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Die Gegenwart · 1868-01-24 · 4 (24.1.1868) · p. Seite 15

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Journal
Die Gegenwart
Volume
2 (1868)
Issue
4 (24.1.1868)
Date
1868-01-24
Page
Seite 15 (sequence 1)
Language
German
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-r Die Gegenwart. ■)atnrttni Mr kk »»»««!>»« M« jytkiti•■. *■-»-.» - *Ti . fc.1 - M JlfnnVMRfiV f>» NSW > VAtzRMHW» fftU.gnk IV, «•>. Berliner Wochenschrift für Jüdische Angelegenheiten. Freitag, de« 84. Januar. Ko. 4. Zweiter Jahrgang. 1868. Inhalt Carmpralnin■: Leipzig, Lllevstnn, Bukarest. — SRuntere] unb tr&bc Gedanke» am Bücherüsche. (Schluß.) — Der babylonische Jesaja. (Fortsetzung.)-Inserate. -r Leipzig, den 8. Januar. Seit IO Jahren feiert der hiestge ״Berein zur Förderung geistiger Interessen im Jndenthum" alljährlich am 4. Januar da- Andenken Mendelssohns. Auch in diesem Jahre fand demgemäß eine Festfeier statt, deren Mittel- Punkt die Rede de» Herrn vr. Goldschmidt bildete. Die leh- Hafteste Theilnahme begleitete den etwa eine Stunde dauernden Bortrag, dessen belehrender und anregender Inhalt durch die geistvolle Behandlung auch für diejenigen fesselnd war, die dem Gegenstand« ferne stehen. ״Nicht sowohl in dem, waS hervorragende Geister geleistet, sondern in dem, wozu sie die Anregung gegeben" läge ihre Bedeutung und nachhaltige. Wirkung. So waren e» denn die Jün- | ger Mendelssohn», die Festsetzer seiner Bestrebungen, die der; Redner in kurzen, aber anziehenden Umrissen behandelte. Wie Mendelssohn vontehmlich durch seine Bibelübersetzung auf die Sprache der Juden einen regenerittnden Einfluß auSgeübt hatte, indem er dadurch ihrer Erziehung Und Bildung ein deutsche» Gepräge gab, so hatten seine Jünger David Friedländer und Hartwig Wessely, der erste durch Errichtung von Schulen, der andere durch schriftliche Anregungen für diesen Zweck eine« bedeutsamen J Schritt für die deutsch-nationale Erziehung der Juden gethan. Selbstverständlich konnte e» nicht lange dauern und die in 'den deutschen Schulen gebildete Jagend mußte ein« Gottesdienst verlangen, der von dem neuen BtldungSelemente, da» fle in sich aufgenoarmen, erfüllt war. A«ch hier, wie bei den Schulen, hatte Mendelssohn die Anregung gegeben. Go wie der Plan zu ver ln Berlin gegründeten erst« Schale, so rührt auch die erste deutsche Predigt von Mendelssohn her. Doch sollte der deutschen Prtdigt im jüdischen Gotte-Hause erst viel später die Stätte bereitet werden. Unmittelbar nach Mendelssohn folgte eine Periode de» trockenen Rationalismus, derz den Schulen nicht hinderlich, der religtvsen Stimmung aber, wie sie dir Predigt verlangt, nicht gerecht zu werden im Stande war. Erst 1827 warm e» drei MS (Mer, die fast gleichzeitig an dtrschiedmm Punkten Deutschland« dmi religiös« Bedürfniß und de« fortgeschrittenen SultUrbtdllrfniß den enssprecheudm Ausdruck Haben. Gotthold Salomo und -leh in Hamburg und ÄqüNheimer in Wien, so verschieden ln ihr« persönlichen Anlagen, tvareN gleich erfüllt von echter Begeisterung für die angestammte Religion wie für die Eultur unseres Jahrhundert», Ausgestattet Mit ungewöhnlichen Rednergaben, wußten sie nicht blo» Herzen zu gewinnen, sondern auch den Efejstzu beschäftigen.!Hie $rc* digt hatte damals eine Aufgabe, die nicht damit sich genügen konnte, da« Gemüth zu rühren, — fle hatte vornehmlich die Auf» gäbe, da« Bewußtsein zu stärken und zu kräftigen, daß nicht bei dem Anprall so vieler Anregungen, denen da» jüdische Leben, da» bereits gesättigt von den neuen Eulturbeziehungrn war, sich selbst verliere, und fähig sei, da» zu fordern und zu erkämpfen, was sie nach der vorauSgrgangen« Srlbstarbeit da» Recht und die Pflicht hatten: staatliche Gleichstellung. Mendelssohn und die Gemeinde in Berlin hatten auch hier den Anfang gemacht: ersterer in seinem ״Jerusalem", und letztere in den Vorstellungen bei der Regierung ״für die staatsbürgerliche Stellung der Juden". In dirsem Sinne wurde weiter supplicirt und petitionirt; an allen Ecken und Enden Deutschland», bei den vielen verschieden« Regierungen, wurde da» Gesagte tausendfach wiederholt — bald mit mehr, bald mit weniger Erfolg. Seine eigenttiche Vertretung und Verkörperung aber fand da» bereit» erstarkte Selbstbewußtsein und mit chm die kühne Forderung de» Anrechte» jede» Menschen, also auch de» Jud«, in Gabriel Riester, der zu« erst« Mele oicht wie eia PetitisniRnder um Duldung und Aufnahme in dm EtaatSverband Regierung und Volksvertretung bat, sondern wie «in Mann forderte und wie rin Manu kämpfte. So hatten die voit Mendelssohn ausgegangenen Anregungen auf Schule, Gemeinde, Staat gewirkt, — doch ist damit die Grenze seine» reichen Leben» nicht bezeichnet. Die Wissmfchast, diese Grundlage geistigen Leb««, der Quell, der es befruchtet, daß die schöne Form nicht zur hohlen, inhaltsleeren werde, auch dieft hatte seit Mendelssohn eine früher nie geahnte Vertiefung, erfahren. ( ' Au» der Reihe derer, die die jüdische Wissenschaft gefördert, hob der Redner besonder» dm noch lebenden 73 jährigen Zunz hervor. Zum Schluffe widmete er dem Andenken de» ebenfalls um jüdische Wissenschaft verdienten Salomo Jehudah Rappoport einige erhebende Worte. Wie der Redner überhaupt dm allgemein geschichtlichen GesichtSpunkt bei Betrachtung seine» Gegenstände« stet» im Auge behielt, so zeigte er auch hier, daß, wie die allgemeine Richtung in Deutschland in den zwanziger Jahre» nach de« MittelaUer drängte, auch die Jud« in dieser Richtung beeinflußt wurden. Und hier waren e« Zunz und Nappoport, die da« jüdische Mittelaftrr mit seineu hervorragend« Gestalten zugänglich und gmießbas gemacht. Au« Schutt und Trümmern einer fast verschollen« Zeit zog der keine Mühe scheumd« Gelehrtenfleiß Lichtgestaltrn hervor, wie die rioe» Saadia» au« dem 9. Jahrhundert, sowie die fast zur Mythe gewordene de» religiösen Dichters Elasar ha ftailhr,, die de» Lrzstcographsu Nathan brn Jechiel au» dem!1. Jahrhundert. ' , .. . ,Wir schlichen d« Bericht mit der Bitte an d« Redner, bim Vortrag,- durch dm Druck veröffmtlichen zu voll«, damit

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