Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 48 (3.12.1936)
- Date
- 1936-12-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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^^^S^SS^Sf^gfjs^s^ Seite 12 Nr. 48 Der Israelit 3. Dezember 1936 Stätte von Tauroh und G'ttesfurchJ; zu gestalten, in welchem in seltener und beispielgebender We'se- D'aan 'T»i>n' ein Heimfanden. — Sein t~iidt möge sei=* nen beiden Söhnen xtnd deren Familien und unserer;: KehilJoh beistehen. rraxj/i Küstrin, 27. Nov.. Unsere . Gemeinde hat. einen herben Verlust zu beklagen. Am' Rusttäge zum T«p Ni'1 ist eine unserer Besten, Frau Margarete Cohni geb. Gerson, unerwartet ihrer Familie und uns durch, den Tod entrissen worden. Au® einer frommen Familie hervorgegangen, hielt'sie auch später nach ihrer' Verheiratung die- Tradition ihres Elternhauses aufrecht und führte ein echtjüdisches .Haus, in dem strengstes m-nra und D^yiai mnaw ihre Pflege fanden. Von den Gaben, die ihr und "onV dem Gatten geworden, gab .sie gern und freudig, wo es nottat. Ob es galt, allgemeine und religiöse Institutionen, zu unterstützen, Armen und Hilfsbedürftigen zu helfen, überall zeigte sich ihr jüdisches Herz. Sie war eine nsni npnxi non und übte diese Seite jüdischen Wohltuns nicht, um damit zu prunken, sondern in der Stille tat sie das Gute und Rechte. Herr Kantor L ö w y schilderte an ihrer Bahre die Verdienste der Verklärten, gleichzeitig dem Schmerze der Gemeinide ob ihres Verlustes Ausdruck gebend. Möge ihr rror den Hinterbliebenen und uns beistehen. i-rnxan 1. Aus der Agudas Jisroel-Bewegung. Der Große Rabbinische Rat zu den Marienbader Beschlüssen. Loindon, 2. Dez. Bekanntlich unterliegt der in Marienbad gefaßte Beschluß zur Gründung eines gemeinsamen Arbeitsbüro« mit dem Poel fiaraisrachi in Eres Israel noch der Genehmigung des Großen Rabbinischen Rates. Wie aus dem Zentralbüro der Agudas Jif roel-Weltorganisation mitgeteilt wird, treffen täglich Antwortschreiben der Mitglieder des Großen Rabhinischen Rates ein, in denen sie ihre Stellungnahmen und ihren Standpunkt aussprechen und. begründen. U. a. sindtbi® jetzt Antworten eingegangen vom Gerer Rebben; dem Sokolower Rabbi; Rabbi Jakob Meir Biedermann, Warschau; Oberrabbiner Zirelsohn, Kischinew; Oberrabbiner Jeschaja Fürst, Wien; Rabbiner Rottenberg, Antwerpen; Rabbiner Bloch, Telschi; Rabbi Elchonon Wassermann, Baranowici. Ueber den Inhalt der Schreiben wird nach Eintreffen aller Antworten genau Bericht erstattet werden. Aus der Bes Jakow-Bewegung. London, 30. Nov. Im Hause der Lady Sassoon findet dieser Tage eine bedeutsame Bes Jakow=Konferenz statt. Auf dem Programm stehen Referate der früheren' zweiten' Vorsitzenden des Londoner Stadtrates, Miß Adler und Dr. Judith Grünf eld-Rq&en.baum.. Auch der Präsident der Agudas Jisroel-Weltorganisation, Jacob Rosenheim, ist eingeladen, ein Referat über die Bes Jakow-Bewegung zu halten. Den Vorsitz auf der Konferenz übernahm Lady S p i e 1 h a h n. Von den Poale Agudas Jisroel in Palästina. Tel Awiw, 1. Dez. In Tel Awiw wurde eine A g udis t'i a c h e Arbeit e r b a n k gegründet. In einem Rundschreiben an die P. A. J. werden die Mitglieder gebeten, sich in allen Fällen ausschließlich der Vermittlung dieser Bank zu bedienen. Tel Awiw, 30. Nov. Unter Beteiligung von 21 Mitgliedern der Zentrale aus allen Landesteilen wurde die L a n d es si i t z u n g der P. A. J. unter Vorsitz von Dr. Jsaac Breuer abgehalten. Herr Jacob Landau erstattete den Bericht über die Tätigkeit und konnte mitteilen, daß nach Beendigung der Streikunruhen das Zusammenarbeiten zwischen den einzelnen Snifin wieder aufgenommen wurde. Eine neue Gruppe wurde in R a - m a t G a n gegründet. 