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Der Israelit · 1922-12-14 · Heft 50 (14.12.1922) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 50 (14.12.1922)
Date
1922-12-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Bette 2 fix. 50 Drr J-rs»ktt. 14 Dezember 1022 reizte, ist die Tatsache, daß beide von der Bibel ausgingen. Aber die Bibelübersetzung ist bei beiden nach Motiv, Art und Wirkung so grundverschieden, daß gerade sie den Unterschied am deutlichsten hervortreten läßt. Luther übersetzt die Bibel für ein Volk, welchem sie bis dahin von der Geistlichkeit vormthalten war, übersetzt sie in die wuchtige Sprache des Volkes, ja fast der Straße; Mendelssohn überfttzt sie für ein Volk, das in der Bibel lebt und atmet, denkt und fühlt, mit ihr aufsteht und sich niederlegt. Luther will mittels der deutschen Sprache dem Volke die Bibel nahebringen, Mendelssohn umgekehrt, mittels der allen vertrauten Bibel seinen Glaubensgenossen die deutsche Sprache, Bildung und Aufklärung bringen. Dieser Umstand zeigt zur Genüge, daß nach einem Präzedenzfall für die Aufkärungsbewegung des vorigen Jahrhunderts nicht in der Geschichte der Reformation am Ausgang des Mittelalters, sondern in der eigenen Geschichte zu suchen sei. Mendelssohn kam im Jahre 1743 als Vierzehnjähriger nach Berlin, angeblich, (wahrscheinlich auch in der ehrlichen Absicht) UM seinem nach Berlin verzogenen Dessauer Talmudlehrer, Rabbi Fränkel, zu folgen. Aber in Berlin wird er gleich von der Aufklärung, die die Atmosphäre erfüllt, gesangengenommen, und wir hören nichts mehr von ihm, als bis er zu Anfang der sechziger Jahre an die Oeffentlichkeit tritt — als berühmter Deutscher. Der Jude in ihm bleibt unberührt, unberührt in gutem Sinne, aber er hat bei seinem Aufschwünge, bei seinem öffentlichen Wirken weder Stimme noch Einfluß/der Jude in ihm. Mendelssohn ist deutscher Popular-Philosoph, der gelegentlich sogar mit Immanuel Kant (mit seiner Schrift: „Zur Evidenz in der Methaphysik" in den geistigen Wettkampf tritt und als Sieger abschneidet. In den Kreisen, wo Herder, Schlegel und andere große deutsche Namen dominieren, ist tt ganz zu Hause. Herder lobt ihn als den deutschen Sokrates, den philosophischen Schriftsteller der deutschen Nation, der den deutschen Stil geschaffen hat. Er kommt vom Deutschtum zu seinen Brüdern. Und darin unterscheidet er fick, schon gewaltig von den Großen aus der spanisch-maurischen Zeit, etwa Jehud a Halevi, Gabirol, Samuel Hanagld, oder gar Maimonides, mit dem er so gern verglichen wird. Diese Männer sprachen von vornherein als Juden zu dem Juden und kanten dann vom Judentum zur Welt, als große Juden zur Welt-Kultur. Mendelssohn kommt als großer Deuscher zu seinen Brüdern und kann daher nur Führer der Juden, richtiger eines jüdischen Kreises werden, nicht aber Führer des Judentums. Ein Vergleich mit Philo würde näher Zu D5P7- Kurze Bemerkungen zum Wochenabschnttte Bon Rabb. Dr. Felix Kanter in Zwittau (Mähren.) Jakob, io bemerken unsere Wetten, wollte in Rübe und Frieden sich ansässig macken, da wurde er durch Josef in Unruhe versetzt (fpi> 7>s> mil pp). Eigentlich war eS doch nicht Jof>-f, der den greisen Jakob in Unruhe versetzte, sondern seine Brüder; ferner, so fragen viele Schristerklärer. warum heißt es nickt einfach pJS p»a 3p)r> aam, wozu die nähere Vezeichnuna van nvv psa, die scheinbar überflüssig ist. Und endlich: warum sollte Jakob am Abend seines Lebens tatsächlich sich der langersehnten Ruhe nicht erfreuen, warum? vH* f*ep. Die Antwort auf all diele Fragen geben unsere Weisen an anderer Stelle, indem sie sagen: mzb rv&K .1VVV, ..das Leben und Wirken unserer Borfahren bildet aleichsam ein Spieaelbild für ihre Nachkommen". Und nun sagen unsere Weisen ferner: .nbtt W's att”i iöwe» oipo v2 „Ueberall (an jedem Arte), wo von einer dauernden und friedlichen Niederlassung (Jakob.JSraelS) liegen, wüßte man nicht, daß Mendelssohn doch noch den jüdischen Quellen ungleich näher stand, als der von starkem jüdischen Gefühle durchdrungene, aöer von originellem jüdischen Wissen wenig belastete Schöpfer des geistigen Hellenismus in der vorchristlichen Zeit, der