Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 12 (10.2.1898)
- Date
- 1898-02-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXIX. Jahrgang. M IS. Der Israelit. Ein Eenlrat-Hrgan für das orthodoxe Audenlhum. Begründet von Dr. gelimanu in Hüniu}. Donnerstag, den 10. Februar 5658 (1898), Leitender Artikel. Der Dekalos! Eine rrligiös-plidagogische Betrachtung von Rabbiner Dr. G Pletzner—O st r o w o. (Schluß.) Ich übergehe Vieles, um zum vierte n Gebote, bezw. dem dritten nach Luther, zum „Sabbate", zu der Krone aller „Mizwoth Hasch em", zu gelangen: - - * „Du sollst die Feiertage halten!" „Was ist das?" — So wird für die lieben, unschuldsvollen Kleinen erklärend hinzugefügt: „Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir die Predigt und sein Wort nicht verachten, sondern dasselbe heilig halten, gerne hören und lernen." Lieber Leser! Ist das was ich Dir hier soeben mitgetheilt habe, wirklich unser Schabbos? tust von rotr ruhen, also Ruhetag, hat mit der Predigt und der gottesdienstlichen Erbauung in erster Reihe nichts, nichts zu schaffen! Nicht einmal, daß die Predigt ein integrirender Theil des Gottesdienstes in der Synagoge ist, kann als jüdischen Ursprungs bezeichnet werden. Ehedem hieß es un1? pt irw jm und Männer wie Jonathan Eibeschütz und Ezechiel Landau, haben ihre geistvollen Deraschot an den Nachmittagen der Sabbate gehalten, weil es unmöglich gewesen wäre, ihre großartigen Geistesschöpfungen, die dazu noch einige Stunden in Anspruch genommen haben, und, wenn halachische Schlachtreihen eröffnet wurden, an Zeit und Umfang durch die Discussion noch bedeutend Zunahmen, in den Rahmen des Gebetes einzuzwängen! Es muß also dem jüdischen Kinde beiderlei Geschlechts vor Allem klar gemacht werden, daß der „Sabbat" ein Gegensatz zu den Werkellagen bildet. Alle sollen ruhen, und allesoll ruhen an diesem Tage. Die Thora wird ja zur Klarstellung des Gedankens dieses absoluten Rühens, so ausführlich, — was das Kind durch Luther nicht erfährt, — indem sie befiehlt: „Nicht Du, ni cht D ein Sohn, nicht Deine Tochter, Dein Knecht, Deine Magd, Dein Vieh sollen am SchabkoS Arbeit verrichten!" Nicht nur soll der Knecht durch rohe, plumpe Arbeit, den Sabbat nicht entweihen; die Tochter soll auch ihre feine, zarte Handarbeit ruhen laffen. Weder soll sie Sonaten spielen, noch soll der gebildete Sohn schriftliche Thätigkeit auf dem Gebiete der Römer und Griechen entfalten. Und warum dies? Hat ja Gott am siebenten Tage von dem bloßen Werde-Befehl der sechs Tage geruht! Jm Decalog des Deutronomium fügt Gott hinzu: „Und gedenke daß Du ein Knecht warst in Egypten!" Wie vortrefflich paffend! „Wir sind", so sagt mein verklärter Vater in Bezug auf die Sabbat-Entweihung, „man erlaube mir den Ausdruck, ewigziehende Lastthiere im Jahre des Alltagslebens, ewige Sclaven unserer Habsucht, Knechte einer quälenden, nie zu stillenden Unzufriedenheit!"*) u. s. w. Wie herzgewinnend hat es der gewaltige Geist jenes Muster-Rabbi, Samson Raphael Hirsch im dreizehnten Briefe seiner berühmten „Neunzehn Briefe über Judenthum", verstanden, vom philosophischen Standpunkte und vom ethischen Gesichtspunkte aus, die Sabbat-Ruhe und Sabbat-Weihe zu verherrlichen! *) S. Pleßner. „Belehrungen und Erbauungen." Jahrgang I., Band I., S. 135.