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Der Israelit · 1896-12-03 · Heft 97 (3.12.1896) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 97 (3.12.1896)
Date
1896-12-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1849 R. Jakob Ettlinger in Altona von seiner irdischen Laufbahn abberufetv War R. Jakob Ettlinger von Geburt aus u n s c r Landsmann, so fällt der größte Theil seiner Local-Wirksamkeit in den Norden unseres Vaterlandes. In Wirklichkeit war aber sein Wirkungskreis die ganze Welt zunächst durch seine N2'll" in Altona und feine herrlichen d^bb, mit denen er die Welt beglückte. Einen solchen Gedenktag sollte man aber nicht vorübergehen lassen ohne ihn nutzbar zu machen für rrrn und nrss, und anläßlich desselben darauf hinzuweisen, daß die Zeitgenossen sich beinühen sollten, im Geiste und Sinne des Unvergeßlichen für* rroin tc^ zu wirken. Jur Laufe dieser 25 Jahre folgten leider viele Große in Israels dem Verblichenen in's Jenseits, und wir fragen mit Recht frnen ',2b *np' "e? Im Laufe dieser Zeit hat der -ra^ in allen Kreisen leider abgenonlmen, und wiederunr fragen wir mit Recht: Darf dies so weiter gehen? Daß die große Welt mit ihren materialistischen Anschauungen und Ansprüchen nicht so leicht für den minn TirS zurück zugewinncn, ist nur ztt bekannte Dhatsache. Daß aber in den Kreisen, welche noch min hegen und pflegen und zu verbreiten berufen sind, manches geschehen könnte ni'-mnbmir ^n:r6, steht ebenfalls außer Frage. Uud wenn diese Zeilen vorerst nichts weiter erreichen, als die Frage anregen und zur Diskussion stellen, wie dies geschehen könnte, so haben sie ihren Zweck erfüllt. Meiningen. Vorige Woche ist der hochbetagte Religionslehrer der israelitischen Gemeinde, Herr Lang, der auch als Kantor und Schächter fungierte, zu Grabe getragen worden, kurze Zeit nachdem von der Gemeinde sein 70. ®eburt§tag feierlich begangen worden war. Bereits sind mehrere Bewerber zu Probevorträgen geladen, natürlich nur Kandidaten aus dem Herzogthum, da nur Staatsangehörige definitive Anstellung erlängen können. Die Schechitah soll fortab von der Lehrerfunktion getrennt sein und ist bereits ein eigener Schächter angestellt worden. A.— O e st er r. - U n g a r. M 0 narchie. Wien, 26. Rov. „Rein, er gesällt uns nicht, der neue BürgermeisterMan wußte es im Voraus, daß das neue antisemitische Oberhaupt von Wien, Herr Strobach, den hohen Posten, der die Würde der kaiserlichen Residenzstadt an der blauen Donau ihm in die Hand gegeben untadelig verwalten werde. Er war schon, als er noch auf den Oppositionsbänken saß, einer der stärksten Rufer im Streit, jetzt, seitdem er im Schmuck der Ehrenkette prangt, sieht er sich bereits drei — Ehrenbeleidigungsklagen gegenüber. Die eine geht von Droschcnkutscher Bauer aus, der das Unglück hatte. mit der Equipage des hochmögenden Bürgermeisters zusammenzustoßen, rmd von diesem mit dem Ehrentitel „S . . kerl" beehrt wurde, die beiden anderen Klagen von einem Schreiber beim Magistrat, Namens Sepper, der sich hcrausgenommen hatte, in einer öffentlichen Versammlung die Nichteinhaltung der den Beamten gegebenen Wahlversprechungen der Antisenriten zu rügen, deshalb sofort aus dem städtischen Dienst entlassen und bei der Disciplinarverhandlung von dem Bürgermeister als „Lügner" angeherrscht wurde. Da Herr Strobach natürlich seine Berurtheilung zu befürchten hat, lag ihm daran, die Gerichtsverhandlungen hinauszuschieben, weil die ihm als Landtagsabgeordncten zustehende Immunität durch den Zusammentritt dieser Körperschaft in Kraft träte. Er wählte dazu, wie der „Allg. Ztg." geschrieben wird, ein eigenthümliches Mittel. Da der Kläger Sepper den Magistratsdirector und andere Beamte, die die ihm zugefügte Beleidigung angehört hatten, als Zeugen namhaft machte, bestimmte Bürgermeister Strobach die Genannten, mit Beziehung auf die ihnen auferleglc Amtsverschwiegenheit die Zeugenaussage zu verweigern. Sie erschienen auch dann nicht, als das Gericht ihnen zu wissen that, daß diese Berufung nicht in der Strafproceßordnung ihre Begründung habe. In Folge dessen wurde ihnen bei der Verhandlung eine Geldstrafe von je 50 Gulden auferlegt. Aber es kann wohl sein, daß der Bürgermeister seine Absicht erreicht, denn der Richter vertagte auffälligerweise nicht blos die Verhandlung über die Klage Sepper, sotldern auch über die des Kutschers Bauer, denn auch iti diesem Streitfälle tvaren die Zeugen ausgeblieben. Unterdessen tritt vielleicht der Landtag zusammen, der, da die Antisemiten die Mehrheit besitzen, die Auslieferung seines Mitgliedes ohne Weiteres verweigern wird. Jedenfalls darf man gespannt sein, wie sich die Angelegenheit noch entwickelt. Inzwischen ist es im Gemeinderath selbst zu einem sehr heften Zusammenstoß zwischen dem Bürgermeister und den Liberalen gekommen. Die Körperschaft verhandelte, wie uns gemeldet wird, gestern über die Vorlage, betr. die nachträgliche Genehmigung der Aufnahme einer schwebenden Schuld von 800,000 Kronen und über die Begebung von Dheilbeträgen des Anlehens von 35 Mill. Kronen. Im Laufe der Verhandlung bezichtigte der Liberale Brunner den Bürgermeister der Mißachtuug des Gemeinderaths, weil derselbe bei der Vornahme des Geschäfts weder den Gemeinderath, noch den Stadtrath befragt habe. Der Redner beantragte, den: Bürgermeister die stärkste Mißbilligung auszusprechen, und forderte ihn auf, seine Würde niederzulegen. Es kam zu erregten Auftritten und heftigen gegenseitigen Zurufen zwischeit den Liberalen und den Christlich-Sozialen, woraus die Liberalen den Sitzungssaal verließen. Man kann

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