150 neu eingewanderte Chawerim und Chaweroth konnten in den Arbeitsprozeß eingegliedert werden. Die Eröffnung der eigenen Bank und Leihkasse erforderte großem Energie. Die geistige Arbeit geht in 'den einzelnen Gruppen voran und; Hand in Hand damit auch die Stärkung des religiösen Lebens. Dagegen hat sich die f i n an z i e 11 e L a g e noch wesentlich verschlechtert. An den Bericht knüpfte sich eine, ausgiebige Diskussion, die der Vorsitzende, Dr. Isaac Breuer, mit einem ausführlichen Schlußwort beendete, in dem er auf all seine Anregungen und Bestrebungen der letzten Zeit, u. a. auch auf den1' Versuch zur Schaffung eines gemeinsamen Arbeitsbüros mit dem > Poel Hamisrach'i noch einmal einging. Seine Marienbader Anregungen bezüglich des Ueberbrückungskredsites seien leider noch nicht;.zur Ausführung gelangt. Dr. Breuer ist optimistische genug, zu glauben/ daß-, die betretenen Wege einmal zum Ziele führen werden. De* Erfolg! von TMarienbad war, daß man: die'HArbeiterfra'ge in«'Zentrum des allgemeinen Interesses rückte. . . „ - Nach;weiterer Ausspräche wurden mehrer« Resölutionen angenommen. Vermischtes. Halberstadt, 30. Nov. Am 1?. November, fand-ein Vortragsabend der jüdischen Schule statt, zu dem das Lehrerkollegium die Gemeinde eingeladen hatte. Das Thema lautete ,,Die jüdische Schule, ein Lebenspröblem der jüdischen Gemeinden'''. Das° Hauptreferat hielt Schulleiter L u n d n e r. Ausgehend von einem Gleiche nis des Chofez Ghajim führte er aus, daß die jüdische Schule das Herz der Gemeinde sei. Die Gesundheit dieses zentralen Organs der Gemeinde bedingt1 die Heilung aller ihrer Glieder, Der Gedanke der jüdi- ■schen^ Schule habe sich heute allenthalben durchge^ setzt. Die Maßstäbe, an denen Weg und Ziel schulischer Bildungsarbeit gemessen werden sollen, müßten dem ewigen Lebensgesetz des jüdischen* Volkes entlehnt werden. Die Halberstädter Schule habe seit ihrem Gründungsjahr 1795 diese Grundsätze bewußt und harmonisch in die Struktur der Gemeinde eingefügt. Manche Schwierigkeiten seien der jüdischen Schule in Halberstadt erwachsen, aber die festgegründeten Erziehungsprinzipien der Schule seien ein sicheres Bollwerk gewesen. Männer' wie Esriel Hildesheimer b'ST, Dr. Plato b'W, Direktor des Lebrerseminars in Köln und Dr. Lange V*sr Direktor der S. R. Hirsch-Schule in 'Frankfurt a. M., seien aus der Schule hervorgegangen. „Sie haben," so erklärte der Redner, „der jüdischen Welt bewiesen, daß unsere Schule die Grundlagen jüdischer Persönlichkeitsbil* dung legen kann." Der Unterricht erstreckt sich heute besonders auf die Fächer, die für 'die nach Erez Israel strebende Jugend wertvoll sind. Leider entwirft die Statistik ein trauriges Zukunftsbild unserer Schule. Die Voraussetzungen für einen Ausbau unserer Schule^ sind gegeben. -Mit einem warmen Appell an die zahlreich erschienenen Zuhörer, für die Erhaltung der Schule einzutreten, schloß der Referent seine, von tiefem pädagogischem Ethos getragenen Ausführungen. Als zweiter Redner sprach Lehrer. James . W i g - d er o witsch. Er zeigte ani Beispiel'des ihm anr vertrauten naturwissenschaftlichen Unterrichts, wie 'die Schülerinnen und Schüler zum Verständnis und zur Liebe der Natur geführt werden. Die- Naturformen de® jüdischen Geistes müssen den Kindern wieder erschlossen,werden. In der hebräischen Sprache erkennt das Kind eine solche .Naturform, die es unmittelbar in den Kreis des (jüdischen Volke® hineinführt.'; An Hand geschickt, ausgewählter Beispiele aus dem naturwissenschaftlichen Unterricht zeigte der Referent, wie die Natur unmittelbar zu ihm spricht. Die Lebensgemeinschaft in der Natur wird ihm nähergebracht^und