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Der Israelit · 1934-07-05 · Heft 27 (5.7.1934) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 27 (5.7.1934)
Date
1934-07-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 27 Der Israelit 5. Juli 1934 In letzterer Zeit traut die Zentralmacht auch ihrer eigenen Geheimpolizei, die sich ganz selbständig etabliert hat und auf eigene Faust größte Grausamkeiten ausübt, nicht mehr recht. Der von ihr geschaffene Golem wächst über seinen Rahmen hinaus und wird seinem Schöpfer gefährlich ... Es sind nun Maßnahmen getroffen worden, die der Selbstherrschaft der GPU (Geheimpolizei) einige Grenzen setzen. Jedenfalls sollen von jetzt ab „Verräter" vor ordentliche Gerichte gestellt werden und nicht mehr den Henkern der Geheimpolizei ausgeliefert sein. Ob daraus eine Erleichterung für die Bevölkerung und vor allem für die jüdische Bevölkerung erwachsen wird, ist abzuwarten. England. Palästinajustiz vor dem Unterhaus. London, 1. Juli. In einer erregten Aussprache im Unterhaus fragte der Abgeordnete Wedgewood u. a., ob man noch zu behaupten wage, daß in Palästina Arabern und Juden gegenüber das gleiche Recht angewandt werde. Der Kolonienminister antwortete sehr erregt, es sei nicht Sache des Abgeordneten, solche Verdächtigungen gegen die Justizverwaltung in Palästina vorzubringen, WO die englischen Grundsätze von Recht in jeder Hinsicht befolgt werden. Wedgewood parierte in gleichem Tone, daß es nicht Sache des Ministers sei, ihn zu belehren, wie er die englischen Interessen wahrzunehmen habe. Es wurde ihm von vielen Seiten Beifall gezollt. Eine Aussprache zwischen dem englischen Kolonienminister und dem Board of Deputies. London, 1. Juli. Der Kolonienminister Sir Philip Cunliffe-Lister empfing eine Abordnung des Board of Deputies, die ihm eine Resolution zum Palästiniaeinwanderungsproblenx überreichte. Es werden darin alle bekannten Bedenken gegen die Beschränkung der jüdischen Einwanderung in Palästina geltend gemacht und auf die politischen wie wirtschaftlichen Folgen hingewiesen. Der Minister zeigte in der Aussprache Verständnis für die Wünsche der Abordnung, berief sich aber in bereits sattsam bekannter Weise auf die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit des Landes, über die nicht er, sondern der High Commissioner zu bestimmen hätte. Er, der Minister, wolle aber all die Bedenken und Wünsche der Abordnung der Palästinaregierung übermitteln. Personalien. Moritz Stern 70 Jahre alt. Berlin, 2. Juli. Moritz Stern, der bekannte Gelehrte, feiert am 6. Juli seinen 7 0. Geburtstag. Aus Kurhessen stammend, kam er in jungen Jahren nach Berlin und in den Kreis von Esriel Hildesheimer b'Xh dessen Lieblingsschüler er wurde. Er wirkte unter Hildesheimer als Lehrer an der Religionsschule des Berliner Adaß Jisroel, später einige Jahre als Rabbiner in Kiel, als Realschuldirektor in Fürth und als Schuldirektor in Berlin. Seit 1905 wirkte er als Direktor der Berliner G e m e i n d e b i b 1 i o t h e k , aus welchem Amte er erst vor zwei Jahren aus Altersrücksichten zurücktrat. In all diesen Stellungen hat er sich mit gleicher Genialität als Pädagoge, als Prediger wie als Bibliograph von immenser Gelehrsamkeit bewährt. Eine größere Würdigung der Persönlichkeit Sterns wie seines Wesens und Wirkens liegt uns aus berufener Feder vor und wird demnächst, sobald wir den Raum für dieses umfangreiche Bild eines segensvollen jüdischen Gelehrtenlebens haben, erscheinen. Für heute wünschen wir dem hochverehrten Jubilar