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Der Israelit · 1929-09-26 · Heft 39 (26.9.1929) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 39 (26.9.1929)
Date
1929-09-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit Nr. 39 Seite 3 haben auf der Kenefsio die große innere Seelen* kultur des Judentums zum Ausdruck gebracht — Schutz unserer Jeschiwoth. Unser Lebensquell ruht in den Jefchiwoths. Nach weiteren Ansprachen nimmt Rabbi Chajim Os er Grods e n s k y das Wort und mahnt, man solle nicht nur den Beschlüssen lauschen, sondern« jeher Einzelne müsse seine Kraft emsetzen, sie zu verwirklichen. Darauf teilt Rabbi M. Schapiro mit, es werde bei der Kenefsio Gedaulo beantragt, Rabb. Dr. P. K o h n zum P r ä s i d e n t e n d e r E x e k ut i v e wieder zu wählen und zugliech als Präsidenten der Weltorganisation zu ernennen. Rabb. Dr. K o h n nimmt das Wort zu einer Erklärung, daß er sowohl wie Jacob Rosenheim diese Titulaturen entschieden a b l e hn e n. Dr. Kohn fügte dann hinzu, er betrachte Jacob Rosenheim als den „Vater" der Weltorganisation, sich selber aber und I. M. L e w i n als cmay der Agudas Jisroel. „Cs wäre wohl am Vesten, wenn wir drei in diesem Verhältnis zueinander wie bisher noch weiterhin, solange wie rrsn möglich, die engere Leitung bilden." (Großer Beifall.) Darauf der QubUnier Rarv, Rabbi Schapiro: „Das mit den D’yxna geht keineswegs. Dr. Kohn ist Kohen, und ein Kohen kann niemals srsna werden" . (Brausender Beifall und lunganhaltendes Händeklatschen). — - Es war 9 Uhr abends, als der unvergeßliche Schlußakt der 2. Kenefsio Gedaulo sein Ende fand — und die neue Arbeit begann. Roch tönten durch alle Räume der herrlichen Sophiensäle chassidische Weisen, da versammelte sich schon der neugewählte Zentralratzu seiner konstituierenden Sitzung. Nach kurzen eiin'leitenden Worten von Oberrabbiner L e w i n - Rzeszow wurde das bereits in der letzten Nummer g-emeldete Präsidium gewählt. Wochenrundschau. «Ruhe in Palästina. erhalten bei jedem Versicherung® - Abschluß wesentliche Vergünstigungen durch die lebeesvei'licherunasgefelllchaft PHÖNIX Viertgrößte Gesellschaft des Kontinents Versicherungsbest. f,2 Milliarde GMk II Mitarbeiter zu günstigsten Bedingungen u. zwar Gebalt, hohe Provision, Altersversorgung, gesucht Bewerbungen an Phönix, Berlin, Meinekestr. 10 Diesen Titel tragen jetzt alle offiziellen Communiques, auch die Zeitungen- Palästinas, die nach langer Unterbrechung wieder regelmäßig erscheinen. Was hinter dieser Aufschrift in den ZHtungsspalten, die noch durch den Knebel der Zensur gehemmt sind, zu lesen ist, läßt das Blut m den Adern erstarren. Wenn da im „Doar Hajom", im „Haarez" und im „Kol Jisroel" Augenzeugen schildern, wie sie am Freitag Mittag vor dem blutigen Sabbat in der Jeschiwa zu Hebron, da das Gebäude schon von Mordgesellen umringt war, den einen Jünger, der als „Jlui" und „Masmid" sozusagen als der Primus der Jeschirva galt, nicht von der Gemoro wegbringen konnten und ihn eine Stunde später verstümmelt in seinem Blute fanden, wenn da geschildert wird, wie die etwa sechzig Opfer alle hinter den Barrikaden oder in den Kellern lange Stunden aus den sicheren Tod warteten, wenn manda von den Peinigungen und Vergewaltigungen, bewiesen und belegt durch Augentzeugen und ärztliche Befunde, auch durch photographische Aufnahmen, hört, dann geht uns doch ein Schimmer auf von der fürchterlichen Tragödie unserer Brüder im heiligen Lande, wie sie seit den Kreuzzügen die jüdische Geschichte nicht mehr kannte. 