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Der Israelit · 1904-03-14 · Heft 21 (14.3.1904) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 21 (14.3.1904)
Date
1904-03-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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455 Wahrend in dem Gutachten des Herrn Oberrabbiner Dr. Lerner kein Name genannt ist. sondern rein sachliche Gründe und Gegenstände erwogen werden, ergeht' sich Herr Dr. Ehrentreu in persönlichen Angriffen, die ihm die Sympathie des unparteiischen Lesers nicht gewinnen werden. Die Grundlage, auf der der erste Theil des Schriftchens sich aufbaut, ist eine Entstellung! Es ist, wie ich aus den Alten ersehen habe, nicht der Fall, daß Herr Oberrabbiner Dr. Lerner die Exhumirung gestattet hatte, damit das Friedhofareal verkauft werden konnte. Es handelte sich vielmehr um die Alternative, entweder zu gestatten, daß über die zu verletzenden Gräber hinweg die Straßcnverbreiterung angelegt werde, oder zu exhumiren. Selbst aber bei der Wahl zwischen Ueberwölbung und Exhumirung ist letzteres vorzuziehen, wenn, wie die Erfahrung lehrt, die Arbeiter während des Grabens beständig — trotz aller Vorsicht — auf rasssf stoßen. Wäre es nicht richtiger von Herrn Dr. Ehrentreu gewesen, ehe er auf Angaben von »tjb res Berichterstattern hin eine so schwere Beschuldigung gegen den Herrn Oberrabbiner Dr. Lerner öffentlich erhebt, sich an denselben zu wenden, um von ihm den wahren Sachverhalt zu erfahren? Herr Dr. Ehrentreu bespricht die Gründe, die Herr Oberrabbiner Dr. Lerner in seinem Gutachten auseinandergesetzt, den Hauptgrund aber, mcaor sm: verschweigt er. Der Herr Oberrabbiner Dr. Lerner. der an Verehrung für den großen Gaon R. Jakob Ettlinger s. A. von Keinem überboien wird, hat selbst im Jahre 1898, als ein Theil des Altonaer Friedhofes abgegeben werden mußte, in Uebereinstimmung mit p'ixn frM Ueberwölbung angeordnet. Trotz der Abmessung, des Raumes *"p p, auf welchem die Pfeiler errichtet werden sollten, stießen die Arbeiter immer vvn Neuem auf dtesi r.'.csy , die sie mit Axt und Schaufel verletzten, ebe dieselben von dem jüdischen Aufseber in Empfang genommen werden konnten. Außerdem wird durch das in unserer Zeit so sehr entwickelte System der Siel-, Gas-. Wasser und elektrischen Leitungen der Untergrund beständig aufgegraben und unterwühlt, so daß Ueberwölbung in unserer Zeit kein Schutzmittel zur Erhaltung der Leichenreste bildet. Es ist daher für jeden Sachverständigen einleuchtend, daß nach diesen Erfahrungen auch n-fen m pnxn r»:n m sich der Entscheidung des rrwa rw R. Ezechiel Landau ohne jedes Bedenken angeschlossen und gleich deni Herrn Oberrabbiner Dr. Lerner, auch auf dem portugiesischen Friedhofe Exhumirung der Umwölbung vorgezogen halte. ..Was liegt den Todten daran" — ruft er pathetisch Seite 3 aus — „wenn Menschen über ihre Gräber treten, oder Rosse über dieselben rennen? Werden denn die Todten durch diesen Lärm von ihrem Schlummer erwachen?" Wie läßt sich dieser Ausruf mit den Grundsätzen eines' Rabbiners vereinigen? Es ist, wie aus den Akten ersichtlich, auf dem ganzen Terrain weder eine Leiche, noch ein Gerippe, noch ein einziger Schädel, sondern es sind nur ganz winzige Reste vorgefunden worden, wie das bei Bestattungen, die ungefähr vor 250—300 Jahren stattge» funden haben, garnicht anders vorausgesetzt werden konnte. Wenn Herr Dr. Ehrentreu die Möglichkeit einer Ausgrabung des Untergrundes, gegen welche die Ueberwölbung kein Palliativmittel bildet, in das Reich der Fabel verweist, so zeigt er uns, daß ihm die er- 'fahrungsmäßige Thatsache völlig unbekannt tjfc Denn eine städtische Hauptverkehrsader, wie die in Frage stehende, wird, wie aktenmäßig nachgewiesen, von Ausgrabungen ihres Untergrundes, wie solche für Anlagen oder Ausbesserungen der Siel-, Gas-, Wasser- oder elektrischen Leitungen * othwendig werden, in stets zunehmendem Maße betroffen werden. Es darf jedoch nicht verkannt werden, daß der Vorstand der portugiesischen Gemeinde Hamburg, um die es sich hierbei handelt, nicht sreitvillig, sondern, wie ans den Akten hervorgeht, durch die obrigkeitlichen Behörden gezwungen, einen Theil des Areals zur Straßen-Berbreiterung hergab, gratis aber nicht hergeben wollte, um nicht der Stadtgemeinde den bedenklichen Anreiz zu geben, auch den übrigen Theil des ausgedehnten Terrains^ ohne jede Belastung der Stadtkaffe, an sich zu bringen. Trotzdem ist es unwahr, wenn Herr Dr. Ehrentreu behauptet, daß Herr Oberrabbiner Dr.« Lerner zum Verkauf des exhumirten Areals seine Genehmigung ertheilt hat. .Derselbe hat vielmehr verlangt, daß die Gemeinde sich das Eigenthumsrecht an demselben bewahre. Herrn Dr. E.'s Methode, den Worten des Herrn Oberrabbiners einen fremden Sinn zu unterschieben, um dann gegen diese Unterschiebungen anzukämpfen, tritt deutlich auf S. 6. 7,12.18 hervor.. Das Streben, nebensächliche Momente aufzubauschen und in erster halachischen Untersuchung philologische Punkte zu erörtern, zeigt sich auf Seite 6,11,12,14. Die Zweideutigkeiten und widerspruchsvollen Wendungen sind zahlreich. Hier nur einige Beispiele: „Ich muß ihn entschuldigen, er hat sich nur geirrß denn aus?'Lv'7> hat er nur zitirt, was ihm paßte, - die Hauptsache aber hat er absichtlich verschwiegen. (S. 16.) „Die Menschen irren sich, ich aber habe die Sache.bis auf die Wurzel e r g r ü n d e t, ich habe mir nämlich von Leuten, die ich für glaubwürdig halte, sagen lassen." (S. 16.) Oder „Mir f che i.n4 , daß Dr. Lerner der Freien Vereinigung die Anregung gegeben, wie ich schon früher gelesen habe, daß er die Freie Vereinigung ersucht hat, die Frage der Aschenrunenbeisetzung in' Erwägung zu ziehen? (Sr 21.) Also: „Einer irrt sich, weil tu ve t r..Lg t " „ef. schein t mir, weil ich mit eigenen A u g e pg e - sehend ^Jch -habe csbisaüsdie.Wurzrgründe t, weil ich es mir habe e r z ah le n lassen." Diese Methode bedarf trotz des p'nb . ln dem der

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