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Ben Chananja · 1866-06-20 · 25 (20.6.1866) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
25 (20.6.1866)
Date
1866-06-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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463 464 Der Ausspruch der Mischna3), daß Achitofel keinen Antheil an dem zukünftigen Leben habe, ist die einzige Stelle dieser Mischna, welche von derGemara nicht interpretirt wird. Es ist daher unerörtert, ob Achitofel wegen seiner bösen Rathschläge gegen das Haus David, oder seines begangenen Selbstmordes wegen als der Seligkeit verlustig bezeichnet wird 3). Nebst obiger Aeußerung des Rabbi Chanauja ist aber auch, nach meiner Ansicht ^), die Lehre der rabbinischen Ethik סרקי אבות der treue Ausdruck der MendelSsohn-Sokratischen Idee, daß ״wir Menschen hienieden wie die Schildwachen ausgestellt sind — und also unsere Posten nicht verlassen dürfen, bis wir abgelöst werden", denn es heißt daselbst: ״Laffe dich nicht von deinem Triebe zu dem Glauben verleiten, als ob der Tod für dich, eine Zufluchtsstätte sein dürfte; — du wurdest geschaffen ohne deine Beistimmung, du wurdest geboren ohne deine Beistimmung.du mußt leben ohne deine Beistimmung, stirbst ohne deine Beistimmung — und wirst für Alles Rechenschaft ablegen müssen bei hem Könige aller Könige, gelobt sei er^)." Eine eigentliche an die Bibel sich lehnende Lehre über den Selbstmord enthält die Haggada, und zwar führt Midrasch Nabbal) im Namen des Rabbi Jochanan folgende Deutung von 1 M. 9, 5. an: ,אך להביא החונק את עצמו יכול כשאול ת״ל אך יכולכח׳ מיש׳ ועזרי׳ ח״ל אן Ber. R. 34. Hier wird die Bibelstelle: ״Euer Blut werde ich an euch rächen" — als das Verbot des Selbstmords bezeichnet, doch . werden dabei die heldenmüthige Selbstaufopferung, wie selbe der König Saul vollführt, und das religiöse Märtyrerthum wie es die drei Männer im glühenden Ofen suchten, gottgefällige Thaten genannt. ׳ Der unsterbliche Hartwig Wessely hat-, dem Midrasch folgend, diese genannte Bibelstelstelle für so entschieden als: das Verbot des Selbstmordes betrachtet, daß er in der hier von Gott verheißenen Rache an dem Selbstmörder, einen Beweis der im Mosaismuö vorkommenden Bestrafung nach dem Tode aufgefunden zu haben angibt °). Indessen wurde das Verbot des Selbstmordes nicht unter die Zahl der biblischen Verbote aufgenommen; der Glossator Sabb. Kohen nennt ihn gleichwol ein großes Verbrechen?). Ueber die Bestattung der Selbstmörder handelt eine Baraitha im Traktate Ebel Rabbathi. Nach dieser hat man sich mit der Leiche der Selbstmörder gar nicht zu befassen. Akiba jedoch ist ber Meinung, daß man die Leiche eines solchen Unglücklichen weder schänden noch ehren soll, sondern ihm Alles zukommen lasse, was die Rücksicht auf die Ehre der Zurückgebliebenen erheischt. Indem also in solchen Fällen die sonst üblichen Tranergebräuche und Abhaltungen von Leichenreden nicht stattsinden dürfen, müssen die sonst üblichen Beerdigungszeremonien ungeschmälert stattfinden 8). Die Konstatirnng eines Selbstmordes wird ebenfalls in diesem Traktate verhandelt und nur derjenige als Selbst- Mörder betrachtet, welcher vor dem Begehen der schauerliche» ף Sanh. 10, 2. ') Die Dissidenten. welche dem Achetofet ein äußerst pompöses Leichenbegänqniß veranstalteten, scheinen ihm gegenüber das sündhafte Begehen nicht berückstchtigt zu haben. <) Ab. 4. 22. ף In meiner Hauspostille habe ich diese Mischna in diesem Sinne näher erläutert. «j Btkk Ha-Jtiim 320. י) I. Dea 345. 