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Der Israelit · 1892-10-27 · Heft 85 (27.10.1892) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 85 (27.10.1892)
Date
1892-10-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1613 Stiftung von zehntausend Gulden zu gründen, von deren Zinsen verarmte Greise anläßlich des Zinsquartals unterstützt werden sollen. Rußland. Petersburg, 11. Oktober. Ausländer mosaischen Glaubens können, wie das „Verl. Tagebl." von angeblich autoritativer Seite erfährt, ohne Weiteres ein Visum nach Rußland mit der Erlaubniß, sich hier drei Monate aufhalten zu dürfen, erhalten, falls sie Inhaber oder Bevollmächtigte, Angestellte, Agenten 2c. einer handelsgertchtlich eingetragenen Firma sind. — Ausländer mosaischen Glaubens, die in Rußland erste Gildesteuer zahlen, genießen in Bezug auf das Reisen nach Rußland und den Aufenthalt daselbst dieselben Rechte wie die ausländischen Christen. Petersburg, 21. Okt. Ucber einen Besuch, den vor kurzem der Domänenmininster Ostrowski den jüdischen Ackerbaukolonien im Gouvernement Jekaterinoslaw abgestattet hat, wird der „Köln. Ztg." gemeldet, der Minister sei ganz erstaunt über den vortrefflichen Zustand der Kolonien gewesen; er äußerte wiederholt, er habe gefürchtet, die Kolonien beständen eigentlich nur auf dem Papier, und freue sich, daß er sich getäuscht habe. Die Kolonisten erklärten sich mit der Lage sehr zufrieden, nur eins sei mißlich: daß sie nämlich zu wenig Land hätten. Der Minister rieth ihnen, ihre Besitzungen durch den Ankauf von Kronländereien zu vergrößern. Die Juden entgegneten, das Gesetz gestatte das nicht. Der Minister versprach dann, in dieser Sache sein möglichstes zu thun und meinte, zum Kurator sich wendend: „Mit einer Bevölkerung von 7000 Köpfen kann man nicht Spaß treiben, ich werde für Sie sorgen." Petersburg, 22. Okt. Der „Nowoje Wremja" zufolge eröffnet das Zentralkomite für die Auswanderung der Juden in Petersburg im Herbste seine Thättgkeit. > Vermischtes. < Eppingen, im Oktober. Vor mehreren Tagen schloß sich das Grab über die irdische Hülle des 82 Jahre alten, pensionirten Hauptlehrers Ezechiel Schleßinger, welcher während seiner 45jährigen Thätigkeit einzig und allein in seiner Vaterstadt Eppingen segensvoll wirkte. Ein so langjähriges gutes Verhältnis! zwischen Lehrer und Gemeinde ist für beide recht ehrenvoll. Der Verstorbene war von 1826—1828 ein Schüler von Rabbi Jakob Ettlinger in Karlsruhe (später Oberrabbiner in Altona), erwarb sich nebst profanem Wissen bedeutende Talmudkenntnisse, die er später durch fleißiges Lernen noch erweiterte. Als besondere Lieblingsbeschäftigung Pflegte er hebr. Grammatik. In seiner Praxis wirkte er als tüchtiger Lehrer, guter N*np tyn??n mb pflichttreuer Die Zeit, die ihm zu seiner Ruhe vergönnt war, verbrachte er in Mannheim, wo auch seine Beerdigung stattfand, an welcher sich außer vielen ehemaligen Schülern auch ein offizieller Vertreter der Gemeinde Eppingen in der Person des Herrn Lehrer Eich st etter betheiligte. Berkach bei Meiningen, n’WO rattf waren es fünfzig Jahre, seitdem sich hier der Verein nJiDN piin man gebildet. Zehn bis zwölf hiesige Gemeindemitglieder riefen denselben ins Dasein; jetzt zählt derselbe zwar nur noch 7 Mitglieder, darunter 2, die ihn begründen halfen. So gering die Beiträge auch sind, so hat derselbe doch im Laufe der Jahre an Vermögen zugenommen, denn trotz beträchtlicher Unterstützungen, die er an Bedürftige hier und auswärts geleistet, besitzt der Verein ca. 1200 M. an zinstragenden Geldern. Der Würde des Tages wurde durch eine diesbezügliche Ansprache des Lehrers G. Holländer in der Synagoge Rechnung getragen. H. In einer Versammlung der Centrumsparlei zu Frankfurt a. M. erklärte der Schriftsteller Herr Wasserburg aus Mainz den Antisemitismus für nicht vereinbar mit den Prinzipien seiner Partei. Am 17. d. M. fand in Osterode (Ostpr.) die Grundsteinlegung zu einer neuen Synagoge statt. Die Ansprache, unseres Predigers Herrn S t U r m an n, des Vorstands Herrn Jakoby und die des Herrn Bürgermeisters Elwiespik wurden von der großen versammelten Menge, Juden und Christen mit Begeisterung ausgenommen. Die Synagoge soll August k. I. ihrer Bestimmung übergeben werden. Pilse«, 10. October. Der Ausschuß des hiesigen „Bürgerlichen Brauhauses" hat anläßlich der Jubelfeier seines 50jährigen Bestehens der hiesigen Cultusgemeinde für Ihren Synagogenbau 1000 Gulden gespendet. Die früher in Lyck, dann in Berlin herausgegebene hebräische Zeitschrift „Hamagid" erscheint fortan unter dem Titel „Hamagid Hachadasch" in Krakau als Wochenschrift unter der Redaction des Herrn I. S. Fuchs. Verschiedene Blätter bringen die Nachricht, daß die Moskauer Stadtbehörde die nun verwaiste neue Synagoge in einen Circus umwandeln will. Uuglaublich klingt das eben nicht. Die Columbusfeier wurde in den verschiedenen festlich geschmückten Synagogen New-Parks durch besonderen Gottesdienst begangen. Am 11. September d. I. fand die feierliche Einweihung des von der israelitischen Cultusgemeinde in JohauiSburg (Südafrika) erbauten neuen großen Tempel statt, welcher auf einem von dem Stadtrathe an die Kultusgemeinde zu diesem Zwecke geschenkten Grunde erbaut wurde. Jassy. Die hiesige isr.-rum. Knabenschule zur rothen Brücke zählt nach ihrem Jahresbericht 200 Schüler, die meistens Waisen und Kinder von armen Leuten sind. Dem hebr. Unterricht werden täglich 4 Unterrichtsstunden gewidmet. Die Schule verdient es, daß ihr die früher. seitens der Kultusgemeinde geleistete monatliche Subvention von 125 Frcs. wieder zugewiesen werde. Laut Mittheilung der „Alliance Jsraelite Universelle" an die Verlagsbuchhandlung S. Gerstmann in Berlin W. ist die allgemeine Einführung der „D e u tsch en Schreib-Lese-Fibel" und des „Ersten Lesebuches" von Raphael Cohn, Lehrer an der jüdischen Gemeindeschule zu Berlin, allen denjenigen ihr unterstellten Schulen empfohlen worden, in welchen die deutsche Sprache

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