einen frohen und durch frische Arbeit beglückten Lebensabend. ruE? onpsn nun Breslau, 1. Juli. Nach schwerer Krankheit ist am 5. Tammus Josef P e r i t z im Alter von 67 Jahren heimgegangen. In Breslau geboren und in der Jugend noch dem Kreise von R. Gedalje T i k t i n angehörend, von dem seine ganze Lebenseinstellung bestimmt wurde, war er sein Lebtag ein großer pnpiö rosaa Die schweren Opfer, die er sein ganzes Leben hindurch für min brachte, sind ihm niemals als Opfer erschienen. Er übte alle msa mit größter Liebe und Hingebung, oft unter Hintansetzung seiner geschäftlichen Anliegen. Noch in der Zeit seiner schweren Krankheit hat er sich vom Bett auf den Balkon geschleppt, um nia^ ffiT>p zu üben. Als er sich vor vielen Jahren ein min ibo erwarb, bezeigte er eine Freude, wie sie ein anderer kaum bei Erwerb materieller Güter zeigte. Als er vor mehreren Jahren einmal die "'ST hatte, den Beregszaszer Raw bMxu in seinem Hause zu beherbergen und zu bewirten, bedeuteten das für ihn Freudentage, an denen er zeitlebens zehrte. Seine ganze Fürsorge wandte er der Erziehung seiner Kinder zu, insbesondere der Erziehung seines einzigen Sohnes. Bei seiner oben erwähnten Einstellung war es für ihn eine Selbstverständlichkeit, seinen Sohn (Rabbiner Dr. Peritz in Schönlanke) auf die Jeschiwa zu schicken, um ihn zum Raw alten Schlages ausbilden zu lassen. Er hatte die freudige Genugtuung, daß sein Standpunkt sich in Breslau durchsetzte und daß es heute in Breslau allgemein in frommen Kreisen üblich geworden ist, die Söhne auf Jeschiwaus zu schicken. Seine, schweren Leiden hat er mit großer G'ttergebenheit getragen, bis er mit dem »aw auf den Lippen sanft entschlafen ist. — Die Bestattung fand am 7. Tammus in Breslau statt. In ergreifenden tson dankte der Sohn, Herr Rabb. Dr. Peritz dem Vater für alles was er ihm durch Erziehung und Beispiel gab. Er wurde in nächster Nähe des von ihm so verehrten R. Gedalje Tiktin begraben. n'aXW Karlsruhe, 1. Juli. Am 4. Juli beging Frau Auguste P o 1 a c k geb. Joseph, Hamburg, Heinr. Barthstr. 15, in seltener körperlicher und geistiger Frische ihren 8 0. Geburtstag. Aus frommem Hause stammend, seit 25 Jahren in Emden als Vorsitzende des Frauenvereins lebend, hat sie sich durch ihr bescheidenes, frommes Wesen nur Freunde geschaffen. Heute steht sie noch in voller Rüstigkeit dem Haushalt ihres Bruders vor. G'tt schenke ihr bis 100 Jahre dieselbe Kraft. 711V D'-|E75?1 HKB *?5? Papenburg, 1 .Juli. Am 19. Juli 1934 begeht Herr Aron H e s , Papenburg in körperlicher und geistiger Gesundheit seinen 8 0. Geburtstag. In einer Zeit, da die Jüdischkeit durch modernisierende Bestrebungen immer mehr in ihrer Ursprünglichkeit verfälscht wird, gehört es sich, gerade eines solchen Mannes zu gedenken, der in seiner dreißigjährigen Tätigkeit als Gemeindevorsteher, stets sich voll und ganz dafür einsetzte, das Judentum in seiner Reinheit zu erhalten. Die Lehren, die in seiner Jugend ihm newa 'WK einpflanzten, hat er getreulich -befolgt, sein Haus war und ist ein aya vipn> seine Frau und Kinder sind in seinem Sinne Juden. Das Leben hat ihm manches Schwere auferlegt, aber er hat es aufrecht getragen, für ihn war auch in trüben Stunden der Satz unserer Weisen -uy aiaV saam lajn na bo, alles was G'tt tut, ist zum Guten, ein fester Pfeiler in seinem Weltanschauungsgebäude. Daß sein Haus und das seiner Kinder wahre jüdische Häuser sind, der Gedanke sei ihm der schönste Lohn seines Lebens. o^wyi naa Bad Mergeintheim, 2. Juli. Vor kurzem feierte Herr Joseph