150 Todesopfer in Jerusalem, Hebron, Safed, Mozah, Tel-Awiw, Haifa und- Hulda werden in den Zeitungen bei Namen, Beruf, unter Angabe von. Geburtsort und Mer genannt. Es sind Achtzigjährige und fünfjährige Kinder dabei. Die Listen sind nicht vollständig, Da unzählige Verwundete die Spitäler füllen, von denen noch täglich welche durch den Tod von ihren Qualen erlöst werden«. Das Disk ins che Waisenhaus in Jerusalem öffnete, ohne Rücksicht aus die schlechte Finanzlage, seine Tore für sämtliche 28. Sept. 2929 .Die Schlußsitzung. Um 5 Ahr nachmittags versammeln sich Delegierte und Gäste zur Schlußsitzung, die von Dr. Pinchas Kohn geleitet wird». Es herrscht gehobene Stimmung. Zunächst werden die Wahlen für den Z e n t r a l r a t vorgenommen. Von Deutschlandwerden in den Zentralrat entsandt: Dr. Emil Hirsch-Berlin, Rabbiner Dr. Jsaac Auerbach-Halb erstadt, Dr. Nathan Birnbaum-Berlin, Oberrabbiner Dr. Josef Larlebach-Altona, Salomon Eschwege-Hamburg, Moses Herz-Schw. Hall, Rabbiner Dr. Meier Hildesherm-er-Verlm, Rabbiner Dr. Klein-Nürnberg, Jacob Levy-Berlin, Rabbiner Dr. Esra Munk-Berlin und Joel Sänger-Frankfurt. Die PoWsche Exekutive, bestehendaus den Herren Oberrabbiner Lewenstein-Zürich, Oberrabbiner Werl-Colmar, Ch. Eiß-Zürich, Harry Goodman-London und Sally Guggenheim-Basel wird wiedergewählt. I. M. Lewin - Warschau überbringt Abschiedsgrüße, der polnischen Landsmannschaft. Jacob Rosenheim fühkt u. a. aus: Wie oft fvagidenwir u>n>s tor bte-m r»erg!ain>genen Wochen, rm-rib Agudas Jisroel diese SchickfalSistuNde, diese zmeAe Kenefsio GedwrÄo, ü bert-eben? Abe-r heute dürfen wir -es -aussprechM. Ueber die Diel'- hertz, über die Zwdespäl!ii!g.Mt des Gruppen-egvisrnus hat die Kruft der Thora -triumphiert! Auf -dem Wege des Aufbaus sind wir smen Schritt vorwärts gekommen, der Rabbimfche' Rat hat ein« Exeku-tive und -ein Präsidium. Hoffentlich finden sich Männer in« unseren Reihen, die Mittel zum weiteren- Ausbau des Rabb-mischen Rates zur Verfügung stellen: Es ist uns ge-lungen, Gegensätze, die in der Struktur des Gül-nsliegen, inkonkreter Form zu v-erföhnen. Undder Prüfstein für die .innere Einheit ist di« Ei-nhei-t nach a-uHen, die wir festigen konnten durch unsere Stellung zu-r Jemish Agency! Freuen wir uns des organisator ischen Aus-bau-s', freuen wir uns der Festigung unserer Jugend- und Ärbei-ierffmppm, freuen wir uns des Hinaustveiens unserer Frauen und Töchter! So gehen wir heün -in der Zuversicht auf den Sieg Gottes! Möge Gottes Segenauf unseren Söhnen und Töchtern ruhen!, daß, wem wir schlafen gehen, ein neues Geschlecht stehe von Kenefsio 'Gedaulo zu Kenefsio Gedaulo! Oberrabbiner Schapiro- Lublin zieht in dieser ernsten Nerlah-Stunde ein kurzes Resümee und schlägt naMMS dev polnischen und deutschen Lan-desorgan-isation die Schaffung eines Präftdentenposten-s der Weltorganisation vor. Oberrabbiner C a r l e b a ch - A l t o na spricht einen Gruß zum Abschied. Wir sindan mate-^ Miellen Kräften schwächer als -andere Organisationen, aber eines sollen wir wissen, die religiöse Entscheidungist wichtiger als die politische. Wir arbeiters wieder, ohne uns mit dem Gedanken zu befreunden, daß wir befugt wären, eigenmächtig Aenderungen an altgeheiligten Terten vorzunehmen. D. Red.) (Die Streiter im Kampfe gegen Moses Mendelssohn.) .Von geschätzter Seite wird uns geschrieben: In der letzten Nummer Ihres geschützten Blattes schreiben sie in Würdigung des 200. Geburtstages Moses Mendelssohns: „In stiller Bewunderung und Verehrung beugen (du: uns heute vor dem Namen der Männer wie Ezechiel Landau, Hirsch Janow, Pinchas Hotowitz". Der eigentliche Streiter im Kampfe, der Oberrabbiner der drei Gemeinden Altona, Hamburg, Wandsbeck, Raphael Cohn, wird dort nicht erwähnt. Und doch war er der meist Angegriffene. Denn die Aufklärungsapostel in Berlin, Jsaac Daniel Jaffe und David Friedländer, ließen in ihrer neu errichteten Druckerei das Phamplet Mazpe Jaksel gegen das Werk .„Toras Jekusiel" von einem anonymen Verfasser drucken, um Raphael Cohn herabzuzerren und lächerlich zu machen, weil von ihm, als dem bedeutenden Gelehrten und berühmten Vorsitzenden des jüdischen Gerichtes, die Herausgeber der Mendelsfohnschen Schumoschim seine Zustimmung, oder wenigstens, datz er als Subskribent zeichne, verlangten, was er ablehnte und mit gleichgesinnten oben erwähnten Männern einen niv'« — aber keinen t=nn gegen die Verbreitung der deutschen Medelssohn'schen Uebersetzung erließ. Wie ich im Jwoh Lemoschaw Seite 66 erwähnte, ivar die Zeit noch nicht reif für die Mendelssohn'schen Ideen, und seine Uebersetzung, aus der die Jeschnva