Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 31 (3.8.1864)
- Date
- 1864-08-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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KM 638 dem Tode Ladislaus Szalays hat auch der ungarisch-israelitische Verein die schwarze Fahne ausgesteckt. Und mit Recht! Der edle Ver. bltchene hat als Redakteur des ״PestiHirlap" und als Geschichtschreiber die Juden und das Judenthum mit Unbefangenheit nicht nur, sondern auch mit warmer Theilnahme besprochen. Auch der seitdem mit Tod abgegangene Andreas Fäh war ein Freund der Emanzipation, und hat 1839 zu der Kommission des Pestcr Komitates gehört, welche zu Gunsten der Emanzipation instruirte. Das Wichtigste, das von unseren inneren Angelegenheiten zu melden ist, besteht in der Nachricht, daß wir wieder im Tcmpelbau begriffen sind. D-r Dachstuhl unseres neuen, 1859 eingeweihten Tempels bedarf schon nach fünf Jahren einer kostspieligen, sehr kostspieligen Reparatur! Man glaubt, es wäre dazu nicht gekommen, wenn 1859 eine weitere Gemeinderepräsentanz eristirt hätte. Der als hebräischer Schriftsteller rühmlich bekannte Eleazar Raschkow hat in alten Tagen die ungarische Sprache erlernt und vor Kurzem zwei Gcdichtchen von Kisfaludy in's — Französische übersetzt. Die Uebersetzung ist dieser Tage in einem hiesigen Blatte erschienen. I?. Paks, 19. Juli. Der hiesigen Gemeinde wird wol kaum der j Ruhm streitig gemacht werden können, daß sie sich von jeher als ein > Sitz der entschiedenen Orthodoxie bewährte. Von hier ans sind zu 1 wiederholten Malen und nicht ohne Erfolg Versuche gemacht worden,; der Reform und dem Fortschritte mit energischer Entschiedenheit ent- I gegenzntreten, und das orthodoxe System zu befestigen. Im Jahre 1798 i stand der hiesige Rabbiner, Jsak KrieShaber aus Krakau, an der Spitze der orthodoxen Schaar, welche an den Thüren der jüdischen Küchen eine feste Position einnahmen, um den Sterlet (H.6ip6nser rutbenus pygmaeus) zurückzuweiscn, welcher unter der Aegyde dreier Rabbincn, — Ezechiel Landau'S in Prag, Hirfch'S in TemeSvar und Chorin'S in Arad, — einzichen wollte. Eine andere Wendung schien unter dem Rabbinec Horowiy eintreten zu wollen, welcher au den Grafen Karl Gßterhäzy, als dieser zum Obergespan des Tolnaer Komitates installirt wurde, eine ungarische Ansprache hielt, und mindestens eine Zeit lang die Gründüng einer Volksschule in Aussicht stellte. Der Graf Eßterhäzy, ein sehr wohlwollender und gutmüthiger Herr, zögerte nicht, den Pakser Rabbiner für dessen patriotische Rede zu belohnen. Cr empfahl ihn der Gemeinde zu Papa, wo er als Grundherr wohnte. Unter den Papaer Zuständen und den dortigen Reformern gegenüber wurde Horowitz znm Reaktionär. Löw'S Artikel im ״Pesti Hirlap?', in denen schon 1844 die Gründung eines Rabbiner-Seminars nachdrücklich beantragt wurde, spornten ihn an, mit seinen reaktionären Entwürfen sogleich hervorzutreten. Durch eine Rabbinerversammlung sollte den Neuerungen und Reformen Einhalt gethan werden, und Paks, das stöhrfeindliche orthodoxe Paks, wurde zum Versammlungsorte gewählt, nachdem der Obergespan, Graf Eßterhazy, seinem Günstlinge die Erlanbniß ertheilt' hatte, mit einer beliebigen Anzahl von Rabbinen zu einer Besprechung über das RabbinatS- und Schulwesen znsammenzutreten. Die Beschlüsse dieser Versammlung sind zwar ein trauriges Denkmal der Boruirtheit und gänzlichen Unfähigkeit ihrer Urheber; aber die Stellung, welche die hiesigen Gemeindevorstände der Volksschule gegenüber einnehmen, beweist, daß die Rabbinerversammlung von 1844 nicht umsonst in unserer Mitte getagt hat. Schwab's goldene Worte fanden in der hiesigen Gemeinde wenig Auklang, während die Majoritätsbeschlüsse eine kräftige Mahnung waren, den Fanatismus eines Jsak KrieShaber als nachahmnngswürdigeS Beispiel zu betrachten. Unser gegenwärtiger Rabbiner, Herr Joel Ungec, ist kein Fanatiker. Er weiß aber, was er seiner Stellung schuldig ist, und er geht mit der Reaktion, jedoch nur bis zu einer gewissen Grenze. Die Petition gegen das Seminar weigerte er sich zu unterzeichnen. wiewol ihn der Preßburger Rabblner sehr inständig darum ersucht hatte. Der hiefige Vorstand hat dagegen unaufhörlich die fanatische Rücksichtslosigkeit von 1798 und die hierarchische Bornirtheit von 1644 vor Augen. Die Herren Vorsteher dieser ansehnlichen Gemeinde lassen sich'S nicht nehmen, daß in Paks die ״finstern Berge" (.