H e i d e 1 b e r g e r in körperlicher und geistiger Frische und Rüstigkeit seinen 90. Ge b u r t st a g. Herr Heidelberger, in Sennfeld (Baden) geboren und dort bis vor 10 Jahren wohnhaft, ist sowohl bei seinen Geschäftsfreunden infolge seiner Reellität und Hilfsbereitschaft als auch bei seinen Bekannten dort und hier wegen seines freundlichen und liebenswürdigen Wesens allgemein geschätzt und beliebt. Am Sabbat wurde seines Festes in der Synagoge Erwähnung getan, und am Sonntag war sein Haus voll von Gratulanten von hier und auswärts. Mögen ihm noch weitere Jahre der Gesundheit und Rüstigkeit beschieden sein! ^| Sejmdeputierter I. M. Münzberg. Lodz, 26. Juni. Aus Anlaß des fünfzigsten Geburtstages des bekannten Sejmdeputierten, I. M. Münzberg in Lodz, bringen die Zeitungen Würdigungen seiner Persönlichkeit. Herr Münzberg, ein Großindustrieller und Philantrop, ist auch eine Säule der Aguda und des Agudagedankens in Polen. Seit Jahren wirkt er als Stadtrat und Ratmann und seit 1930 auch als Deputierter im Sejm,, wo er stets die Belange der jüdischen Religion und die Forderungen der Agudas Jisroel mit Energie vertritt. Bei der Kenessio Gedaulo war er Mitglied des Präsidiums. Er ist auch Mitglied des G, A. der Weltorganisation und im Präsidium des A. C. der polnischen Aguda. Die Bedeutung Münzbergs im sozialen und Wohlfahrtsleben der jüdischen Gemeinde Lodz ist allbekannt. Wir wünschen dem tätigen Führer weitere Erfolge für Klall. niv d>*iizn?i nxa iv Vermischtes. Trauerfeier für Oberrabbiner Dr. Samuel Spitzer V//3fT- Berlin, 2. Juli. In der dichtgefüllten Synagoge der Adaß Jisroel fand Sonntag Nachmittag der Hesped für Oberrabbiner Dr. S p i t z e r Vxr,' statt. Rabb. Dr! K 1 e i n "ging von den fünf Schicksalsschlägen aus, die am 17. Tamus das jüdische Volk trafen, um zu zeigen, welchen Verlust das thoratreue Judentum durch das Hinscheiden Dr. Spitzers erlitten hat. Gleich den mmV war er durch und durch von der n*nn durchdrungen, auch ihn trug nur die Schrift, wie einst die mmV» seine ganze Persönlichkeit war getragen und geadelt durch die film und durch sie ward er die große freie jüdische Persönlichkeit, die als. leuchtendes Beispiel der jüdischen Welt dienen kann. Er war eine lebendige mm ISür die leider so früh verzehrt ward. Sein ganzes Leben war ein "ran rtny» ein Opfer der Stetigkeit und n-apn hat nun diesen nwa la bsnv bnvs 'nn«ci xnsom iv&n als isi3/ als msa für die Verirrungen der Zeit zu sich genommen. Im Sinne des Weisenwortes rura ntnpa? /ll'f^R n'3 nalM D'p'TS da ja die D'pnx ein lebendiges "t b^n darstellen, haben wir auch den Verlust des byn zu beklagen. Und schließlich sind die a'p'is die wahren Wnj? niBJ, die Wächter der Stadt, die treuen Hüter des jüdischen Volkes, und wenn diese Männer, die treu auf der Warte stehen, nun von ihrem Posten abtreten, was Wunder, wenn in die Stadtmauern eine Bresche gelegt wird. — Im Anschluß an eine ms?» in riss: laoa '/laipaai inpyaai iawa $na nrav msn ov "b vr>v nn rfunsn-mpaa mvjv laipaai a-ana vpyap vwyaai 'jsdw schilderte er dann die öffentliche Tätigkeit Dr. Spitzers V'XT» und namentlich sein mannhaftes Eintreten nsisn oipaa» für die Unvsrfälschtheit des alten Judentums, die ihm ein ewiges Andenken sichert. Mit flammenden npia-Worten, von nun an in die Brseche zu treten, um den Riß auszufüllen, der durch den Heimgang dieses großen lau? in die Reihen der treuen Wächter des jüdischen Volkes gerissen ward, schloß der eindrucksvolle ison- Hannover, 27. Juni. Am 24. Juni sprach in der hiesigen Agudas Jisroel-Ortsgruppe Herr R.