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Der Israelit · 1922-06-01 · Heft 22 (1.6.1922) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 22 (1.6.1922)
Date
1922-06-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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äjcVWarfi Ulcraris Ser Verfasser des Akdomuth. So sehr Akdomuth dem Schwuosfefte die Grund-Melodie gibt und seinen Charakter aufprägt, fragen sich doch die wenigsten, wann diese aramäische Thora Hymne entstanden ist, und wer ihr Verfasser ist. Freilich kennen wir den Dichter dessen Namen, wie sich aus dem Akroftikon ergibt, piiL' ':TD TKÖ lautet, nur ans seinen Dichtungen. Abgesehen von NlvNp» bereicherte er die synagogale Liturgie mit einem „Iozer" für den Sabbat nach WOB? und einem anderen im Versmaße des rrtölpK gehaltenen aramäiischen Gedichte '2» '!21L 12'rr, das in manchen Gemeinden an 7. Pefsachtage vor dem Verlesen der Thora gesagt wird. Mehrere Pljuttm und Slichaus tragen ebenfalls seinen Namen. In „Tausfaus" Roschhaschanah 11a wird er "TQX N'2V genannt und wird dort ein Satz aus seinem zu Peffach zietiert, der sich in unseren nicht besiadet. Seine Dichtungen erfreuen sich gleicher Sympathten im polnischen wie aschkenasischen Ritus. So gilt sein n"">1 N2V^> ‘rar sowie für Sabbat nach Pessach nur für polnischen Ritus, wahrend sein '2 npDBm •OT wie sein n^T für n"m na» nur in »2V» bekannt sind. Beiden Riten gemein sind u. a. seine mrav für D"»nn?)2V und löfW N2V- Aus der Tatsache, daß die Gemeinde Worms eigene von ihm gedichtete Pijuttm für Peffach und SchowuauS, ebenso eigene mrnfi für 14. Adar und 23. Jjar hat, schließt man, daß der mö*7p* - Dichter in Worms gelebt hat und dem Kreise des bekannten Paitan Benjamin ben Samuel um 4860 (1100 n. übl. Ztr.) angehört hatte. Aus den Lebenserinnerungen eines jüdischen Politikers. I. Ein ZweiundsiebzWähriger, der den Weg vom armen galizischen Chederjüngele zum Parlamentsübgeordneten und politischen Führer durchlaufen hat, wird den Zeitgenossen zum Verständnis der Gegenwart und der Geschichte immer Wertvolles zu sagen vermögen. Zwar hat — insbesondere für das politische Mitteleuropa - die Weltkatastrophe die Kontinuität des geschichtlichen Verlaufes jäh unterbrochen Und ganz andere Wertmaßistäbe für das, was wichtig und unwichtig erscheint, geschaffen; allein gerade im jüdischen Kreise bleibt doch ein fester Untergrund der Entwicklung vorhanden, der die Erlebnisse der Vorkriegszeit mit dem Heute und Morgen verbindet und manchem Tagesereignis der achtziger und neunziger Fähre des vorigen Jahrhunderts lebendige Tlktualität verleiht. Es sind die Lebenserinnerungen Dr. Jose p h Bloch s, soeben in einem stattlichen Bande bei R. Löwit-Verlag in Wien (380 S. gr. 8°, Preis' Mk. 80.—) erschienen, die uns zu diesen Betrachtungen Anlaß geben. Bloch hat sich, seitdem er, nach einer kurzen Episode in Dr. Hildesheimers Eisenstädter Jeschiwa, in die Hallen der europäischen Kultur eintrat, niemals zur Orthodoxie gezählt und" konnte deren Vertrauen auf Grund seiner frühesten literarischen Wirksamkeit nicht beanspruchen. Aber seine LebenUeistung als Waffengerüsteter, geisterfüllter Anwalt des jüdischjen Rechtes und vor allem des vielgeschmähten talmudisch-rabbinischen Schrifttums sichert ihm die dauernde Anerkennung und Dankbarkeit der jüdischen Gesamtheit. Den Höhe-^ Punkt dieser Wirksamkeit bildete sein Kamps gegen den berüchtigten Prager Kanonikus August Rohling und seine Helfershelfer, die Ecker,i I u st u s, Briman, ein Ringen, das er" siegreich durchfocht und während dreier Wahl-' Perioden als Abgeordneter im österreichischen' Abgeordnetenhause fortsetzte. Wir wollen aus dem interessanten Lebensbuche' zwei Abschnitte' auszugsweise wiedergeben, von denen der eine' für das noch immer nicht gelöste Erziehungsproblem im Osten, der andere im Hinblick auf die allerneueste Dinter'sche Talmud-Hetze von Bedeutung ist. j Aus