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Der Israelit · 1936-10-15 · Heft 41 (15.10.1936) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 41 (15.10.1936)
Date
1936-10-15
Page
– (sequence 13)
Language
German
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15/* Oktober-1936 lodemdenxFlamme und haltet hoch die Fahne Beth- Jakobs! —•■■ Vieles, gar vieles haben die Mädchen gelernt, und mit großer, sehr großer Begeisterung haben sie dies, nun ins Leben mitgenommen/ „Der Beth JakobfGeist lebt nun in uns allen; wir Werden weiter für ihn werben und wirken." Mirjam' -Botschko. Breslau. Die hiesige ^Ortsgruppe der Agudas Jisroel hielt am vorigen Montag eine Mitgliederversammlung ab, die auch von Gästen stark ( besucht war. Der Referent des Abends, Herr Curt S c h n e 1ler, gab zunächst einen Ueberblick über das dahingegangene Jahr und die geistige und seelische Lage der Juden in Deutschland. Anschließend daran befaßte er sich mit der Aufgab«r des Agudismus im besonderen; hier sei noch viel, was bisher verabsäumt wurde, nachzuholen. Namentlich das Interesse an den abseits stehenden Brüdern, die nach einer religiösen Vertiefung Ausschau halten, sei zu wecken. Der Redner gab dann einen umfassenden Ueberblick über da® Leben in Erez Jisroel und schilderte das Wirken des gesetzestreuen Siedlers dortselbst.: Das Ideal des agudistischen Arbeiters., der unter Mühen und Entbehrungen der Pionier des Thoragedankens ist und der allein die Brücke zum Herzen des >,freien-' Arbeiters schlagen kann, müsse von uns allen erfaßt und gefördert werden. Die Zeichen der Zeit sprächen für die Agudoh, und es beginne allmählich zu dämmern, daß ein Zusammengehen aller Gesetzestreuen zum Segen des Heiligen Landes über kurz oder lang doch kommen muß.. An einigen Zahlen wies Herr Schneller nach, wie mit wenigen Mitteln Erstaunliches in den agudisii-. sehen Hachscharoth in Deutschland und Holland und ebenso in diesen Siedlungen in Erez Jisroel geleistet worden sei. Mit einem flammenden Appell, dieses große Werk auch welter tatkräftig zu stützen, beschloß der Redner sein mit sichtlichem Interesse auf5 genommenes Referat. SemeStereröfinung in Heide. Am 15. jwma wird n"'X die Heider na1»»» wiedereröffnet. Im letzten ]»t lernten hier 85 anina aus 8 verschiedenen Ländern: Deutschland 25, Holland 12, Tschechoslovakei 2, Frankreich 2, Luxemburg, England und Polen je 1; die übrigen sämtlich aus Belgien. Wie bekannt, wohnen und essen die Q'TirD in dem. Gebäude der na'tf\ — Nähere Anfragen sind zu richten an: Jeschibah Etz Chajim, Heide (Antwerpen}. Sprechsaal. Noch ein Wort zum „Duchan des R. Jose". Herr X. Y. hat in Nr. 40 Ihre® gesch, Blattes mich nicht widerlegt, sondern in extenso das bestätigt, was ich in meiner Notiz der Nr. 37 auf die "erste Bemerkung des Herrn Rabbiner Kaatz in Nr. 36 kurz angedeutet habe. Er ist aber nicht auf die Erwiderung des Herrn K. in Nr. 38 eingegangen, der nach Asulai die Leseart des R. Jerucham a. a. O. für nicht zuverlässig hält, so; daß auch die Deutung des R. Boruch Epstein nicht stichhaltig wäre. Ich möchte aber darauf hinweisen, daß ich aus meinem Exemplar des Asulai (I.