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Der Israelit · 1934-06-28 · Heft 26 (28.6.1934) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 26 (28.6.1934)
Date
1934-06-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 26 Der Israelit 28. Juni 1934 zu welchem als Redner Herr Dr. Isaac Breuer, Frankfurt a. M., gewonnen worden war. Der Saal des Curio-Hauses und die Galerien wiesen eine beängstigende Fülle auf. Die Mitglieder der Jugendgruppe hatten es sich nicht nehmen lassen, eine auf die spezielle Bedeutung des Abends hinweisende Saalausschmückung vorzunehmen. Große Transparente wiesen auf die Aufgaben des Keren Hajischuw und Noar Agudati hin. Hinter dem Podium war in ganzer Größe der Saalwand eine von den Mitgliedern selbst gezeichnete Karte von Erez Jisroel angebracht, versehen mit den Worten: „Nachnu Naawaur Chaluzim Lifne Haschern". Herr Iskar E m a n u e 1 begrüßte die Versammlung, vor allem die anwesenden Rabbonim, die Vertreter der Gemeindekörperschaften und aller befreundeten und am Aufbau Erez Jisroels interessierten Organisationen; entbot Herrn Dr. Breuer einen herzlichen Scholaum Alechem-Gruß und gedachte, bevor er Herrn Dr. Breuer das Wort zum Referat erteilte, indem die ganze Versammlung sich von den Plätzen erhob, in ehrenden Worten des Hamburger Raws s. A., dessen spezielle Verdienste um die Agudas Jisroel er hervorhob und sprach den Wunsch und die Hoffnung aus, daß der Gauder Pirzauth Bjisroel Hu jigdaur eth Hapirzo hasauth. — Herr Dr. Breuer betrat unter Spannung der vielen Hunderte von Zuhörern das Podium. Redner schilderte zunächst in anschaulicher Weise das pulsierende Leben in Erez Jisroel, den mit geradezu amerikanischem Tempo vor sich gehenden Aufbau des Landes, der Freude, Bewunderung und Anerkennung eines Jeden auslöse. Man befinde sich auch in irriger Auffassung, wenn man meine, daß drüben die jüdische Atmosphäre vielfach fehle, im Gegenteil, man spüre sie überall. Man empfinde geradezu, wie keiner sich der verpflichtenden Kraft der Tauroh vollends entziehen könne, mögen auch viele in ihrem privaten Leben sich der Tauroherfüllung fernhalten. Das jüdische Land übe auf jeden Bewohner und jeden Neueinwanderer eine Kraft aus, der man sich einfach beugen muß. Ein Gemeinsames verbindet dort alle, man empfindet und fühlt jüdisch. Muß so eine Betrachtung der Einzelmenschen den objektiven Beobachter mit Freude erfüllen, so wird das Bild jedoch ein vollends anderes, wenn man eine Betrachtung des geistigen Habitus des Landes vornimmt. Und das ist notwendig. Zwei große Richtungen beherrschen und bestimmen heute fast ausschließlich das öffentliche und gesamte wirtschaftliche Leben des Laneds. Auf der einen Seite die Histadruth Hoauwdim und auf der anderen der Revisionismus. Der Histadruth Hoauwdim mit einer Mitgliederzahl von etwa 45.000 stelle einen beherrschenden Machtfaktor dar. Seine Grundidee wurzele jedoch in keiner Weise im Jüdischen, im Gegenteil, sie ist absolut antijüdisch, sei dem Marxismus Westeuropas entlehnt, predige den Klassenkampf, vertiefe die Gegensätze zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, beschränke sich überdies in keiner Weise auf die Wahrung der Interessen der in ihr organisierten Arbeiterschaft, sondern sei letzten Endes eine Organisation, die ihre Mitglieder in einer ganz bestimmten — der Tauroh diametral entgegengesetzten — Richtung erziehe. Die Weltorthodoxie müsse sie daher ablehnen ( Stellt die Histadruth Hoauwdim somit eine Vergottung des Stoffes, der Materie, der Wirtschaft dar, so ist der Revisionismus in gleicher Weise eine Anleihe bei Westeuropa. Der Revisionismus ist eine Vergottung der Nation um ihrer selbst willen, der sich die Anhänger des Revisionismus mit einem Fanatismus ohnegleichen hingeben. Jüdische Auffassung aber ist, daß die Nation nicht sich selbst zu dienen hat, sondern ausschließlich Dienerin der G'ttesidee ist. Die Weltorthodoxie müsse beides ablehnen. Der Sozialismus