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Der Israelit · 1936-04-23 · Heft 17 (23.4.1936) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 17 (23.4.1936)
Date
1936-04-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 17 Der 1 s r a e 1 i t 23. April 1936 nationalsozialistischen Auffassung von der Wesensverschiedenheit der Rassen erkannt worden sei; jedoch nur unverzüglich nach der Entdeckung der Eigenschaft. Denjenigen Personen, die trotz jüdischer Bluimisehun-§ als vorläufige Reichsbürger gelten, müsse auf jeden Fall die Mitgliedschaft verbleiben und sie könne ihnen nur durch Austritt oder durch ein Ausschließungsverfahren gemäß § 7 der Einheitssatzung verloren gehen. Was die mit der vorläufigen Reichsbürgerschaft ausgestatteten Mischlinge betreffe, so könne heute weder eine Anfechtung noch eine Ausschließung um ihrer Abstammung willen in Betracht kommen. Ausnahme von Konzessionssperre iür jüdische Gaststätten. Frankfurt a. M., 18. April. In ähnlicher Weise wie in Preußen ist, wie die „Frankfurter Zeitung" meldet, vom anhaltischen Staatsministerium bestimmt worden, daß bis zum 1. April 1938 Erlaubnisse für neu zu errichtende Gast- und Schankwirtschaften nicht erteilt werden dürfen. Eine Ausnahme ist u. a. zulässig, wenn die Erlaubnis für einen Gast- oder Schankwirtschaftsbetrieb beantragt wird, der lediglich auf Juden beschränkt bleibt, unter der Auflage, daß dies« Beschränkung durch deutlich lesbare Aufschriften kenntlich gemacht wird. Eine Forschungsabteilung über die Judenfrage, Berlin, 12. April. Einem Aufruf des Präsidenten des Reichsinstituts für Geschichte des neuen Deutschland, Prof, Dr. Walter Frank, ist zu entnehmen, daß mit Wirkung vom 1. April innerhalb des Reichsönstituts u. a. auch eine neue Forschungsabteilung über die Judenfrage errichtet worden ist. Sie hat die Aufgabe, durch die Sichtung des gesamten Quellenmaterials, durch den Aufbau einer umfassenden Bibliothek und durch Anregung und Leitung von Forschungsaufträgen die Grundlage für eine Geschichtsschreibung der deutschen und europäischen Judenfrage zu schaffen. Der Sitz dieser Abteilung ist München. Zu ihrem Leiter ist der Präsident der bayerischen Akademie der Wissenschaften, Prof. Karl Alexander von Müller, zum stellvertretenden Leiter und Geschäftsführer Dr. Wilhelm Grau ernannt worden. Aus dem Tätigkeitsbericht des Preußischen Landesverbandes, Berlin, 19. April. Der Preußische Landesverba n.d jüdischer Gemeinden legt einen Bericht seiner Tätigkeit vor, dem wir folgendes entnehmen; Der Landesverband hatte seit der neuen Entwicklung die ihm angeschlossenen Gemeinden in den Stand gesetzt, die völlig neue Situation zu bewältigen. Durch den Ausfall der Staatssubventionen stellt die Finanzierung den Verband vor gesteigerte Aufgaben. Die Erhaltung der Gemeinden bildete die Hauptsorge des Verbandes. Es galt zunächst den Gemeinden zu helfen, die durch Wegzug großer Steuerzahler ihr Etat nicht mehr halten konnten. Der Verband gewährte die notwendigen laufenden Zuschüsse, auch Darlehen für die Rückzahlung der gekündigten Kredite, so daß sich die Gemeinden wieder aus eigener Kraft erhalten konnten. Andere Gemeinden waren durch den Wegzug ihrer Mitglieder so geschwächt, daß sie kaum noch als lebensfähig galten. Der Verband stand ihnen bei, um eine überstürzte und ungeordnete Preisgabe der Gemeindeinstitutionen zu ver-, hindern. Die Beamten wurden möglichst in andere Stellungen übergeleitet und die Gemeinden selbst in einen größeren Bezirk eingeordnet. Die Zahl der unterstützten Gemeinden belief sich im Jahre 1935 auf 376, darunter 185 Zwerggememden, deren Seelenzahl nicht mehr 50 betrug. Im Ganzen werden zur Zeit vom Landesverband 16 hauptamtliche und vierzehn nebenamtliche Bezirksrabbinate unterhalten. Die Lehrerbildungsanstalt, die der Verband im Frühjahr 1934 eingerichtet hat, gilt jetzt schon als Vollanstalt mit einer Unterrichtszeit von drei Jahren. Damit ist auch eine Kantorenausbildung verbunden. 