-Krotoschin 1843, II. Frankfurt 1847) etwas .anderes herauslese als Kollege Kaatz. Daselbst Steht in I. S. 75: „er verfaßte 'o an»»'Di'nMricn8} sein Buch (Einzahl! also auf das letztere bezogen) ist voller Abschreibefehler." In II. S. 105 wird dies hoch verdeutlicht, indem der Verfasser schreibt: ,/Es ist längst bekannt/ daß sein Werk (wieder Einzahl!) fehlerhaft ist und ich muß gestehen, daß ich entsetzt war, als ich sein D'nipa 'o in die Hand bekam und feststellen mußte, wie viel Fehler im Drucke vorhanden sind." Hieraus ergibt sich, daß in beiden Fällen nur von a'IWö '0 als fehlerhaft die Rede ist, während es sich-in. unserem Falle um das andere Werk des R. Jeruchom, um mm otk 'd handelt, das auch Asulai nicht als fehlerhaft bezeichnet, so daß die von R. Boruch Epstein gemachte Bemerkung und Deutung zu unserer Talmudstelle nichts von ihrer Beweiskraft einbüßt. Dr. Dünner, Köln. Brennende Frage. Man schreibt uns: „Im Hinblick auf die nun wieder aktuell gewordene Frage der Beheizung der Räume und Erwärmung des Essens am Schabbos sei auf folgende Möglichkeiten hingewiesen: 1. Durch den automatischen Ofenentzünder, den Herr Jeremias Oppenheim in Nentershausen (über Bebra); erfunden hat, ist fast jeder Ofen:, der durch geringfügige Maßnahmen Freitag Vorbereitet werden kanti, zu gewünschter Zeit am Schabbos früh derart in Funktion zu 'setzen, daß das Feuer bis zum Spätnachmittag anhält. Der Apparat und. 'die notwendigen Hilfsmittel' verufflsaghen nur . geringe JCpsten. r . . .... •2; kommen 'Petroleumöfen in"^ Beteacht'; . v \H „• 3!' sikd für die Erwärmung des Essens.' die dick-' - baücnigöii Thermo'sflajschfen. zu empfehlen/';,' *••'.;U--. ' ';• . ■ ,-.,; , -•• D e. r J'-' I s r a e I i t '., Vermischtes- Die Vorlegungen am Rabbiner-Seminar zu Berlin. Berlin, 13. Okt. Es lehren und lesen im beginnenden,-Wintersemester am Rabbiherseminar zu Berlin: Dr. Jechiel Weinberg: Talmud (Öberabt.): Ba* ba Mezia II So bi® Do 8.30—10 Uhr. Dezisoren; Bössor wecholow Mo, Di und Do 10—11. Hälachisohe Vorträge: Fr 8.30—10. — Dr. Samuel Grünberg: Bibelexegese: Hiob So und Mi 10—11. Historische Bücher: Richter Di 12—13.30. Talmud (Mittelabt.): So bis Do 8.30—10. Pentateuch: Genesis So 12—13. Hebr. Grammatik: Einleitung und Nomen. Einführung in hebr. Bibelkommentare Mo 11—12. Neuhebräisch: Lektüre, Konversation und Referate Mo 20—22. — Dr. Jacob Freimann: Geschichte der' Juden in Deutschland seit dem .17. Jahrhundert Do 11—12. Literaturgeschichte seit dem 17. Jahrhundert Do 12 bis 13. Einführung in die rabbinische Praxis. Mo 11—12. — Dr. Esriel Hildesheimer; Geschichte der Juden in Spanien seit dem Tode des Maimonides bis zum Jahre 1391 (nebst Lektüre von Quellentexten) Di 11—12, Fr 10—11, Geschichte der Juden in Palästina im gaonäischen Zeitalter So 11—12. Quellenkunde zur Geschichte der Geonim Fr 11—-12. Talmud: Ketuboth III. Ende und IV. Mo, Di und T)o 10—11. — Dr. Alexander Altmann: Die jüdische Religionsphilosophie des Mittelalters II. Teil Mi 11 bis 12, Das tanaitische Judentum in der Auseinander setzung mit den geistigen Strömungen des vorderen Orients Mi 12—13. Uebungen über More Nebuchim und •Kusari Do 20—21. Theorie und Technik der modernen Predigt, vierzehntägig Do 21—22. Predigt- Übungen, vierzehntägig Do 21—22. — Rabb. Abraham Wolf: Talmud (Unterabt.)': Baba Mezia II So bis Fr 8.30—10. Ueber die methologische Bedeutung des halachischen Drasch (verbunden mit Uebungen) Di 18.30—19.15. Herr Dr. Maximilian Landau ist für dieses Semester eingeladen worden, Vorlesungen über „Geschichte der Juden im slavischen Raum", einmal wöchentlich, abends, einstündig, zu halten. (Näheres nach Vereinbarung). Die Aufnahmeprüfung ist auf Dienstag, den 20. Oktober> 9 Uhr, die Eröffnung des Wintersemesters auf Dienstag, den 20. Oktober, 17. Uhr, im Hörsaal I, angesetzt. Den Eröffnungsvortrag hält Herr Rektor Dr. J. Weinberg über: „Onkelos und sein Verhältnis zu Massora und Halacha". Berlin, 20. Sept. Wie das „Darmstädter Tageblatt" vom 15. September mitteilt, verhandelte das Schöffengericht' dieser Tage gegen einen 60jährigen Juden wegen Vergehens gegen das Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes, und