Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 5 (23.5.1927)
- Article
- Inhalt
- Date
- 1927-05-23
- Page
- Seite 133 (sequence 1)
- Language
- German
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HagerLsche Nachrichtenblatt öer Israelitischen Kultusgemeinöe in München unü öes ÄerbanüeS Bayerischer Israelitischer Gemeinüen Israellttsche Gememüezettung Lrscheint am Anfang jeüen Monats. — Verlag: S. Heller/ München, Herzog Marstraste 4/ Kernspcechec 5)opp, Postscheckkonto Nr. 3987 München. Schristleitung: Dr. Lugen Schmiöt, Rechtsanwalt ln München, Karlstraste 6. Bezugspreis für nicht eingewiesene Bezieher: Mark 4.— für öas Aahr. Anzeigenpreis: Oie 4 gespaltene nun - Zeile 40 Pfennige. Zamilienanzeigen, Stellengesuche unö ähnliche Angebote 15 Pfennige. f?£7 München, LZ. Mm Ar. 5 Inhalt: Die Bibliothek des Diplomaten Johann Albrecht Widmanstetter (1506—1557) — Die Sittenlehre des Judentums, eine Betrachtung zum Feste der Offenbarung — Bericht über die Verhandlungen der 5. Tagung -des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden — Lehrerzeitung — Aus dem Verbände — Aus der Gemeinde — Bücherschau — Vereine — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden: Bekanntmachung über die Besetzung der Ausschüsse, Schiedsgerichte und Disziplinargerichte des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden — Bekanntmachung über soziale und kulturelle Wohlfahrtsrente — Bekanntmachung über die Kultusumlagen der Lohnsteuerpflichtigen — Bekanntmachungen der Israelitischen Kultusgemeinde München: Bekanntmachung über Behebung von Schäden an Grabstätten des alten Friedhofes an der Thalkirchner Straße — Bekanntmachung über Telephonanschluß — Bekanntmachung über die Einzahlung der Mieten für Befftühle für das Mietjahr 1927/28 — Perfonalia. bebrüische Büchereien im Bediele des heutigen Bayern Von Dr. Josef Prys (München) Entgegen naheliegender Vermutung findet man in Deutschland bedeutendere Sammlungen hebräischer Bücher, namentlich vor der Emanzipation der Juden, nur selten in jüdischer Hand. Abgesehen davon, daß die allgemeine Rechtsunsicherheit der Juden dem Sammeleifer nicht förderlich sein konnte, mußten jüdische Bücherbesitzer oft Schikanen von seiten weltlicher und kirchlicher Behörden erdulden. So fand im Jahre 1702 in Fürth auf die Denunziation eines abtrünnigen Juden hin eine Konfiskation hebräischer Bücher statt, von denen sich ein Rest noch heute in der Regierungsbibliothek in Ansbach befindet. Wo sich aber hebräische Büchereien im jüdischen Besitze befanden, fielen sie in der Regel zunächst durch Verkauf oder Erbgang der Zersplitterung anheim. Der neue Besitzer hatte sodann häufig entweder kein Verständnis für den inneren und äußeren Wert der Bücher und überließ sie in einer dunklen Ecke seines Hauses ihrem Schicksal, oder er wußte wohl den Inhalt, aber nicht den stofflichen Wert des Buches zu schätzen: Das Buch wurde nicht nur gebraucht, es wurde verbraucht. Unter diesen Umständen gibt es nur wenig hebräische Büchereien, die sich bis auf -die heutige Zeit geschloffen erhielten. Das bekannteste Beispiel hierfür ist die berühmte Bibliothek des 1716 gestorbenen Rabbi David Oppenheimer aus Worms, Rabbiners in Nikolsburg in Mähren. Das Schicksal dieser Bibliothek, der umfangreichsten, die man bis dahin kannte, - sie umfaßte siebentausend Druckwerke und über tausend Handschriften —, ist typisch für das vieler anderer Bibliotheken. Aus ihm erkennen wir, welcher Wagemut für einen Juden dazu gehörte, eine hebräische Bücherei zu gründen. Die Prager Zensurbehörde schikanierte nämlich den Rabbi derartig, daß er sich genötigt sah, die Bibliothek bei seinem Schwiegervater in Hannover aufzubewahren. Nach dem Tode David Oppenheimers und seines Sohnes wurde die ganze Bibliothek verpfändet. Sie blieb über 50 Jahre in Kisten verpackt und wurde endlich i. I. 1826 von der Bibliotheca Bodleiana in Oxford in England, deren Zierde sie heute noch bildet, um ganze 9000 Thaler erworben. Allerdings — auch Bibliotheken in christlichen Händen teilten das Schicksal ihres Besitzers und seines Kreises: Nur daß es hier eben nicht wie bei jüdischen Besitzern in der Regel gerade ein schlimmes Schicksal ist, in das sich Person und Sache teilen. Wenn Krieg ins Land kam, ließ freilich der Sieger oft seinen Unmut oder seinen Übermut an den wehrlosen Büchern des unterlegenen Gegners aus. Viele Bücher wurden beschädigt oder vernichtet, im besten Falle wurden sie nebst anderen Kunstschätzen unversehrt dahin und dorthin entführt. Dies geschah z. B. während des Dreißigjährigen Krieges mit den kostbaren Bücherschätzen der Palatina in Heidelberg, die auch hebräische Werke aus Reuchlins Hinterlaffenschaft enthielten und die von Maximilian von Bayern im Jahre 1623 nach Eroberung der Stadt durch Tilly dem Vatikan geschenkt wurden. Aber auf der anderen Seite ruhten durch die Jahrhunderte hindurch Tausende und Abertausende von Handschriften und Druckwerken — auch viele hebräische — sorgsam eingeordnet und behütet, zeitentrückt wie ihre Herren, in den Klöstern des Morgen- und Abendlandes. Es entbehrt nicht der Tragik, ist aber im tragischen Verlauf der äußeren Geschichte der Juden hinreichend begründet, daß wertvolle hebräische Werke oder Bibliotheken in der Regel vermittels nichtjüdischer Erft- oder Nachbesitzer auf uns gekommen sind.