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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1934-07-01 · 13 (1.7.1934) · p. Seite 267

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
10 (1934)
Issue
13 (1.7.1934)
Date
1934-07-01
Page
Seite 267 (sequence 7)
Language
German
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Ni^ 13 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 267 solcher Betrieb schon da? Diese Fragestellung ist heute falsch, wenigstens in den meisten Fällen, und sie kann nur dazu führen, daß die qualitative Auslese verhindert wird, deren wir bei uns noch dringend bedürfen. In Zusammenhang hiermit steht auch das große Problem der Heranbildung eines zahlenmäßig ausreichenden Facharbeiterstammes. Gewiß haben wir bereits eine bedeutende Anzahl hochqualifizierter Facharbeiter. Aber noch größer ist die Anzahl der schlecht ausgebildeten Menschen, und hierin sehe ich einen für die Zukunft unserer industriellen Entwicklung ganz entscheidenden Punkt. Und weiterhin ist hierfür entscheidend die Organisierung des im Lande heute reichlich vorhandenen anlagesuchenden Kapitals für industrielle Investitionszwecke. In dieser Hinsicht bleibt noch so gut wie alles zu tun übrig, und es ist zu hoffen, daß die Ansätze, die jetzt auch in dieser Hinsicht vorhanden sind, recht bald eine praktische Bedeutung erlangen. Die Kapitalistengrenze von 1000 <£ schafft gerade in dieser Hinsicht besondere Aufgaben, deren Lösung für die industrielle Entwicklung des Landes eine dringende Notwendigkeit darstellt. Aufruf! An unsere Jugend und ihre Eltern! Im Einvernehmen mit dem bayerischen Beauftragten der Reichsjugendführung und mit der bayerischen politischen Polizei ist nach Genehmigung durch die örtlichen Behörden die Betätigung der jüdischen J u - gendorganisationen, die unserem Landesausschuß unterstellt sind, wieder gestattet. Damit ist es den Bünden möglich, im Rahmen der erlassenen, durchaus erfüllbaren behördlichen Auflagen wieder Heimnachmittage und Heimabende abzuhalten und auf Wanderung zu gehen. Mehr denn je ist es heute eine Notwendigkeit geworden, daß die gesamte jüdische Jugend, der andere Gelegenheiten der Gemeinschaftspflege fehlen, von diesen Betätigungsmöglichkeiten unter Führung unserer Gruppenleiter Gebrauch macht. Wir hoffen und erwarten daher, daß in weitgehendem Maße die jüdische Jugend, soweit sie bisher noch nicht organisiert ist, sich den bestehenden Bünden anschließt und dadurch mitwirkt, die geistige und körperliche Entwicklung unserer jüdischen Jugend zu fördern. Wir hoffen und erwarten aber auch von den Eltern, daß sie die Bedeutung der bündischen Arbeit erkennen und den Eintritt und die Mitarbeit ihrer Kinder bei den Jugendbünden in jeder Weise unterstützen. Es sind genaueste Anweisungen getroffen, die den gegenwärtigen Verhältnissen nach jeder Richtung Rechnung tragen und deren Einhaltung dauernd überprüft wird, so daß nach dieser Richtung Bedenken nicht zu bestehen brauchen. Soweit Aufklärungen noch gewünscht werden, steht unsere Geschäftsstelle, Nürnberg, Neue Gasse 12, jederzeit zur Verfügung. Und nun auf zu gemeinsamer, praktischer Arbeit! Nürnberg, den 15. Juni 1934. Landesausschuß Bayern der jüdischen Jugendverbände Dr. Teutsch, Nürnberg. LUDWIG GRI BER Odeonaplatz 17 Ge9chäft des Qualitätsranchers! Aus dem Heiligen Land 1. Ein Pionier des Zionismus Ein Anderer und doch derselbe Von