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Der Israelit · 1926-02-18 · Heft 8 (18.2.1926) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 8 (18.2.1926)
Date
1926-02-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr 8 Seite 3 IS.Februar 1926 Mit der Ärbeit für Erez Jisroel ist die Gewinnung unserer Jugend für die heilige Sprache Jisroels unzertrennlich. Mochenrundschau. Von den jüdischen Nöten und Kämpfen in Polen. Die Agudas Jisroel in Warschau kann man zu einem eminenten Siege in der Gemeindeverwaltung beglückwünschen. Wie bereits mitgeteilt, liegt das Präsidium in der Repräsentantenversammlung dieser größten jüdischen Gemeinde Europas ausschließlich in ihrer Hand. Wohl ist nicht zuletzt dieser Sieg der Uneinigkeit zwischen Zionisten, Poale Zionisten, Volkspartei und Bundisten, die in der Warschauer Repräsentantenversammlung so eine Art „Kampf aller gegen alle" aufführen, zuzuschreiben. Immerhin tonnte die Aguda diesen Platz nicht einnehmen, stände sie nicht heute als starke, in sich geschlossene, vom Vertrauen der Massen geiragenef um ein S&MI AäälUkA 5ßfl¥tßi QÜ DßTI Zersplitterungen auf der Gegenseite gegenüber. Die Sejm-Deputierten Kirschbraun und Trockenheim, die der Repräsentantenversammlung präsidieren, dürfen neben anderen tüchtigen Männern das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, die Aguda organisatorisch so weit vorwärts gebracht zu haben, daß sie nun, wenn Not am Manne ist, kraftvoll in die Bresche treten kann. Man darf erwarten, daß unter diesen Männern die Frage der Verhandlungssprache, und ähnliches mehr, das bislang die Warschauer Repräsentanten so lebhaft beschäftigte, ganz zurücktreten wird hinter Traktanden, die tiefer in das wirtschaftliche und religiöse Leben der jüdischen Massenbevölkerung einschneiden. Es ist nicht von großer Wichtigkeit, ob man polnisch oder jüdisch spricht. Man kann auch in polnischer Sprache „gut jüdisch" reden und handeln, wie andererseits die Bundisten und Jiddischisten andauernd den Beweis liefern, daß man in Jiddisch höchst unjüdisch reden kann. Zur gleichen Zeit ist auch eine Spaltu'ng iin Jüdischen Klub entstanden, mittels eines Keiles, den Grünbaum und Genossen in dieses ohnehin höchst schwache parlamentarische Gefüge Hineingetrieben haben. Leon Reich und Der Israelit Rosmarin haben das Präsidium des Klubs n i e d e r g e l e g t, weil sie sich nicht ewig nachsagen lassen möchten, sie hätten durch das bekannte Abkommen mit der polnischen Regierung schnöde die jüdischen Interessen verraten. Fürwahr, ein schlechter Lohn für die Müh und Arbeit, die diese Herren im Interesse der Verständigung an den Tag gelegt haben. W i r kennen diesen Ruf „Verrat" zur Genüge, noch aus der Zeit der deutschen Okkupation her, da die Vertreter der Aguda, wo es noch reichlich Zeit war, an diesem politischen Brückenbau zwischen Juden und Polen arbeiteten. Damals waren es auch die Herren um Reich, die der Aguda Verrat und Aehnliches ins Gesicht schleuderten. Heute müssen die Besonnenen unter den Zionisten, nachdem sie selber diesen Weg eingeschlagen haben, sich diese Regalierung vonfeiten des' extremen Flügels ihrer eigenen Partei gefallen lassen. Es ist so, daß die polnische Regierung ihr Versprechen nicht in allen Teilen gehalten hat, daß das Abkommen nach mancher Richtung hin enttäuscht hat. Die Not der jüdischen Massen ist unbeschreiblich und die Regierung tut nicht alles, was sie im Geiste des Abkommens, hätte tun müssen, um diese Not zu lindern. Für all dieses aber die Männer büßen zu lassen, die das Beste gewollt, statt mit ihnen daran zu arbeiten, das Möglichste aus dem Abkommen herauszuhoten, ist schon mehr wie Undank. Was versprechen! m Dio Dorren unter Führung MüiwMms ven der scharfen oppüsUiüUSllSN Stellung M Nö? gierung, die sie kategorisch verlangen? Liberales Judentum in England. Zum zweiten Male sprach Chiefrabbi Dr. Hertz -London ein kräftiges Wort gegen die jüngsten liberalen Bestrebungen