31 männliche und 27 weibliche Studierende besuchen zur Zeit die Bildungsanstalt, die mit Absolvierung derselben die Berechtigung zum Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez Jisroel. (Nach Palnews.) J erusalem. Durch ein Interview des Generaldirektors der Agricultural Mortgage Company, Mr. N. E. Crewe, einem Mitglied der Palnews-Redaktion gegenüber erfahren wir die folgenden Einzelheiten über den Beginn der Geschäftstätigkeit des Institutes wie die Zukunftspläne: Nachdem das Unternehmen einige Monate vor Beginn der Geschäftstätigkeit registriert und das Kapital übernommen worden war, sind die ersten Darlehen bewilligt worden. Das Direktorium befindet sich in London und besteht aus den folgenden Herren: Lord GreenWood, P. C, K. C. (Vorsitzender)), Viscount Goschen, G. C. I. B., Sir Robert Waley Cohen, K. B. E„ George W. Reynolds, Harry Sacher, Paul Singer und Herbert L. M. Tritton. Das Direktorium befaßt sich mit allen prinzipiellen Fragen. In Palästina besteht ein lokales beratendes Komitee, das aus den folgenden Herren zusammengesetzt ist: N. E. Crewe (Vorsitzender), L. Andrews, O. B. E. (Regierungsbeaüftragter), A. P. S. Clark, M. B. E. (Lokaler Direktor von Barclays Bank), L, Jacobson (Mitgliee der Jewish Farmers' Federation) und Abdul Rahman Bey el Tagi. Die Funktion des beratenden Komitees besteht in der Bewilligung und Entscheidung über die Höhe der Darlehen. Weder die Jewish Farmers' Federation noch die arabischen Landwirte sind bisher am Kapital des Institutes beteiligt. Das Unternehmen gibt Darlehen von .mindestens LP 100 bis zu LP 2000 gegen erste Hypotheken auf landwirtschaftlichen Boden und Gebäude zu 8 Proz. Zinsen für einen Zeitraum bis zu 20 Jahren. Die. Anleihen können den Kreditsuchenden direkt wie unter gewissen Bedingungen durch Vermittlung der Banken gegeben werden. Die Anleihen werden nicht nur Einzelpersonen und Teilhabergesellschaften (auf Verlangen sämtlicher Teilhaber} sondern auch landwirtschaftlichen Genossenschaften gegeben. Bis jetzt sind jedoch gewisse gesetzliche und formale Schwierigkeiten und Fragen, die Darlehen an Genossenschaften im Wege stehen, noch nicht geklärt worden. Jerusalem. Wie uns mitgeteilt wird, besteht unter den englischen Juden grpJ3es Interesse an der Gründung.industrieller Unternehmen in Palästina. In Jerusalem wird zur Zeit von englischen Juden ein Industrieunternehmen errichtet. Die Inhaber der großen und bekannten Zigarettenfabrik „Du Maurier" haben die geschlossene Zigarettenfabrik in Jerusalem gekauft und unter der Firma „Jerusalem Cigarette Factory Ltd." eine neue Gesellschaft zur rH Zigärettenherstellung gegründet. Das Unternehmen soll'in großem Maßstabe aufgezogen werden. In Palästina ist bereits Tabak angekauft, die Produktion soll alsbald aufgenommen werden. Wie wir erfahren, werden auch von Seiten anderer englischer Juden Verhandlungen über die Gründung einer Anzahl industrieller Unternehmen geführt. Jerusalem. Die neue Vorlage des Bankgesetzes, die die Regierung am 6. Februar 1936 in der Palestine Gazette veröffentlichte und die in „Palnews" im einzelnen besprochen wurde, ist durch Veröffentlichung in der Palestine Gazette vom 12. März 1936 in Kraft gesetzt worden. Das Gesetz weicht von der Vorlage in einigen Punkten ab und enthält nicht die in der Vorlage vorgesehene Bestimmung, nach der jede Bank verpflichtet ist, ihre Bilanz in mindestens einer Tageszeitung zu veröffentlichen. Die Auslassung dieser Bestimmung in dem neuen Gesetz hat in Bankkreisen Ueberraschung hervorgerufen. Die Bilanzveröffentlichumg in der Tagespresse wäre iein Mittel, die Öffentlichkeit nicht in Worten, sondern in genauen Ziffern über die Lage aller Banken zu informieren. Es ist daher schwer verständlich, aus welchen Gründen die Regierung von dieser Bestimmung abgesehen hat. Tel A w i w. Die folgenden Länder werden in den nationalen Pavillons und Abteilungen der nächsten Levante-Messe ausstellen: England, Frankreich, Bulgarien, Tscheohoslovakei, Holland, Norwegen, Polen, Rumänien, Schweiz, Türkei, Oesterreich, Finnland