unbewußt mit seinen aus Unkenntnis der Texiquellen 'entstandenen Abirrungen auf die Wege des Logos sogar zum Vorläufer der neuen Mittlerlehre wird. Als Jude tritt Mendelssohn, mehr notgedrungen, erst 1769 hervor, da ihn Lavater öffentlich zur Stellungnahme gegenüber dem Christentum auffordert, und in heiligster Ueberzeugung erklärt er, daß er bet seinen „jüdischen Grundsätzen treu verharren werde, solange seine Seele keine andere Natur angenommen hätte." Als er jetzt das starke Bedürfnis in sich verspürt, den Juden in sich vorzuschicken, da ist es aus angeführten Gründen wohl ein wenig spät. Er wird, vom Deutschtum kommend, nicht Regenerator, sondern Germanisator seines Volkes. Und dazu sollte, ganz wie ehemals nach Entstehung der Septuaginta die griechische Bibel, jetzt die deutsche Bibel herhalten. So versteht man wohl den Sturm, der sich in d r jüdischen Welt erhob, als im Jahre 1778 die ersten Probeübersetzungen mit Hilfe des polnischen Gelehrten Salomon Dubno unter dem Titel rranm üPr erf^enen. Man wußte, wie vor zweitausend Jahren, auch hier merkwürdigerweise auf beiden Seiten sofort, woran man war. Die durch den Versuch gewiß nicht gerechtfertigte jubelnde Begeisterung auf Seiten der „Aufgeklärten" ließ die ungeheure Gegnerschaft der Alten, die sich bis zum Bannstrahl steigerte, erst v rstehen. Waren es doch wahrlich k:ine Finsterlinge, die den Kampf ausnabmen. Es waren Männer, die zum Teil selbst auf der Höhe moderner Bildung standen und in ihrer Art auch Bildnng verbreiteten, Männer von Welt Und Wissen, die über den Verdacht des Zeloientums hoch erhaben waren. Mau braucht nur die Namen Rabbi Jecheskel Landaus, Rabbi Raphael Kohens in Altona, Rabbi Hirsch Janow in Fürth, Rabbi Mordechai Benet, Rabbi PinchaS Hurwitz in Frankfurt a. M. zu nennen, zu denen noch später Rabbi Akib a Eiger, Rabb- Mosche Sopher und viele andre kamen. Heute, da wir ganz ohne Leidenschaft, vollkommen objektiv, über die Sache urteilen, beugen wir uns vordem weiten prophetischen Blick dieser Lehrer, die die ganze Entwicklung unseres letzten Jahrhunderts hellseherisch vorausgeschaut haben. Die Opposition galt nicht allein d?m reinen Deutsch und dem an sich sehr schönen, sachlichen und vollkommen auf dem Boden der Tradition stehenden Biurdie Rede ist, folgt unmittelbar eine schmerzliche Enttäuschung". Jakob wollte sich in Ru-e und in Frieden niederlassen, nicht etwa in einem fremden Lande, sondern vr.s* 'v.;© p.x2, im Lande des Aufenthaltes feines Vaters, iw Lande Kanaan, das schon sein Großvater bewohnt hatte, da erlebte er eine schmerzliche Enttäuschung — durch Josef, seinen GWpj p, feinen Jüngsten. Seine andern, altern Söhne hätten ihm gewist keinen Kummer bereitet, wenn Josef sich nicht als o'JipT p gefühlt und als solcher sich ihnen gegenüber benommen hätte. War es Jakob vergönnt, mit seinen Nachbarn in Ruhe zu leben, da brach der Streit in seinem eigenen Hause, unter seinen eigenen Kindern aus. Auch den Nachkommen Jakobs ist nirgends vergönnt, Ruhe zu finden. Erfreut sich Israel der Ruhe von außen, dann ist es seine Jugend, die es in Unruhe versetzt. Die älteren Söhne find weit entfernt, Israel zu beunruhigen, aber die Jugend ist es, die es mit Schmerz und Unruhe erfüllt. Das war das Schicksal Jakobs, düs ist das Schicksal Israels bis auf den heutigen Tag*) Josef sprach: „ . wie könnte ich diese große Schlechtigkeit begehen und sündigen gegen Gott". Dazu bemerkt der Äidrasch: k'tk JHP 2'N2 p “'-h »nwsn, ,"17,1 ">21.1 m .Ilvw 'VX Dip^ft, EVp*?«*?. „ES heißt nicht: ich würde sündigen gegen DBM (den ,i"2 *1,1 Olk»), sondern gegen B'p^x, d. h. gegen p'p^x kann ich diese Schlechtigkeit nicht begehen." Die Schwierigkeit in diesem Midrasch.Ausspruch liegt auf der Hand und braucht nicht erst btsonders vetont zu werden. Es klingt fast — man verzeihe schon den Ausdruck — wie eine Wellhausensche Hypothese, diese charakteristische Differenzierung von obm und a’p*7K an dieser Stelle *) Jolkut-Hadrusch zum Wochenabschnitte. i kommentar. Was sollten sie auch gegen diese Peschatbibel einzuwenden haben?' Wußte man doch von jeher, daß neben homiletischen Ausdeutung der einfachen, sinngemäßen