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Der Israelit · 1908-12-03 · Heft 48 (3.12.1908) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 48 (3.12.1908)
Date
1908-12-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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3. Dezember 1903 Der JSraelit. Seite 3 No. 4 8 Platz, die in der Eingabe ausgestellten Behauptungen zu beleuchten und gewisse Methoden zu kritisieren. Ein Anlaß, hierfür dürfte sich früher oder später bieten. Für heute sei nur noch erwähnt, daß, unsere Kommission unmittelbar vor der Ausreise steht, so daß sich auch schon deswegen eine Aenderung des Beschlusses des Zentral-Comits's von selbst verbietet." Wir empfehlen uns mit vorzüglicher Hochachtung Deutsches Bureau der Alliance Jsr. Universelle, gez. Tr. Mark u s, Sekretär. Zur Erklärung der Eingangsworte sei bemerkt, daß die Herren Dr. Auerbach und M. Hildesheimer (nicht, wie in seltsamem Versehen im Schreiben des Deutschen Bureaus, Hirsch Hildesheimer!) ihre Eingabe an den Vorsitzenden der Deutschen Kvnferenzgemeinschast A. I. U. zur Weitervermittelung übersandt und darauf in deutscher Uebersetzung das oben gewürdigte Schreiben des C. C. mitgeteilt erhalten hatten. Der Brief stellt sich, wie ein oberflächlicher Blick lehrt, im Wesentlichen als eine Paraphrase des Schreibens des C. C. dar. Eigentümlich ist ihm nur der eine Passus, der von ,,gewissen Methoden" zu berichten weiß und mit der fürchterlichen Drohung, dieselben früher oder später zu kritisieren, schließt. Made in Germany! Das ist zum Unterschied von den, urbane Formen pflegenden Franzosen die altgewohnte, sattsam bekannte Art des „Deutschen Bureaus", die sich keine Gelegenheit, und müßte , sie an den Haaren herbeigezogen werden, entgehen läßt, um den Gegner, nicht etwa zu überzeugen, sondern durch unwürdige Insinuationen zu verketzern und zu verletzen. Es verlohnt sich nicht der Mühe, diese, absichtlich so zrveideutig als möglich gehaltene Verdächtigung erst zurückzuweisen; die Unterzeichner der Eingabe stehen sämtlich zu hoch, die selbstlose Sachlichkeit ihrer Bestrebungen ist zu notorisch, als daß derartige Anwürfe sie berühren könnten. Und wir hätten unsere Leser mit der Veröffentlichung dieses Schriftstückes nicht belästigt, wenn es uns nicht darauf angekommen wäre, die Drohung des Herrn Vorsitzenden mit der „früher oder später" erfolgenden Abrechnung vor der. Oeffentlichkeit sestzulegen und die .Herren dadurch zu zwingen, ihr Wort alsbald einzulösen. Heraus mit Euerem Flederwisch! diesen abhängigen Schriften und Reben, wie oft wird da heroorgevoben dse Unendlichkeit der Größe Gottes, die Unerforfchlichkeit seiner Weisheit, die Allgüte Gottes, wie betont Seme Wahrhaftigkeit und Treue, Seine Gerechtigkeit und Geradheit. Die Thora und die Propheten, die Psalmen und die GevetSüteratur, die Agaba und die ReligtonSphtlosophen müßte ich aöschreivm, um die Sätze, die dahin zielen, wieöerzugeb n Wenn nun aber Gott so unendlich hoch über dem Menschen steht, so braucht, der Mensch doch nicht die Hoffnung aufzugeben, seinem Gotte nachftreben zu können, und Ihm, wie von Gott verlangt und vom menschlichen Herzen selbst bewußt und unbewußt gefordert, ähnlich zu werden: «Siehe eine Letter ist auf der Erde aufgestellt und ihre Spitze reicht in den Himmel, und stehe, Engel GotteS steigen auf und ab an ihr." Diese Letter, sagt der Midrasch, ist der Sinai, denn der Zahlenwert der Buchstaben von ist gleich demjenigen von 130). WaS wlll dies anders besagen als: das auf dem Sinai geoffenöarte Gesetz ist eS, welches den Menschen zur lichten Höhe, da Gott thront, emporftetaen läßt. Uno dieser Midrasch gibt denselben Gedanken wieder, der tm 5. B. M. 10, 17 ff so erhaven ausgedrückt ist. -/Denn der Ewige, dein Gott ist der Gott aller Mächte, der Herr der Herren, der große, starke Ehrfurcht gebietende Gott, der kein Ansehen achtet utlb fich nicht bestechen läßt. Er führt die Rechtssache der Waise und Witwe und liebt den Fremdling, so daß er ihn Brot und Gewand gibt, so sollt auch ihr den Fremdling lieben, denn Fremdlinge wäret ihr in Aegypten. Bor dem Kwigen, deinem Gotte sollst du Ehrfurcht haben, Ihm dich. anschließen, bei seinem Namen schwören." Also gerade oa, wo wir die Erhabenheit GotteS über alles fc und Irdische m so gewaltigen Worten und betont finden, erfolgt fofort daS Gebot. «Ihm hu dich anschlteßen." Eid wie soll dieser Anschluß .v.