Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 97 (8.12.1902)
- Date
- 1902-12-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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lein Konservativer sammeln sollte, um das Seinige zu, thun, um dann, wenn es erst erstarkt, mit Feuer für seine Rechte, „für unsere ehrwürdigen und geheiligten Ueberlieferungen," einzutreten. r W. F. . rms ^osre-psrweKZeK. /. Berlin, 2. Dez. Mosrs Mendelssohns Antheil an der Berliner Seidenindustrie ist in den interessanten Artikeln, die hier erschienen, auf Grund der von der Berliner Akademie der Wissenschaften herausgegebenen Aktenstücke,, nicht genügend hervorgehoben. Moses Mendelssohn, der einstmalige Buchhalter, spätere Kom- - pagnon von Bernhard Jsaac, hat die Nachtheile, welche der' Berliner Seidenindustrie gegenüber der französischen in Folge des Mangels an Kommissionsgeschäften damals anhafteten, zuerst, beseitigt. Das 1767 ange-. legte staatliche Seidenmagazin bewilligte den Fabrikanten .einen Kredit von neun Monaten. Moses Mendelssohn war es, der mit dem Rathe, die Fabrikanten ihren Bedarf zwar direkt bestellen, die bestellte Waare aber durch das Magazin liefern und zunächst bezahlen zu lassen, den richtigen. Ausweg fand. Als Unternehmer sind'' neben Moses Mendelssohn als Nachfolger von Bernhard Jsaac, den Söhnen von David Hirsch, den Nachkommen von Moses Ries auch noch Gardermin und Friedländer, Israel Marcus und von Halle zu nennen. Es verdient erwähnt zu werden, daß die Juden innerhalb der Seidenindustrie (in Königsberg kommen noch Silberraffinerie, ferner Gaze-, Saffian- und Cordianfabriken hinzu) sich zuerst die soziale Lage in Preußen erarbeiteten, welche die Emanzipation 1812 ermöglichte. Ein Kritiker der „Acta Borussia", in. denen jetzt diese Aktenstücke erschienen sind, sagt: „Hier, schüfey die Juden neue Werthe, und es genügt, an Moses. Mendelssohn und David Friedlander zu erinnern, um sowohl die Bedeutung der Juden für diese Industrie, wie umgekehrt deren Folgen für die Juden selbst zu kennzeichnest." . Neusatz, 2. Dez. In der Nacht vom 18. zum 19. v. Mts,^ würde in das Bureau der. israelitischen Religionsgemeinde. hierselbst. - .eingebrochen. Die Diebe öffneten mit Stemmeisen 'die eiserne Kaffe und stahlen Sparkässebücher mit Gescmmteinlagen von 80,000 Kronen, Loose im, Werthe von 260,000 Kronen und 1300 * Kronen. Baargeld. . Die .Einbrecher hatten sich aüf.Hr.Oglleri» des anstoßendenÄmpels versteckt gehy^ten/nnd? dann^ nach, Schluß des Gottesdienstes die züfll.'.Äüreau, führende Ähsir, erbrochen.^ Die'. Thäter , sind flüchtig^ .. ., Ruß l an d. Petersburg. (Die Js.raeliten in Rußl a n d.) Das russische Ministerium des Innern beabsichtigt, wie „Nowosti" berichten, allmählig eine Revi-- sion der gegenwärtig bestehenden Gesetzesbestimmungen über die Juden vorzunehmen. Zur Zeit ist ein Gesetzentwurf .in Vorbereitung, wonach Juden der Landerwerb in sämmtlichen Gegenden Rußlands gestattet werden soll, mit der Beschränkung indessen, daß das zu erwerbende Landstück gewisse kleine Normen nicht überschreite und der Ankauf in jedem einzelnen Falle die administrative Genehmigung erhalte. Der Ankauf, von Landstücken bis zu 30 Deffjatin soll der Bestätigung des örtlichen Gouverneurs und bis zu 60 Deffjatin der — des Ministers des Innern unterliegen. Der, Erwerb von mehr als 50 Deffjatin ist nur mit besonderer kaiserlicher Genehmigung gestattet. Das entsprechende Gesetzprojekt mit den detaillirten Erläuterungen ist bereits den betr. Ministerien zur Begutachtung übersandt. Als Motiv zur Ausarbeitung des Gesetzprojektes dienten unter anderem die im Ministerium des Innern vorliegenden Daten, daß Juden als Besitzer oder Pächter kleinerer Landstücke sich auch, gegenwärtig als nützliche Elemente in' der Landwirthfchaft erweisen, da sie der spekulativen Thätigkeit und dem Raubbau fremd sich eifrig mit verschiedenen Spezialkulturen, wie Hopfen-, Tabak-, Gemüse- und Garten- Bau etc. beschäftigen. Es ist selbstverständlich, bemerkt dazu das obengenannte Blatt, daß die erwähnte Maßnahme, im Falle ihrer Verwirklichung, von wesentlichen Erleichterungen für die Juden bezüglich ihrer Wohnberechtigung begleitet sein wird. Bobruisk. Die Folgen der großen Feuersbrunst, welche, wie erinnerlich, Anfang letzten Sommers die Stadt Bobruisk in einen Schutthaufen verwandelt hat, sind so gut wie völlig verschmerzt. Die jüdische Wohlthätigkeit, welche sich diesmal wiederum vollständig bewährt hat, war der Größe der Katastrophe durchaus ebenbürtig und hat es vermocht, den angerichteten Schaden nahezu wieder gutzumachen. Zusammen mit der großmüthigen Spende des Czaren im Betrage von 60,000 Rubel sind nach Bobruisk weit über 200,000 Rubel an Spenden geflossen. Dazu kamen noch etwa 600.000 Rubel an Versicherungsgelder, die es zusammen ermöglichten, daß fast sämmtliche niedergebrannten Häuser wieder ausgerichtet werden konnten. Dadurch hat das gesammte Ballgewerbe vorübergehend einen ungeahnten Aufschwung genommen, wovon wiederum auch die andern Erwerbszweige prositirt haben. Der beste Beweis für das Wohlergehen der Stadt Bobruisk ist die Thatsache, daß sämmtliche jüdischen Wohlthätigkeitsvereine und Anstalten der Gemeinde^ welche nach .der Brandkatastrophe zu funktioniren aufgehört haben ihre Thätigkeit wieder ausgenommen haben. Die jn