in England. Er sagte in einer Predigt in der St. John's Synagoge in London u. a.: „Liberales Judentum bedeutet Auflehnung gegen das jüdische Gesetz, das jüdische Leben und die historische jüdische Anschauung. Es ist dies eine ernste Anklage, die ich gegen den Liberalismus richte, jedoch bin ich mir meiner Verantwortung bewußt. Das Wort „Rebellion" ist die einzig zulässige Interpretation für die Tatsachen des liberalen Judentums. Die Propheten dieser neuen Lehre sagen, sie wollen ein Judentum, das sich in vielfacher Hinsicht von dem unterscheidet, was die Welt bisher als Judentum gekannt hat. Ihr „Judaismus" ist gekennzeichnet durch Verwerfung von Thora-Gesetzen, Aufhebung des Bundes Abraham und des Sabbat, Ablehnung Zions und der Geulah, sowie durch Umwertung aller jüdischen Werte. Einige der Verkünder dieser Lehre gehen sogar so weit, zu behaupten, daß das liberale Judentum in seiner vollkommenen Entfaltnug etwas ganz Neues darstellen wird; man wird diese Lehre Judentum oder Christentum oder irgend wie anders nennen mögen. Alle Bewegungen des Schisma innerhalb des Judentums, die die bindende Autorität der Thora nicht anerkennen, führen früher oder später zur Abspaltung vom Judentum überhaupt. So war es mit Paulus, mit Sabbatai Zewi und mit den Frankisten, und so wird es auch mit unseren späteren Reformern sein. In der Wirklichkeit begann die Geschichte des liberalen Judentums gleichzeitig mit einer Bewegung zur Apostasie. David Friedländer, der Morgenstern des liberalen Judentums, hat im Jahre 1799 an die Berliner Lutheri'aner-Behörde das Ersuchen gerichtet, ihn und seine Genossen in die Kirche aufzunehmen. Die moralische Ohnmacht dieser jüdischen Religionsführer, die zu einem solchen Grad von Koketterie mit der herrschenden Kirche führen konnte, hat sogar ein so eigensinniges Kind Israels wie Heinrich Heine mit Verachtung gegen die „jüdische Reformation" erfüllt. In Berlin haben gewisse jüdische Kreise einen Evangelismus unter jüdischen Namen erstrebt, wie dies auch vor hundert Jahren gewisse Londoner jüdische Kreise wollten. Viele Liberale in England und Amerika pflichten der antijüdischen Behauptung von der! „Unzulänglichkeit des Alten Testaments" bei und x>tm ber Notrnenbigksit einer Ergänzung Durcf) Das Neue Testament. Vor dreißig Jahren haben sich in der Schweiz zwei „Rabbiner" gegen die Schechita ausgesprochen und dies führte zum Verbot der rituellen Schächtung in jenem Lande. Und als vor kurzem in England eine Agitation gegen die Methode der Schächtung, als eine grausame, entfaltet wurde, obwohl die Schechita die älteste humane Methode des Schlichtens ist, da erlaubte sich der Prediger der hiesigen Liberalen Synagoge von einem „Konflikt" zwischen dem Gebot der ^Schechita und den neuesten Erkenntnissen der SckMcht-Experten zu sprechen. Er igonorierte die Ansichten weltberühmter Autoritäten wie Lister, Virchow, Dubois-Reymond, Haffkine, Leonhard Hill, die alle die Humanität der Schechita-Methode anerkannten. Nachträglich erklärte er, er wollte, indem er sich über den Konflikt zwischen Schechita und Humanität aussprach, seiner Sympathie für die Humanität der orthodoxen jüdischen Lehre Ausdruck geben." Rabbi Hertz schloß: „Nicht in nebelhafter Verallgemeinerung habe ich den Liberalismus geschildert, sondern auf Grund historischer Tatsachen, auf Grund eines vierzigjährigen Studiums und persönlicher Beobachtung der Bewegung in Kleines Feuilleton. Palästina in Buch und Bild. Das in den weitesten Kreisen lebendig gewordene Palästina-Interesse spiegelt sich naturgemäß auch in den graphischen Kunstwerken, die von den deutschen Verlegern in den letzten Monaten aus den Markt gebracht worden sind? Das bei Julius Hossmann in Stuttgart erschienene Prachtwerk Palästina und das Ostjordanland von Ludwig Preis und Paul Rohrbach ist bereits in der Illustrierten Berlage des Israelit vor kurzem besprochen und gerühmt worden. Die 210 Tiefdrucktafeln und 21 farbigen Bilder zeigen eine tadellose technische Ausführung und bei der stofflichen Auswahl ist dem jüdischen Interesse ziemlich stark Rechnung getragen. Weniger läßt sich letzteres sagen von dem künstlerisch entschieden auf noch höherer Stufe stehenden Prachtwerk von Karl Gröber: „Palästina", das im Rahmen der Sammlung »rlrbis Terrarum" im Verlage von Ernst Wasmuth A.