ihm'der Zusammenhang; mit dem Leben der Menschen- und Volksgemeinschaft offenbart. Die Aufgeschlossenheit und Empfänglichkeit des Kindes zu entwickeln,; ist. die; gemeinsame Aufgabe vqn Schule und -Elternhaus, zu der der Referent alle. Eltern und Ersieher aufruft. Seine Ausführungen lösten allgemeinen Beifall aus. ' ' Als letzter Redner sprach Lehrer Herbert Sonn über die Probleme des geisteswissenschaftlichen Unterrichts. Die Eigenpersönlichkeit des Menschen' drückt sich in seiner Sprache aus. Auch die Eigenart des Kindes prägt sich im Stil seiner Sprache. Die Welt des Kindes, seine Phantasie treiben oft eigen2 geformte Bilder hervor. Auch der Dichter spricht in Bildern zu uns,.Diese müssen in ihrer'Werthaltigkeit verdeutlicht werden. Es ist die Aufgabe,: die Beziehung zwischen unserer Wirklichkeit "und der des Dicht&ts herzustellen. Auf diese Weise werden in den Gesichtskreis des Kindes Lebenswerte gestellt, die Seele und Geist emporentwickeln können. In der strengen,.v sacherfüllten Arbeit des Xehrers ruht die Sicherheit, seines erzieherischen Tuns. Im Kind die Liebe zum Wort und da® Streben nach Erkenntnis geistiger Begriffe zu entfalten, ist die Aufgabe jedes geisteswissenschaftlichen Unterrichts. Schulleiter Lundner schloß die Versammlung mit der Aufforderung, für die Erhaltung der Schule einzutreten, da die Voraussetzungen für die billige und gute Unterbringung auswärtiger Kinder geschaffen wären. H. S. Berlin, 10. Nov. Im Rahmen der' Sinai-Lehrgänge sprach,am 24. November Rabbiner A. W o Ii!über das Thema „Die Auffassung der Geschichte in. T'nach". Die Grundfragen sind die: erstens> warum will die Thora nicht reines Gesetzbuch sein, sondern "gibt uns viele geschichtliche Berichte? Zweitens, welche Aüffassung vom; Wesen der jüdischen Geschichte findet sich in T'nach? . Zur Lösung der zweiten Frage mußte die Stoff anordnung und die Stoffaus wähl der Berichte . betrachtet werden. Bei der Anordnung des. Stoffes' ist es bezeichnend, daß Gesetz und Geschichte in der. Thora selbst! vollends Ineinander übergehen tifta daß Geschichte und GescHchtsbeteacIitun'g'^ immer mitein-; ander verbunden werden; .Die Auswahl' des Stoffes läßtmanches politische oder militärische Geschehen außerhalb der Geschichtsschreibung ' und ' behandelt Ereignisse' wie den Bau des Heiügtüms oder tfie Be= , strafung des A^chan tbei .-der.,. Einnahme , vx>hr Jeriäho mit" auf fällender" ÄusMnriichkeit. Die Ueberleigung, über die •Gesetzlrch|c«jt in der pü'^'&h^VG^esc^cHte weis| nebeü /dem;;Prinzip der '^j^c^^|^i^c%Mg^it: auf das d^:.;g'ttl^ henden G'ttes hui. u'n%läßt 4i^''i^We^.^öVa:§seW»% dreimal,;ausgesprochene GefalH-;^e>!? Verführung; düä:k den 1) ölen Trieb 'zufeinem negativ b.esif/mmenden "Moment »der (jüdischen ^'g%t, sieh also; 'daß 'der Gegenstand der Biblischen Geschichts- Schreibung das Auf und Ab beider; Seiten tAe&- Vjbthältnisses zwischen G'tt und -Isrkel * is>t. Dieses Verknüpftsein des Ueberirdischen mit dem Irdischen läßt auch die überirdisch wirkenden: Kräfte und die irdischen als vollkommen auf einer Basis stehend erscheinen. Da die Erwählung notwendig in einem bestimmten geschichtlichen Augenblick einsetzen mußte, bleibt das Leben des' jüdischen " Volkes stet® geschichtsbezogen und muß die Thora als"-geistiger Inhält des jüdischen Volkes Geschichte und Gesetz miteinander; verflechten. Zu einer ausführlicheren Behandlung gerade' dieses Gesichtspunktes stand nicht genügend Zeit zur Verfügung. 