-- -'L;VraS'-i*v'£ -£i''-SÄä' 'ocherrrunöschau. Ileujüöisdie Kulfurbesfrebungen- In Berlin hat fich, wie in letzter Nummer bereits kurz berichtet ein Komitee gebildet, das die Einberufung eines allgemeinen Kongreßes zur Neubelebung der hebräischen Sprache und Literatur vorbereitet. Die neujüdische Bewegung — so klagen die Einberufer des Kongresses — die auch den Anlauf zu einer vielversprechenden Entwickelung der hebräischen Sprache und Literatur gebracht, sei von den maßgebenden Kreisen nicht genügend unterstützt worden und habe durch äußere Hindernisse einen Rückgang erfahren Nun soll eine umfassende Organisation geschaffen werden. Das ProgArmm des Kongresses soll „alle Gebiete des geistigen Lebens" umfassen. „Erhaben über alle parteipolitische Engherzigkeit soll es ausschließlich von allgemeinen jüdischen Grundprinzipien bestimmt sein." Neujüdische Bewegung, geistiges Leben, allgemeine jüdische Prinzipien. Es sind altbekannte Worte. Man kennt schon seit Jahren diese Sprache der jüdischen Kultur- Fanatiker, der man auch im eignen Lager picht recht traut und durch welche die jüdisch Gesinnten innerhalb der Organisation in etwas optimistischer Auffassung der Situation sich zu einer eignen Fraktionsbildung genötigt sahen. Allein hier hrndelt es sich um eine Angelegenheit, die besonders dem thoratreuen Juden am Herzen liegt, um den Ausbau und die Entwicklung der heiligen Sprache da könnte man schon vielleicht ein Uebriges tun und der guten und heiligen Sache wegen über nichtssagende Worte und Redewendungen hinweg sehen. Indessen wird doch derjenige, der sich auf die Sprache der Herren versteht, schon vom ersten.Aufruf genügend darüber aufgeklärt, um was es sich eigentlich handelt und weß Geistes Kind der Kongreß mit all seinen Verheißungen sein wird. Was im Aufrufe zu lesen ist, ist nicht viel. Altbekannte Phrasen und hochtönende Schlagwörte, die zudem auch den Reiz der Neuheit und somit auch die Zugkraft längst verloren haben. Der Schwerpunkt liegt aber, wie früher, in dem, was der Aufruf nicht sagt und nicht mit einer Silbe zu berühren wagt. Das Programm soll alle Gebiete des jüdischen Geisteslebens umfassen und von „allgemeinen jüdischen Grundprinzipien" bestimmt sein. Wie weit alle Gebiete dieses jüdischen Geisteslebens reichen und welcher Art diese allgemeinen jüdischen Grundprinzipien sind, darüber gibt das Zirkular Aufschluß. Der Kongreß will Sprachkurse errichten und Vorlesungen über allgemeine Wissensgebiete in hebräischer Sprache abhalten lassen, Sprach- und Kulturkommissionen bilden, die Volkserziehung in die Hand nehmen, Lehr- und Wörterbücher herausaeben. Ein Kultursond, von dem all diese Institutionen genährt werden, soll gegründet werden usw. Da hätten wir also das alte Kulturprogramm in neuer Auflage, das Programm mit der „Religion Privatsache"-Doktrin als oberstem Grundsatz, das Programm, das, nachdem es lange genug im eignen Lager Zwietracht gesäet und Unheil gestiftet, nun zu neuem Leben erwacht und mit Tiner Spekulation auf die Allen gleich heilige hebräische Sprache sich in weitere jüdische Kreise einzuführen sucht. Gründen, errichten, und neubilden, aber kein Wort von der Erhaltung des Alten, kein Wort von den in der hebräischen Sprache niedergelegten, aller Welt heiligen jüdischen Geistesschätzen, von denen allein doch die Liebe zur hebräischen Sprache als erste Voraussetzung für ihre natürliche und ge-.' sunde Entwicklung ausgehen kann. Die hebräische Literatur hat in den letzten zehn Jahren einen bedenklichen Rückgang erfahren. Wer wollte es leugnen? Aber die Gründe hierfür liegen keineswegs, wie es der. Aufruf glauben zu machen sucht, allein in deu> politischen Wirren im Osten und in der allgemeinen wirtschaftlichen Krise. In den Zeiten,, da die hebräische Sprache noch ausschließlich zux Aeußerüng des jüdischen Gedankens diente und die hebräische Literatur vom jüdischen Geiste getragen war, da blühte sie, diese Literatur, ungeachtet der weit unerträglicheren politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse. Die Gründe liegen tiefer und sind unseren Lesern wohl bekannt. Die ge-y bildete Jugend