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Jüdisches Gemeindeblatt Dresden · 1937-09-14 · 18 (14.9.1937) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
Volume
XIII (1937)
Issue
18 (14.9.1937)
Date
1937-09-14
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 2 'GEMEINDEBLATT DER ISRAELITtSCHEN.RELIGIONSOEMElNDE DRESDEN Nr. 19 / 1.10/37 -;--— j. t. s. v. GesellsdialJsabend, ..mawi* «n,*« ihour. BST Kodlbd Sonnabend, den 2. Oktober 1937 im Trianon, Trabantengasse Herta/uhrmann-Falk singt — Tanzkapelle Sonnenschein spielt — Sportliche Einlagen Beginn 20 Uhr a Eintritt RM 1.25 Vorverkauf RM 1.— bei Wäsche-Markus, König-Johann Straße 10 Buch- EiniaB 19 Uhr W handlung Karl Strauß, Waisenhausstraße 26 Zigarren-Geschäft Fischer, Große Brüdergasse 21 talmudisch Gebildete unverkennbar. Aber das l'art-pour-f art Prinzip, das Lernen um des Lernens willen, brachte Gefahren mit sich. Es löste sich der Geist von den realen Wurzeln und baute Luftschlosser. Der Talmud ist ein Erklärungssystem. Bibel, ältere Überlieferungen und Lehrsätze sollen ausgelegt werden. Widersprüche müssen gelöst, Schwierigkeiten beseitigt werden. Entweder geht man den kritisch-analytischen Weg, oder den dialektischscholastischen. Da Bibel und Überlieferung unantastbar sind, wurde oft die zweite Methode angewandt. Hier nun ist die Gefahr der Übertreibung groß. Geistreicher Scharfsinn findet nicht mehr Genüge in (der einlachen Interpretation, er will den geistigen Kunstbaut das kunstvoll gesponnene Gewebe. Er will den Filpul. Diesen Weg ging die talmudische Wissenschaft in Polen. Der Geist, überschart, erging sich in Haarspaltereien und baute auf spinnwebenen Fundamenten fatamerganischartige Gebilde, die beim leisesten kritischen Windhauch spurlos verwehten. Es war viel Pnantasie dann, viel Geist und Witz. Aber was geistreich ist, ist noch lange nicht richtig, Die Methode des Pilpul wurde zu einer geistigen Venrrung. .aus inr mußte, sollte der wissenscnafthche üeist im Judentum nicht durcn Lberverteinerung entarten, herausgeführt werden. Dies tat der Gaon von Wilna. üaon v Gaon;heißt: Größe. So nannte man viele Gelehrte. Der Gaon schlecntbin hieß nur Rabbi EHjahu. Das entspricht seinem Bild, es ist das Maß seiner Gestalt. Sagen wir, der Gaon, so sehen wir seine Figur vor uns — steinernes Monument. Monumental, unerschütterlich, überlebensgroß ragt er, ein geistiges Wahrzeichen» in die Erinnerung hinein. Wie manche große Manner stellt man sich ihn als gleichsam fertig auf die Welt gekommene Persönlichkeit vor. Ohfie Jugend, ohne Lebenswandel und ohne Wandlung. In der Tat, so scheint es auch gewesen zu sein. Mit sieben |anren halt er schon talmudische Vorträge. In frühesten Jahren beherrscht er die ganze talmudische und nachtalmudische Literatur, er braucht keine Bacher mehr, er kennt sie auswendig. Eine Talmudschule' besucht er nicht. Er kann daher, ohne Lenrereinfiusse, seine eigenen Wege gehen. Kritisch-analytisch veranlagt, lehnt er sich gegen künstliche Truggewebe und tundamentlose Luftschlösser auf. Nicht geistreiche Rede, sondern Analyse, nicht Pnantasiegebilde, sondern v erstandeserklarung. Kein Pilpul. Er kommentiert auf diese Art die bibel, den Talmud und den Schulchan-Aruch. Aus dieser Geisteshaltung resultiert sein Hang zu exakten Wissenschaften: Mathematik, Astronomie, Medizin und Grammatik. Er erklärt sie, die bei allen polnischen Rabbinen verpönten, als