-A. Dr. Isaac Breuer über ,,Erez Jisroel". — Nach kurzen Begrüßungsworten des Vorsitzenden der Ortsgruppe, Herrn Julius Löbenstein, führte der Redner u. a. aus: Es sei an der gesamten Judenheit die Prophezeiung in Erfüllung gegangen, daß, wo immer wir weilen, wir uns im Land unsrer Gegner befinden. Nun gehe ein Schofarton über die ganze Erde. Er mahne zum Abbruch, zum Aufbruch hier, zum Einbruch in „unsre Heimat". Dem zionistischen Schofar habe das thoratreue Judentum sein Ohr verschließen müssen. Ob es das heute noch könne, angesichts der letzten Geschehnisse? Wir Juden hätten alle seit 2000 Jahren die Aufgabe, trotz Zerstreuung uns selbst zu erhalten. Aber es mußten erst Zionismus, Weltbrand und Balfour-Deklaration kommen, um aus Palästina ein Land zu machen, in dem Juden keine Gäste seien. — Redner spricht dann über die wirtschaftliche Entwicklung seit der Balfour-Deklaration. Er schildert seine persönlichen Eindrücke und Erlebnisse von Haifa, Jerusalem, dem Emek, Tel Awiw. Restlos anerkennt er die Leistungen der zionistischen Organisation und ihrer Chaluzim. Aber er habe auch vieles dort gesehen, was mit der Thora nicht in Einklang zu bringen sei. Dabei habe er häufig voller Freude erkennen müssen, wie schwer es für viele sei, den Zusammenhang mit der Thora zu verlieren. Man könne eben ein Land nicht aufbauen nur durch Geld und nur durch Arbeit. Der Geist müsse dabei sein. Gelte das schon für jedes Land, in welch höherem Maße für Erez Jisroel. Eine gemeinsame geistige Basis sei leider im Erez Jisroel der Gegenwart nicht vorhanden. Das Land werde von der zionistischen Arbeiterorganisation auf der einen, von den Revisionisten auf der andren Seite beherrscht. Die Gegensätzlichkeit zwischen beiden habe im Grunde genommen mit jüdischem Geist nicht das Geringste zu tun. Die Grundlagen beider Organisationen seien nichts anderes als Abklatsch europäischer Ideen, hie Marxismus, hie Chauvinismus, kurz: die Problematik Europas. Und das könne die Judenheit im Kreis der europäischen Völker auch ausleben. Wenn wir in Erez Jisroel nicht eine eigene autochthone jüdische Idee verwirklichen, dann war unsere zweitausendjährige Selbstbehauptung nichts anderes als eine grenzenlose Anmaßung. Die areligiöse und antireligiöse Haltung der zionistischen Arbeiterorganisation berge in sich die Gefahr der Vergottung der Wirtschaft, der Vergottung der Nation. Hier dürfe es keine andre Kultur geben als die der Thora. So ginge es nicht weiter. Das Leben dort müsse geregelt werden nach dem Sozialismus der Thora. Aus dieser Erkenntnis folge der Zwang zur Tat. Unsre Kinder müßten dort ein Land antreffen, worin sie nicht geistig zu Grunde gehen. Die Verwirklichung dieser Aufgabe habe zunächst der Keren Hajischuw übernommen. Er wolle den Sozialismus der Thora in das Wirtschaftsleben Erez Jisroels hineintragen. Möge die thoratreue Judenheit der ganzen Welt mithelfen, daß in Palästina eine Gemeinschaft jüdischer Menschen entsteht, die vor den Augen der ganzen Welt imstande sei, den Namen G'ttes zu heiligen. Der einundeinhalbstündige fesselnde Vortrag wurde mit starkem Beifall aufgenommen. Anschließend fand noch eine Besprechung vor geladenen Gästen statt, in der der Referent viele einschlägige Fragen beantwortete. Zum Schluß wurde ein Komitee für den religiösen Aufbau Palästinas gegründet, dem gleich ca. 25 uns sonst fernstehende Gemeindemitgliedef beitraten. Mögerrapri uns weiter guten Erfolg gewähren.

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