הרי השך) sind, die niemals' gelichtet werden dürfen. Zu ihrem tiefsten Leidwesen ist aber ohne ihr Zuthun und wider ihren Willen eine nicht ganz unbeträchtliche Zahl gebildeter junger Männer in der Gemeinde vorhanden, die den Muth Huden, sich von den ״sinstern Bergen" der Herren Vorsteher nicht abschrecken zu lassen. Diese jungen Männer*), welche eine selbstständige Stellung haben, und zur Deckung der Gemeindebedürfnisse kontribuiren, richteten unterm 24. Jäner l. I. ein schriftliches Gesuch an den Gemeindevorstand, worin sie denselben baten, die jungen Männer, welche unverheiratet sind, aber die Gemeindelasten tragen helfen, fortan nicht mehr, wie bisher geschah, von dem Genüsse der den Gemcindegliedern zukommenden Rechte auSzuschließen. Ein billigeres Verlangen ist kaum denkbar! Gründen wir Juden doch unsere gerechte Emanzipationsforverung auf das Prinzip: Gleiche Lasten gleiche Rechte! Wie sollen also Vorsteher einer jüdischen Gemeinde wagen können, ihren Glaubensbrüdcrn, ihren Gemeindegenoffen, den Kontribuenten ihrer Gemeinde gegenüber dieses Prinzip zu verleugnen? Die hiesigen Vorsteher wagten gleichwol dies zu thnn, ohne jedoch den 15 Bittstellern auf deren schriftliches Gesuch einen schriftlichen Bescheid zu geben. Erst auf den Befehl des Stuhlrichters entschlossen sie sich, Letzteres zu thnn. Unterm 14. Febr. 1. I. erfloß nachstehende Resolution: ״Aus Grundlage unserer Statuten kann der Vorstand ohne Einwilligung der achtzehn Ausschußmänuer nichts Neues in der Gemeinde vornehmen; und da Ihre Eingabe von den Herren Achtzehnern einmal abgewiesen, so können wir dieselbe nicht mehr berücksichtigen. Moriz Flesch, Vorsteher." Verständige Leser werden eS ohne Zweifel befremdlich finden, daß der Bescheid eS unterläßt, den Artikel oder Paragraphen der Statuten näher zu bezeichnen, welcher der nachgesuchten Neuerung oder überhaupt jeder Neuerung entgegensteht. In Wahrheit hat sich der erfahrene Vorstand eine kleine poetische Lizenz erlaubt. Statuten sind in der hiesigen Gemeinde gar nicht vorhanden; wol aber gibt eS einen Usus, und dieser spricht allerdings gegen das Ansinnen derer, die noch nicht so glücklich sind, dir einem Vorsteher oder Gemeinverepräsentanten zukommende Ehre mit einer treuen Ehehälfte zu theilen. Die jungen Leute finden aber diesen Usus sehr abgeschmackt. Franz Deük sagen sie, ist, ohne sich verehelicht zu haben, der verehrteste Mann in Ungarn geworden; und Vorstandsmitglied oder Repräsentant der ehrsamen Pakser Judengemeinde soll man ohne vorhergegangene Chuppa und Kidduschin nicht werden können! Die jungen Leute finden in ihrer Ausschließung auch eure Beeinlrächtigung und Verkürzung ihres guten Rechtes. Die Maxime: nihil de nobis sine nobis ist in den ungarisch-jüdischen Gemeinden zwar niemals ausgesprochen, aber stets beobachtet worden. Sie könnten sich freilich damit trösten, daß sie, einmal in das Bündniß der Ehe getreten, die ledigen Gemeindeglieder ebenso bevormunden werden, wie sie gegenwärtig bevormundet werden. Sie weisen aber diesen Trost zurück, weil ihnen das Bevormunden nicht minder widerwärtig ist, als das Bevormuudetwerden! Die jungen Leute können sich von der Anschauung nicht trennen, daß ihre Ausschließung auch der Gemeinde nachtheilig werden müsse, und zwar in zweifacher Rücksicht. Einmal, weil, — wie es in dem Gesuche vom 24. Jäner l. I. heißt, — ״tüchtige Gemeindeglieder nicht herangebildet werden können, indem sich die ledigen Männer bei ihrer Ausschließung von den Gemeindeangelegenheiten weder die *) Ihre Namen sind: Karl Behr, Eduard Klein, Abraham Schön, Bernhard Kraus, Samuel Schön, Ignaz Flesch , David Kraus, Franz Schwarz, Sigmund Freund, Bernhard Deutsch, Hermann Freund, Jg». Deutsch, Isidor Snlzbach, Jakob Behr, Lazar Hauer.