für das Thorastudium nötig. Mit Grammatik kann man manche Bibelstellen erklären, Mathematik und Astronomie helfen in Kalenderfragen weiter. Daher läßt er durch einen Schüler die Geometrielehre des Euklid ins Hebräische übersetzen, regt eine Josephusübersetzung an, schreibt eine Geographie Palästinas und, eine hebräische Grammatik; er setzt sich auch für eine Wiederherstellung des alten talmudischen Bildungsprogramms ein: Bibel, Grammatik, Mischna, üemara. Nicht aber soll, wie damals und auch heute noch in Polen üblich, gleich mit der komplizierten Gemara angefangen werden. Ist er ein Aufklärer gewesen? Keineswegsl Die Philosophie verurteilte er, weil sie dem .reinen Glauben konträr sei. Die zersetzende Aufklärung haßte und bekämpfte er; er war ein Rigorist in ritual-gesetzlichen Fragen. Und doch trug die Erneuerung des Denkens und der geistigen Bildung dazu bei, daß der Boden für die späteren Neuerungsbestrebungen der Aufklärung aufgelockert wurde. Fortsetzung in nächster Nummer. Millllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllliilllllllllllllll^illliilllilllllMiMllllllllllllllllflllll Wintersemester 1937/38 Es beginnen zunächst folgende Vorlesungen: Rabbiner Dr. Wolf : „Jüdische Geschiente im Rahmen der Weltgeschichte** (Fortsetzung vom Sommersemester: Vom Babyionischen Exil bis zum Ausgang des Mittelalters.) 8 Abende, und zwar jeweils Donnerstag: 7. und 21. Oktober, 4. und 18. November, Dezember, 6. und 20. Januar, 3. Februar. \ 1 ' Cand. ehem. Levi: „Einführung in die Cnemie" (Mit Experimenten und Lichtbildern.) 0 Abende, und zwar jeweils Dienstag: 12^Oktober: Geschichte der chemischen Forschung. Allk gemeine Gesetze. Das Geheimnis der chemischen Formel. 19. Oktober: Beispiele aus der anorganischen Chemie. 2. November: Beispiele aus der organischen Chemie. 16. November: Chemisch-technische Prozesse. 30. November: Die technische Herstellung von Naturstoffen, künstliche Seide, Gummi, Kunstharz. 7. Dezember: Treib- und Wirkstoffe in der Natur. (Fermente, Vitamine, Hormone.) Der Kurs soll eine Einführung in das Denken und Schaffen der Chemie sein; es sollen aber auch die modernen Ergebnisse der chemischen Forschung berücksichtigt werden, besonders auf den Gebieten der industriellen und der biologischen Chemie. An dem Kursus kann jeder teilnehmen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, da alle Begriffe von Grund auf entwickelt werden. Ganz besonders sollen die Vorträge sich an jüngere Menschen richten. Aber jeder, der Lust und Liebe zur Sache hat, ist erwünscht. Spezielle Wünsche, Interessen für irgendwelche andere als die oben skizzierten Gebiete können berücksichtigt werden. Es wird lediglich gebeten, sich früh genug, möglichst vor Beginn des Kursus, mit dem Dozenten (Siegfried Levi, A 24, Winkelmannstraße 12) in Verbindung zu setzen, damit Versuche vorbereitet werden können und Anschauungsmaterial beschafft werden kann. Frau Professor Büttner: „Die jüdischen Gebete " (Fortsetzung vom Sommersemester: Sabbat - Vormittagsgottesdienst, Feiertagsgebete, Häusliche Gebete). 6 Abende, und zwar jeweils' Dienstags. Beginn: 26. Oktober. 111 11 II I M 111111111111 H 111111111111111 II M 11 II IM 111111111111111 M 11 II 111 II 11111111111111111111 M II 111111111111 H M 1111111 S. MATTE RS DORFF rBrDnwnpT GEGRÜNDET PRIVATBANKHAUS 18 4 9 SEESTRASSE 14 RUF 25955

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