s. w. bezwecken zu wollen Vorgaben, betonten ganz besonders ausdrücklich die Erhaltung des Judenthums für die Zukunft. Das war die falsche Flagge, die lediglich zu dem Zwecke aufgehißt wurde, um das Volk über die wahre Absicht jener Bestrebungen zu täuschen und das begonnene Zerstörungswerk zu Ende führen zu können. Seit David Friedländer im letzten Jahre des vorigen Jahrhunderts jenes berüchtigte Sendschreiben an den Propst Teller in Berlin gerichtet, in welchem er Namens der aufgeklärten und bildungsfreundlichen Juden deren Geneigtheit zum Eintritt in die christliche Religionsgemeinschaft unter gewissen Bedingungen erklärte, was selbstverständlich von christlicher Seite zurückgewiesen werden mußte, da die Kirche sich keine Bedingungen stellen lassen kann, die mit einer Selbstverleugnung ihres eigensten Wesens identisch sind, hat die Reform allerdings darauf verzichtet, ein solches offenes Angebot zum Uebertritt zum Christenthum zu wiederholen. Sie baut aber zuversichtlich auf den sich innerhalb der Kirche allmählich vollziehenden Umschwung, von welchem sie die Neugestaltung einer religiösen Gemeinschaft erwartet, die die aus der Kirche Ausgetretenen mit den jüdischen Reformern vereinigt. Dieses Ziel schwebt z. B. Emil Lehmann, dem Mitbegründer des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes vor; er hat in den von uns wiederholt citirten „Grundzügen der deutsch-jüdischen Reformpartei" dasselbe deutlich umschrieben. Es ist

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