Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 41 (23.10.1862)
- Date
- 1862-10-23
- Page
- Seite 351 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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351 durch welchen die dortige israelitische Gemeinde in Schrecken und große Betrübniß versetzt wurde. Der dortige allgemein beliebte Rabbiner dielt nämlich vor der versammelten Gemeinde im GottcShanse eine ergreifende Predigt und als er dieselbe wie gewöhnlich mit dem Worte ״Amen!" schloß, sank er in demselben Augenblicke *11 Boden und war nach wenig Minuten verschieden. Ein Schlagantall hatte seinem Lebei! ein Ende gemacht. / Preßburg, Mitte Okt. Die Mittbeilnng der nng. Blatter, daß die hiesige Jeschiba ans dem nng. Schulsonde 1500 fl. jährlich bezieht, hat in hiesigen Kreisen nicht wenig Unruhe erregt, da man dies auch fortan gerne verheimlicht hätte. Ich kann Ihnen aber die Mitthcilnng machen, daß seit mehreren Jahren jeder Bachur jährlich 6 fl. als Einschreibgebühr zahlen muß. Was »nt dem vielen Gclde geschieht, wissen nur wenige Adepten, die sich aber aus leicht cinzuschenden Gründen hüten, den Schleier des Mistcrinms zn lüften. Ihre Bemerkung, Laß die Korifäcn des nng. RabbinarcS die hebr. Ztw. nicht abwandrln können, hat hier sehr böses Blur gemacht. (Ich begreife nicht, wie die Herren hierüber ungehalten sein können. Der sei. R. Mos. Sofcr war ein größerer Thalmudist als der gegenw. Preßb. Rabbiner, und auch ihm war die hebr. Konjugation fremd. Dasselbe gilt v. R. Ezechiel Landau, der noch ein größerer Tlialmndist als R. Mos. Sofer! Heutzutage gibt es allerdings auch orthodore Rabbinen, die hebräisch wissen; dies haben sie aber von den Reformcrn gelernt, denn als Mendelssohn austrat, gab es nicht einen einzigen Rabbinen, dem die hebr. Grammatik gcläusig gewesen wäre. Die Neuorthodoren giomantiker wollen dies vertuschen: ihr eigenes miserableS Hebräisch erinnert aber immer von Neuem daran. Waö die cingelaufenen Gelder betrifft, bitte ick die Herren Preßb. Bor׳ ftchcr dringend, die Rechnung über das Gebaliren derselben veröffentlichen zu wollen. Bielen scheint es höchst abnorm, daß die Regierung eine jüd. thcol. Lehranstalt subventionirr. welche die hebr. Gramm, von ihrem Lehrplane ausschließt, und deren Direktor und einziger Professor das hebr. Verbum nicht zu konjugiren vermag. Ich will mich hierüber jeder Bemerkung enthalten. DerMehrzahl der nng. Gcm. kömmt cS wirklich nicht in den Sinn, von ihren Seelenhirten Kenntniß d. heil. Sprache und Schrift zu verlangen. Aber daraus folgt noch nicht, daß die Herren in Preßb. über alle und jede RechnnngSablegung erhaben sein müssen! Die Orthodoxie als solche ist nach dem Thalmud in Bezug auf Rechnungswesen durchaus keine Bürgschaft, wie die Herren aus dem Jeruschalmi Berach. 2, 4. und Toß. Sabb. 4!), «. Schlgw. כאלישע ersehen können. Es ist merkwürdig genug, daß die Herren, die sich unaufhörlich als die Thalmndglänbigen gerircn, gerade hier, wo es so vernünftig wäre, dem Thalmnd zu folgen, gegen den Thalmnd Opposition mache»! ״Der Mensch," lehrt die Mischna, ״muß nicht nur vor Gott. sondern auch vor den Menschen gerechtfertigt erscheinen, denn es steht geschrieben (4 M. 32. 22): daß ihr rein seid vor Gott und Israel, auch heißt es Spr. 3. 4.: ״Finde Wohlgefallen in den Augen Gottes und der Menschen (Schek. 