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Der Israelit · 1865-01-18 · Heft 3 (18.1.1865) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 3 (18.1.1865)
Date
1865-01-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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32 des vorigen Jahrhunderts auf großen Widerstand: die Lehrer Israels, welche damals an der Spitze des Volkes standen, fühlten nur zu sehr, daß eine neue Zeit heranbrach, welche der jüdischen Glaubensinnigkeit und Gesetzestreue nichts Gutes bringen sollte. Sie glaubten, diese Bewegung in Keime ersticken zu können. Sie fühlten, daß die Bibelübersetzung Mendelsohn's das Medium werden würde, durch welches die damals die Welt beherrschenden Ideen der französischen Encyclopädisten sich auch in jüdische Kreise Eingang verschaffen würden. Denn die Bibelübersetzung brachte den Juden das Verkehrsmittel, das sie mit der ganzen geistigen Bewegung des Jahrhunderts in Verbindung setzte. Hiegegen kämpfte Rabbi Ezechiel Landau und die ihm zur Seite standen, und dieses Bewußtsein spricht sich noch in dem berühmten Testamente Rabbi Mosche Sopher's v"2i aus. — Und haben diese Männer nicht Recht gehabt, haben sich ihre Befürchtungen nicht in einer Weise bewahrt, von deren entsetzlichen Gestaltung sie wohl selbst keine Ahnung hatten? Sie haben jedoch der hereinbrechenden Fluth keinen Damm entgegenzusetzen vermocht — die großen Weltereigniffe, die bald nach^ dem Tode Mendelsohn's alles Bestehende erschütterten, die französ. Revolution und die napoleonischen Kriege waren es, welche für eine neue Zeit neue Wege nothwendig machten. Allein, was hat Mendelsohn mit dem Hamburger Tempel zu schaffen? Mit diesem Hamburger Tempel stehen wir schon inmitten der Kämpfe der Gegenwart; da gilt es schon den Kampf um die Gotteslehre selbst; denn der Hamburger Tempel umwandelte den jüdischen Cultus zu einem nichtjüdischen und abrogirte den Glauben an einen Messias, leugnete also die Erfüllung einer göttlichen Verheißung. — Man sagt, die Orthodoxie habe damals den Hamburger Tempel verurtheilt, und dieser bestehe noch heute. — Aber wie besteht er noch heute? Hat er irgendwie seinen Einstuß zu vergrößern uno zu erweitern vermocht? Ist nicht seine Gemeinde weit geringer und unbedeutender geworden, als sie zur Zeit seines Entstehens vor nunmehr einem halben Jahrhundert gewesen? —„Aber," entgegnet man, „dem Hamburger Tempel gleichen jetzt viele deutsche Synagogen." — Darauf entgegnen wir: Kann Sünde und Abfall dadurch zu Treue und Tugend werden, wenn ihr böses Beispiel Nachahmung findet? — Man sagt ferner, die Orthodoxie habe vergeblich gegen die sogen. Rabbinerversammlung proteftirt. Das heißt doch sicherlich ein vollkommenes Verkennen ode einer absichtliche Entstellung historischer Thatsachen. Jener Protest hat den sogen. Rabbinerversammlungen den Boden unter den Füßen hinweggezogen, und der Erfolg derselben war vollkommen gleich Null. das werden sogar die Mitglieder jener Versammlungen zugestehen müssen. — Aehnliche Bewandtniß hat es mit den Protesten, die in jüngster Zeit gegen die Uebergriffe sogen, jüdischer Geistlicher erlaffen wurden — sie haben erwirkt, waS sie haben erwirken sollen, und Gott wird weiter helfen. — Wirft man uns, den Vertretern derer, die nach Glaubensinnigkeit und Gesetzestreue streben, Schwäche und Mangel an Einfluß vor, so beweist das durchaus nichts gegen die heilige Sache, für die wir kämpfen. Wir hoffen zu Gott, daß Er uns kräftigen und es uns vergönnen möge, daß unsere Wirksamkeit eine gesegnetere und immer bedeutendere werde. — Kehren wir nun zu den an der Spitze dieser Abhandlung aufgeworfenen Fragen zurück, so ergibt sich uns, daß das Judenthum als solches ein vollkommenes, der Entwickelung weder fähiges noch bedürftiges ist, daß wir Juden jedoch uns zu der erhabenen Gotteslehre hinan entwickeln sollen und müssen, daß man also durchaus'nicht berechtigt ist, uns eine „unbedingte Stabilität" vorzuwerfen, daß man ebensowenig berechtigt ist, unsere Gegner als Männer der „Entwickelung" zu bezeichnen, daß sie sich vielmehr als Männer der Vernichtung und Zerstörung O'N'NwQ geriren. Es gibt allerdings zwei Parteien unter den Juden Europa's: die einen wollen die Gotteslehre sich und ihren Nachkommen erhalten, die andern wollen sie für sich und für die Mit- und Nachwelt zerstören. Wir aber hoffen zu Gott, daß Er erfülle das Prophetenwort: II.-IV „Deine Söhne kehren eilig zurück, Deine Zerstörer und Zertrümmerer werden von Dir fortgehen". -pb-w -PP'LNQ '1 -iL/2 dv „Und es wird erkennen alles Fleisch, daß Ich, der Ewige, bin dein Helfer und dein Erlöser, der Mächtige Jakobs". (Jes. 49, 17 u. 26.) Unternehmen zu Gunsten -er Mascha's. Durch Moritz Schönfeld in Gr. Szt. Miklosch : von einem Freunde 2 fl. 40 kr. ö. W. — 2 fl. 24 kr. rh. — Durch H. Stern in Mainstockheim: von ihm selbst 5 fl.; S. Friedmann 5 fl.; zus. 10 fl. — Gesammtsumme fl. 88. 19 kr. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Aus Württemberg. Die Abänderung einiger Bestimmungen der Schulgesetze von 1836 und 1858, welche gegenwärtig in unserer Kammer der Abgeord-

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