'Der sehr interessante Vortrag . hinterließ deshalb . bei dem Publikum den (Wunsch auf baldige Fortsetzung (dieser Gedankengänge über die biblische Geschichtsauffassung. . Hamburg, 20. Nov. Die statutengemäße Gene' ralversammlun£ des Vereins M e k o r C h a j i m fand für die Jahre 5694/97 am Mittwoch, 4. November, Im Vereinslokal statt. Der Vorsitzende, Herr B i a 1 o g-- 1 o w s k i, begrüßte die Versammlung und gab der Hoffnung Ausdruck, daß in den. nächsten. Jahren iix die das 75jährige Bestehen des M. Ch, fällt, es dem Verein vergönnt sein möge, seine Tätigkeit wieder zu erweitern. Nachdem das Protokoll der letzten Generalversammlung einstimmig genehmigt war, gedachte Herr Bialoglowski der in den abgelaufenen drei Jahren verstorbenen Dozenten und Mitglieder, zu deren Ehren die Anwesenden sich von ihren Sitzen erhoben. Es folgte dann jdei- Tätigkeitsbericht, ausdem zu entnehmen ist; daß trotz de!r Ungunst der Zeiten es dem Verein gelungen ist, seine Lehrtätigf keit Unbeschränkt aufrechtzuerhalten, wenn; auch durch die lange Vakanz des Oberrabbinerposteiia auch die Tätigkeit des M, Ch. etwas gehemmt wurde. Zweimal konnte inj den . vergangenen Jahren ein Sijum gefeiert werden. Zur dauernden Erinnerung an; unseren heiihgegahgerien Raw wurde auf Initiative der Verwaltung eine Sammlung durchgeführt zur. Spende eines* Poräuches. Ausallen Kreisen unserer Kehilloh gingen die Spenden ein, so daß .e® möglich; - war, ein künstlerisch wertvolles Poräuches anfertir gen zü; lassen, das am ersten Jahrzeitstage im Rah3 men einer Hespedveranstaltung im Vereinslokal dem DJSV übergeben würde. Das Poraüche®. nach Entwürfen . von Kallman Rothschild; von. Frau Judith S c h e n k o law s k i angefertigt, ist . ein Schmuckstück der Bornplatzsynagoge und fand überall ungeteilten Beifall. "'"■■" ' Außer den regelmäßigen Schiürim fanden auch wiederholt Vorträge statt; besonder® an den Jomimv tauwim, die stetsi einen sehr guten Besuch aufwiesen,, was leider von den Schiurim nicht gesagt werdenkann. Arischließend wurde der Kassenbericht erstattet, s def leider, wi« nicht anders zu erwarten war,, sehr trübe ausfiel. Mit einein Mahnwort, den Verein materiell und ideell weiter tatkräftig zu unterstützen, schloß Herr Bialoglowski die. Generalversammlung. Basel, 21. Nov. Man kann es ruhig sägen, daß" in Basel schon lange keine jüdische Feier stattge* funden hat, die auf einem' solch geistigenv Niveau1 . stand und "mit soviel Elan und Geschick geleitet wurde, wie die Sijümfeier der T a lmud TIi o r a am Sonntag/den. 15.! ds. Im; vollbesetzten Saale des : Spalenkasino wurde das Fest eingeleitet - mit dem Hadron-V ortrag des Herrn Rabb. D. I. Sc hoch est, uer es verstand, in einstündiger freier Rede, die Materie bis ins Tiefste beherrschend, sich die volle .Anerkennung der zahlreich. < anwesenden* Thorakundigen;zu erwerben. Mit. einer Begrüßungsanspräche des Prä- . . sidenten Herrn Gabr. P 1 a u t und Dankesworten für den Leiter der Talmud Thora wurde die eigentliche- Sijümfeier eröffnet. Es folgte dann Nummer auf Nummer. Geistvolle Ansprachen, gewürzt mit Thoraworten von Herrn Rabb. Dr, Bohrer, Gailingen, Rabb, Schochet, Dr. Eug. Frankel. Dr. W. Ringw a l' d , humofistische . Vorträge' der Herren ' Max Meyer, stud. med. Prenzlauer, Manfred ' Plaut, Tischlieder, für die verantwortlich'zeichne*; ten Frau Dr. Estella F r ä n k e.l.-und Kurt,.S t e r n, trugen zur Verschönerung des Festes bei und, ließen , keine Minute der Langeweile aufkommen. Volle® Lob i und Anerkennung' verdient noch das1 Damenkomitee, j das 4ich;um.das reichlich und schön: servierte Meiiu und die reizvolle Tafelausschmückung bemühte. Trqtz der yorgerückten Stunde ergab die, .Versteigerung ides Benschens einen befriedigenden Betrag. A^les in allem kann, das schöne Fest '5 als ein in; jeder Beiziehung gelungene® bezeichnet werden. < v - ' . . v ,ü hü. .')! •! i tJ*gBIM