Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 91 (17.11.1904)
- Date
- 1904-11-17
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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1962 konnte. Wahrend der deutsche Jude noch rechtlos dastand, genoß der portugiesische Jude bereits alle Ehren. Auswärtige Machte ernannten die Mitglieder dieser Gemeinde zu ihren diplomatischen Vertretern, der Kaiser ernannte einen sogar zum Pfalzgrafen. Senatoren verkehrten in ihren Häusern, und dem berühmten Arzt Rodrigo de Castro gestattete der Senat sogar, ein Haus aus seinen Namen schreiben zu lassen, was selbst den portugiesischen Juden sonst streng verwehrt war. Während später dann allmählich die portugiesischen Juden an Bedeutung verlieren, entwickelt sich die Deutsche Gemeinde zu einer der bedeutendsten der Judenheit. Für die Geschichte dieser Gemeinde, namentlich für ihr inneres Leben, fließen die Quellen ziemlich reichlich; außer den archivalischen Quellen sind es namentlich die Memoiren der Glücke! von Hameln für das 17. und die Schilderungen von Jacob Emden für das 18. Jahrhundert, die vorzügliche Kulturbilder bieten. Rabbiner Grunwald — früher in Hamburg, jetzt in Wien — hat es nun unternommen, aus diesem reichen Material eine Geschichte der deutschen Inden in Hamburg zu schöpfen; gründliche Forschung und ein gewandter Stil haben es in glücklichem Zusammenwirken fertig gebracht, daß hier nicht eine trockene Aufzählung geschichtlicher Daten vorliegt, sondern ein fesselndes Kulturbild, dessen Einzelheiten auch Laien gerne betrachtet werden. Der Verfasser nennt sein Buch selbst bescheiden nur „Ausschnitte aus der Geschichte der deutschen Juden", das in ähnlicher Weise, wie er s. Z. die „Portugiesengräber auf deutscher Erde" geschrieben bat. nur Episoden schildern will. Diese Bescheidenheit geht zu weit; wird man auch füglich, da vas Werk ja zeitlich beschränkt ist, es nicht als eine vollständige Geschichte der Gemeinde der deutschen Juden in Hamburg bezeichnen können, so behandelt es doch die Periode, welche der Verfasser sich zur Beschreibung vorgenommen hat, recht erschöpfend. Da erfahren wir etwas aus den Memoiren der Glücke! von Hameln, die Steuerkraft und die soziale Stellung der Gemeinde wird geschildert, der äußerst interessante Hamburger Amulettenstreit*) zieht vor unserem Auge vorüber, und sogar werden unZ Hamburgs Juden in Bild und Karikatur gezeigt. Es ist wahr, jeder Theil bildet nur einen Ausschnitt aus dem Leben der Judenschaft Hamburgs; wenn man sie aber alle durchgelesen hat, so besitzt man doch ein volles und klares Bild von dem ganzen Leben und der Geschichte der Gemeinde. So bildet daS Buch in seiner klaren Auffassung und fesselnden Ausführung einen werthvollen Baustein zu den immer mehr anwachfenden Vorarbeiten für eine große, umfassende Hamburgische Geschichte. *) CS ift r fidj pari» die ia be?annttic2 Eibrnfchütz. mr dedouerNL. dak der SfrtT. b£8ÜQti<fi dieser in Cnnnfrciie ßräöifän: Auslassung befind i dem Größten in diesem Streite. NabbiJonatb durÄauS nicht gerecht wird. Red, d. «JSr. HalachlscheS. p'pnvn SNS'M m wo n nivn mNisn 'd Tffin rpxc .Txrwxa Es ist eine erfreuliche Thatsache, daß die geistige Regsamkeit, die sich heute auf allen Gebieten des menschlichen Wissens kundgibt, auch bis in die takmudische Wissenschaft ihre Kreise zieht; auch hier sehen wir alljährlich einige neue Erscheinungen austauchen, die entweder über schwierige Partien des Talmuds neues Licht zu verbreiten sich bemühen oder solche, die sich ein spezielles Gebiet des Talmuds aussuchen und darin das bekannte und längst Erläuterte nach logischen Prinzipien ordnen und dem Lernenden ein geordnetes, abgeschlossenes Ganze darbieten. Wenn wir auch an Werken ersterer Art keinen Mangel haben, so ist auf dem anderen Gebiete noch sehr viel zu thun. Wer ans talmudischem Gebiete thätig ist, weiß, wie schwierig und zeitraubend es manchmal ist, alle zusammengehörigen Stellen eines pp zusammen zu stellen. Daher sind Werke letzterer Art, wenn sie mit Geschick und Sachkenntnitz gearbeitet sind, wie das vorliegende nur zu empfehlen. Der sechste Theil des in der Ueberschrift genannten Werkes reiht sich würdig den fünf vorhergehenden an, die in diesen Blättern seiner Zeit schon besprochen wurden. Reichhaltigkeit und Mannigfaltigkeit hat auch dieser mit den früheren gemein und der Verfasser pp">2X "2 nvbx fix ttsn pxn yn -wr:tß hat auch in diesem Theile seine Meisterschaft auf dem Gebiete der Halacha bewiesen. Jeder, der sich mit halachischer Wissenschaft beschäftigt, wird darin etwas Nützliches und seinen Neigungen Entsprechendes finden. Man findet Belehrung in den mannigfachen Bemerkungen, die durch offenbare, gleichsam handgreifliche Schwierigkeiten der betreffenden Stellen entstanden sind und die daher Jedem besonders willkommen sein müssen. Aber auch der Freund einer ausführlichen Talmuderklärung. wie auch der Freund des sog. „Pilpuls" kommt auf seine Rechnung. So bildet diess Werk eine schätzbare Bereicherung der hakachischen Litleratur. aus dem sich Viele Belehrung holen mögen. Jeder, der es zur Hand nimmt, wird dem Verfasser für seine Bemühungen Dank wissen. Das Werk ist von dem Verfasser Herrn Oberrabbiner E. Deutsch, Bonyhäd, Ungarn, zu beziehen. Mainz, im Jt&ete. Kl. LltterarhiftorischeS. Dr. Bondi, I. Der Siddur des Rabbi Saadia Gaon. I. Kaufs mann, Frankfurt a. M. 1904. Der Siddur des Gaon Saadia, das älteste uns bekannte Gebetbuch, dessen große Bedeutung auf Grund der häufigen Anführungen bei den geschätztesten Au-