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Der Israelit · 1926-03-11 · Heft 11 (11.3.1926) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 11 (11.3.1926)
Date
1926-03-11
Page
– (sequence 25)
Language
German
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M März 1S26 Der Is r a e u t Blätter. Nr. 6. Sette 3 Neunationalisten durch die Jewish Agency noch immer einen Vorspxung haben. Dann aver argumenttkN Derrn MWlnsDerg gegen die unbedingte Fernhaltung von deM Zionismus mit einem tiefbedauerlichen Irrtum: er verwechselt Austrittsorthodoxie in Zürich und Frankfurt mit Selbständighaltung der palästinensischen Orthodoxie. Diese Konfusion wäre dem V e. r st a n d e unsres Freundes nicht zuzutrauen. So ähnlich wurde es auch Mr. Ormsby-Gore zugetragen, nur daß Zürich in der Angabe fehlte. Wenn ein Zionist sich nicht auskennt, so ist nichts dabei. Doch Herr Botschko muß klar sehen. Eine Austrittsgemeinde bildet sich, wenn die Machthaber der bisher einigen Gesamtgemeinde thorawidrige Institutionen hineinschaffen. So lang das nicht geschieht, denkt kein Mensch an den Austritt, freut sich jeder der unter dem Thoradiktat wirkenden Einheitsgemeinde. Es gibt Gemeinden mit einer neologen Mehrheit, die um der Einheit wilim Mt nur zugM, smmern Wer nerlangtz Daß alle Institutionen vrihüdöx bleiben, eittschltößlich der Verwaltung. Man sagt sich da einfach, daß die Orthodoxen nicht anders können und dürfen, die Liberalen aber darin liberal fein müssen, weil sie es können, weil sie ungebunden sind. — In Erez Jisroel aber dreht es sich um anderes. Dort lautet nicht die Frage, ob Orgel oder nicht, ob orthodoxes Rabbinat oder neologes, ob thoratreuer Unterricht oder verwaschener Moralunterricht; dort lautet die Frage, ob die Thora für das jüdische Volk verpflichtend oder nur Privatfache des Einzelnen ist, ob sie e i n- oder a u s geschaltet wird bei der Schaffung der Landeseinrichtungen, ob — um mit Herrn Botschko zu reden — in Erez Jisroel „das Judentum in seiner göttlich geprägten Form" bei der dortigen Judenheit GeltWIQ DODQIt DDßf MrlMWM IllMMWM klM sprechend „nationaler und kpomopolitischer Assimilation" verfällt. Darum gehts. Ein Kompromiß kommt nicht in Betracht. Nicht „vereinzelte Freidenker" sind niederzuringen, sondern ein ganzes System ist im Entstehen zu entwurzeln. Frieden und Einheit sind das Ziel; Trennung und Kampf der Weg dahin, das Mittel dazu. — Die Hinweise auf den Osten sind schon in der redaktionellen Fußnote zu dem Artikel als kaum mehr stichhaltig vermerkt worden. Die Berichte von da wird Herr Botschko inzwischen gelesen und nicht rnWerslanden NveN: Nach sin kurzss Wart zu Hsrrn Bütschkvs Anwendung schöner Midraschim und Pessukim in der Diskussion. Wenn unterm Strich des Achduth- Blattes Woche für Woche die Sidra herhalten muß, um unwiderlegbar zu beweisen, daß die Achduth eine herrliche Vereinigung ist, so schmunzelt der nichtachduthistische Leser freundlich. Herr Botschko aber weiß, daß jedem seiner Zitate svielend leicht ein Dutzend andrer gegenüberzustellen ist, die zum Gegenteil dessen deutbar sind, was er erdeuten will. Beweismittel sind das nicht. Wenn es M um mein rnulenulMWes EWMMerefse handelt, so ist Nachgiebigkeit nicht Schwäche, sondern Pflicht und Friedenstat. Wenn es sich um Gut handelt, das Gott oder, ein Mensch mir zur Bewahrung und Pflege überantwortet hat, so ist, gäbe ich dem weichen Herzen nach, diese Nachgiebigkeit nicht Friede, sondern einfach Pflichtvergessenheit. Friede kann gott gewollt sein, Friede kann gott vergessen sein. Das Herz hat nicht zu entscheiden, sondern thorageleiteter Verstand. Dennoch sei Herrn Botschko gedankt für den schönen Genuß, sei nach der langen Entgegnung ihm die Freundeshand gereicht und sein gutes jüdisches Herz gegrüßt. Halberstadt, 14. Februar 1926. über„Zentralverein, Aguda und — Dr. Simon" zum Abdruck. Es erscheint fraglich, ob der betreffende jÄuennftrnm eine solche enlschiedew Ueberschrift verdient hat. Der „Israelit" hatte doch vorsichtigerweise davon gesprochen, daß die/Mitarbeit im Zentralverein „in gewissem Sinne" Pflicht sei. Und vor allem könnte die Ueberschrift der C. V.