im Osten hat sich von der hebräischen Literatur abgewendet, nachdem diese durch efctt£ Reihe von Jahren systematisch und zielbewuM sie dem Judentum entfremdet hat, hat die Sprache der Thora abgelegt, nachdem sie in eben dieser Sprache gelernt hat, die Thora zu nttßachten. Die treugebliebene große jüdische Masse' hatte aber keinen Grund, eine solche fremde Lite-- ratur irgendwie zu unterstützen und sie vor dem- Verfalle zu bewahren. Will man der hartbedrängten hebr. Sprar ernstlich zu Hilfe kommen, so ist vor allem eines. ins Werk gefetzt werden? Indem man Gott fick zum Beispiel nimmt, Gerechttgkeit und Recht ausübt auch dort, wo Gelegenheit gegeben wäre, diese zu vernachlässigen, usw. „DaS Auswenden aller deiner Kräfte in Erfüllung Seines Willens werben bas Bindemittel zwischen dir uno Ihm" (Hirsch z. St.). Denn eines Führers bedarf der menschliche Geist, auf daß er nicht in. dem Labyrinth der Gedankn und Erwägungen fich verirre, daß er nicht statt dem Lichte der Vernunft den Irrlichtern, den Schetngründen falscher Schlüffe folge. Einen zuverlässigen Gcleiter braucht der Mensch Lei der Wanderung seines Geistes, der tön herabholt, wenn fein Gedanke zur schwindelnden Hö e der Trugschlüsse gekommen ist und er ttef unten den Abgrund gähnen steht, aber nicht den Pfad, der hMabsührt in da« Land deS Lebens oder der ihn heraufzteht, wenn daS Denken ihn in die Tiefe mystischer heilloser Betrachtungen versenkt hat, in deren Sumpf jede Freude, jedes Leben verfinkt. Und diese Letter, die ihm herabhilft ober htnanhebt, bas ist das geoffenöarte Wort. Aber noch wäre die Leiter zu steil, der Aufstieg zu hoch für den Menschen, wollte er, auf seine eigene Kraft und seine eigene beschränkte Etnfichr fich verlasiend, ohne höhere Hilfe dm schweren Weg unternehmen. Deshalb „steigen Engei auf und ab." Der au steigenden Engel, sagt der Midrasch, find es zwei und ebmioviele der abstetgendm. Bier Engel also begleiten den Menschen auf seinem Htnansteigen auf der Letter des Gesetzes. Zwei gehen, führt R. Jakob Ettlinger yxj, dem wir diese Gedanken mtNehmen, in höchst finniger Weise aus, vom Menschen selbst aus. ES find dies rOIBK und „Glaube" und „Wille". Der Glauben an die Wahrheit der Thora und an ihren göttlichen Ursprung, bildet-vor allem, andern die Grmcklage, aus welchem jede fromme und gotteSftirchttge Handlungsweise fich ausbaut, dieser Glaube gibt dem Juden die Kräfte auch in den schwierigsten Lagen dem Thoragebote jem^ absolute Geltung cinzuräumen, daß dem Gebote unteH allen Umständen ge orcht wird, und alle anderen Ab-s sichten und Wlllenöbestrebungen schweigen oder fich und anpaffen müffen den Anforderungen der Thoraaeietze Sv gleicht die Thora dem Felsen im Meere, dm fest Uni unverwünlick dasteht, die Wogen und Wellen brechen branbm von ihm ab unb schmiegen fich um ihn her. . Ebenso rtchret der Jude seinen Beruf und deffm tauf ent fache Anforderungen, daS Lebm im Hause und aus ' Reise so ein, daß er die Thoraaesetze zu erfüllen vermag,^ so unterläßt er manches Geschäft, welches ihn hindert^ den Sabbath zu beobachten, so paßt er seine Geschäfts führung dem Umstande an, daß er am Freitag um die? bestimmte Zeit vom Geschäfte fich entfernen kann, un3l tausend andere Dinge so kleine und große, wichtige vädl unwichtige. Und all dieser Aufwand an Denken ttnfrj Sorgen, an Schmiegsamkeit und Anpaffung an Thora geschieht darum, well fttlÖK vorha den ist, der" Glaube an Gott und die Ueberzeugung, daß die ThckM von Gott stammt. Aber der Glaube allein ist noch ohnmächtig, wenn nickt das zweite fich dem beigesellt, daSI ihm gewissermaßen Hände und Füße verleiht: p^*-) „Wille". Der Wille setzt die Glieder in Bewegung welche zur Ausführung bringen, waS die Ueberzeuo als erstrebenswert, alS gut und wünschenswert bezeich Der Wille seinerseits tturkt wieder zurück auf daS De vermögen, indem er eS veranlaßt, auf neue Mittel Wege «i fittnen, neue Weifen zu erfinden, durch der „Wille" feine Abfichten erreicht. Und weffen Wi g: mehr Regsamkeit, wer wendet mehr Tattraft >gt den Berstand mehr an, alS jene Männer »en, die es fich zum Ziele gesetzt haben, den Geboten ra zu gehorchen und sie tm Getriebe deS jeden ~ größere Anfärbungen stellenden bürgerlichen um*

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