Bachurim Deutsch lernten. Sowohl Rabbi Jonathan Eibenschütz als später Raphael Lohn hatten nichts gegen die Person, gegen die gewissenhafte Beachtung der Gottesgesetze Mendelssohns einzuwenden. Raphael Cohn wollte nur der unheilvollen übereiftigen Reformbestrebung der sogenannten Aufgeklärten entgegentreten. Und gerade in Hamburg-Altona, wo die einflußreiche Familie Mendelssohn wohnte, gehörte der ganze Mut und die Ueberzeugungsfestigkeit eines Raphael Lohn dazu, diesen Kampf aufgunehmen. Sein Enkel, Gabriel Rießer, nennt stolz seinen Großvater, Raphael Lohn, den unerschrockensten gerechten Richter seiner Zeit. E. D. (Ein Bild des Jerusalem von heute.) Der bekannte holländische Publizist Pierre van Paassen, der sich im Aufträge der Jüdischen Telegraphen-Agentur nach Palästina begegben hat, gibt den folgenden Umriß des Jerusalem von heute: Die Atmosphäre ist die einer Stadt hinter der Front; wie sie etwa 1914 in den Städten Frankreichs und Flanderns herrschte, mit Flüchtlingen aus den Gefahrenzonen überfüllte Schulgebäude, mit Verwundeten überfüllte Spiler, Mobilisierung der gesellschaftlichen Nothilfe, Eskortierung von Eefangenentrupps. Von Panik ist aber nichtts zu spüren. Die Judenheit Jerusalems wie des gesamten Landes ist von unerschütterlichem Mut beseelt und entschlossen, in dem Ausau des jüdischen Nationalheims nicht zu rasten. Der Eindruck eines Kriegszustandes wird erhöht durch das Brüllen und Surren der Molare und Propeller der britischen Kriegsflugzeuge, die zeitweilig sogar den Vielklang und Mißklang des Basars übertönen. An allen Ecken, wie auf den Plätzen, in den Kaffeehäusern, Khakibekleidete Tommis und Blaujacken. Kuriere auf Motorrädern rattern durch die Straßen. Beflaggte Stabsautos jagen hin und zurück. Jnfanteriepatrouillen ziehen noch immer neue Posten ins Land hinein. Wachtposten mit aufgepflanzten Bajonetten bewachen die Zugänge zu den Heiligen Stätten: Klagemauer, Omarmoschee, Heiligengrab-Basilika u. a. m. An den Wänden kleben Befehle und Proklamattionen. Um 9 Uhr abends setzt das Vespergeläute ein. Von dieser Stunde an herrscht in Jerusalem Grabesstille, die nur unterbrochen wird durch den metallischen Schlag der kommenden und gehenden Posten. Gegen Sonnenaufgang erwacht Jerusalem bei einem unheimlichen Tongemisch des Gesanges der Muezzin und des Schmetterns der Militärtrompeten. Die jüdischen Läden in der Altstadt sind wieder geöffnet. Auch die araibschen Obstoerkäuffer sind' im Basar auf ihren Posten. Es entgeht aber dem Beobachter nicht, daß Boykott noch Parole des Tages ist. Um 5 hUr nachmittags sind die Obsibestände der arabischen Händler hoch aufgeschichtsst, während sie früher schon um die Mittagsstunde ausverkauft zu sein pflegten. Die sorgenvollen Gesichter der Kausleute sprechen eine' deutliche Sprache. Doch werden schon Straßen und Märkte von Pilgern und Touristen aus Europa und Amerika belebt. Jeden Tag treffen neue Touristen ein. Die Flüchtlinge in ihren beengten Behausungen haben sich den Verhältnissen angepaßt. Es herrscht Disziplin und peinliche Sauberkeit. Die Verteilung der Nahrungsrationen klappt sehr gut, die gesundheitlichen Einrichtungen sind mustergültig. Pemenitische Juden aus Siloam und Juden aus Dörfern in der Nähe von Jerusalem weigern sich, in ihre Heime zurückzukehren, bis nicht ihre arabischen Mitbürger die Garantie für ihre Sicherheit übernehmen. Ein ehrwürdiger Rabbi erklärte, die Propaganda unter den Arabern sei erbarmungslos, in seinenh Heimatdorfe wurden die Araber von den Agitatoren getadelt, weil sie ihrer Mörderpflicht nicht Genüge netan haben und die Juden fliehen ließen. In der sephardischen Talmudschule sind fast 200 Flüchtlinge untürgebracht; schreiende Säuglinge, kranke Greisinnen Mit ihrer in Tüchern gebundenen kärglichen Habe, in allen Ecken im Gebet sich rhythmisch bewegende Körper. Die Drangsckle der Flüchtlinge werden durch 'folgende Zahlen illustriert: in der Mädchenschule der Alliance Jsraehite sind 103 Flüchtlinge auf 230 Quadratmeter, in der Kna«

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