Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 53 (8.7.1901)
- Date
- 1901-07-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449146-2449197--53718-2504397- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
4L. Jahrgang. M 58« Der Israelit. Ein GenLrat-Hrgan für das ortyodore Kudenl-um. Begründet von Br in Montag, den 8. Juli 566t (196t). Leitender Artikel. Die fogcnanntr Iifftiischait Sks ' Von Rabbiner Dr. Daniel Kink—Wien. (Schluß.) Es kann auch nicht ohne weiteres zugegeben werden, daß sog. wissenschaftliche und dialektische Forschungsweise sich gegenseitig ausschlössen. Es ist doch vor allem nicht zu vergessen, daß Krochmal und Rappaport, die aus der alten Schule hervorgegangen und deren Boden nie verlassen, auch die Ersten waren, welche die sog. „Wissenschaft des Judenthums" angebahnt haben. Wohl ist es wahr, daß die zur Einseitigkeit hinneigende jüdische Geistesart vorzugsweise die eine oder die andere Forschungsweise zu betreiben pflegt. Die eben Genannten und in jüngster Zeit Halevy in seinem epochalen Werke rrrzeigen jedoch, daß dies keineswegs unüberbrückbare Gegensätze sind. Im Gegentheil, gerade von der harmonischen Vereinigung beider Methoden ist eine wahre Förderung der jüdischen Wissenschaft zu erwarten. Sie wird die Dialektik vor allen vagen Sprüngen bewahren und die Geschichte wieder vor haltlosen Combinationen zurückhalten, bei denen die Elemente nicht einmal aus dem Lehrinhalte des Judentbums geschöpft sind. Wenn der Rabbiner Oettinger s. A. behauptet haben soll, über den Schnupftabak, den Raschi genossen, könne Zunz, — über dessen Geistesarbeit aber er Auskunft ertheilen, so mag ja diese Wendung manchem etwas drastisch klingen, es steckt aber ein gutes Stück Wahrheit darin. Hätte Herr Dr. Deutsch sich dies gegenwärtig gehalten, so würde er schwerlich David Friedländer blindlings in seinem wegwerfenden Urtheile gegenüber Ezechiel Landau gefolgt sein. Es ist zunächst eine mißliche Sache, die Denkweise eines großen Mannes an irgend einem absurd scheinenden Beispiele demonstriren zu wollen. Wer wird etwa in Abrede stellen, daß Kant einer der größten und erfolgreichsten Geister war. es wäre jedoch mehr, denn ein großer Mißgriff, wollte man durch ungebührliche Betonung solcher Dinge, die sich auch bei ihm finden, seine Größe in Mißkredit zu setzen suchen. Auch in unseren Tagen haben weitere Kreise wohl schwerlich Gelegenheit, die Weise dieses Denkers sebstständig kennen zu lernen. Hat man ihnen die Sache etwa dadurch klarer gemacht, wenn man sagt, Kant aber war es, der die Behauptung aufgestellt: Die Thatsache, daß der linke Stiefel niemals auf den rechten Fuß passe, oder umgekehrt, — ist und bleibt für jede menschliche Vernunft unbegreiflich. Er hat — beiläufig gesagt — bei dieser Behauptung sich jedenfalls auf das Argument gestützt, daß beider Oberflächen geometrisch vollkommen ähnlich sind, — jedoch übersehen, daß die symetrische Lagerung ihrer Theile eine durchaus entgegengesetzte ist. — Es hätte demnach gar nichts auf sich, wenn man zugeben müßte, daß Ezechiel Landau sich bei der Ermittelung des Gesichtspunktes, der für die Eröffnung der Mischnaordnung mit dem Traktat Berachot maßgebend war, vergriffen hätte. Was will denn das besagen, wenn einem so großen und fruchtbaren Denker auch unhaltbare Behauptungen mit unterlaufen sind? — Nebrigens sind wir in diesem Falle auf diese Art der Rechtfertigung nicht einmal angewiesen. Es wird vom Talmud wiederholt kNasir Fol. 2, Nedarim 2, Jebam. 2, Baba Kama 16, B. Bathra 108, Sebachim 48, Rosch ha- Schana 12) für die Anordnung desHalachastoffs in der Mischna der Gesichtspunkt geltend gemacht: jvs nH «me hwh Diejenige Lehre, welche erst auf dem Wege halachischer Forschung ermittelt worden, wird bevorzugt und darum in den Vordergrund gerückt. Bei dem Bestreben der Mischna, überall die Sadducäischen Grundsätze zu bekämpfen, erscheint diese Maßnahme mehr als selbstverständlich. Zacharias Fränkel