Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 27 (30.6.1863)
- Date
- 1863-06-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2542917-2542918-2542946--3187-2547040- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
V 459 und Rabbiner in Toledo Igek. 1327). Ueber die Zulas, sigkeit eines VorbeterS verächtlicher Abkunft befragt, sagt er: ״Auch ich beschwere mich seit meiner Einwanderung in Spanien über die Vorbeter diese- Lande-, welche bloß fnngiren, um ihre angenehme Stimme hören zu lasse n. Trägt man ja kein Bedenken, entschieden Unwürdige anzustellen, sobald sie nur schön singen')!" R. Bachja b. Josef, R. Iehuda ha-Chaßib, R. Salomo b. Addereth, R. Ascher b. Jechiol, — welch ein Achtung gebietende- Quatuorvirat! WaS soll man von einer Ortbodorie Hallen, die auf solche Stimmen nicht achtet? — Bei Gelegenheit der Reibungen, welche in neuerer Zeit in verschiedenen Gemeinden Ungarnzwischen den Orlhodoren und den Nesormern statlgcfundcn haben, erklärten erstere, sich kein Haarbreit vom Schulchan Aruch entfernen zu wollen. Wie können sie eS nun wagen, mit ihren! Synagogengcsange die Vorschriften keck zu verletzen, welche R. Josef Karo und die beiden berühmten Leviten, R. David und R. Abele, ein Respekt fordernde-Triumvirat, eben im Schulchan Aruch so nachdrücklich eingeschärst haben s)? Die unterrichteten und gebildeteren Parteiführer der Orthodorie pflegen ihre» antirabbinischcn Svnagogcngesang mit ihren Parteitentenzen zu rechtfertigen. ״Wir wissen", sagen sie, ״daß R. Bachja ha-Ehaßid, R. Iehuda Ha-Ehaßid, der Raschba, der Rosch, der Mechabber, der Tnre Sahab und der Magen Abraham den Gesang unserer Ehazanim nicht billigen. ES ist unauch nicht unbekannt. daß über die herkömmliche chazanische Maltraitirnng der liturgischen Tcrte von R. I on. Ev b e sch ü tz, R. A l c ra n de r S ch o r r s) und R. Ezechiel Landau "') mit aller Entschiedenheit der Stab gebrochen wurde. Schorr sagt: ״Wenn die Zuhörer der Ehazanim in'ö Theater gingen, würden ne sich nach dem Thal mild mit einem einfachen Vergehen belasten; nun aber ist ihr Vergehen viel größer, indem sie die Komödien in dem Gott geweihten Hause, an der Stätte der Andacht und während de- Gotlc-diensteS aufführen lassen!" Letzterer klagt: ״Daist die lhörichte Weise der Ehazanim, daß dieselben, um nur ihre Stimme hören z» lassen, jede- Wort des Gebete-, dasie vvrtragen. in viele Brnchtheile brechen, so daß man nur ihre Stimme, nicht aber ihre Terte-worte hört!" — Ter Nesse Schorr'S, der Maggid R. Esraim Salom on, fand sich sogar bewogen, ein sarkastisches Gedicht im Pijjntstvle gegen die Ehazanim und deren Gesang zu verfassen. R. Ale« randcr hat diesen Pijjut in sein Werk ausgenommen, und hoffentlich wirb Dr. Michael Sachauch diese vernnglückten hebräischen Reime mit gewohnter Bravour iu'S Deutsche übersetzen. Alledieist unS gebildeten Orthodoren klar. Nichtsdestoweniger müssen wir unermüdlich daraus drin, gen, daß der herkömmliche Synazogengesang mit den Opernarien und der Radebrechung de- Tertebeibehalten und 460 durch Ehazanim von jenseitder Karpathen gepflegt werde, weil sonst die Gemeinden, die bei ihrem musikalischen Sinne den Gesang beim Gottesdienste nun einmal nicht entbehren wollen, für den modernen Gesang und in der Folge anch für andere Reformen gewonnen würden , waS wir gebildete Orthodoren natürlich verhindern müssen. Wie langeS unS gelingen werde, die Gemeinden in dieser Unmündigkeit zu erhalten, wissen wir nicht; wir werden aber nicht müde, da- Unsenge zu thun!" Da- Urtheil über dieses Raisonnement unseren freundlichen Lesern überlassend, erlauben wir unS, die ehrwürdigen orthodoren Rabbinen in Ungarn daran zu erinnern, daß die größten Autoritäten Jahrhunderte hindurch — von R. Bachja ha-Ehaßid bis R. Ezechiel Landau — über den in den Svnagogen üblichen fignrirten Gesang da- Verdammungöurtbeil auSgespiochen haben. Warum fanden ihre Warnungen in jenen wegen ihrer Ortbodorie so sehr gepriesenen Zeiten keinen Anklang nnd keine Berücksichtigung? Offenbar darum, weil sie sich rein negierend verhielten, nnd nicht im Stande waren, dem Svnagogengesange eine würdigere Richlung zu geben. Die Stimme der Vorbeter mußte daher dle Summe der Rabbinen übrrlönen, und letztere treten jetzt gar als Vertbeidiger des Gesanges ans, den ihre orthodoren Vorgänger ander Svnagoge verbannt wissen wollten. Wie läßt sich diemit ihren orthodoren Marimen in Einklang bringen? ״Der Ehor ist eine Ncuernng, daher muß dagegen anqekämpfl werden!" — Ist aber der den Tert als Nebensache behandelnde Gesang der alten Ehazanim nicht ebenfalls eine Neuerung, gegen welche die Po-lim nachdrücklich prolestirt haben? Ist die Ehor-Nenerung etwa deshalb unverzeihlich, weil sie sich mit dem geläuterten Gcschmacke verträgt, und müssen die Unarten der alten Ehazanim protegirt werden, weil sie den guten Geschmack verhöhnen? Oder darf der Ehor nicht geduldet werden, weil er den synagogalen Gotle-dienst zu Ehren bringt; und muß für die Arien von Kreutzer, Ander, Doieldicn, Belliui, Donizetti, Rossini, — für die Menuette, Ländler, Polka'-, EsärdüS und Märsche eine Lanze gebrochen werden, weil diese Produktionen geeignet sind, den traditionellen Spott über die ״Judenschul" zu lonserviren? N. Jsak Al faßt hat einen Vorbeter absehen lassen, weil der,elbe bei Gastmälern erotische Lieder gesungen "1. Die heutige Orthodorie begünstigt die Melodieen solcher Lieder selbst innerhalb der Svnagogen! Der in Ungarn beliebten Reform gegenüber sollte die Orthodorie Gewicht darauf legen, daß ihr Gottesdienst we« Niger Zeit und weniger Auslagen in Anspruch nimmt, als der reformirte EultuS. Dadurch würde sie auch auf die Reform wohlthätig wirken. Um diese günstige Position bringt sie sich aber leichtsinniger Weise, indem auch sie kostspielige Kapellen unterhält, und in unversöhnlichem Widerspruche mit