Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 100 (18.12.1899)
- Date
- 1899-12-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XI«* Jahrgang. Beilage zu M 100 des „Israelit". L«it««d«r Artikel. Zum achten Tebeth. M a inj-, den 17. Dez. (Schluß.) (*£> folgt nun eine Darstellung von der Aufnahme, oic Mendelssohns Bibelübersetzung bei den Rabbinern ulten Schlags (andere gab es damals nicht) gesunden. Grätz läßt denselben so viel Gerechtigkeit widerfahren, daß die betreffende Stelle, die dem Kenner seiner Sehristen als Unieum gelten muß, hier im Wortlaut folgen möge, obwohl es auch hier nicht ganz ohne jede damische Zwischenbemerkung abgebt. ..Sobald eine Probe der Uebersetzung in die Oeffentlichkeit trat, waren die Rabbiner alten Schlags dagegen eingenommen und sannen darauf, den Feind vom Hause Jacobs fern zu halten. Zu diesen Gegnern gehörten Männer, die nicht bloß vermöge ihrer Gelehrsamkeit und ihres Scharfsinnes, sondern auch vermöge ihrer lauteren Gesinnung dem Judenthum Ehre machten. Es waren namentlich die Polen von Geburt, die für die Wandlung der Zeit ebenso wenig Verstündniß hatten, wie für Fvrmenschönheit und Sprachreinheit. Der Eine von ihnen, Ezechiel Landau (seit 1762 Ober- - rabbiner von Prag, gest. 1793), genoß in seiner Gemeinde und außerhalb derselben große Verehrung. Er war klug, überlegt und lernte mit der Zeit mit dem Strome schwimmen." (Wie viel Perfidität liegt doch in diesem Satze, wenn man sich die Qualität eines Schwimmers mit dem. Strome in Grätz' Munde ver gegenwärtigt. Wer den Verfasser des Zlach und Roda bijehude ans seinen Schriften und aus seiner sonstigen Wirksamkeit kennt, wird sich vergeblich nach einem Beleg Umsehen, welcher für diese Bezeichnung auch nur die entfernteste Handhabe bietet. Ja, wer Rabbi Ezechiel Landau nur aus.-Grätz' Geschichte kennt, wird bei ihm Alles eher als die Fähigkeit finden, mit dem Strom zu schwimmen. R. Ezechiel Landauwird von Grätz noch zwei Mal in der Folge erwähnt, S. 97 und 3. 163 dieses Bandes. An der einen Stelle leitet.er die Bemerkungen über ihn mit dem Satze ein: „An der Spitze der bildungsscheuen Eiferer stand abermals Ezechiel Landau von Prag, der kurz vorher Mendels sohns deutsche Pentateuch.übersetzung verdammt hatte." An der anderen. Stelle .beißt es: „Aber, noch weniger Männer..von Bedeutung als die Richtung der Ans klarung.hatte die derStockfr'ömmigteit.- Der bedeutendste. Führer, derselb-n,..Ezechiel Larrdcui..in Prag§ der wenig - stcns aMzMpäste.-ängLsehLU ivrchHr»,Ha,ri«.auch nicht das geringste'Verstandniß für die neue Richtung, klammerte sich unbesonnen an leben nod} so unberedftigten Brauch und schädigte damit die Sache, die er vertrat. Er kannte nur Verdammung und Verketzerung für Jeden, der die ausgefahrene Straße um einige Schritte ver-! ließ" u. s. w. ffflan steht, wie schwer Grätz ein anerj kennendes Wort, eine objectrve Würdigung fällt, wenn j es sich um die Rabbiner alten Schlags handelt. Wenn - er zwei Schritte vorwärts thut, so hinkt er sofort, wie j bei der Echternaeher Springprocession, einen zurück und j setzt sich lieber mit sich selber in Widerspruch, als einen j Großen in Israel vom Schlage des Roda bijehuda unbelästigt pafsiren zu lassen), i „Der andere, Raphael Kohen, Rieffers Großvater, (geb. 1722, gest. 1803), aus Polen eingewandert und j von Posen zum Rabbinat der Drei-Gemeinde (Hamöurg-Altona-Wandsbeck) berufen, war ein standAfter und charaktervoller Mann, ohne Fatsch und ohne jeden Hintergedanken, der als Richter ohne Ansehen der Person Recht sprach und das Recht als die Stütze des Thrones Gottes betrachtete. Der Dritte und Jüngste war Hirsch Janow, wegen seines Tiessinns in talmudischeu Discusstonen der „Scharfsinnige" (Charis) zubenannt (geb. 1760, gest. 1785), Schwiegersohn Raphael Kohens. Sein scharfer Kopf umspann ebenso die verwickelten Lehrsätze der Mathematik wie die des Talmud. Nachdem sein Schwiegervater den Ruf nach Hamburg- Altona angenommen hatte, wurde der sechsundzwanzigjährige Hirsch Charis zum Rabbiner von Posen erwählt, aber gleich darauf nach Fürth berufen. Er war ganz Selbstlopgteit. Das geringe Einkommen von der verarmten Posener Gemeinde verwendete er für Unglückliche; er gab mit herzgewinnender Milde, ohne viel zu fragen, ob die Empfänger Strenggläubige oder Ungläubige waren, während er selbst darbte. Er machte Schulden, um Dürftige aus dem Elend zu reißen. Ein tiefer Denker, der Gelegenheit hatte, die Menschen von der schlechtesten Seite zu kennen, Salomon Maimon nannte diesen Rabbiner von Posen und Fürth „einen göttlichen Mann", was aus diesem Munde nicht als Uebertreibung angesehen werden kann. Zu diesen drei Rabbinern kann man noch einen vierten gleichgesinnten zählen, Pinchas Levi Hurwitz (geb. 1740, gest. 1802), Rabbiner zu Frankfurt a. M., ebenfalls ein Pole und gar aus der chassidäischcn Schule hervorgegangen. Sie und ihre Gesinnungsgenoffen, welche das Lesen eines deutschen Buches kür eine schwere Sünde hielten, waren eigentlich in ihrem Rechte, sich der Neuerung zu widersetzen. Sie sahen voraus, daß die jüdische Jugend ans der Mendelssohn'schen Uebersetznng viel mehr die deutsche Sprache als das Berständniß der Thora lernen werden, die Beschäftigung mir der heiligen Schrift dagegen zur bedeutungslosen Nebensache herabsinten und, das Tglmndstudium -vollende .verdrängt, werden würde." Diese den damaligen Rabbinern hier vindicirtc