zwar soll der Angeklagte in seinem Haushalt ein deutsches Mädchen beschäftigt haben. Die Verhahidluhig ergibt, daß das Mäd* chen, das seit Jahren mit ihm und seiher Familie. bekannt war, eines Tages bei ihm erschien mit der Bitte, sie doch, da sie arbeitslos sei, solange bei sich aufzunehmen, bis sie'' wieder Arbeit habe. Der Angeklagte nahm das Mädchen denn auch drei Wochen bei sich auf.' Das Mädchen Schlief bei seinen beiden Töchtern, und da es . ihm den Aufenthalt nicht genügend bezahlen konnte, half es gelegentlieh bei der Hausarbeit mit, trotzdem es ihr der Angeklagte ausdrücklich verboten habe. Der Angeklagte behauptet, er habe davon nichts «gewußt, denn er sei meistens außer Haus gewesen. Seine Tochter gibt zu, daß da® Mädchen gelegentlich half. Das Gericht erkennt gegen den Angeklagten auf eine Geldstrafe von 50 RM.. Wesentlich strafmildernd komme in Betracht, daß er das Mädchen tatsächlich aus Mildtätigkeit aufgenommen hatte, damit es in der Zeit der Arbeitslosigkeit, da es vbllkommen allein stand, nicht auf der Straße liegen sollte. Andererseits' sei es mit dem reinen Verbieten auch nicht getan. Der Angeklagte hätte dann eben auch wirklich dafür Sorge tragen müssen, daß das Mädchen in seinem Haushalt keine Arbeit leiste. Aurich, 12. Okt. Nachdem im vorigen Jahre ein Kinderg'ttesdienst anläßlich Simchas Tauroh veranstaltet worden, war, kam man in diesem Jahre dem Wunsche vieler Erwachsener nach, um diese Einrichtung weiter auszubauen. Die bis auf den letzten Platz gefüllte Synagoge gab einen Beweis für die rastlose Tätigkeit der hiesigen Ortsgruppe der Agudas Jisroel unter ihrem bewährten Führer, Herrn Simson,Samson, in dessen Händen die Leitung der Veranstaltung lag und durch Frl. Minna Wolff aowie Herrn Willi und A. Glück unterstützt wurde. Wer die Begeisterungder Kleinen sah, mit welcher Hingabe und Kenntnis die Nigunim und das Leienen ausgeführt wurden, der konnte sich überzeugen, daß hier noch alte Tradition fortgeführt wird. Die Feier wurde eingeleitet durch den Vorsteher'Herrn Karl van Dyk, der in einer längeren Ansprache < an die ganze Gemeinde appellierte,.den Namen der alten ehrwürdigen Gemeinde Aurich stets in Ehren zu halten und die uns 1 auferjegten Pflichten gewissenhaft zu erfüllen, um so auch der Jugend ein 'schönes 'Beispiel;,-zu-geben^d^^ Tradition! weiter zu.,hegen .und;zu IpflegeÄ Naöhy:Beendigu Feier;fjvurden. den Kihue^ Ortsgruppe;&er i .; ...... , , t., Nr. 41 Seite 13 A. J. überreicht, und man ging in dem Bewußtsein nach Hause, einer Veranstaltung beigewohnt zu haben, die allen Teilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben und der A. J. neue Mitglieder zuführen wird. Personalien. Rabbi Beer Friedmann Vj?"1ST' Kopenhagen, 11. Okt. Dreißig Tage sind verflossen seit dem Heimgang von Rabbi Beer Friedmann, dreißig Tage, in denen wir erschüttert waren von dem Ernst der „furchtbaren Tage", erhoben von dem Jubel der „Zeit unserer Freude", begeistert von der „Freude der Thora"! In diesen 30 Tagen haben wir bewußt den Schmerz und die Trauer zurückgehalten, in Selbstüberwindung das Wort wahr machen wollen: „in der Zeit der Freude — nur Freude"! Und nun kommt der Alltag wieder; jeder übernimmt wieder den Kreis seiner gewohnten Kflichten — und wer im Dienst des orthodoxen Klal steht, wer nun wieder die Ars beit für die Agudas Jisroel aufnehmen muß, dem legt es sich nun wie ein lähmendes Bewußtsein auf die Seele: „Ich muß meine Arbeit tun und der Treueste, der Hingebungs<vollste, der Unbestechlichste von uns allen: Rabbi Beer — er ist nicht mehr bei uns.'" Und neu brennt in uns die Wunde, neu wühlt der Schmerz, denn wir alle, die wir ihn