-G. in Berlin erschienen ist (Preis in gediegenem Leinwandbd. Mk. 26. —, in Halblederbd. Mk. 35.—). Der satte Kupfertiefdruck der über 300 Bildertafeln entzückt Auge und Herz. Allerdings ist die Auswahl, wie bereits angedeutet, etwas einseitig nach der christlichen Seite hin orientiert und auch das neue Palästina hat keine Berücksichtigung gesunden. Dagegen bildet einen Vorzug dieses Werkes das Hinübergreisen über die Grenzen Palästinas nach dem ganzen Orient. Es sind landschaftliche und architektonische Skizzen von überwältigender Schönheit und Eigenart, die hier aus Mesopotamien, Babylon, Assur, Syrien und Arabien geboten werden. Das im Verlag von Meyer & Jessen in München erschienene Prachtwerk «Palästina" mit Einleitung von Sven Hedin und ausführlichen beschreibenden Texten von G e org Landauer kann mit seinen 300 Autotypiebildern zwar an künstlerischer Vollendung nicht mit den beiden anderen Taselwerken wetteifern, ist aber dafür stofflich ganz aus das alte und neue jüdische Palästina eingestellt. Eine große Reihe von Bildern führen den wirtschaftlichen Ausbau des Heiligen Landes in unseren Tagen vor. wobei sowohl dieLandschasten als die charakteristischen Bauwerke der neueren Zeit zur Geltung kommen. Es fehlt aber auch nicht an gut gelungenen Wiederaaben bemerkenswerter Ruinen und historischer Denkmäler. Im ganzen wird sich gerade das Meyer & Jessen 's che Werk zweifellos raschen Eingang in die jüdischen Kamillen verschaffen. ■ - Bei der Firma Heinrich Tritt!er in Frankfurt a. M. hat der bekannte Maler Jacob Nutzbaum 10 Palästina-Radierungen erscheinen lassen (in Halbpergament-Mappe Mk. 180.—) Es sind technisch meisterhafte, ganz in die Palästina- Sonne getauchte landschaftliche Skizzen, die uns Nutz bäum bietet. Die menschlichen Figuren gehen in den Landschaften aus. Am packendsten und stimmungsvollsten wirken die fünf letzten Radierungen aus Galiläa, bei denen die Wasserflächen mit ihren Spiegelungen, die flachen Ufer und die fernen Berg-Hintergründe die Scenerie bestimmen. Prachtvoll wirkt der Kinereth-See bei Ostwind und die Fischerrast am See. Bei den Jerusalemer Radierungen vermißt man den Unterton der religiösen Historie, der an jedem Hauch dieser Landschaften haftet. sDie Zahl der jüdischen Studenten an den preußischen Universitäten.) Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst- und Volksbildung veröffentlicht soeben eine preußische Hochschulstatistik aus den Jahren 1924—1925 unter Beifügung von Vergleichsziffern aus dem Jahre 1911. Die Gesamtzahl der Studenten an den preußischen Universitäten belief sich im Wintersemester 1924/25 auf 30 001 Studierend^ und stieg im Sommersemester 1925 auf 31386; dieses bedeutet gegenüber 1911 mit 26 228 Studierenden eine nicht unbeträchtliche Zunahme. Nicht ganz dieser Steigerung entsprechend ist die Zunahme der jüdischen Studierenden an den preußischen Universitäten, wie dies aus der folgenden Feststellung hervorgeht: Unter dem Gesichtspunkt der Konfession gcch es im Wintersemester 1924/25 59,4, im Sommersemester 1925 60,15. im Jahre 1911 66,4 o. H. evangelische, 28,7 bzw. 30,24 gegen 27,5 katholische, 6,3 bzw. 5,34 gegen 5,6 o. H. jüdische und 5,6 bzw. 4,37 gegen 0,5 v. H. bekenntnisfreie usw. Studenten. Interessant ist, daß während bei allen anderen Bekenntnissen die Zahl der Studierenden im Sommersemester 1925 gegen die Zahl im Wintersemester 1924/25 gestiegen ist, sich der Prozentsatz der Studierenden jüdischen Bekenntnisses von 6,3 im Wintersemester 1924/25 auf 5,34 im Sommersemester vermindert hat.

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