Deutung der erste Platz zukam. Selbst Raschi verfährt ja nach diesem Prinzip, garnicht zu reden von Raschham, Redak und gar Eben Esra. Allein in der Mendelssohnschen. liebersetzung war es der ganze Geist, die schneidende Kälte, die jeden aus ihr anwehte, die große Aufmachung, die Anspielen, unter denen mit vielen Ankündigungen und Vorreden die „neue Bibel" den Weg durch die jüdische Welt antrat, was zum Mißtrauen und zur Abwehr führte - alle Zeichen sprachen dafür, daß man es hier nicht mit einer einfachen Bibelübersetzung zu tun hatte, sondern daß diese eine Absage an die bisherige Auffassung bedeutete, an die bisherige Gepflogenheit, alles was das jüdi'che Herz bewegte und bedrückte, unverbindlich und unbeschadet der wahren Wortbedeutung, in den Possuk htnelrrzustellen, eine Absage an die Tradition, den Anfang einer rationalistischen Lebensanschauung, von der bei Unterbleiben wirksamer Gegenmaßnahmen der Untergang des Judentums zu befürchten war. Und nur wenige Jahre darauf, schon in den letzten Jahren Mendelssohns und kurz nach seinem Tode reifen die Früchte heran, die zeigen, wie recht die alten Rabbinen gesehen und gebandelt und daß es nur ihrer eifrigen Rettungsarbeitzu danken war, daß die Flammen nicht das ganze Gebäude bis zu den Grundmauern erfaßt hatten. Bald haben wir dm Kreis der Measfim, die nichts besseres zu tun haben, als ih-en noch aus Bibel und Talmud bezogenen Geist und Witz an allen jüdischen Einrichtung-rr zu e*.proben. Der in Königsberg unter Euchel erscheinende „Sammler" (sivrrv) ist Tummelplatz für all die Elemente, die innerlich mit dem Judentum gebrocken haben und nur noch die heilige Sprache mißbrauchen, um ihre Ideen weiter in Die jüdische Welt zu tragen. Jakobson gründet die bekannte Schule der Tauft. David Friedländer macht sich durch Annäherungsversuche an die christliche Dogmatik lächerlich. Ascher will ein Glaubenssymbolum anstelle des Zeremonialgeietzes setzen. Inzwischen greift die Taufe ohne Philosopheme und ideologische Spekulationen mit epidemischer Gewalt um sich und richtet geistige Verheerungen ohne gleichen an. Die ästhetischen Salons der zweimal getauften Dorothea Mendelssohn, Henrsttte Herz. Rahel Lewin tuen das ihrige. Wie sollte man da Vertrauen zu der Schule haben, die mittelbar und unmittelbar all dieses ungerichtet, mindestens indirekt verschuldet hatten wie sollte man der gerade unter dem Treiben dieser Kulturwelle dec Heiligen Schrift. In Wtikltchkett aber liegt hier, wie das minn D3i:n lac richtig bemerkt, ein kleiner Dr.cksihler vor, der richtig gestellt werden mutz. Josef' sprach zum Weibe seines Herrn (i\nx stehe mein Herr (’jin) usw. und schließt mit den Worten . . . . „und ick würde fündigen gegen Gott." Dazu bemerkt der Midrasch: Würde anstatt D'pbrr dec Schluß 'Zin lauten, so könnte mau es im profanen Sinne ausfasten sd. h. Josef wallte nicht gegen seinen Herrn, den Potipöar, sich vergehen). Nun aber heitzt es v'pbrrb wrrvni, das will sagen: Er wollte diese Sünde auch gegen Gott nicht begehen. Aus dem Worte piK (Herr), das der Setzer mißverstanden hat, machte er OKM, wodurch der Sinn des Midrasck entstellt wurde. Mir andern Worten: Nach dem Midrasch führte Josef zwei Gründe ins Treffen. Erstens die Dankbarkeit gegen seinen Herrn (Potiphar) und die Sünde gegen Gott. „Und der Herr des Gefängnisses übergab in die Hand Josefs alle Gefangenen, die im Gesävgniffe waren; und was sie dort taten, tat er auch." Darin bestand auch die seltene Bescheidenheit und die Arbeitsfreudigkeit Josefs. Obgleich ihm eine gewisse Gewalt über die andern Gefangenen eingerflurnl wurde, hielt er es nicht unter seiner Würde, alle Arbeiten zu verrichten, die sie verrichtet haben.*) Und zum Schluß eine schwierige Targum Stelle, auf die schon im Jalkut Hadrusch hingewtesen wird. Zu Kapitel 38. V. 4 . . . . und sie nannte seinen Namen Onan") bemerkt der QEnr, sie nannte ihn deshalb so, „weil ihn einst sein Vater betrauern werde". (K'izxmb ns« IW 'Ivv 012). Hier liegt doch die Frage auf der Hand, warum nannte sie den ersten Sohn sEr) nicht ebenfalls Onan, da er doch noch vor seinery

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