gekannt und darum verehrt haben, wir wissen: mit Rabbi Beer ist uns das Gewissen der Agudas Jisroel genommen worden! Wie um Moses weinen um ihn die Söhne Israels, denn wenn er in ihrem Kreise, im Kreise der in Agudas Jisroel zusammengeschlossenen Menschen unseres Volkes Erscheinungen wahrnahm, durch die er die Jdee des durch die Thora organisierten jüdischen Volkes auch nur im mindesten gefährdet, getrübt glaubte, dann fand sein sonst so milder, so vorsichtig wägender Sinn die härtesten Worte der Zurechtweisung! Aber auch wie um A h a r o n weint um ihn das ganze Haus Israels, denn ein Mann voll unendlicher Liebe zu den Menschen ging mit Rabbi Beer dahin> ein Mann, der noch auf dem schwersten Krankenlager sich in Sorge verzehrte um die Reinheit des jüdischen Hauses, dessen adeliger Sinn von dem Gedanken an nnöwan nmo unablässig erfüllt war! Und wie um Rabbi weint man um ihn, denn Rabbis Sorge galt der Erhaltung der Lehre! Und daß die Lehre in unsierer Jugend lebendig bleibe, dafür kämpfte Rabbi Beer in all den Jahren seines Wirkens bei uns unablässig und unermüdlich! Der Erhaltung der Chadorim galt seine Hingebung; wieder und immer, wieder erhob er seine mahnende und beschwörende Stimme, daß die berufenen Instanzen der Agudas Jisroel und des Keren Hathora vor allem den mw Yinbn-»na ihre Sorge zuwenden! Und daß sie Vorkehrungen treffen, unsere Jugend Berufen zus zuführen, in denen sie treu und fest, bleibe in ihrer Jüdischkeit,' in der Erde wurzelnd, aber Geist und Seele dem! Himmlischen zugewandt! Und da Rabbi Beer, der große Sohn des großen Vaters, des Czörtkower Rebbe, Rabbi Jisroel Friedmann ^p'lST/ nun von uns gegangen ist, wird vor uns lebendig die Stunde, da einst Rabbi von der Welt schied und wir hören die Worte, die er einst gesprochen und verstehen - sie: „Ich brauche mein©' Söhne"! Da traten sie zu ihm hin und er sprach zu ihnen: „Achtet auf die Ehre eurer Mutter? Das Licht bleibe auf seinem Platz brennen, der Tisch bleibe auf seinem Platz gedeckt, das Lager bleibe auf seinem Platze gebettet!" (Kesuwaus 103a.) Wir hören, wie Rabbi Beer in seiner letzten Stunde diese Worte spricht! Und er richtet sie nicht nur an den Sohn und an die Tochter, an seine beiden Kinder, daß sie in ihrer Mutter und in der Weihe seines Hauses sein Gedächtnis für alle Zeiten ehren und heilighalten, er richtet sie an uns alle, an die in der Arbeit für Agudas Jisroel verbundenen Menschen! In all denen, die Agudas- Jisroel so liebten, so heilig und rem halten wollen wie er, sah Rabbi Beer seine Söhne! „Ich brauche meine Söhne";— soll ich an dem Werk nicht weiter bauen dürfen, so sollt ihr alle an meine Stelle treten und das vollenden, was ich nur mitbeginnen konnte! Achtet auf die Ehre eurer Mutter — Agudas Jisroel ist eure Mutter, haltet sie in Ehren, wachet darüber, daß ihre Idee" nie und durch niemanden verfälscht und verwässert werde, haltet sie rein und frei von allem, was ihren Glanz trüben, ihre Kraft schwä* chen, ihren endlichen Sieg im jüdischen Kreis gefährden könnte! Sorget, daß Agudas Jisroel in den weis testen Kreisen des jüdischen Volkes ihre gesegnete Wirksamkeit entfalte! Das Licht bleibe auf seinem Platz brennen — ihr wißt, wie sehr ich dafür gekämpft habe, daß unsere gesamte Jugend „lernen" — die Jeschiwaus sind für unser Volk gewaltig wichtig, aber an die Chadorim, in, welchem je dem jüdischen Kind das Licht der Tauro aufstrahlt,, an. die Bote Talmud Tauro, an sie denket vor allem! Der Tisch bleibe <;auf seinem Platz gedeckt -—■ denket, daran, für unsere Jugend, wenn sie die; Chadorim und die Jeschiwaus verläßt, materiell zu .sqr-

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