und Griechenland. Daneben werden auch Aussteller aus anderen Ländern vertreten sein, vor allem aus Ungarn, Jugoslavien, Litauen, den Vereinigten Staaten von Amerika u. a. Ländern. Volksschullehrer und Religionslehrer erhalten. Auch die Lehrerfortbildungskurse werden gut besucht, ebenso die Hebräischkurse. An den Religionslehrerkursen nehmen 22 Lehrer teil. Das Sommerprogramm des Rabbiner-Seminars, Berlin, 20, April. Das Verzeichnis der Vorlesungen im Sommerhalbjahr 1936 (5696) weist folgende Disziplinen auf: Dr. Jechiel -Weinberg:" Talmud (Oberabt.): Baba Mezia, Abschnitt I So bis Do 7.30—9 Uhr. Dezisoren: Jore Dea, Hilchoth Melciha Mo, Di und Do 9—10 Uhr. Halachische Vorträge: Fr 7.30—9 Uhr. Dr. Samuel Grünberg: Pentateuch Genesis So 11—12 Uhr. Bibelexegese »tatarisch: Psalmen:So und Mi 9—10 Uhr. Bibelexegese cursorisch: Historische Bücher (Josua usw.) Di 10—12 Uhr. Talmud (Mittelabt.) Gittin, Abschnitt V So bis Do 7.30—9 Uhr. Hebr. Sprache und Referate So 12—13.30 Uhr. Hebr. Grammatik: Das Verbum Do 10—11 Uhr. Dr. Jacob Freimann: Geschichte der Juden in Deutschland seit dem 16. Jahrhundert Do 11—12 Uhr. Literaturgeschichte seit dem 16. Jahrhundert Do 12—13 Uhr. Einführung in die rabbmische Praxis Mo 12—13 Uhr. Dr. Esriel Hildesheimer: Geschichte der Juden in Italien, 13. bis 17. Jahrh. Mo 10—11 Uhr, Fr. 9—10 Uhr. Das Zeitalter der Geonim, seit Saadja So 10—11 Uhr. Quellenkunde zur Geschichte der Geonim Mi 10—11 Uhr. Talmud: Ketuboth, Abschn. III Mo, Di und Do 9—10 Uhr. Dr. Alexander Altmann: Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie I Mi 11—12 Uhr. Uebungen über die eschatologischen Partien im Talmud Mi 12—13 UJi.r. Homilet. Uebungen Mi 20—22 Uhr. Rabb. Abraham Wolf: Talmud (Unterabt.) Baba Kama I (Forts.) So bis Fr. 7.30—9 Uhr. Die Aufnahmeprüfung ist auf Sonntag, den 3. Mai, 9 Uhr, die Eröffnung des Sommersemesters auf Sonntag, den 3. Mai, 17 Uhr, im Hörsaal I, angesetzt. Den Eröffnungsvortrag hält Herr Rabb. Dr. Esriel Hildesheimer über „Die Jeschiwoth in gaonäischer Zeit". Zur Lösung des Hausangestelltenproblems. 'Mannheim, 12. April. Aehnlich wie in Breslau hat man in Mannheim versucht, das Hausangestelltenproblem in jüdischen Haushaltungen im Falle von Krankheiten zu lösen. Es ist unter Beteiligung verschiedener Organisationen eine Hauspflegekommission gebildet worden. Durah sie stehen einige Hauspflegerinnen zur Verfügung, die gegen ein geringes Entgelt vorübergehende Hilfe leisten, wenn die Hausfrau erkrankt ist. Die Hauspflegerin tut die Arbeit, die normalerweise die -Hausfrau erledigen würde und steht auch abends zur Verfügung, wenn die Hausfrau aus dringendem Anlaß abwesend ist und vorhandene Kinder nicht allein bleiben können. Die Hauspflegerin hat jedoch nicht die Befugnisse einer Krankenschwester. Die Auftraggeberin zahlt die Kosten für die Pflege an die „Geschäftsstelle der Hauspflege", die die Pflegerinnen in die Familien entsendet und sie für die geleistete Arbeit bezahlt. Von der Geschäftsstelle werden auch die Arbeitgeberbeiträge zu den Soziallasten für die Hauspflegerinnen entrichtet. Ferner regelt die Geschäftsstelle gemeinsam mit dem Wohlfahrtsamt die Bezahlung der Hauspflegerinnen, wenn Familien die entsprechenden Kosten entweder gar nicht oder nur teilweise aufbringen können. Die neue Organisation beginnt ihre Tätigkeit am 15, April. Einsetzung eines Staatskommissars für die jüdischen Gemeinden des Saargebietes, Saarbrücken, 15. April. Das in Saarbrücken erscheinende Nachrichten'blatt für die Synagogengemeinden des Saarländer vom 3. April enthält folgende Bekanntmachung: Der Herr Reichskommissar für die Rückgliederung des Saarlandes, Abt. Kultus und Schulwesen, hat mit Schreiben vom 25. März 1936 den Synagogengemeinden des Kreises Saarbrücken folgende Mitteilung zugehen lassen, welche die Einsetzung von Herrn Dr. jur. Oskar Schloß zum Staatskommiss a.r festlegt:

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