3, 2)." Selbst Mose hat es nicht verschmäht, über die ihm anvcrtrauten Spenden zum Bane des Heiligthumeö Rechnung abzulegen (Schein, rabba Kap. 51). Die Preßb. Herren werden es also nicht übel nehmen. wenn ihnen zngemuthet wird. über die ihnen anvertrauten Gelder recht bald eine genaue Rechnung zu veröffentliche». WaS die hebr. Grammatik betrifft, wollen wir uns schon gedulden!! Red.) OsaQtuvvr, im Okt. Auch in unserer Lüc>8ka gab neulich der Judenhaß sich kund, und ich zögerte mit ter Mittheilung, bis ich authentische Kunde darüber eingeholt hatte. Die deutsche Gemeinde zn Neu-Szivatz trachtete schon längst einige ihrem Dorfe nahe liegende, dem Acrariuin gehörende Ackerstücke zu kanfen. Inzwischen gingen Hr. Schüller — ein Jude — und Hr. Merkt — ein Deutscher — heimlich nach Wien und kauften die Aecker an sich. Gleich nach deren Heimkehr ließen sich Stimmen allenthalben verlauten: ״Der Jude mnß aus unser»! Dorfe." Man war gewillt, die Trommel durch alle Gassen zum Aufruf ertönen zn lassen: daß bei Strafe Niemand in dessen Handlung etwas kaufen darf. Später eklatirte sich der Haß durch eine nächtliche Demonstration, wobei dem Inden die Fenster und Jalousien zertrümmert wurden. Nu» kam Anfangs Juli eine jüd. Bettclfamilie in das Dorf, die ihren l3 jährigen Knaben auch zn den Deutschen um Brod fechten schickte. Abends klagte zwar der Knabe, daß er an den Thürcn nicht liebreich ansgcnommcn und mit Rippenstößen abgewiesen wurde; mußte aber dennoch andern Tags den letzten Gang zum Eisenhammer mache» , denn zwischen 11 — 12 Vormitt, meldete ein Kleinrichtcr dem isr. Vorstand , er möge einen todtgcfundenrn, jüdischen Knaben abholen lassen. Es hieß, der Knabe ist zwischen das Mühlrad gerathen, obgleich keine Spur von Verletzung an dem Leichnam wahrzunehmcn war. Hr. I. Basch, ein Mitglied unserer kleinen Gemeinde, erhielt neulich von liliscrm BczirkSrabbi, seiner Religiösität und besonderu Mildtbäligkeir wegen, den Ehrentitel מירבו. Nun verlieh Hr. Kuttna Rabbiner in M.-Thercsiopel diesen Titel auch Einem in seiner Gemeinde, ans bloßer Rücksicht seines stockigen Hauses und gewaltigen ReichthtimS. Sollte Hr. Kuttna unter □רבי מכבד עשירי den Morcnutitel verstehen? Hr. Jg. Hüller, auch ein Mitglied unserer Gemeinde, hat das hiesige Postamt gekauft und hat auch die Bewilligung zur Administration desselben erhalren. I. B- Pest, Oktober. Die dieswöchcntlichc Nummer des Magyar Izrajlita wurde mit Beschlag belegt. — Dem verehrten Präses der hies. Cultnsgemeinde, der auch vor einigen Tagen mit großer Majorität zum Vizcpräscs der königl. Gesellschaft der Aerzte gewählt wurde, sind neuerdings zwei Adressen eingelaufen, die eine von der Gemeinde in Duna-Szerdahcly und eine von der Gemeinde in Schlaining im Eisenbnrger Komitate. — Die Vorlegeblättcr des Lehrers Singer aus Waitzen sind bereits erschienen, und sind jeder Schule bestens zu cmpfehlen. Pest, Okt. Der Vorstand der Pcster isr. KultuS-Gemeinde hat an den Herrn Professor Ignatz Großmann folgendes Schreiben gerichtet: ״Wir haben Ihr Ncsianationsgesnch als dirigirenden Lehrer an unserer Mädchcnschnle mit wahrem Bedauern entgegen genommen, und da Sie in der Absicht, den Lehrstand ganz aufzugeben, und sich einer andern Carriöre zn widmen, auch nach wiederholter mündlicher Rücksprache von diesem Gesuche nicht abzustchen erklären, so erübrigt uns nichts anderes, als Ihre Resignation anzunehmen; doch halten wir uns verpflichtet, in Rücksicht auf Ihre wahrhaft ausgezeichneten und verdienstvollen Leistungen an unserem gedachten Lehrinstilute, welches Sie durch eine geraume Reihe von Jahren mit so glänzendem Erfolge leiteten nnd zur Blüthe brachten, Ihnen «!!fern Dank und nufere volle Anerkennung anSznsprechen und wünschen wir Ihnen vom Herzen viel Glück zn dem neuen Berufe, den Sie nun wählen; mögen Sie stets die volle Würdigung und Anerkelinnng finden, wie Sie es bei Ihren eminenten Fähigkeiten und eifrigem Berufswirken verdienen. Pest, am 12. Oktober 1862. Der Vorstand der Pester isr. Kultusgemeinde; Dr. Hirschlcr, Präses; Jgn. Barnay, Sekretär. Hermanmestec, 14. Oktober. Gestern war ein in unseren Gemeinde-Ailnalcii unvergeßlicher Tag! Wir waren Zeugen eines Festes, das wir lange im Andenken behalten, und dessen Rückerinnerungen uns noch in spätester Zukunft Wohlthun werden. Es war ein Fest ganz eigener Art! Da floß nicht wie sonst Champagner, aber wohl sind über manche Wangen Thräncn der Rührung vor Freude und Wonne geflossen; cö ward nicht getanzt, aber allen Anwesenden von