den Wanderjahren des Kochers.! Bald nach meiner Barmizwah-Feier ver--^ ließ ich das elterliche Haus, oder richtiger, wurde' ich entlassen — unglücklicherweise mit zwei' Gulden in der Tasche, die ich noch vor Ver--) lassen der Stadt verlor. Ich erhielt wohl feilten Ersatz, dafür aber.von meinem Vater die üblichen Schläge. Es begann nun für mich eine große, mehrere Jahre hindurch andauernde Wanderzeit. Ich zog durch verschiedene galizische Städte, zunächst ohne in irgend einem Orte länger zu verweilen. Es lag in mir eine gewisse Unruhe, die mich von Ort zu Ort trieb. Mein ständiges Ouartier in jeder Stadt war das Beth-Ha-Midrafch, wo ich stets auf einer der Bänke schlief. Ich war indessen nicht der einzige, der hier nachtete. Um den warmen Platz in der Nähe des Ofens fanden förmliche Schlachten statt, und nicht immer war ich der Sieger. So verbrachte ich die ersten Wanderjahre in Not, doch ohne — Heimweh. Das' Talmudstudium war dazumal in Galizien sehr gepflegt; das' Beth-Ha-Midrasch hatte zahlreiche Besucher. Männer verschiedensten Alters, man kann sagen aller Berussschichten, faßen hier über Talmudfolianten viele Stunden des Tages und jeden Donnerstag auch die Nacht Hindurch. Hier unternahm ich nach einiger Zeit, wenn das' Beth-Ha-Midr asch einmal besonders zahlreich besucht war, eine Art Vorstellung zu geben. Ich forderte die Leute auf, - aus den Hunderten und Hunderten von Sforim Wuchern) in den zahlreichen Bücherschränken 'zwei beliebige auf den Tisch hinzulegen, mögen sie noch so verschieden sein nach Inhalt und Zeit und ich erbot mich, nach zehn Minuten ZZusammenhänge zwischen ihnen,aufzuzeigen, sei fc daß in bestimmten Materien sie einander widersprechen, sei es, daß sie einander ergänzen, sodaßj schwierige Stellen und Fragen in dem Zeinen Werk durch Zitate und Stellen in dem anderen ihre aufhellende Antwort finden. Diese Leistung erregte stets große Verwunderung und man machte sich den Spaß, die heterogensten Werke zu verkoppeln, z. B. einen Talmudtraktat über Tempelopfer mit einem über Zivilprozesse; ober, wie es einmal geschah, man brachte Responsen der Gaonim aus dem achten und ein Responsenwerk aus' dem siebzehnten Jahrhundert. Ich löste die Aufgaben mehr oder! weniger spitzfindig, allein Zusammenhänge wichtiger Art wurden immer gezeigt. Nach der Vorstellung erfolgte gewöhnlich ein Absammeln mtb ich erhielt einige „Sechserln" (d. h. Zehnkreuzerstücke). Trotzdem war ich auf Unterstützungen angewiesen, und ich blieb an keinem Orte mehr als einige Monate. Längeren Aufenthalt nahm! ich! in der. Stadt Sambor, wo ein emeritierter Kreisrabbiner, Wittmayer, eine talnmdische Kapazität ersten Ranges, der als wohlhabender Mann vom Amte sichzurückgezogen hatte, täglich einige bevorzugte Jünger znm Talmudstudium um sich versammelte, mich gerne bei sich sah und sehr zufrieden war, daß ich einem seiner Enkel michanfreundete. Mit diesem seinem Enkelsohn saß ich denn häufig in einem besonderen Zimmer beisammen — Großvater vermutete beim Talmudstudium — in Wirklich feit aber las mir dieser Enkelsohn die Geschichte Napoleons vor, ich glaube aus einer deutschen Uebersetzung des Thiersschen Werkes. Da von einer Heirat also keine Rede mehr sein tonnte, verließ ich wiederum die Heimat rund ging nach Krakau, wo ich mir von dem ^Rabbiner Simon Schreiber und seinem Raü- 'binatsassessor Abraham Jenner Zeugnisse geben -ließ, um mich von dort auf dem Umwege Mer Ungvar, von dessen Rabbiner und dem Gekehrten Solomon Ganzsried ich mir ebenfalls ^Zeugnisse holte, nach Eisenstadt zu Rabbiner ,(Dr. Esriel Hildesheimer, dem Leiter der betrühmten orthodoxen Rabbinerschnle, zu begeben. Dr. Hildesheimer nahm mich mit herzlicher Freude auf, prüfte mich auf verschiedenen talmudischen Gebieten, unterhielt sich stundenlang mit mir und erzählte seinen bevorzugten Freunden von mir und beauftragte mich schließlich,

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