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Der Israelit · 1893-05-18 · Heft 40-41 (18.5.1893) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 40-41 (18.5.1893)
Date
1893-05-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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761 uns nicht gegen dieselben verschließen, denn sie ist eben Thatsache. Traurig genug, daß sie es im deutschen Reiche, dem einstigen Traum und heutiger Stolz aller auch der jüdischen Patrioten, werden konnte, traurig aber, daß sie es s o werden konnte, wie sie es wurde: Durch die ekelhaften Wühlereien einer von den schmutzigsten Motiven geleiteten Schaar, welche sich nur in schamloser Anmaßung den Namen einer Partei beilegen kann. Ihr und denjenigen, welche sie unterstützen, mag das Vaterland es danken, daß am 15. Juni eine große Zahl seiner Bürger nicht unbefangen seine Stimme für oder wider wird abgeben können, da sie aufgedrungene Sonderinteressen zu vertreten haben. Darüber mögen mit uns alle ehrlichen Patrioten trauern, daß wir unseren Kinder und Kindeskinder Sicherheit und Würde wahrnehmen müssen, in dem wir doch völlig frei und unabhängig hintreten möchten, um unsere Stimme zum Wohl des Vaterlandes abzugeben. Daß es aber unser gutes Recht und unsere Pflicht ist, unserer Haut uns zu wehren, darüber brauchen wir uns umsoweniger hinwegzutäuschen, als in dem Kampfe, den wir für unsere heiligsten Güter gegenüber den frechen Angriffen des lichtscheuen Antisemitismus führen müssen, der Beifall aller Redlichen uns sicher sein muß. Bei alledem wäre es höchst ungereimt, wenn wir auf eine bestimmte Partei Hinweisen wollten. Vielmehr können wir nicht stark genug betonen, daß unsere Stimmabgabe stets von den einzelnen Fällen abhängig ist und in nicht geringem Maße davon, welchen Standpunkt jeder zur Militärvorlage, wie überhaupt in seiner politischen Gesinnung einnimmt, denn ebensowenig als eine spezifisch christliche gibt es eine jüdische Partei. Wo es sich aber um Bekämpfung antisemitischer Kandidaturen handelt, werden wir wissen, was wir zu thun haben. Wir kennen die Gefahr, die uns im Fall eines Steges unserer Hasser droht. Thun wir zu ihrer Bekämpfung, was immer wir vermögen; dann muß auch unserer Dämmerung mit Gottes Hilfe endlich wieder der lichte Tag anbrechen. Heilbronn, 15. Mai. Dieser Tage ging die Verwaltung der israelitischen Kirchenpflege von Herrn R. Wachs auf den neu gewählten Kirchenpfleger Herrn A. Rescher über. Bei der durch das Kirchenvorsteheramt vollzogenen Uebergabe würdigte der Vorsitzende, Herr Rabb. Kahn nochmals nach Gebühr die Verdienste des Herrn Wachs und überreichte demselben einen prachtvollen, mit passender Widmungsinschrtft versehenen Pokal. Durch diese wohlverdiente Ehrung hat das Kirchenvorsteheramt gewiß nicht nur seiner eigenen dankbaren Gesinnung, sondern auch den Gefühlen der ganzen israelitischen Gemeinde berechtigten Ausdruck verliehen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Prag, 4. Mai. Die hundertjährige Gedenkfeier des berühmtenZOberrabbiners Ezechiel Landau (1754—1793) am 17. Jjar veranlaßte die hiesige Beerdigungsbrüderschaft eine Gedenkfeier in der Altneusynagoge zu begehen. Daß sich zu dieser Feier die Elite der Prager jüdischen Gesellschaft eingefunden hatte, darunter auch Männer, welche sonst mit einem Fuße außerhalb des Judenthumes stehen, gibt ein beredtes Zeugniß von der Pietät, die man heute nach 100 Jahren noch seinem Andenken entgegenbringt. Die Feier selbst verlief in schlichter erhabener Einfachheit, ohne den bet solchen Gelegenheiten oft angewendeten) Prunk. Rach Verrichtung des Minchagebetes bestieg der gegenwärtige Prager Oberrabbiner Ehrwürden Dr. N. Ehrenfeld die improvisirte Kanzel, um von derselben Stätte herab, von welcher Ezechiel Landau so oft seine mächtige Stimme zur Belehrung und Ermahnung ertönen ließ, auf das Wirken dieses Heros zurückzugreifen, das Prag von Einst mit dem von Jetzt verglich, und in eindrucksvoller, das Gemüth mächtig bewegender Rede, zur Rückkehr zu Gott und zu seiner heilige Lehre aufforderte. Die tief empfundenen, vom Herzen kommenden Worte haben ihren Eindruck auf die Hörer auch nicht verfehlt. Kein Auge blieb trocken. Am nächsten Morgen versammelte sich eine stattliche Gemeinde von Verehrern am alten Friedhofe in der Nähe des Grabes des Gefeierten. Vorerst betrat wieder der Oberrabbiner Ehrenfeld die Kanzel. Wurde am Vorabende das Wirken des Lebenden gefeiert, so nahm heute der Redner seinen Ausgangspunkt vom Hinscheiden des Gelehrten und besprach dessen Fortleben in seinen Werken. Im imposanten Zuge bewegten sich nun die Gäste nach der Meisterrede zum Grabe Ezechiel Landau's, um unter Vorantritt des gesammten Vorstandes der Brüderschaft, das von dessen Obmanne Herrn David Lieben eigens für diesen Zweck verfaßte hebräische Gebet in herzerhebender Weise vorzutragen. Mit Verkeilung von namhaften Spenden endete diese herrliche Feier. Krewsier, 8. Mat. Samstag Nachmittag hat unter außerordentlich großer Betheiligung der Bevölkerung des Kremsierer Bezirkes der feierliche Einzug des Olmützer Fürst-Erzbischofs Dr. Theodor Eohn in seine hiesige Sommer-Residenz stattgesunden. An demselben nahmen nebst den Vertretern der politischen und Gemeindebehörden auch der Vorstand der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde theil, und wurde eine Deputation derselben, bestehend aus dem Rabbiner Dr. Frankl-Grün und den Vorstehern Ltebmann und Pollak, durch den Fürst-Erzbischof in Audienz empfangen, welcher sich bei diesem Anlasse in decidirter Weise gegen den

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