Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 92 (21.11.1892)
- Date
- 1892-11-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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stattet. 300 fl. wurden in Theilen von 25 fl. für Stipendien für Schüler der Talmud-Thora- und Bibelschule zur Vertheilung gebracht; durch Sammlungen bei den Vereinsmitgliedern und Mitgliedern der Gemeinde wurde die Summe von 3000 fl. aufgebracht, wodurch es dem Vereine ermöglicht ward, im verflossenen Sommer eine Ferienkolonie von 63 Kindern nach dem Orte Schartmansdorf zu senden, wo sie körperlich und geistig gediehen und wo sie auch ihre religiösen Bedürfnisse befriedigen konnten, indem sie bei dem dortigen Rabbiner Dr. Frankel den Religionsunterricht genossen und unter seiner Leitung und Aussicht einen Jugendgottesdienst abhalten konnten. Die Mittheilung, daß der Verein zur Wahl des Antisemitenbekämpsers Dr. Kronawetter redlich sein Schärflein beigetragen, wurde mit besonderem Beifall ausgenommen. Hieraus folgte der Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Schmtdl über die „Bibel, nicht nur vom Standpunkte des Guten, sondern auch des Schönen." Wir bedauern, daß es uns der knapp zugemessene Raum in diesem Blatte nicht gestattet, diesen ausgezeichneten und geistreichen Vortrag auch nur zu skizziren und wollen wir nur constatiren, daß er den ungeteilten Beifall aller Anwesenden fand. Der Vice-Präsident der Cultusgemeinde, Herr Gemeinderath L. Simon, stattete dem Vortragenden seinen innigsten Dank für dessen höchst lehr- und geistreiche, zum Thorastudium ausmunternde Abhandlung ab. H. L—r. Frankreich. Paris, 12. November. Huret veröffentlicht im „Figaro" eine Unterredung mit Stöcker. Dieser sagte: Ich bekämpfe weder die Juden noch die jüdische Religion, sondern die jüdischen Finanziers. Wir wollen keine Ausnahmsgesetze, noch die Aushebung der Judenemancipation. > Vermischtes. «3- Ritueller,, Mord wurde — wie die M. N. N. einer interessanten Schrift des so gründlich gehaßten Berliner Theologieprofessors Adolf Harnack („Medizinisches aus der ältesten Kirchengeschichte," Leipzig, 1892) entnehmen — den Christen während des ganzen 2. Jahrhunderts und noch über dieses hinaus zum Vorwurf ge nacht, indem man steif und fest behauptete, sie schlachteten in ihrer gottesdienstlichen Versammlungen „rituell" kleine Kinder,^fräßen sie auf und tränken ihr Blut. Nicht nur das Volk, sondern gebildete Männer, wie Fronto, der Freund und Lehrer des Kaisers Marc Aurel, glaubten diesen furchtbaren Vorwurf trotz der unaufhörlichen Vertheidigung der christlichen Apologeten. Auf die Frage/wie er entstanden ist, antwortet Harnack: „Durch den religiösen Fanatismus fällt der Mensch auf die primitivsten Stufen der Kultur zurück und läßt aus längst verlassenen Abgründen entsetzliche Schatten aufsteigen. Erleben wir es doch heute noch, daß den Juden die nämliche Anklage zugeschleudert wird, heute am Ende des 19. Jahrhunderts und von denselben Christen, deren Ahnen vor 1700 Jahren hingeschlachtet worden, sind, weil sie für Menschenfresser galten! Wodurch der Vorwurf gegen die Christen genährt worden ist, läßt sich angeben. Erstlich mag die Kunde von der geheimnißvollen Abendmahlsfeier mit dem Blute des Stifters der christl. Religion die schon entzündete Phantasie der Heiden angefacht haben: sodann haben verworfene heidnische Sklaven christlicher Herren, angestachelt durch Belohnungen, lügenhafte Aussagen gemacht; endlich — haben die christlichen Apologeten selbst aus Haß gegen die gnostisch-christlichen Sekten in ihren Schriften durchblicken lassen, daß sie diesen Menschenfresserei wohl Zutrauen. War es da ein Wunder, daß der Staat die einen wie die anderen für des Verbrechens fähig hielt? Rogafen, im November. Dem „Rogasener Wochenblatt" entnehmen wir, daß daselbst unter Leitung der Herrn Rabbiner Dr. Rosenthal ein Verein für jüd. Literatur unter dem Namen „Meorer Jeschenim" gegründet worden ist- Da von dem genannten Herrn alle vier Wochen im Beihamidrasch ohnedies ein Vortrag über jüdische Geschichte vor einem weiteren Publikum gehalten wird, so ist der Verein „Meorer Jeschenim" geradezu für die israelitische reifere Jugend bestimmt, so daß verheirathete Herren nur als passive Mitglieder dazu gehören können. Abwechselnd wird darin das jüdische Schriftthum, das darauf beruhende religiöse Leben und die jüdische Geschichte behandelt werden. Prag. Der humanitäre Verein ^versest leseimra," begründet von Joachim Löb Moscheles im Verein mit dem damaligen Prager Oberrabbiner R. Ezechiel Landau, begeht am 26. Dezember d. I. das Jubiläum seines hundertjährigen Bestandes. Zu diesem Zwecke trifft bereits der Vorstand genannten Vereines umfassende Vorbereitungen. In Nyirgyhaza ist der Führer der ungarischen Unabhängigkeitspartei, Daniel Jranyi, im Alter von siebzig Jahren gestorben- Vor Jahren, als noch der Antisemitismus in Ungarn grassirte, nahm Jränyi entschieden Stellung gegen denselben. Seit zwei Jahrzehnten brachte er regelmäßig bei der Verhandlung des Abgeordnetenhauses über den Cultusetat den Beschlußantrag auf Proclamirung der allgemeinen Religionsfreiheit ein, und in letzter Zeit ward ihm die Genugthuung zutheil, daß dieser Antrag einhellig genehmigt wurde. Feuilleton. „Fürstengunst" Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werben. Uebersetzungsrechte Vorbehalten. (29. Fortsetzung.) Perez Markbreiter aber, der einen Moment wie versteinert dagestanden, stürzte aus Levi zu, ergriff dessen freie Hand und ries: „So sind Sie Evas Bruder?! O! jetzt erkenne ich erst Ihre große Aehnlichkeit mit Ihrer