Westeuropas sei nicht der ihre, für sie gäbe es nur den Sozialismus der Tauroh, die in gleicher Weise das gesamte öffentliche Leben wie das private zu bestimmen und zu beeinflussen habe. Die Tauroh ruft dem Arbeitgeber das Wehe Ochicho imoch und dem Arbeitnehmer das W'ohawto Lereacho Komaucho zu; und der Nationalismus Westeuropas ist ebenso nicht der ihre, das jüdische Volk ist nicht Dienerin seiner selbst, sondern G'ttesdiener. Es gibt für die Weltorthodoxie nur das Königtum G'ttes. Nachdem durch die gegebenen Verhältnisse heute Erez Jisroel in den Mittelpunkt des Interesses und der zu leistenden Arbeit gerückt sei, falle der Weltorthodoxie eine besondere Aufgabe zu, der sie sich zwar spät — aber doch nicht zu spät — bewußt werde. Das jüdische Volk werde von der Welt so beurteilt werden, wie es sich in seinem Lande, in Erez Jisroel, der Welt darstelle. Soll das Galuth der Jahrhunderte nicht bewirkt haben, daß wir uns unserer speziellen, unserer jüdischen Aufgabe, Dienerin G'ttes und nur G'ttes «zu sein, bewußt werden, um-nun, da wir in unser Land heimkehren, dorthin Fremdes zu verpflanzen, um Europa in Erez Jisroel einzusetzen? Soll das die Lehre des Goluth sein? Sollen wir dem Lande nichts eigenes, nicht eine jüdische Kultur ZU geben vermögen? Sollen wir nicht das Königtum G'ttes wieder in sein Recht einsetzen? Sollen wir nicht dieses Bild der Welt zeigen? Mit zwingender Logik wies der Redner in meisterhafter Weise nach, daß für die Weltorthodoxie beide Richtungen abzulehnen sind, ja auch eine Verbindung mit ihnen — gleich dem Hapoel Hamisrochi — nicht in Frage kommen könne, da sie sich nicht zu Trägern von Ideen und Weltanschauungen machen könne und dürfe, die sie aus Liebe zum ganzen jüdischen Volk ablehnen muß. Für die Weltorthodoxie gelte es, Dienerin und zwar ausschließlich Dienerin des Königtum G'ttes zu sein. Im Bewußtsein ihrer Verantwortung habe die Agudas Jisroel daher die Poale Agudas Jisroel-Organisation geschaffen, deren Arbeiten ausschließlich auf Basis der Tauroh erfolgen und deren Mitglieder und Anhänger dahin streben, daß das gesamte öffentliche und wirtschaftliche Leben des Landes auf der Grundlage der Tauroh sich aufbaue. Der Keren Hajischuw sei der Fonds, der die von der Orthodoxie in und für Erez Jisroel zu leistenden Aufgaben materiell zu speisen habe. Mit einem Appell an die Versammlung, die Arbeit der Agudas Jisroel im Interesse des Landes, im Interesse unseres Volkes zu fördern und mitzuarbeiten, schloß Herr Dr. Breuer seine mit reichem Beifall und großer Begeisterung aufgenommenen* Ausführungen. — Herr Bernhard J, Jacobson dankte dem Redner, setzte in wenigen Sätzen die Ziele des Noar Agudati auseinander und bat alle Anwesenden, dem Aufruf des Redners folgend, sofort zur Tat überzugehen und dem Keren Hajischuw die zu seiner Arbeit notwendigen Mittel in reichem Maße zur Verfügung zu stellen. Schweiz. Ferienkurse in Montreux. Montreux, 26. Juni. Wie in den Vorjahren, so veranstaltet die Jeschiwoh „Ez-Chajim" in Montreux auch in diesem Sommer wieder ihre bekannten Ferienkurse. Dieselben stehen in den Monaten Juli und August unter der Leitung bewährter Lehrer. Anmeldungen sind direkt an die Leitung der Jeschiwoh, Montreux, Villa Quisisana, rechtzeitig zu richten, da bisher schon eine große Anzahl von Schülern aus dem In- und Auslande vorgemerkt sind. Holland. Eine bedeutsame Versammlung im Haag. Den-Haag, 24. Juni. Daß das jüdische Holland in einer Zeit allgemeiner jüdischer Not die Tradition von Jahrhunderten wieder aufnahm, den leidenden Brüdern mit Herz und Hand beizustehen, ist allzubekannt, als daß es hier noch einmal registriert werden müßte. Wichtig und beachtenswert ist aber die Tatsache, daß nunmehr die holländische Judenheit die Wege zu einer Annäherung an die hier ansässigen deutschen Juden auch auf sozialem, gesellschaftlichem und nicht zuletzt religiösem Gebiete sucht. Wer von der gesellschaftlichen Exklusivität der holländischen