-Zeitung den Gedanken aufkommen lassen, daß die Agudoh als solche ihren Mitgliedern den Eintritt in den Zentralverein zur Pflicht mache. Das war aber vom „Israelit" wohl nichr gemeint, sondern nur gesagt, daß es schon seit Jahrzehnten in Deutschland bewußt gesetzestreue Juden gibt, die unbeschadet ihres sonst trennungsorthodoxen Standpunktes eine Mitarbeit im Zentralverein für unbedenklich halten und sogar in gewissem Sinne als Pflicht ansehen. Es soll jedoch der C. V.-Zeitung damit durchaus kein Vorwurf gemacht werden, daß sie bei der Wahl der Ueberschrift nicht gar so ängstlich verfahren ist. Da nun mx einmal Der MraeliN-MiM Diesen Mnen Kopsputz schalten hat, scheint es angezeigt, in aller Kürze die Stellung der politisch unabhängigen Orthodoxie zum Zentralverein einer grundsätzlichen Erörterung zu unterziehen. Zentralverein und Aguda. „Die Mitarbeit im Zentralverein ist Pflicht."*) Unter dieser Ueberschrift bringt die C. V.- Zeitung vom 22. Januar mit einer kurzen Würdigung den „Jsraelit"-Artikel vom 14. Januar *) ©er naAfie^enben %elra(^tung ftfmmen jolr jt afiejt?eilert git. $ek: _■ . Zunächst muß rein tatsächlich sestgestellt werden, daß ein großer Teil der Mitglieder der Frankfurter Israelitischen Religionsgesellschaft (über andere Gemeinden fehlen mir nähere Unterlagen) dem Zentralverein nicht angehört. Darunter sind namhafte, des Zionismus ganz unverdächtige Führer der Agudoh. Weiter erscheint aber auch die Begründung, die der „Jsraelit"-Artikel dafür gibt, daß eine Mitarbeit im Zentralverein unbedenklich sei, nicht haltbar. Der Zentralverein, so meint jener Artikel, habe sich darauf beschränkt, Jnteresssn gu »etrireiert, bte titm einmal tn Den Golusländeru allen Inden gemeinsam sind. Es ist von vornherein sehr zweifelhaft, ob die Mehrzahl der Zentralvereinsführer die Aufgabe ihrer Oruganisation in der Weise umrissen hätten, wie es hier der „Israelit" tut. Zumindest hätten sie sich dann etwas anderer Worte bedient. Es ist mir eine Riesenversammlung des Zentralverein in Erinnerung, in der ein bekanntes Vorstandsmitglied den wahrhaft klassischen Ausspruch tat: „Golus, wie die Zionisten sagen, und Vaterland, wie wir sagen". Es mag auch Vorstandsmitglieder geben, dis eins andere Uebersstzung des Wortes Gvlus gulafstn. ^sdoch geigt allein schon dieses kleine Erlebnis, daß man die Behauptung des „Jsraelit"-Artikels, der Zentralverein verkörpere keine weltanschauliche Idee, nicht ungeprüft hinnehmen darf. Das allerdings kann dem „Jsraelit"-Artikel zugegeben werden, daß der Zentralverein niemals den Ehrgeiz gehabt hat, eine positive religiöse Idee zu verkörpern. Wenn aber im Gegensatz hirezu der Zionismus und die Logen genannt werden, so ist nicht einzusehen, inwiefern denn diese beiden Vertreter einer solchen Idee rnären, Und es mtrb mirf) foitm ber Nachrnsis gslmgsn, Hatz stw« bis ävgsn m höhsrsm §rah? Träger einer Weltanschauung seien als der Zentralverein. Bei einem diesbetresfenden Vergleich zwischen dem Zentralverein und der Zionistischen Organisation ergeben sich Verschiedenheiten, die aber durchaus nicht wesentlich sind. Die zionistische Idee hat, bevor sie auch nur zu einer teilweisen Verwirklichung gelangen konnte, in der Zionistischen Partei ihre organisatorische Verkörperung gefunden. Daß die zionistische Organisation für eine Idee, die von vielen als Utopie verlacht wurde, einen jahrzehntelangen Kampf nach allen Seiten führen mußte, gerade das gab der Bewegung ihren pathetischen Schwung. So gut hat es der Zentralverein nicht gehabt. Sein Gedanke *»ar bei iBegriirtbttrtg dev Orgcrrttjattort fefjort etn Jahrhundert alt. Cs'war ein überreifer Gedanke, der schon all die Enttäuschungen an sich erlebt hatte, die auf dem Wege von der reinen Idee zur Welt der Wriklichkeit nicht ausbleiben können. Dadurch erhielt der Gedanke in der Zentralvereinstätigkeit auch eine vorwiegend negative Fassung. Denn die Emanzipation war ja schon erkämpfte man hatte, znm grohen Teil nur Angriffs jie <4>^üibe^ren. öfter