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Der Israelit · 1864-01-06 · Heft 1 (6.1.1864) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 1 (6.1.1864)
Date
1864-01-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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3 Literarisches. Kalberftkadt. Die in den letzten Nummern des IV. I. des „Israelit" angeregten Fragen haben mich zu einer kursorischen Lectnre des Sohar veranlaßt, welche jedoch bezüglich jener Fragen den erwarteten erwünschten Erfolg nicht hatte. Aber bei diesem Durchblättern fesselte meine Aufmerksamkeit eine Stelle im Sohar, welche für die Untersuchung über dessen Alter von nicht geringem Interesse fein dürfte. Was die ernste und frivole Kritik für und gegen das Alter des Sohar und seine Echtheit als ppvN '-> vv im vorigen und diesem Jahrhundert zu Tag gefördert, soll hier nicht wiederholt werden. Gibt es ja kein jüdisches Schriftdenkmal, über dessen Ob und Wieviel als echt oder unecht anzusehen selbst im Lager der strengjüdischen Orthodoxie soviel discutirt worden wäre, als über den Sohar. Für uns genügt — da Alles, was R. Moses Ronitz in seinem Ben-Jochai vorbringt, im Hinblicke ans die vielen Facta späterer Zeit, deren der jüngere Theil des Sohar x'pi u. s. w. detailirt erwähnt, ganz irrelevanterscheint — was R. Jacob Emden *) mit der ihm eigenen forschenden Gründlichkeit und gestützt auf untrügliche Argumente in seinem p-rs nachweist, daß der Sohar aus 2 verschiedenen Sammlungen besteht, und namentlich der 8'p-> w-,-12 u. s. w. nicht als von R Simon ben Jochai herrührend, sondern als ein Pandect eines späteren Autors, wahrscheinlich des R. Moses den Schemtob de Leon (um die Mitte des 1. Jahrhunderts nach 5000 lebend), der Kern des Sohar aber -Mm als heilige Aussprüche des R. Simon benJochai, seiner Schüler und späterer Amoraim zu betrachten sei. Nichtsdestoweniger hat neulich Or. Graetz in Breslau in feiner „Geschichte der Juden" R. Jacob Emden's Argumentationen für die Echtheit des verwerfend, über den ganzen Sohar den Stab gebrochen, behauptend, daß nicht Ein Wort dieses Werkes von R. Simon herrühre, dasselbe vielmehr erst gegen Ende des 13. und Anfangs des 14. Saecl. durch den erwähnten R. Mose de Leon, als seinen ursprünglichen *) E* war ruckt, wie Grätz und Andere meinen, aus Emden, sondern, wir er selbst in der Vorrede zu angibt, aus Altona, wo sein Vater, der berühmte '2L O2N, zur Zeit seiner Geburt Rabbiner war. Man nannte tim R. I. Emden, weil er viele Jahre in Emden als Rabbiner fungirte. Durck Verfolgungen verschiedener Art zum Aufgeben dieser Stelle genöthtgt, verlebte er fast 40 Jahre in Altona, wo er seine sammtlichen Werke edirte. **) L. vor ungefähr 350 I., Vers, des Commentars .1-NN' (zu dem Werke rvpViN von dem Tosrphtten R. s^s) mit vielen Erklärungen über schwierige Stellen des Sohar versehen. Mantova N"'V. j Verfasser, bekannt worden sei. Ohne in eine Kritik der Grätz'schen Wahrscheinlichkeitsgründe, daß R. Mose de Leon der alleinige Verfasser des ganzen unter dem Namen Sohar bekannten Werkes sei, näher einzugchen, erwähne ich hier eine seiner Hauptstützen, nämlich das „gewiß untrügliche" Zeugniß des großen Kabbalisten Jehuda Chajot**), daß der Sohar nicht einmal Nachmani (pv"->) und Ben-Aderet bekannt war. Bei aller Achtung vor den Manen des großen Kabbalisten erdreiften wir uns im Interesse der Wahrheit diesen Ausspruch als irrig zu bezeichnen. Folgende Stellen werden bis zur Evidenz beweisen, daß s"2Oi mindestens einige Partien des Sohar gekannt haben muß. zu 'l psn ks"'-! bringt folgende Halacha Namens seines Lehrers d. i. »was aus sehr vielen Stellen des Commentars conf. Absch. III. Fol. 2 und wie aus dessen Resp. unzeideutig hervorgeht). 1) „Wer dem Studium der Thora stets obliegt „und das seine einzige Beschäftigung ist, jedoch zur „Ausführung dieses in ein Local außerhalb sei- „nes Hauses gehen und folglich während des Gan- „ges fein Studium unterbrechen muß, der hat auch „zum Zwecke der Andacht Vas öffentliche Gotteshaus, wo mit Minjan gebetet wird, zu besuchen, „gleichwohl er während des Ganges nach dem Got- „teshause seine Studium unterbricht (der Unterschied „zwischen einer und mehreren Unterbrechungen kommt „nicht in Betracht). Wer aber ununterbrochen in „feinem Haufe dem Thora-Studium obliegt „(dazu ein besonderes Zimmer bestimmt), der ist „vom Besuche des öffentlichen Gotteshauses dispen- „sirt, da er durch den Gang dahin sein heiliges „Studium unterbrechen müßte. Er hat darum vor- „zuziehen, einsam in seinem Studrrzimmer sein Ge- „bet zu verrichten, als durch den Gang nach dem „öffentlichen Gotteshause Unterbrechung seiner Stu- „dien zu verursachen (die durch die späteren Posekim „abgeschlossene Halacha schreibt jedoch auch in diesem Falle den Besuch des öffentl. Gottesdienstes, „und zwar aus sehr einleuchtendem Motive, als „Pflicht vor). Die Gesetzmäßigkeit dieses Ausspruches ist leicht zu beweisen. Denn es gab ja „große Gelehrte, die, um ihre heiligen Studien nicht „zu unterbrechen, das Beten überhaupt unterlassen haben. Wir finden, daß R. Simon den „Jochai von Jahr zu Jahr nur Einmal und „R. Jehnda Hannasi von Monat zu Monat „nur Einmal beteten, weil eben die Thora ihre „einzige Beschäftigung war, die sie nicht durch das „Gebet unterbrechen wollten. Wenn also das ununterbrochene Studium der Thora nicht einmal „durch das Gebet beeinträchtigt werden soll, um

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