Juden spricht, war eines Bess&ren belehrt, wenn er am 17. Juni abends der Versammlung im Buitenhof 20 beiwohnte. Diese war von der Haager Gemeinde als solcher einberufen und die Einladungskarten waren vom Oberrabbiner und dem Vorstande unterschrieben. Es sollte eine Begrüßungszusammenkunft sein, war aber mehr als das, es wurden effektiv an diesem Abend Brücken geschlagen von jüdischem Herzen zu jüdischem Herzen. In einer formschönen und tiefgründigen Rede erläuterte Herr Oberrabbiner M a a r s e n, wie nötig ein Zusammenschluß und eine Zusammenarbeit der holländischen Juden mit den guten, geistig und religiös konstruktiven deutschen Elementen im Rahmen der Gemeinde wären, in dem Platz für alle, so sie sich im jüdischen Räume bewegen, da ist. Von gleicher Herzlichkeit ünd echt jüdischer Gastfreundschaft war die Ansprache des Gemeindepräsidenten, Herrn S. A. Levison, getragen. Noch mehrere Redner kamen zu Wort, auch einer im Namen der deutschen Juden. Man darf .hoffen, daß von dieser gut besuchten und harmonisch verlaufenen Versammlung ein Antrieb für gute Zusammenarbeit ausgeht, zum Segen für beide Teile. Polen. Der Radomer Rebbe gestorben. * Warschau, 19. Juni. Rabbi Elieser Awimelech R o k e a c h , der Rabbi von Radom, ist gestorben. Der" Verstorbene war ein Mitglied der berühmten Rabbiner-Dynastie von Kozenitz, eines Zweiges der großen chassidischen Rabbi- Dynastie von Beiz. England. Palästina-Einwanderungsfrage wieder vor dem Unterhaus. London, 21. Juni. Das Problem der jüdischen Einwanderung wurde am 21. Juni im Unterhaus abermals zur Sprache gebracht. Auf alle Anfragen stellte sich der Kolonienminister hinter Sir Philip Cunliffe-Lister, den High Commissioner, und sagte: „Das Verfahren ist genau festgesetzt und wurde von jeder Regierung, die mit der Verwaltung des Mandats betraut war, befolgt. Es ist durchaus notwendig, daß die Anwendung der Richtlinien im einzelnen dem High Commissioner überlassen bleibe. Keinerlei Erwägung außer der Berücksichtigung der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit hat jemals die Regierung dieses Landes oder den High Commissioner geleitet." Palästina. „Esriel" in Jerusalem. Jerusalem, 19. Juni. Am 21. April ds. Js. fand im Hause von Prof. Samuel Klein in Jerusalem unter guter Beteiligung die Gründung eines neuen Verbandes von Religiös- Intellektuellen, genannt „Esriel" statt. Nach einer kurzen Begrüßung von Prof. Klein übernahm Dr. Grünberg aus Berlin die Leitung der Versammlung mit warmen Worten des Willkommens. Er schilderte dann den Versammelten die Notwendigkeit einer Zusammenfassung der im Heiligen Lande vorhandenen ehemaligen Schüler des Rabbinerseminars, deren Zahl zur Zeit fünfzig beträgt. Dieser Vorschlag wurde einstimmig angenommen. Dr. Grünberg verlas dann die Satzungen, die nach längerer Diskussion und gewissen Aenderungen einstimmig angenommen wurden, Der Name des Verbandes ist „Esriel", Vereinigung der in Erez Israel vorhandenen Schüler des von R. Esriel Hildesheimer s. A. gegründeten Rabbinerseminars. Zweck der Vereinigung ist, den Geist des Meisters, den er seiner Gründung einflößte, in ihrer Mitte lebendig zu erhalten, Ueberlieferung und Lebensweg, in denen wir erzogen wurden, fortzusetzen und sie auch über unseren engen Kreis hinaus zu verbreiten. Der Erfolg der Levante-Messe. Tel A w i w , 18. Juni. Wie die Messeleitung der vor kurzem geschlossenen Tel Awiwer Levante-Messe mitteilt, wurden während der 40tädigen Dauer der Ausstellung Käufe und Verkäufe im Werte von etwa einer Million Pfund getätigt. Sämtliche Firmen, die sich an der Messe beteiligt haben, äußern sich sehr zufrieden über den geschäftlichen Erfolg. Besonders gut haben die englischen und belgischen Aussteller abgeschlossen. Ueber 2000 Angestellte waren während der Messe dauernd beschäftigt. Die Organisierung der Messe hat Investitionen in der Hohe von 150.000 Pfund erforderlich gemacht.

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