1. ״) I. Dea 345, 1. und S. Kohen das. Während das Abhalten von Leichenrede» überhaupt von der heutigen orthodoren Jgnoranz als Neuerung verpönt wird, haben es die Altrabbineu selbst für sechejährige Kinder der Neichen und fünsährigen Kinder der Armen ansS dringendste anbefohlen. . Die itrbei» wurden bemüsstgt, die Leichenreden zu honoriren.יורה דעה חלב׳ אבילות ש״מד א׳ טי That, sich dahin geäußert, daß er zur Vollstreckung einer Selbstentleibung schreite. Ein als erhängt Aufgefundener wird nicht als Selbstmörder betrachtet, wenn auch die Art des Erhängens und der Mangel an Zeichen geleisteter Gegeuwehr darauf hindeutet. Daß um die nach mosaischer Gerichtsordnung Hingerichteten (הרוגי בית דין) ebenfalls nicht getrauert werden darf, ha! seinen Grund nicht darin, weil der Gerichtete sich den Tod zugezogen und folglich Selbstmörder ist, sondern weil ihm überhaupt als Uebelthäter kein ehrliches Begräbniß zukommt3), indessen die wegen Raub oder Diebstahl nach dem דין מלכות Hingerichteten in allen Beziehungen den eines natürlichen Todes Verstorbenen gleich zu beachten und zu behandeln sind Bezeichnend ist es noch, daß auf eine dem Selbstmorde etwa vorausgegangenen Seelenstörung (מירון הרעת) in den rabbinischen Lehren nicht reflektirt wird; während die heutigen polizeilichen Gesetze zwar den vollbrachten Selbstmord einem Akre der öffentlichen Mißbilligung unterwerfen; — aber durch jeden thunlichen Nachweis einer voraüsgegaugenen Geistestrübung dem Kadaver eines sich selbst entleibten Unglücklichen die vollste Nachsicht gewähren. Ich kann diese meine Skizze über den Selbstmord nach rabbinischem Standpunkte nicht schließen, ohne in unserer Zeit, wo der leidige Materialismus in Allem, nur nicht im Vertrauen auf Gott, seine Rechnung zu finden sucht; —und gerade in jenen Kreisen, wo man von der Höhe moderner Civilisation auf die Niederungen des Alterthumes mit vornehmer Verdammung herabblickt, die erschütternden Katastrophen von Selbstentleibungen zu den stehenden Tagesneuigleiten gehören; ich kann nicht schließen, sage ich, ohne hier in diesem Blatte ein jüdisches Mittel zu annonciren, ,welches das beste Präservativ' gegen die zum Selbstmorde führenden Motive ist: Ein durch tausendjährige Erfahrung approbirtes Mittel, welches billig zu haben, untrüglich ist — und ein königliches Privilegium besitzt. Es besteht in dem öftern Lesen und Eindringen in den Geist der königlichen Psalmen Davids. Dort wird der von Miriaden Verfolgte lernen, wie Menschen uns nichts anhaben können, wenn Gott uns beisteht; — den an seiner Ehre Gekränkten wir der Ausdruck beruhigen: ״Du Gott bist meine Ehre , du richtest mein Haupt empor"; der auf seinem Bette Nächte weinend sitzt, wird rufen lernen: ״Weichet von mir ihr übelwirkenden Gedanken, Gott hört mein Weinen und Flehen"; — dem vom trügerischen Mamonschwindel irre Gewordenen werden Schätze gezeigt werden, die ״beglückender als Tausende in Gold und Silber" sind; ja, der aus den heiligen Psalmen wehende Geist des Vertrauens auf Gott, wirb jede Furcht brechen — jede Versuchung verscheuchen, jede Sorge mildern; und auch der wegen begangener Unthaten quälenden Selbstverdammniß durch gottergebene wirkliche Reue den tiefwühlenden Stachel die Verzweiflung benehmen. Z u r ä ü tu e (j r. Bon Aron Ko hu, Direktor der k. israelitischen Musterhauptschule zu Temesvar. In Nr. 13. und 14. der ״Allgemeinen deutschen Lehrerzeitung" von diesem Jahre bemüht sich Herr Dr. O. Fiedler einen Lehrgang für den ״Religionsunterricht in der Oberklaffe" aufzustellen und will er's auf dieser Stufe dem ReligionSlehrer zur vorzüglichsten Aufgabe machen, die unterscheidenden Merkmale des Christenthums vom Mosaismus ganz besonders hervorzuheben. Dagegen ließe sich wvl nichts 9) Sanh. 47, a. ">) I. Dea 345, 2.

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