einmal mar er auclj groß und glänzend, gewesen, der Gedanke der bürgerlichen Emanzipation. Man lese nur Gabriel Nietzer, Den Klassiker Des 6enfr«lDefem?8eDmr kens, und man wird sehen, daß die Idee der bür-- gerlichen ' Gleichberechtigung an begeisterndere Kraft um nichts dem Gedanken der nationalen Befreiung nachgestanden hat. Mit den Glaubensmärtyrern vergleicht sich Rießer selbst. Er fühlt sich als Fortsetzer ihres Kampfes. Zwar gilt es nicht, für Gott Blutzeugnis abzulegen — der Glaube spielt ja überhaupt keine Rolle Mehr lader das Vertrauen auf eine gerechte Sache ist auch ein Glaube". Hier ist der Punkt, wo man.am schnellsten zu einer Erfassung des Gegensatzes zwischem orthodoxem und Emanzipations-Judentum gelangen kann. Wie weit sich der Emanzipationsgedanke mit dem-.Judentum vereinigen läßt, welche Veränderungen und Einschränkungen dieser Gedanke erhalten-müßte, um sich in eine wirklich jüdische Politik einfügen zu lassen, das sinD Mierige M»88N' Wir »erDen «ls DrthsDDke Juden z. B. an der-Tatsache, daß die polnischen Rabbonim seinerzeit für die Abwendung her doppelten Geseroh, des Militärdienstes und der Emanzipation, haben beten lasten,, nicht achtlos Vorbeigehen können. Die Stellung der Orthodoxie in und zum modernen Staats birgt sicherlich eine Menge Probleme in sich. Aber es ist gar nicht nötig, diesen ganzen Fragenkomplex hjer zu-endgültiger Lösung-zu bringen. Denn mag sich der Emanzipationsgedanke, auch irgendwiemit dem orthodoxen Judentum , vereinbaren lasten, . das jedenfalls steht außer Frage, daß für: das Judentum die Proklamierung dieses Gedankens zur obersten Idee untragbar ist. . Und gerade darum handelt es sich hier. Die Idee der bürgerlichen Emanzipation ist zur unbedingten Richtschnur genmrDen. Der. ffliauöEi an Den ken Dieser Me ist Nießers „Messiasglagbe". Es leuchtet ein, daß jetzt der archimedische Punkt gefunden ist, um die Welt des Judentums aus den Angeln zu heben. Das Judentum muß emanzipationsfähig werden. Und damit ist zugleich der Äfsimilationsgedanke als notwendiges Korrelat zum entschiedenen Emanzipationsjudentum gegeben. Ob und wieviel vom Judentum die Vorkämpfer der Emanzipation übrig gelassen haben — in der Tat war es sehr wenig — ist für die grundsätzliche Betrachtung nicht wichtig. Wichtig ist nur, daß ein nicht gerade Wischer oder srnninDesi an Der MMAne Des Judentums liegender Gedanke in den Mittelpunkt des jüdischen Lebens gestellt wurde. Daraus mußte alles andere, der ganze Niederbruch des deutschen Judentums, mit Notwendigkeit folgen. Es verhält sich hier ebenso wie beim Zionismus. Auch der Gedanke der nationalen Befreiung ließe sich irgendwie mit dem orthodoxen Judentum vereinbaren. Aber als oberste Idee muß dieser Gedanke in gleicher Weise für das Judentum zerstörend wirken, wie es der Emanzipationsgedanke bereits getan hat. Wsnn wir gur Erfassung Des Zsntralvkreinsgedankens den Weg über Gabriel Rießer genommen haben, so geschah das lediglich, um schneller und einfacher den richtigen geschichtlichen Stand- . Punkt zu gewinnen. Man kommt an Hand der eigentlichen Zentralvereins-Publikationen zu keinem anderen Ergebnis. Der gewählte Weg ist aber auch insofern ssanz frei von Willkür, als ja der Zentralverein für das verderbliche Wirken und die judentumszerstörenden Schriften Gabriel Rießers die volle Bürgschaft übernehmen dürfte. Ja sogar von einem Manne wie David Friedländer, dessen Name nur als der eines Vernichters jüdicher Werte in der Geschichte unseres Volkes genannt werden wird,-heißt es in einer Zentral- Deretns»5]8ui)ltfaiion, bap t^>rrt ein im Pantheon der preußischen Juden debühre. Wenn wir als orthodoxe Juden die Namen der Gründer des Zentralvereins, der Löwenfeld, Fuchs und der anderen Justiz-, Kommerziell- und sonstigen Räte, nicht mit derselben Erregung lesen wie die der Friedländer, Jakobson und Genossen, so liegt das nur daran, daß die Letztgenannten schon ganze Arbeit getan hatten. Die Schlacht rvar bereits gej^Iagen^ unÜ öe Bri^o^ogle Ijalie |te perforen.

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