Prof. Heinrich Loewe (Tel-Awiw) (Original-Bericht der BJG.) Am 16. Ijar dieses Jahres sind es siebzig Jahre gewesen, daß Nathan Birnbaum in Wien, aber von galizischen Eltern, geboren wurde. Damit ist schon genau bezeichnet, welches Erbe der Knabe angetreten hat und welchen Bildungsgang der Knabe gehen konnte. Die Familie Birnbaum war ein jüdisch gebildetes und intelligentes Geschlecht gewesen und Nathan ist nicht ihr Einziger, wenn auch der bedeutendste Vertreter, der in die jüdische Öffentlichkeit getreten ist. Nathan Birnbaum ist eine historische Persönlichkeit, deren Bedeutung zum Teil in der Vergangenheit liegt, obgleich er nicht bloß noch lebt, sondern auch noch wirkt und schafft. Aber gerade die ältesten Zionisten sind es, die sich am meisten dessen bewußt sind, welchen großen und bestimmenden Einfluß Birnbaum aui die Gestaltung und Entwicklung national-jüdischer Weltanschauung ausgeübt hat, und wie sie sehr selbst von ihm beeinflußt worden sind. Wenigstens kein westeuropäischer Zionist älterer Generation ist direkt oder indirekt von ihm unbeeinflußt geblieben, am wenigsten wir deutschen Zionisten, die mit ihm Schulter an Schulter in der vor-Herzl'schen Zeit das Gedankensystem nationaljüdischer Geschichtsbetrachtung ausgebaut und die Keime zionistischer Volksarbeit gepflanzt haben. Dreizehn Jahre, ehe Herzls Judenstaat erschien, hat Nathan Birnbaum zusammen mit Theodor Schnierer, Oser Kokesch und vor allem auch Rüben Bierer den ersten jüdisch-nationalen Studentenverein „Kadimah" in Wien gegründet. Bald darauf hat er die erste nationaljüdische Zeitschrift „Selbst-Emanzipation" ins Leben gerufen, die zwar kaum jemals regelmäßig erschienen ist, und sogar einmal mehrere Jahre lang nicht herauskam, die aber doch Grundlegendes für die zionistische Bewegung bedeutet. Von ihr geht eine gerade Linie über die berlinische „Jüdische Volkszeitung'*, den „Zion" zur „Welt" und besonders zur „Jüdischen Rundschau". Selbst der Name „Zionismus" und das Wort „zionistisch" sind von Birnbaum geschaffen worden. Es war die taktisch notwendige Übersetzung von „Chowewe-Zion", das bis dahin wenig zugkräftig im Deutschen mit „Zionsfreunde" wiedergegeben worden war. Zugleich bedeutete es für viele seiner Mitkämpfer den Übergang von einer bis dahin sich als Philanthropie geberdenden Vorarbeit zu einer grundsätzlich und öffentlich auftretenden politischen Bewegung. So kam es, daß Theodor Herzl, besonders in Wien und Berlin, aber auch in Galizien, bereits eine kleine, organisierte und zielbewußte Partei vorfand, ehe er sie begründete. In dieser Beziehung war Birnbaum der wichtigste Vorgänger von Dr. Theodor Herzl. Die Eigenart Birnbaums ist es, Problemen gedanklich nachzugehen und sie, und mit ihnen sich selbst gedanklich zu zergliedern. Das ist sein großer Vorzug. Aber zugleich liegt hier seine Schwäche. Er will im Verlaufe seiner Selbstkritik ein anderer werden. Und so verwandelte er sich selber noch in der vor-Herzl'schen Zeit in einen Mathias Acher, der ein anderer als bisher sein wollte und es auch zu zeigen das Bedürfnis fühlte. Aber so sehr er Probleme wälzt, ist er doch niemals eine problematische Natur gewesen, und obwohl er zeitweilig so aussieht, als habe er seine ganze Vergangenheit verworfen, M. ^ILKEKTHAI cV CO. KAUFIN <x ERSTRASSE 10 Das Haus für hübsche Geschenke in Uhren Schmuck Silberwaren

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